Klima

Verbrenner-Aus gekippt: Was das für Autokäufer bedeutet

Deutschland und Frankreich einigen sich auf Aufweichung des EU-Verbots für Verbrennungsmotoren.

Von Andreas Koch 7 Min. Lesezeit
Verbrenner-Aus gekippt: Was das für Autokäufer bedeutet

Betrifft: Autofahrer · Verbraucher · Unternehmen

In Kürze
  • Deutschland und Frankreich einigen sich auf Aufweichung des EU-Verbrenner-Verbots: Neuwagen mit Verbrennungsmotoren sollen auch nach 2035 zugelassen werden können.
  • Plug-in-Hybride und E-Fuel-Fahrzeuge sollen bis mindestens 2040 Übergangsfrist erhalten. Die EU-Kommission prüft den Vorschlag bis Jahresende.
  • Kritiker warnen vor höheren CO2-Emissionen und Investitionsunsicherheit. Ein Vollverbrenner-Aus hätte bis 2040 etwa 300 Millionen Tonnen CO2 einsparen können.

Deutschland und Frankreich haben sich auf eine gemeinsame Position zur Aufweichung des EU-Verbrenner-Verbots ab 2035 geeinigt und wollen Hybridmotoren sowie klimaneutrale E-Fuels dauerhaft zulassen. Die Einigung der beiden größten EU-Volkswirtschaften gilt als entscheidender Hebel, um die ursprünglich für 2035 geplante Vollumstellung auf emissionsfreie Neuwagen zu verwässern. Umweltverbände und Klimaforscher warnen vor den Folgen für die europäischen CO2-Ziele.

  • Deutschland und Frankreich fordern Ausnahmen für Plug-in-Hybride und E-Fuel-Fahrzeuge nach 2035
  • Die EU-Kommission will den Vorschlag bis Ende des Jahres offiziell prüfen
  • Der Verkehrssektor verfehlt in Deutschland seit Jahren seine gesetzlichen Klimaziele
  • Kritiker warnen vor Investitionsunsicherheit für die Automobilindustrie und vor höheren CO2-Emissionen

CO2/Klimazahl: Der Straßenverkehr verursacht in der EU rund ein Fünftel aller Treibhausgasemissionen. Ein vollständiges Verbrenner-Aus hätte laut Berechnungen der EU-Kommission bis 2040 zusätzlich etwa 300 Millionen Tonnen CO2 einsparen können – das entspricht in etwa den jährlichen Gesamtemissionen Frankreichs. (Quelle: Europäische Umweltagentur)

Was genau haben Deutschland und Frankreich beschlossen?

Die Bundesregierung und die französische Regierung haben sich in einem gemeinsamen Positionspapier darauf verständigt, der EU-Kommission eine Überarbeitung der Flottengrenzwerte-Verordnung vorzuschlagen. Kern des Vorstoßes ist, dass Neuwagen mit Verbrennungsmotor auch nach 2035 zugelassen werden dürfen, sofern sie ausschließlich mit synthetischen Kraftstoffen, sogenannten E-Fuels, betankt werden. Zusätzlich sollen Plug-in-Hybride bis mindestens 2040 eine Übergangsfrist erhalten.

Beide Länder begründen den Schritt mit Sorgen um die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Autoindustrie. Besonders deutsche Hersteller hätten in den vergangenen Jahren Marktanteile an chinesische Elektroauto-Produzenten verloren, heißt es aus Regierungskreisen. Die Einigung muss nun noch von den übrigen 25 EU-Mitgliedstaaten sowie dem Europäischen Parlament verhandelt werden.

Wie reagiert die EU-Kommission auf den Vorstoß?

Die EU-Kommission hatte bereits im Frühjahr eine Überprüfung der 2035-Regelung angekündigt, nachdem mehrere Mitgliedstaaten Bedenken geäußert hatten. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen signalisierte Gesprächsbereitschaft, betonte jedoch, dass die Klimaziele der EU für 2030 und 2040 nicht angetastet werden dürften. Ein offizieller Gesetzesvorschlag der Kommission wird für das kommende Jahr erwartet.

