ZenNews24› Politik› Resilienz im Innern: Der Staat und wir alle sind … Politik Resilienz im Innern: Der Staat und wir alle sind gefragt Deutschlands Zivilschutz steht vor einem Wendepunkt – was Bund, Länder und jeder Bürger jetzt konkret tun müssen. Von ZenNews24 Redaktion 19.06.2026, 08:29 Uhr 3 Min. Lesezeit Das Wichtigste in Kürze Die Sirenen sind verstummtDoch die Frage bleibt: Wissen wir wirklich, was im Ernstfall zu tun istDer Zivilschutz in Deutschland befindet sich an einem kritischen Scheideweg Die Sirenen sind verstummt. Doch die Frage bleibt: Wissen wir wirklich, was im Ernstfall zu tun ist? Der Zivilschutz in Deutschland befindet sich an einem kritischen Scheideweg. Während geopolitische Spannungen zunehmen und Bedrohungsszenarien vielfältiger werden, offenbaren sich strukturelle Lücken in der Vorbereitung der Bevölkerung. Experten sprechen von einer „Resilienzlücke" – nicht nur beim Staat, sondern auch beim einzelnen Bürger. Was früher in vielen Familien Allgemeinwissen war, ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Der Umgang mit Notfällen, die korrekte Evakuierung, das Lagern von Trinkwasser und Lebensmitteln – diese elementaren Fähigkeiten sind aus dem kollektiven Bewusstsein vieler Menschen verschwunden. Die globalen Entwicklungen der vergangenen Jahre zeigen jedoch deutlich: Ein funktionierendes Katastrophenschutzsystem ist keine Luxusfrage, sondern eine sicherheitspolitische Notwendigkeit. Bundesweit ist ein Umdenkungsprozess in Gang gekommen, der von der Bundesregierung koordiniert werden muss – aber auch jeden Bürger unmittelbar betrifft.Lesen Sie auchF.A.Z. exklusiv: Die USA entziehen der NATO wichtige militärische Beiträge – ab sofortDe Maizière und Gabriel: „Es gibt einen Angstüberschuss“News: Iran-Krieg, Donald Trump, Schweiz-Volksbefragung, Marius Borg Høiby Die historische Dimension des Zivilschutzes Der deutsche Zivilschutz hat eine lange und lehrreiche Geschichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Wiederaufbau mit einer zentralen Erkenntnis verbunden: Ein Staat ist nur so widerstandsfähig wie seine Bevölkerung. In den folgenden Jahrzehnten wurden Bunkernetze errichtet, Luftschutzräume eingerichtet und die Bevölkerung regelmäßig geschult. Während des Kalten Krieges galt dies als existenzielle Notwendigkeit – verankert im politischen Selbstverständnis beider deutschen Staaten. Mit dem Fall der Berliner Mauer 1989 und dem Ende des Ost-West-Konflikts verlor das Thema rapide an Dringlichkeit. Viele Infrastrukturen wurden vernachlässigt, privatisiert oder aufgegeben. Bunkeranlagen dienten fortan als Parkgaragen oder Lagerhallen. Doch die geopolitischen Risiken in Europa, häufigere Extremwetterereignisse und technologische Verwundbarkeiten – etwa durch Cyberangriffe auf kritische Infrastruktur – haben das Thema zurück auf die politische Agenda gebracht. Experten warnen: Ohne konsequentes Handeln könnte Deutschland strukturell unvorbereitet in eine ernsthafte Krise geraten. Zeitleiste: Zivilschutz in Deutschland seit 1945 1945–1950:Neuaufbau des Zivilschutzsystems nach Kriegsende. Erste Bunkernetze in Großstädten entstehen. Systematische Bevölkerungsunterweisungen beginnen in den Westzonen.1957:Das Bundesluftschutzgesetz schafft verbindliche Regelungen für Schutzräume und Evakuierungspläne. Zivilschutzinhalte finden Eingang in Schulcurricula. Das Technische Hilfswerk (THW) wird zur zentralen Stütze des Katastrophenschutzes ausgebaut.1968:Verabschiedung des Zivilschutzgesetzes der Bundesrepublik. Klare Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern. Aufbau umfangreicher Vorratslager und Ausweichsitze für Behörden.1990–2005:Nach dem Ende des Kalten Krieges systematischer Abbau von Zivilschutzstrukturen. Schutzraumanforderungen werden aufgehoben. Viele Bunker werden privatisiert oder vermietet. Öffentliches Interesse und politische Priorisierung schwinden erheblich.2015–2020:Neue Bedrohungsszenarien – Terroranschläge, Hochwasserkatastrophen und die Corona-Pandemie – erzwingen eine Neubewertung. