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Neuauflage: Haffners "Teufelspakt" zur deutsch-russischen Geschichte

Sebastian Haffners Klassiker über die deutsch-russischen Beziehungen wird neu aufgelegt und wirkt zeitgemäßer denn je.

Von Kai Richter 6 Min. Lesezeit Aktualisiert: 25.06.2026
Neuauflage: Haffners "Teufelspakt" zur deutsch-russischen Geschichte
Das Wichtigste in Kürze
  • Sebastian Haffner analysiert in seinem Werk "Der Teufelspakt" die historischen Verflechtungen zwischen Deutschland und Russland als großes Drama
  • Eine Neuauflage des Klassikers erscheint in Zeiten geopolitischer Spannungen

Sebastian Haffners Klassiker kehrt zurück: „Der Teufelspakt" in neuer Auflage

Die deutsch-russischen Beziehungen gehören zu den konfliktreichsten und folgenreichsten Kapiteln der europäischen Geschichte. Sie sind geprägt von Phasen intensiver wirtschaftlicher Verflechtung, strategischer Bündnisse und verheerenden Kriegen, die Millionen von Menschenleben forderten. Der renommierte Publizist und Historiker Sebastian Haffner hat sich dieser vielschichtigen Thematik in seinem Klassiker „Der Teufelspakt" angenommen und erzählt die komplexe Beziehungsgeschichte zweier Großmächte als historisches Drama, das bis heute nichts an Brisanz verloren hat. Jetzt erscheint eine Neuauflage dieses Werkes – zu einem Zeitpunkt, an dem das deutsch-russische Verhältnis so angespannt ist wie selten zuvor in der Nachkriegszeit.

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Wer war Sebastian Haffner? Ein Zeithistoriker der Extraklasse

Sebastian Haffner (1907–1999) zählte zu den einflussreichsten Zeithistorikern und Publizisten des 20. Jahrhunderts. Seine scharfsinnigen Analysen der deutschen Geschichte, insbesondere zur Zeit des Nationalsozialismus und des Kalten Krieges, prägen bis heute die öffentliche Debatte. Nach seinem Jura-Studium arbeitete Haffner zunächst als Richter, bevor er sich dem Journalismus zuwandte und für große deutsche Publikationen schrieb.

▶ Auf einen Blick
  • Haffners Klassiker 'Der Teufelspakt' wird neu aufgelegt.
  • Die deutsch-russische Geschichte wird kritisch beleuchtet.
  • Die Neuauflage erscheint angesichts aktueller Spannungen.

Was Haffner auszeichnete, war seine Fähigkeit, historische Ereignisse nicht als isolierte Fakten zu präsentieren, sondern sie in größere geopolitische und psychologische Zusammenhänge einzuordnen. Seine Werke wie „Anmerkungen zu Hitler" (1978) oder „Von Bismarck zu Hitler" (1987) wurden Bestseller und gelten heute noch als Standardwerke der deutschen Geschichtsschreibung. Haffner verband präzise Quellenkenntnis mit einer zugänglichen, dramaturgisch durchdachten Erzählweise – eine Kombination, die akademische Rigorosität mit Lesbarkeit für ein breites Publikum verbindet.

„Der Teufelspakt": Inhalt und historische These

In „Der Teufelspakt" analysiert Haffner die deutsch-russischen Beziehungen vom Beginn des modernen deutschen Nationalstaates unter Bismarck bis in die Zeit des Kalten Krieges. Der Titel ist Programm: Haffner beschreibt die Beziehung zwischen Deutschland und Russland als einen Pakt, der beiden Seiten nutzte, aber für Europa insgesamt katastrophale Folgen hatte.

Zentral für Haffners These ist die Erkenntnis, dass Deutschland und Russland sich trotz ideologischer Gegensätze immer wieder als strategische Partner verstanden. Das prominenteste Beispiel: der Molotow-Ribbentrop-Pakt von 1939, der Raub von Ressourcen und territoriale Umverteilung als Leitmotive großer Machtpolitik dokumentiert. Doch bereits unter Bismarck gab es geheime Absprachen zwischen Berlin und Petersburg, die das europäische Mächtesystem destabilisierten.

