Trump lehnt Irans Gegenangebot ab: Nuklearverhandlungen vor dem Scheitern
Teheran forderte Kriegsreparationen und Souveränität über die Straße von Hormus — Washington nennt das Angebot „völlig inakzeptabel"
Die Hoffnungen auf einen baldigen Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran sind am Samstag (10. Mai 2026) vorerst gescheitert. US-Präsident Donald Trump erklärte das iranische Gegenangebot zu den Nuklearverhandlungen auf Truth Social für „völlig inakzeptabel" — und ließ damit die bislang vielversprechendste Verhandlungsrunde scheitern.
Was der Iran angeboten hat
Das iranische Gegenangebot wurde am 10. Mai 2026 über Pakistan als Vermittler an Washington übermittelt. Es enthielt weitreichende politische und wirtschaftliche Forderungen, blieb bei den nuklearen Kernfragen jedoch vage bis ausweichend.
Auf der nuklearen Seite bot Teheran an, die Urananreicherung für 10 bis 15 Jahre auszusetzen, Teile des hochangereicherten Uranbestands (rund 440 Kilogramm) zu verdünnen und den Rest an ein Drittland — mutmaßlich Russland — zu transferieren. Allerdings mit einer entscheidenden Klausel: Das Material soll zurückgegeben werden, sollten die USA erneut aus einem Abkommen aussteigen. Eine vollständige Demontage der Anlagen in Natanz, Fordow und Isfahan lehnte Teheran kategorisch ab.
Politisch stellte Iran erhebliche Gegenforderungen: vollständige Aufhebung der US-Sanktionen, Freigabe eingefrorener Auslandsvermögen, Ende der US-Seeblockade iranischer Häfen, Anerkennung der iranischen Souveränität über die Straße von Hormus — und Kriegsreparationen von den Vereinigten Staaten.
Die wichtigsten Streitpunkte im Überblick
- Anreicherungs-Moratorium: Washington fordert 20 Jahre ohne jede Anreicherung — Teheran bietet 10 bis 15 Jahre
- Nuklearanlagen: USA bestehen auf vollständiger Demontage von Fordow, Natanz und Isfahan — Iran besteht auf reinem Einfrieren
- HEU-Bestand: Washington will vollständige Abgabe — Teheran bietet Teilverdünnung mit Rückgabeoption
- Straße von Hormus: Für Iran nicht verhandelbar, für die USA und den globalen Ölhandel existenziell
- Reparationen: Für Washington keine Option, für Teheran eine Kernforderung
Trumps Reaktion: Truth Social als Verhandlungsbühne
Wenige Stunden nach Eingang des iranischen Gegenangebots erschien auf Truth Social ein typischer Trump-Post: „I have just read the response from Iran's so-called ‚Representatives.' I don't like it — TOTALLY UNACCEPTABLE!"
Es war nicht das erste Mal, dass Trump die Atomdiplomatie über soziale Medien führte. Bereits am 6. Mai hatte er gedroht, die Bombardierung des Iran werde bei einem Scheitern der Gespräche „in viel höherer Intensität als zuvor" fortgesetzt. Anonyme Trump-Berater warnten laut Fortune intern, dass genau diese Posts die Friedensverhandlungen aktiv sabotierten.
Wer die Truth-Social-Chronologie im Auge behalten will: Der ZenNews24 Trump Tracker dokumentiert alle relevanten Posts in Echtzeit und zeigt, wie Trumps Online-Rhetorik die Diplomatie beeinflusst.
Reaktionen aus Teheran, Jerusalem und Europa
Irans Außenminister nannte den US-Vorschlag eine Forderung nach Kapitulation — sein Land werde sich „niemals beugen". Der neue Oberste Führer Mojtaba Khamenei erließ nach Trumps Absage neue „entschiedene Direktiven" für die iranischen Streitkräfte, ohne Details zu nennen.
Israels Premierminister Benjamin Netanyahu erklärte in einem CBS-Interview: „Der Krieg ist nicht vorbei, es gibt noch mehr zu tun." Israel betonte, dass der Iran weder angereichertes Uran abgegeben noch Anlagen demontiert habe und weiter Proxy-Gruppen unterstütze.
In Europa zeigte man sich besorgt. Frankreich und Großbritannien hatten bereits zwei Konferenzen zur Wiederöffnung der Straße von Hormus mitorganisiert und eine gemeinsame Erklärung von 36 Ländern für freie Schifffahrt verabschiedet. London lehnte Irans Idee ab, Transitgebühren für Schiffe durch die Meerenge zu erheben. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte die fragile Waffenruhe zuvor als „dringend benötigte De-Eskalation" begrüßt.
Der Kontext: Krieg, Seeblockade und ein gescheitertes One-Page-Memo
Die aktuellen Verhandlungen spielen sich vor einem dramatischen Hintergrund ab. Seit dem israelischen Angriff auf iranische Nuklearanlagen im Juni 2025 und dem darauffolgenden Krieg zwischen den USA und Iran ist die Straße von Hormus de facto gesperrt — eine Situation, die den globalen Ölmarkt unter extremen Druck setzt.
Laut dem Nachrichtenportal Axios waren die USA und Iran Anfang Mai noch nahe an einem „One-Page-Memo" als Rahmenvereinbarung. Irans Gegenangebot vom 10. Mai ließ diese Chance vorerst platzen. US-Verhandlungsführer Steve Witkoff und Jared Kushner setzten die technischen Gespräche in Oman fort — als „schwierig, aber konstruktiv" beschrieben. Die CIA schätzt intern, dass der Iran die US-Seeblockade noch monatelang aushalten kann.
Trump hatte kurzzeitig die US-Begleitoperation für Handelsschiffe durch den Hormus (intern „Projekt Freedom") auf Bitten Pakistans pausiert — als Geste des guten Willens. Nach der Ablehnung des Gegenangebots bleibt unklar, ob diese Geste fortgesetzt wird.
Ausblick: Festgefahren, aber nicht gebrochen
Die Verhandlungen sind festgefahren, aber noch nicht offiziell gescheitert. Beide Seiten signalisieren weiterhin Gesprächsbereitschaft — doch die Positionen liegen weit auseinander. Washingtons Kernforderung lautet: null Anreicherung, vollständige Demontage der Anlagen. Teherans Antwort: das sei Kapitulation.
Für die Märkte, den Ölpreis und die Sicherheit des globalen Seehandels bleibt die Lage angespannt. Die nächste Verhandlungsrunde in Oman wird zeigen, ob es einen neuen Annäherungsversuch gibt — oder ob Trumps Truth-Social-Reaktion das vorläufige Ende einer der gefährlichsten diplomatischen Krisen des Jahrzehnts markiert.













