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SPD-Politiker erwägen Schröder als Ukraine-Vermittler – Grüne lehnen ab

Während Putin Ex-Bundeskanzler Schröder ins Spiel bringt, spaltet sich die deutsche Politik über dessen Eignung als Mediator.

Von Felix Braun 7 Min. Lesezeit Aktualisiert: 25.06.2026
SPD-Politiker erwägen Schröder als Ukraine-Vermittler – Grüne lehnen ab
Das Wichtigste in Kürze
  • Einige SPD-Außenpolitiker zeigen sich offen für den Vorschlag Putins, Gerhard Schröder als Vermittler im Ukraine-Krieg einzusetzen
  • Grünen-Politikerin Baerbock und andere warnen jedoch vor Schröders Putin-Nähe

Schröder als Ukraine-Vermittler – Die Spaltung der deutschen Politiklandschaft

Die Frage, ob der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder als Vermittler im Ukraine-Konflikt fungieren könnte, spaltet die deutsche Politiklandschaft wie kaum ein anderes Thema in der Außenpolitik. Nachdem der russische Präsident Wladimir Putin die Idee einer Vermittlerrolle des SPD-Politikers ins Gespräch gebracht hatte, reagierten führende deutsche Politiker deutlich gespalten auf den Vorschlag. Während einige SPD-Außenpolitiker Offenheit signalisierten, lehnen Grüne, CDU/CSU und andere Parteien die Vorstellung kategorisch ab. Der Streit offenbart tiefe Risse in der deutschen Außenpolitik – und stellt fundamental in Frage, welche Rolle Schröder angesichts seiner langjährigen Verbindungen zu Russland noch spielen kann.

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Putins Vorschlag: Schröder als Friedensmakler?

UKRAINE-KRIEG: CDU-Politiker will SANKTIONEN gegen GERHARD SCHRÖDER

Der russische Präsident Wladimir Putin hat in mehreren Stellungnahmen die Idee einer Vermittlerrolle Schröders in den Raum gestellt – ein strategisches Kalkül, das auf der Nähe des früheren Kanzlers zu Moskau aufbaut. Schröder regierte Deutschland von 1998 bis 2005 und prägte mit seiner Ostpolitik und der Unterstützung für große Infrastrukturprojekte wie die Nord-Stream-Pipelines die deutsch-russischen Beziehungen für Jahrzehnte. Nach seinem Ausscheiden aus dem Kanzleramt übernahm Schröder zahlreiche Positionen in russischen Energieunternehmen – insbesondere als Vorsitzender des Aktionärskomitees von Rosneft und als Kopräsident des Verwaltungsrats des Gazprom-Konzerns.

▶ Auf einen Blick
  • Gerhard SchrÖder wird als potenzieller Ukraine-Vermittler in Betracht gezogen, was zu einer Spaltung der deutschen Politik fhrt.
  • Putins Vorschlag nutzt SchrÖders langjrrige Beziehungen zu Russland und seinen Energieunternehmen aus.
  • Die Debatte enthllt tiefe Risse in der deutschen Außenpolitik und stellt SchrÖders Rolle in Frage.

Diese Verbindungen sind es, die Putin nun offenbar zu nutzen versucht. Indem er Schröder als potenziellen Vermittler vorschlägt, könnte Moskau hoffen, ein Gegenüber zu bekommen, das für die russischen Sicherheitsinteressen empfänglich ist und gleichzeitig in Deutschland noch politisches Gewicht hat. Doch genau diese Nähe zu Putin ist es, die Schröders Rolle als Vermittler zwischen Russland und der Ukraine fundamental problematisch macht.

Die SPD-Position: Differenzierung statt klare Ablehnung

Innerhalb der SPD ist die Reaktion auf Putins Vorschlag differenzierter ausgefallen als in anderen Parteien. Während die Parteiführung um Kanzler Olaf Scholz sich vorsichtig äußert, haben einzelne SPD-Außenpolitiker eine grundsätzliche Offenheit gegenüber Vermittlungsbemühungen bekundet – ohne dabei Schröder explizit zu unterstützen. Die SPD argumentiert, dass jede Chance für Friedensgespräche ernst zu nehmen sei, und dass Deutschland grundsätzlich eine Vermittlerrolle spielen könne.

