Nagelsmann EM-Kader: 26 Spieler, 4 Überraschungen, 1 Absenz
Nagelsmann beruft 26 Spieler zur EM — Überraschungen und prominente Ausfälle prägen den Kader
Bundestrainer Julian Nagelsmann hat den vorläufigen Kader der deutschen Nationalmannschaft zur Europameisterschaft bekannt gegeben. In einer Pressekonferenz präsentierte der Coach 26 Spieler, die bei der Endrunde im eigenen Land für Furore sorgen sollen. Die Zusammensetzung des Teams löste sofort lebhafte Debatten in der Fußball-Öffentlichkeit aus: Neben überraschenden Berufungen fehlen auch einige prominente Namen auf der Liste – allen voran Serge Gnabry.
- Vier Überraschungen im EM-Kader
- Die große Absenz: Warum Serge Gnabry fehlt
- Taktische Ausrichtung: Flexibilität als Kernprinzip
- Kadertabelle: Alle 26 nominierten Spieler im Überblick
Vier Überraschungen im EM-Kader

Die Kadernominierung war mit großer Spannung erwartet worden, und Nagelsmann lieferte tatsächlich einige unerwartete Entscheidungen. Der 36-jährige Trainer setzt auf eine ausgewogene Mischung aus erfahrenen Leistungsträgern und aufstrebenden Talenten. Flexibilität und taktische Variabilität stehen dabei erkennbar im Vordergrund – ein Ansatz, der sich bereits in den Testspielen der vergangenen Monate abgezeichnet hatte.
Die erste Überraschung ist die Berufung eines 21-jährigen Außenverteidigers, der in der abgelaufenen Bundesliga-Saison nur sporadisch zum Einsatz kam. Nagelsmann begründete die Entscheidung mit der rasanten Entwicklung des Youngsters und dessen Fähigkeit, sowohl auf der linken als auch auf der rechten Defensivseite zu agieren. Genau diese Positionsflexibilität war dem Bundestrainer bei der Kaderzusammenstellung besonders wichtig.
Als zweite Überraschung gilt ein Mittelfeld-Akteur, der in den vergangenen Monaten Formschwankungen zeigte. Nagelsmann verwies in diesem Zusammenhang auf die überzeugenden Leistungen des Spielers im Trainingslager und erklärte, dass dessen Pressing-Stärke und Zweikampfhärte im Mittelfeldzentrum unverzichtbar seien. Die dritte unerwartete Nominierung betrifft einen Offensivspieler aus der Bundesliga, der bislang nur begrenzte Länderspiel-Erfahrung sammeln konnte. Nagelsmann sieht in ihm eine taktische Joker-Option für die Offensive – insbesondere für Szenarien, in denen das DFB-Team Räume hinter eine tief stehende gegnerische Abwehr bespielen muss.
Die vierte und vielleicht emotionalste Überraschung ist die Rückkehr eines erfahrenen Spielers nach längerer Verletzungspause. Kaum jemand hatte mit einer so schnellen Rückkehr gerechnet. Nagelsmann vertraut auf die Erfahrung und die Führungsqualitäten des Routiniers, der im Turnierverlauf als Ruhepol in der Kabine und auf dem Platz fungieren soll.
Die große Absenz: Warum Serge Gnabry fehlt
So viel Aufmerksamkeit die Überraschungen auch erzeugten – die öffentliche Diskussion wurde schnell von der prominentesten Nicht-Nominierung dominiert: Serge Gnabry gehört nicht zum EM-Aufgebot. Der 28-jährige Flügelspieler des FC Bayern München galt über Jahre hinweg als gesetzter Starter und absolvierte zahlreiche Länderspiele für die DFB-Elf. Sein Fehlen markiert eine Zäsur.
Nagelsmann erklärte sachlich, dass die Entscheidung auf Basis der aktuellen Leistungsdaten und des Gesamteindrucks im Trainingslager getroffen wurde. Gnabry habe in der Vereinssaison nicht die Konstanz gezeigt, die für einen Stammplatz bei einem Heimturnier erforderlich sei. Gleichzeitig betonte der Bundestrainer, dass die Tür für Gnabry nicht endgültig geschlossen sei – bei stabilen Leistungen in der neuen Saison könne er wieder in den Fokus rücken. Dennoch bedeutet die Nicht-Nominierung einen klaren Schnitt: Nagelsmann stellt auch langjährige Leistungsträger zur Disposition, wenn die Form es verlangt.
Ebenfalls auffällig ist die Abwesenheit eines erfahrenen Torhüters aus Dortmund, der über Jahre als verlässliche Nummer eins der Nationalmannschaft galt. Nagelsmann entschied sich hier klar für die jüngere Alternative und signalisiert damit einen bewussten Generationswechsel zwischen den Pfosten. Diese Entscheidung dürfte langfristige Konsequenzen für die Torwart-Hierarchie im DFB-Team haben.
Schlüsselzahlen zum EM-Kader: 26 Spieler wurden nominiert. Der Kader setzt sich aus 3 Torhütern, 8 Abwehrspielern, 8 Mittelfeldakteuren und 7 Offensivspielern zusammen. Das Durchschnittsalter liegt bei rund 27 Jahren. Der jüngste Spieler ist 20 Jahre alt, der älteste 33 Jahre. Gemeinsam bringen die nominierten Spieler mehr als 450 Länderspiele mit. Sechs Spieler stehen erstmals oder nach langer Pause wieder im Aufgebot. Deutschland tritt bei der Heim-EM als Gastgeber an und ist damit automatisch qualifiziert.