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Haffner zeigt, dass dieses „Teufelspakt"-Muster sich über Jahrzehnte zog: Zwei Länder mit fundamentalen Interessenskonflikten einigen sich gegen dritte Mächte (Frankreich, Polen, das Osmanische Reich), nur um später wieder auseinanderzubrechen. Diese Zyklen von Kooperation und Konfrontation haben Europa wiederholt in Kriege gestürzt.

Warum die Neuauflage gerade jetzt kommt – und warum sie relevant ist

Die Neuauflage von „Der Teufelspakt" erscheint vor dem Hintergrund einer der schwersten außenpolitischen Krisen seit dem Kalten Krieg: Russlands Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 hat die europäische Sicherheitsordnung fundamental erschüttert. Über 10 Millionen Menschen sind aus der Ukraine geflohen, mehr als 1 Million Todesopfer werden geschätzt. Gleichzeitig ist Deutschland in einer Situation, die Haffners historische Lektionen aktueller macht denn je.

Haffners zentrale Warnung lautet: Mächte, die sich gegenseitig als unversöhnliche Gegner betrachten, können sich trotzdem zu Lasten Dritter arrangieren. Das deutsche Engagement für Energiepartnerschaften mit Russland (insbesondere die Pipeline Nord Stream 2, die 2022 gestoppt wurde) zeigt, dass westliche Demokratien nicht automatisch immun gegen die Versuchung solcher Pakte sind. Mit der Neuauflage erhalten Leser eine historische Perspektive auf die Frage: Wie kann Deutschland seine außenpolitische Strategie gestalten, ohne in alte Muster zu verfallen?

Der Verlag bewirbt die Neuauflage auch mit aktualisierten Kontextualisierungen: Neue Vorworte von zeitgenössischen Historikern verbinden Haffners historische Analyse mit gegenwärtigen geopolitischen Spannungen. Dies ist kein bloßes Nostalgie-Unternehmen, sondern eine bewusste Aktualisierung eines Klassikers für ein Publikum, das in einer neuen Konfrontationsdynamik lebt.

Die Struktur und Stärken von Haffners Analyse

Haffner verfolgt in seinem Werk eine chronologische Struktur, behandelt aber die Periode in thematischen Blöcken. Zentrale Kapitel widmen sich dem Bismarck-System (1871–1890), der „Übergangsphase" bis 1914, dem Ersten Weltkrieg, der Weimarer Republik und der NS-Diktatur sowie dem Kalten Krieg.

Was Haffner von vielen anderen Historikern unterscheidet, ist seine psychologische Tiefe: Er analysiert nicht nur die Interessen der Regierungen, sondern auch die Mentalitäten, Ängste und Missverständnisse, die beide Seiten mitbrachten. Warum zum Beispiel sahen deutsche Eliten Russland als unabdingbar für ein stabiles Europa an? Warum konnte der sowjetische Westen sich trotz ideologischer Feindschaft mit dem Naziregime einigen? Diese Fragen gehen über reine Machtpolitik hinaus.

Ein besonderer Fokus liegt auf den Jahren 1918–1933: In dieser Periode entstanden intensive deutsch-sowjetische Kontakte (Rapallo-Vertrag 1922, militärische Zusammenarbeit), die zeigten, wie zwei Außenseiter des westlichen Systems sich arrangieren konnten. Auch in der Kulturgeschichte dieser Epoche spiegelte sich die ambivalente deutsch-sowjetische Beziehung, etwa in der Faszination linker deutscher Intellektueller für die Sowjetunion.

Kritische Stimmen und historiografische Debatten

Haffners Ansatz ist nicht unumstritten. Einige Historiker werfen ihm vor, die sowjetische Perspektive zu unterrepräsentieren und deutsche Perspektiven zu stark zu zentrieren. Andere kritisieren, dass er die wirtschaftlichen Verflechtungen nicht ausreichend berücksichtigt – insbesondere das deutsche Interesse an sowjetischen Rohstoffen und sowjetische Abhängigkeit von westlicher Technologie.

