Wirtschaft

Larry Fink: Rechenzeit wird neue Anlageklasse – Was hinter BlackRocks Compute-Wette steckt

Der BlackRock-Chef nannte auf dem Milken-Gipfel Compute-Futures einen neuen Billionen-Markt. Die Infrastruktur dafür bauen BlackRock und Nvidia gerade – mit bis zu 100 Milliarden Dollar

Von Julia Schneider 3 Min. Lesezeit Aktualisiert: 13.05.2026
Larry Fink: Rechenzeit wird neue Anlageklasse – Was hinter BlackRocks Compute-Wette steckt

„A new asset class will be buying futures of compute." Mit diesem Satz sorgte BlackRock-Chef Larry Fink am 5. Mai 2026 auf der Milken Institute Global Conference in Beverly Hills für Aufsehen. Rechenzeit – die knappe Ressource hinter jedem KI-Modell – könnte bald ähnlich gehandelt werden wie Öl, Gas oder Getreide.

Was Fink konkret gesagt hat

Fink sieht keinen KI-Bubble, sondern das Gegenteil: eine strukturelle Knappheit bei Compute, Chips, Speicher und Strom. In seiner Aussage vergleicht er Compute-Futures direkt mit klassischen Rohstoff-Futures – also Finanzinstrumenten, mit denen Firmen sich gegen künftige Preisanstiege absichern. Wer heute weiß, dass er in zwei Jahren massiv GPU-Zeit braucht, würde diese künftig ähnlich einkaufen wie eine Airline ihre Kerosin-Futures.

„A new asset class will be buying futures of compute."

— Larry Fink, CEO BlackRock, Milken Institute Global Conference, 5. Mai 2026

Bloomberg-Clip: Larry Finks Statement auf der Milken Global Conference, 5. Mai 2026

Die Infrastruktur dahinter: 100 Milliarden Dollar

Das ist nicht nur Theorie. BlackRock (Global Infrastructure Partners), Microsoft und MGX haben im September 2024 die AI Infrastructure Partnership (AIP) gegründet – mit dem Ziel, bis zu 30 Milliarden Dollar Eigenkapital und bis zu 100 Milliarden Dollar inklusive Fremdkapital in KI-Rechenzentren zu investieren. Nvidia und xAI traten kurz darauf der Partnerschaft bei. Im Oktober 2025 übernahm das Konsortium Aligned Data Centers für rund 40 Milliarden Dollar – der bislang größte Deal dieser Art.

Das bedeutet: BlackRock und Nvidia bauen die physische Infrastruktur, auf der ein künftiger Compute-Markt laufen würde. Wer die Rechenzentren besitzt, kontrolliert das Fundament einer neuen Anlageklasse.

Wie Compute-Futures funktionieren könnten

Das Modell lehnt sich an klassische Rohstoff-Märkte an:

  • Spot-Markt: Rechenzeit wird heute zu tagesaktuellen Preisen gekauft. Der Silicon Data H100 Index (SDH100RT) – ein unabhängiger Benchmark, der täglich 3,5 Millionen Datenpunkte aus über 30 Anbietern aggregiert – erfasst diese Preise bereits in Echtzeit. Eine H100-GPU-Stunde kostet je nach Anbieter zwischen 2,50 und 6,00 Dollar (Stand Mai 2026, Marktdurchschnitt ~3,50 Dollar bei Cloud-Providern, höher bei Hyperscalern).
  • Futures-Markt: Unternehmen kaufen Rechenzeit-Kontrakte auf Termin – Absicherung gegen Preisexplosionen bei neuen Modell-Releases oder Chip-Engpässen.
  • Tokenisierter Compute: Dezentrale Plattformen wie Aethir, io.net und Render Network machen GPU-Kapazitäten heute schon in kleineren Einheiten handelbar – als Blockchain-basierte Token. BlackRock selbst betreibt mit dem BUIDL-Fonds (2,4 Mrd. Dollar AUM) bereits den weltgrößten tokenisierten Geldmarktfonds auf Ethereum.