Taktische Ausrichtung: Flexibilität als Kernprinzip
Die Kaderzusammenstellung lässt klare taktische Rückschlüsse zu. Nagelsmann plant offensichtlich mit mehreren Grundformationen und möchte je nach Gegner variieren. Im Mittelpunkt stehen dabei ein 4-2-3-1 als Basisformation sowie ein 3-4-3 als alternatives System, das in Phasen des Ballbesitzes Überzahl im Mittelfeld erzeugt. Bereits in den Testspielen gegen Frankreich und die Niederlande experimentierte der Bundestrainer mit beiden Varianten.
Besonders im Pressing-Spiel setzt Nagelsmann auf Intensität und kurze Wege. Die nominierten Mittelfeldspieler zeichnen sich allesamt durch eine hohe Laufbereitschaft und Zweikampfstärke aus. Im Aufbau soll über die Außenverteidiger Breite erzeugt werden, während die Doppelsechs für Stabilität im Zentrum sorgt. Die offensiven Außenspieler agieren dabei enger an der Spitze und schaffen Tiefe hinter der gegnerischen Viererkette.
Diese taktische Philosophie erklärt auch einige der überraschenden Nominierungen: Der junge Außenverteidiger etwa passt ideal in ein System, das hohe Läufe auf den Flügeln erfordert. Der nominierte Bundesliga-Offensivspieler wiederum bringt die Fähigkeit mit, als falsche Neun zu agieren und das Spiel in die Tiefe zu verlagern. Nagelsmann denkt nicht in starren Rollen, sondern in Funktionen – und genau das spiegelt der Kader wider.
Kadertabelle: Alle 26 nominierten Spieler im Überblick
| Position | Anzahl Spieler | Ø Alter | Ø Länderspiele | Vereine (Auswahl) |
|---|---|---|---|---|
| Torhüter | 3 | 26,3 | 18 | Bayern, Leverkusen, Stuttgart |
| Abwehr | 8 | 27,8 | 41 | Bayern, Dortmund, RB Leipzig |
| Mittelfeld | 8 | 26,5 | 35 | Bayern, Leverkusen, Arsenal |
| Angriff | 7 | 26,9 | 22 | Dortmund, Bayern, Bundesliga |
Reaktionen aus der Fußball-Welt
Die Nominierungsliste hat erwartungsgemäß unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Während viele Experten die mutige Entscheidung Nagelsmanns loben, den Kader konsequent nach aktueller Form und taktischer Passgenauigkeit zusammenzustellen, gibt es auch kritische Stimmen. Einige Beobachter bezweifeln, ob die Nicht-Berufung von erfahrenen Spielern wie Gnabry die richtige Botschaft vor einem Heimturnier sendet, bei dem Erfahrung in K.o.-Spielen entscheidend sein kann.
Auf der anderen Seite betonen zahlreiche Fachleute, dass genau diese Konsequenz ein Zeichen von Stärke ist. Ein Bundestrainer, der auch populäre Entscheidungen hinterfragt und den Kader rein nach sportlichen Kriterien zusammenstellt, gewinnt langfristig Glaubwürdigkeit – sowohl bei den Spielern als auch beim Verband. Die DFB-Nationalmannschaft brauche nach den Enttäuschungen bei der WM 2022 und der EM 2021 vor allem eines: eine klare Linie.
Auch die Bundesliga profitiert von dieser Entscheidungskultur: Mehrere Spieler, die in der abgelaufenen Saison in der deutschen Beletage überzeugt haben, erhalten nun die Chance, sich auf der größten europäischen Bühne zu präsentieren. Für Klubs wie Bayer 04 Leverkusen, die zuletzt mit herausragenden Kollektivleistungen aufgefallen sind, bedeutet das eine besondere Anerkennung.

Ausblick: Was erwartet die DFB-Elf bei der EM?
Deutschland tritt als Gastgeber mit dem Heimvorteil, aber auch mit dem Druck einer ganzen Nation in das Turnier. Die Gruppenphase wird zeigen, ob Nagelsmanns taktische Konzepte gegen starke internationale Konkurrenz funktionieren. Entscheidend wird sein, wie schnell die neu zusammengestellte Mannschaft als Einheit zusammenwächst und die Automatismen des Trainers verinnerlicht.
Die kommenden Wochen im Trainingslager werden für die Kaderfindung mitentscheidend sein. Nagelsmann hat signalisiert, dass der vorläufige Kader noch Anpassungen erlauben kann – insbesondere bei Verletzungen. Bis zum offiziellen Meldeschluss bleibt also noch Spielraum. Fest steht: Mit diesem Kader sendet der Bundestrainer ein klares Signal. Deutschland will bei der Heim-EM nicht nur mitspielen – Deutschland will gewinnen.
- DFB — dfb.de
- Kicker Sportmagazin — kicker.de
- Sport1 — sport1.de



















