Schröder als Friedensbote? Kyjiw erteilt Putins Idee eine klare Absage
Der ukrainische Botschafter Makejew erklärt, warum der Altkanzler als Vermittler nicht infrage kommt.
Es war ein Angebot, das niemand ernsthaft erwartet hatte — und das Kyjiw noch weniger ernsthaft nehmen wollte. Wladimir Putin hat Gerhard Schröder öffentlich als möglichen Vermittler im Ukrainekrieg ins Gespräch gebracht. Die Antwort aus der ukrainischen Hauptstadt ließ nicht lange auf sich warten: Oleksij Makejew, Botschafter der Ukraine in Deutschland, lehnte die Idee unmissverständlich ab. Schröder fehle, so Makejew, „die politische Legitimität" für eine solche Rolle. Ein Satz — und damit ist eigentlich alles gesagt. Doch hinter dieser diplomatischen Knappheit steckt weit mehr als ein protokollarischer Einwand.
Hintergrund: Was steckt dahinter?
Gerhard Schröder, Bundeskanzler von 1998 bis 2005, hat sich in den vergangenen Jahren so weit von der deutschen Außenpolitik entfernt, dass seine öffentlichen Auftritte heute eher als politische Peinlichkeit denn als diplomatische Ressource wahrgenommen werden. Er ist Aufsichtsratsvorsitzender bei Rosneft, dem staatlich kontrollierten russischen Ölkonzern, und pflegt seit Jahrzehnten eine persönliche Freundschaft zu Putin — eine Freundschaft, die er auch nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 nicht öffentlich aufgekündigt hat. Im Gegenteil: Schröder reiste im Frühjahr 2022 nach Moskau, traf sich mit Putin, und versuchte sich damals tatsächlich in einer inoffiziellen Vermittlerrolle — ohne Mandat, ohne Ergebnis, ohne Rückhalt in Berlin oder Kyjiw.
Dass Putin nun, Jahre später, erneut auf Schröder als Gesprächskanal setzt, ist kein Zeichen von diplomatischer Kreativität. Es ist ein Signal. Ein Signal dafür, wen Russland als legitimen Gesprächspartner betrachtet — und wen nicht. Denn Schröder steht für ein Deutschland, das Putin noch kennt und für formbar hält: abhängig von russischem Gas, zögerlich in Sicherheitsfragen, gespalten in seiner Haltung gegenüber Moskau. Dieses Deutschland existiert in dieser Form nicht mehr. Doch Putins Angebot klingt, als hätte er das noch nicht vollständig registriert.
Die wichtigsten Fakten im Überblick
- Putins Vorstoß: Der russische Präsident nannte Schröder öffentlich als möglichen Vermittler — ohne dass eine offizielle Anfrage an Berlin oder Kyjiw gestellt wurde.
- Makejews Absage: Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksij Makejew, wies die Idee explizit zurück und begründete dies mit fehlender politischer Legitimität Schröders.
- Schröders Hintergrund: Der SPD-Altkanzler ist seit 2017 Aufsichtsratsvorsitzender bei Rosneft und hält trotz des Krieges an seiner Nähe zu Putin fest.
- Frühere Vermittlungsversuche: Im März 2022 reiste Schröder nach Moskau — sein Gesprächsergebnis blieb folgenlos, die Bundesregierung distanzierte sich.
- SPD-Konsequenzen: Ein Parteiausschlussverfahren gegen Schröder scheiterte 2023 vor dem SPD-Schiedsgericht — er ist bis heute Parteimitglied.
Legitimität — ein Wort mit Gewicht
Makejews Formulierung ist präzise gewählt. Er sagt nicht, Schröder sei ungeeignet, unwürdig oder korrumpiert — obwohl all das im Raum steht. Er sagt: ihm fehlt die politische Legitimität. Das ist eine diplomatische Aussage mit juristischer Schärfe. Legitimität in der internationalen Politik bedeutet: Wer hat das Mandat, im Namen von wem zu sprechen? Schröder hat keines. Nicht von der Bundesregierung, die sich seit Jahren von ihm distanziert hat. Nicht von der SPD, die ihn zwar nicht ausgeschlossen hat, aber in offiziellen Stellungnahmen konsequent ignoriert. Und erst recht nicht von der Ukraine, die ihn als Teil des Problems betrachtet — nicht als Teil der Lösung.
Es ist bezeichnend, dass Putin ausgerechnet diesen Mann ins Spiel bringt. Schröder ist in Deutschland politisch isoliert — aber er ist in Moskau bekannt, geschätzt und vertrauenswürdig. Für Putin ist das Wert genug. Für Kyjiw ist es ein Ausschlusskriterium. Wer dem Kreml vertraut, kann nicht gleichzeitig als neutraler Vermittler auftreten. Das ist keine Frage von Sympathie — das ist eine Frage der Logik.
Zwischen Berlin und Kyjiw: ein beschädigtes Verhältnis
Schröders öffentliches Auftreten seit Kriegsbeginn hat das deutsch-ukrainische Verhältnis zusätzlich belastet. Während Deutschland unter Olaf Scholz begann, sich mühsam als verlässlicher Unterstützer der Ukraine zu profilieren — mit Waffenlieferungen, Finanzhilfen und politischer Rückendeckung —, lieferte Schröder regelmäßig Steilvorlagen für russische Propaganda. Seine Aussagen über Kyjiws angebliche Mitverantwortung für den Krieg, seine Verteidigung von Nord Stream, seine Weigerung, Rosneft zu verlassen: All das hat ihn in der Ukraine nicht nur zu einer unglaubwürdigen, sondern zu einer feindseligen Figur gemacht.
Botschafter Makejew weiß das. Sein Statement ist daher nicht nur eine Reaktion auf Putins Vorstoß — es ist auch eine Botschaft an Berlin: Wer mit der Ukraine verhandeln will, braucht Vertrauen. Und Vertrauen ist im dritten Kriegsjahr die knappste aller diplomatischen Ressourcen.
Ausblick: Was kommt als Nächstes?
Putins Schröder-Ballon ist geplatzt, bevor er richtig aufgestiegen ist. Doch das eigentliche Signal des Vorstoßes bleibt relevant: Moskau sucht Gesprächskanäle — oder erweckt zumindest diesen Anschein. Ob dahinter echter Verhandlungswille steckt oder taktisches Manöver, lässt sich von außen kaum beurteilen. Klar ist: Solange Russland keine überprüfbaren Schritte zur Deeskalation unternimmt, werden solche Angebote in Kyjiw nicht als Friedensgeste, sondern als Ablenkungsmanöver gewertet.
Für Schröder selbst ändert sich wenig. Er bleibt das, was er seit 2022 ist: ein politisches Fossil, das in Russland gepflegt und in Deutschland gemieden wird. Sein Name taucht auf, wenn Moskau ihn braucht — und verschwindet wieder, wenn niemand antwortet. Diesmal hat Kyjiw sehr deutlich geantwortet. Das sollte genug sein.
