Marktpotenzial: Billionen im Blick

SegmentMarktvolumen 2025Prognose 2030
Cloud-KI-Computing~180 Mrd. USD~800 Mrd. USD
GPU-as-a-Service (Spot-Markt)~25 Mrd. USD~220 Mrd. USD
Compute-Futures & -DerivateEntstehend (2026)~50–150 Mrd. USD

Zum Vergleich: Der globale Ölterminmarkt (Brent, WTI) hat ein tägliches Handelsvolumen von über 1 Billion Dollar. Der Goldmarkt hält physisch und via Derivate rund 14 Billionen Dollar. Compute würde in dieses Liga eintreten, wenn die nötige Finanzmarkt-Infrastruktur erst einmal steht.

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Bildmaterial: ZenNews24 Mediathek

Risiken und offene Fragen

Technologierisiko: GPUs altern schnell. Nvidia veröffentlicht alle 12 bis 18 Monate eine neue Architektur. Wer heute in H100-Kapazitäten investiert, hält in drei Jahren möglicherweise veraltete Hardware – vergleichbar mit einem Ölfeld, das plötzlich leer läuft.

Regulatorische Unsicherheit: Ob Compute-Futures als Wertpapiere, Rohstoff-Derivate oder Utility Tokens einzustufen sind, ist in der EU und den USA noch nicht abschließend geklärt. Der regulatorische Rahmen muss erst entstehen, bevor ein echter institutioneller Markt möglich ist.

Konzentrationsrisiko: Nvidia hält aktuell rund 80 Prozent des KI-Chip-Marktes. Eine einzige Technologieentscheidung – ein AMD-Durchbruch, neue Intel-Architektur oder Chinas Investitionen in eigene KI-Chips – könnte das Fundament dieses Marktes verschieben.

Liquiditätsfrage: Physisches Settlement (tatsächliche GPU-Nutzung) erfordert Standardisierung, die noch nicht existiert. Rein finanzielle Kontrakte könnten sich von der realen Nachfrage entkoppeln und zu Spekulationsblasen führen.

Was Privatanleger jetzt tun können

Ein direkter Kauf von Compute-Futures ist für Privatanleger noch nicht möglich. Der indirekte Weg führt über:

  • Nvidia-Aktie (NVDA): Direkte Wette auf den führenden GPU-Hersteller
  • AI-Infrastructure-ETFs: Etwa iShares-Produkte mit Fokus auf Datenzentren und KI-Infrastruktur
  • CoreWeave (CRWV): Seit dem Börsengang am 28. März 2025 (IPO-Preis: 40 Dollar) auf rund 106 Dollar gestiegen – ein Plus von knapp 165 Prozent
  • Tokenisierter Compute (Crypto): Aethir (ATH), Render Network (RNDR), io.net (IO) – für risikobereite Anleger mit Krypto-Exposure

Fazit

Larry Finks Aussage ist kein Zufall und kein Gedankenspiel. BlackRock baut mit Nvidia und Microsoft gerade die physische Grundlage für genau diesen Markt – mit 100 Milliarden Dollar Kapitaleinsatz. Wann die ersten echten Compute-Futures handelbar sind, ist offen. Dass sie kommen, scheint kaum mehr zu bezweifeln.

Passend dazu: Google verhandelt mit SpaceX über orbitale Rechenzentren – während BlackRock die Infrastruktur finanziert, denkt Google bereits über das nächste Kapitel nach: Compute im Orbit.

Quellen: Bloomberg: Larry Fink predicts futures market for computing power | BlackRock IR: AI Infrastructure Partnership | Silicon Data H100 Index | 247 Wall St: BlackRock's Larry Fink says AI is creating a new trillion-dollar asset class

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Weiterführende Informationen: Statistisches Bundesamt

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Julia Schneider
Gesellschaft & International

Julia Schneider schreibt über gesellschaftliche Trends, internationale Konflikte und humanitäre Themen. Sie hat als Auslandskorrespondentin aus Brüssel und Wien berichtet.

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