Doch auch in der SPD gibt es wachsende Skepsis. Viele Parteimitglieder und Funktionsträger erkennen an, dass Schröders Vergangenheit als Lobbyist russischer Energiekonzerne seine Glaubwürdigkeit als unparteiischer Vermittler beschädigt. Ein Vermittler im Ukraine-Konflikt müsste beiden Seiten als unabhängig erscheinen – eine Voraussetzung, die Schröder kaum erfüllen kann, nachdem er jahrelang als hochbezahlter Vertreter russischer Interessen tätig war.

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Grüne und CDU/CSU: Kategorische Ablehnung

Deutlich klarer fällt die Ablehnung bei Grünen und Union aus. Die Grünen haben sich in ihrer außenpolitischen Position klar gegen eine Vermittlerrolle Schröders ausgesprochen. Aus grüner Perspektive ist Schröder aufgrund seiner Verflechtungen mit russischen Oligarchen und Staatskonzernen ungeeignet, zwischen einer Aggressormacht und ihrem Opfer zu vermitteln. Die Grünen betonen zudem, dass die Ukraine selbst jede Vermittlung ablehnen müsse, die nicht ihre Souveränität und territoriale Integrität als Ausgangspunkt nimmt.

Die CDU/CSU argumentiert ähnlich und verweist darauf, dass Schröders politisches Vermächtnis durch seine post-politische Karriere beschädigt wurde. Über 20 Jahre nach dem Ende seiner Kanzlerschaft ist Schröder für viele Konservative unwiederbringlich als Vertreter einer verfehlten Russlandpolitik gebrandmarkt. Die Unionsfraktion hat mehrfach gefordert, dass Schröder seine Positionen in russischen Unternehmen aufgeben müsse, um überhaupt noch als seriöser politischer Akteur wahrgenommen zu werden.

Die Ukraine lehnt Schröder als Vermittler ab

Noch wichtiger als die deutsche Debatte ist die Position der Ukraine selbst. Die ukrainische Regierung hat unmissverständlich klargemacht, dass sie Schröder nicht als Vermittler akzeptiert. Aus Kiews Sicht mangelt es Schröder nicht nur an Glaubwürdigkeit, sondern auch an der notwendigen Distanz zu Putins Regime. Eine Vermittlung hätte nur dann eine Chance auf Erfolg, wenn die Ukraine dem Vermittler vertraut – und dieses Vertrauen ist bei Schröder nicht vorhanden.

Ukrainische Politiker haben in diesem Zusammenhang auch auf die grundsätzliche Problematik verwiesen: Solange Russland die territoriale Integrität der Ukraine nicht respektiert und Kriegsverbrechen auf ukrainischem Territorium begeht, können Vermittlungsgespräche nur auf Basis einer vollständigen russischen Kapitulation führen. Ein Vermittler, der wie Schröder lange Jahre als Vertreter russischer Interessen tätig war, könnte die Erwartung wecken, dass die Ukraine Zugeständnisse machen müsse – genau das, was Kiew ablehnen muss.

Schröders fragliches Vermächtnis als Außenpolitiker

Gerhard Schröders Zeit als Bundeskanzler wird heute kontrovers beurteilt. Einerseits wird ihm zugute gehalten, dass er durch die Entspannungspolitik gegenüber Russland wichtige Brücken gebaut habe. Seine Unterstützung für große Infrastrukturprojekte wie die Nord-Stream-Pipeline 1 zielte darauf ab, die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Deutschland und Russland zu vertiefen und damit Stabilität zu schaffen. Die Theorie dahinter: Ökonomische Interdependenz schafft Frieden.

Andererseits zeigt sich heute: Diese Strategie ist gescheitert. Putin nutzte die wirtschaftlichen Abhängigkeiten, um Deutschland und Europa unter Druck zu setzen. Die Nord-Stream-Pipelines wurden zur Waffe in einem hybriden Krieg gegen den Westen. Viele politische Beobachter sehen Schröders Russlandpolitik heute als fatale Verkennung von Putins wahren Absichten – eine Einschätzung, die sich durch die brutale Invasion der Ukraine 2022 dramatisch bestätigt hat.

Hinzu kommt: Nach seinem Ausscheiden aus dem Kanzleramt verdiente Schröder Millionen durch seine Positionen in russischen Energieunternehmen. Diese finanzielle Verflechtung macht es heute unmöglich, ihn als unabhängigen Akteur wahrzunehmen. Wie könnte jemand glaubhaft zwischen Russland und der Ukraine vermitteln, wenn er von russischen Konzernen bezahlt wird?