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) erhält mehr Mittel. Erste Investitionen in digitale Warnsysteme wie den Modularen Warndienst (MoWaS) und die Warn-App NINA werden getätigt.2021:Die Flutkatastrophe im Ahrtal offenbart gravierende Mängel in der Koordination zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Mehr als 130 Menschen sterben in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Der politische Druck auf eine strukturelle Reform des Katastrophenschutzes wächst deutlich.2023–heute:Spürbar gestiegene Investitionen in Zivilschutzinfrastruktur. Das BBK veröffentlicht aktualisierte Handlungsempfehlungen zur Eigenvorsorge. Bevölkerungsinformationskampagnen werden ausgeweitet. Die Diskussion über Wiedereinführung von Schutzräumen gewinnt politisch an Fahrt. Was der Staat leisten muss – und was nicht Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren mehrere Initiativen eingeleitet, um Zivilschutzkapazitäten auszubauen. Dazu gehören die Neubewertung von Schutzräumen, die Modernisierung von Warnsystemen und die Finanzierung von Informationskampagnen. Das BBK übernimmt dabei eine zentrale Koordinierungsrolle. Allerdings wird schnell deutlich: Der Staat allein kann diesen Auftrag nicht erfüllen – und sollte es auch nicht versuchen.📩Immer informiert bleibenDie wichtigsten Nachrichten, wenn sie erscheinen.Newsletter holen Ein moderner Zivilschutz funktioniert nur dezentral. Jede Stadt, jeder Landkreis, jede Gemeinde muss eigene, ortsspezifische Notfallpläne vorhalten. Und jeder Haushalt trägt Verantwortung für Eigenvorsorge. Hier liegt eine Schnittstelle zwischen staatlicher Koordination und individueller Eigenverantwortung, die derzeit nicht optimal ausgestaltet ist. Viele Bürgerinnen und Bürger wissen nicht, welche konkreten Maßnahmen sie selbst ergreifen können – und sollten. Resilienz beginnt im Kleinen: mit einem Vorrat an Trinkwasser und haltbaren Lebensmitteln, einem Erste-Hilfe-Set, einem batteriebetriebenen Radio und dem Wissen, wen man im Notfall kontaktiert. Wer diese Grundlagen beherrscht, entlastet im Ernstfall nicht nur sich selbst, sondern auch Einsatzkräfte und Behörden. Die Botschaft der Fachleute ist eindeutig: Eigenvorsorge ist kein Alarmismus, sondern gelebte Bürgerverantwortung. Deutschland steht vor einer doppelten Aufgabe. Der Staat muss Strukturen modernisieren, Warnsysteme ausbauen und Koordination verbessern. Gleichzeitig braucht es eine gesellschaftliche Bewusstseinsverschiebung: Zivilschutz darf kein Tabuthema sein, sondern muss wieder Teil des alltäglichen Denkens werden. Die Lücke zwischen staatlichem Anspruch und gelebter Wirklichkeit lässt sich nur schließen, wenn beide Seiten – Institutionen und Individuen – ihre Verantwortung ernst nehmen. Die nächste Krise kommt bestimmt. Die Frage ist, ob wir dann besser vorbereitet sind als heute. Teilen Teilen X Facebook WhatsApp Link kopieren Wie findest du das? 🔥 0 😲 0 🤔 0 👍 0 😢 0 politik Z ZenNews24 Redaktion Redaktion Die ZenNews24-Redaktion berichtet rund um die Uhr über die wichtigsten Ereignisse aus Deutschland und der Welt. Unsere Journalistinnen und Journalisten recherchieren, analysieren und ordnen ein — unabhängig und verlässlich. 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