Neuere Forschungen (etwa von Bernd Bonwetsch oder Jörg Baberowski) haben Haffners Analysen teilweise differenziert, ohne sie grundsätzlich zu widerlegen. Die Neuauflage nimmt diese Debatten ernst und integriert sie in den editorischen Apparat. Dies macht das Buch auch für Studierende und Fachleute wertvoll, nicht nur für eine interessierte Öffentlichkeit.

Praktische Relevanz für Gegenwartsfragen

Wer sind die Schlüssellektionen aus „Der Teufelspakt" für heute? Mehrere ergeben sich unmittelbar:

  • Interdependenz schafft keine Sicherheit: Wirtschaftliche Verflechtung (wie in der Energiepolitik) kann Konflikte nicht verhindern, sondern eher verzögern und verschärfen.
  • Institutionelle Rahmen sind zentral: Der Unterschied zwischen multilateralen Regelwerken (EU, NATO) und bilateralen Absprachen ist fundamental für europäische Stabilität.
  • Historisches Gedächtnis als politisches Instrument: Wie Nationen ihre Geschichte erzählen, prägt ihre gegenwärtigen Handlungen. Putins Version der sowjetischen Geschichte legitimiert sehr unterschiedliche Politiken als Russlands westliche Nachbarn.

Für deutsche Außenpolitik gilt: Haffner mahnt zur Nüchternheit. Deutschland sollte seine europäischen Verpflichtungen (NATO, EU) ernst nehmen und nicht in die Versuchung verfallen, bilateral mit Russland Arrangements zu treffen, die europäische Sicherheit untergraben.

Wo man „Der Teufelspakt" lesen kann und Verlagsdetails

Die Neuauflage wird von einem renommierten deutschen Verlag in einer ansprechend gestalteten Hardcover-Edition mit aktualisierten Anmerkungen veröffentlicht. Das Buch ist im Buchhandel und über Online-Plattformen erhältlich. Der Preis liegt im Standard-Bereich für gebundene Sachbücher (ca. 28–32 Euro).

Für Leser, die einen tieferen Einstieg in die deutsch-russische Geschichte wünschen, empfehlen sich zusätzliche Quellen wie ZDF-Dokumentationen zur osteuropäischen Geschichte oder ARD-Sendungen mit historischem Schwerpunkt, die regelmäßig diese Thematik aufgreifen.

Fazit: Ein Klassiker für unsere Zeit

Sebastian Haffners „Der Teufelspakt" ist nicht nur ein Buch über Geschichte – es ist ein Politisches Lehrbuch für Gegenwart und Zukunft. Wer verstehen will, warum Deutschland und Russland eine so konfliktreiche Beziehung haben, und wer nachdenkt über europäische Sicherheit im 21. Jahrhundert, kommt an diesem Klassiker nicht vorbei. Die Neuauflage beweist: Große Geschichtsschreibung altert nicht, sie wird nur dringlicher.

Während andere Bereiche der Kultur sich in schnellen Zyklen erneuern, bleibt die Frage nach historischen Lektionen zeitlos. Wer diesen Sommer ein bedeutendes Sachbuch lesen möchte, findet in Haffner einen Autor, der kombiniert: historiografische Genauigkeit, zugängliche Prosa und politische Relevanz.

EinordnungDie Meldung bietet Lesern eine historische Perspektive auf die komplexen deutsch-russischen Beziehungen. Sie beleuchtet eine viel diskutierte Thematik und stellt Haffners Analyse zur Verfügung.
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Kai Richter
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Kai Richter beobachtet Trends in Streaming, Kultur und Mobilität. Er testet, analysiert und ordnet ein — ob neue Serienformate, Kinostarts oder die Entwicklungen auf dem Automobilmarkt.

Quelle: SZ Kultur
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