Internationale Perspektive: Was Vermittlung im Ukraine-Konflikt bedeuten würde

Es ist wichtig, die internationalen Standards für Vermittlung im Ukraine-Konflikt zu verstehen. Die Bundesregierung und das Auswärtige Amt haben klar formuliert, dass jede Vermittlung folgende Kriterien erfüllen muss: Unparteilichkeit, Unabhängigkeit von den Konfliktparteien, Anerkennung der Ukraine als Opfer und nicht als gleichberechtigte Partei in einem Interessenskonflikt, sowie vollständige Unterstützung des internationalen Völkerrechts.

Nach diesen Maßstäben scheidet Schröder aus. Seine Karriere als russischer Lobbyist verstößt gegen das Kriterium der Unabhängigkeit. Seine jahrelange Verteidigung von Putins Politik verstößt gegen das Kriterium der Unparteilichkeit. Und seine oft kritisierte Nähe zu Moskau verstößt gegen das Kriterium der Anerkennung des Völkerrechts als bindende Norm.

Vermittlungsversuche durch andere Akteure

Während die Debatte über Schröder spaltet, gibt es tatsächlich andere Vermittlungsversuche. Die Türkei unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat sich als Vermittler positioniert – mit begrenztem Erfolg. Der Papst, neutrale Schweizer Diplomaten und andere internationale Akteure haben ebenfalls Vermittlungsschritte unternommen. Doch alle diese Versuche zeigen ein fundamentales Problem: Solange Putins Ziele (Kontrolle über ukrainisches Territorium, Entfernung der Ukraine aus der NATO, Anerkennung als Großmacht) nicht mit ukrainischen Positionen (volle territoriale Souveränität, freie Wahl der Allianzen, Gerechtigkeit für Kriegsverbrechen) kompatibel sind, führt keine Vermittlung zu echtem Frieden.

Deutschland selbst, unter der Führung von Kanzler Scholz, versucht eine Balance: Es unterstützt die Ukraine militärisch und diplomatisch, wartet aber auch auf Möglichkeiten, in Vermittlung zu investieren, wenn sich die Chancen verbessern. Das ist eine rationale Position – doch Schröder als Vermittler zu nutzen würde diese Balance zerstören.

Ausblick: Schröders politische Zukunft und die deutsche Außenpolitik

Es zeichnet sich ab, dass Gerhard Schröders Zeit als relevanter außenpolitischer Akteur zu Ende geht. Der frühere Kanzler ist heute politisch isoliert: Von der eigenen Partei nicht unterstützt, von den Grünen und der Union ablehnt, von der Ukraine unerwünscht und durch europäische Sanktionen gegen russische Oligarchen selbst unter Druck. Im Februar 2022 trat er zwar aus der Geschäftsführung von Gazprom zurück, behielt aber andere russische Positionen bei – was den Eindruck erweckt, dass er seine Verstrickungen nicht wirklich aufgeben möchte.

Für die deutsche Außenpolitik bedeutet die Schröder-Debatte eine wichtige Lehre: Die Versuchung, pragmatisch mit autoritären Regimen zu kooperieren, um wirtschaftliche Vorteile zu erlangen, kann in einem Desaster enden. Die Merkel-Jahre (2005–2021) versuchten, diesen Fehler teilweise zu korrigieren, blieben aber in vielen Bereichen der Schröder-Logik verhaftet – insbesondere bei der Energiepolitik, die Deutschlands Abhängigkeit von russischem Gas immer weiter vertiefte.

Die neue Außenpolitik unter Scholz und Außenministerin Annalena Baerbock setzt auf eine klarere Werteorientierung, höhere Rüstungsausgaben und eine strengere Haltung gegenüber autoritären Akteuren. Diese Neuorientierung würde durch eine Rolle Schröders als Vermittler untergraben. Sie würde den Eindruck erwecken, dass Deutschland bereit ist, seine Prinzipien zu opfern, wenn es wirtschaftlich opportun erscheint – genau das, was nach dem Vertragsbruch durch Russland verhindert werden muss.

Die Debatte über Schröder ist also nicht nur eine Personalfrage. Sie ist eine Grundsatzdebatte über die Zukunftsausrichtung der deutschen

EinordnungDie Meldung verdeutlicht die Polarisierung der deutschen Politik rund um die Ukraine-Krise. Sie zeigt die unterschiedlichen Auffassungen zur Rolle Deutschlands und der ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard SchrÖder in der internationalen Konfliktlösung.
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Quelle: Welt International
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