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Was bedeutet das konkret für Autokäufer?

Für Verbraucherinnen und Verbraucher ändert sich kurzfristig wenig: Neuwagen mit klassischem Benzin- oder Dieselmotor bleiben vorerst erhältlich, auch über das Jahr 2035 hinaus könnten E-Fuel-Fahrzeuge eine Option bleiben. Allerdings bleibt unklar, zu welchem Preis synthetische Kraftstoffe tatsächlich verfügbar sein werden, da deren Herstellung derzeit noch deutlich teurer ist als fossiler Kraftstoff oder Strom.

Wer auf ein E-Auto umsteigen wollte, muss mit größerer Unsicherheit bei Wiederverkaufswerten und Förderpolitik rechnen. Analysten der Automobilbranche weisen darauf hin, dass eine Verlängerung der Verbrenner-Option die Planungssicherheit für Investitionen in Ladeinfrastruktur schwächen könnte.

Welche Rolle spielen E-Fuels wirklich?

Synthetische Kraftstoffe gelten technisch als klimaneutral, da bei ihrer Verbrennung nur so viel CO2 freigesetzt wird, wie zuvor bei der Herstellung aus der Luft gebunden wurde. Allerdings ist ihre Produktion extrem energieintensiv: Für die gleiche Fahrleistung benötigt ein E-Fuel-Fahrzeug nach Berechnungen des Fraunhofer-Instituts etwa fünfmal so viel Energie wie ein batteriebetriebenes Elektroauto. Derzeit existieren weltweit nur wenige industrielle Produktionsanlagen.

Was sagt die Klimawissenschaft zu dieser Entwicklung?

Der Weltklimarat IPCC stuft eine rasche Dekarbonisierung des Verkehrssektors als zentralen Baustein ein, um die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. In seinem jüngsten Sachstandsbericht betont das Gremium, dass Verzögerungen bei der Verkehrswende die verbleibenden CO2-Budgets schneller aufbrauchen und spätere Maßnahmen entsprechend drastischer ausfallen müssten.

Klimaforscher kritisieren, dass eine Aufweichung des Verbrenner-Verbots das Signal an Investoren und Zulieferer verwässere. Schon jetzt verfehlt Deutschland seine Klimaziele im Verkehrssektor regelmäßig, wie auch der Expertenrat für Klimafragen wiederholt festgestellt hat. Mehr dazu in unserem Artikel Klimaschutzziele verfehlt: Was das bedeutet.

Wie ordnen unabhängige Institute die Risiken ein?

Das Umweltbundesamt warnt, dass eine Verlängerung der Verbrenner-Zulassung die Nachfrage nach Elektroautos bremsen und damit den Hochlauf der Ladeinfrastruktur verzögern könnte. Gleichzeitig räumen Vertreter des Instituts ein, dass eine technologieoffene Regelung für bestimmte Nischenanwendungen, etwa im Schwerlastverkehr, sinnvoll sein könne.

Was machen andere Länder in der Verkehrswende?

International zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Norwegen hat den Verbrenner-Anteil bei Neuzulassungen bereits auf unter fünf Prozent gedrückt und gilt als Vorreiter bei der Elektromobilität. China wiederum dominiert mittlerweile den globalen Markt für Elektrofahrzeuge und exportiert zunehmend auch nach Europa.

In den USA wurden strengere Abgasvorschriften unter der aktuellen Regierung teilweise wieder zurückgenommen, was den Druck auf europäische Hersteller zusätzlich erhöht, am heimischen Markt wettbewerbsfähig zu bleiben. Diese globale Gemengelage erklärt, warum Berlin und Paris nun gemeinsam auf eine Lockerung drängen.

Land/RegionVerbrenner-Neuzulassungen 2025Politischer Kurs 2026
Deutschlandca. 62 %Lockerung gefordert
Frankreichca. 55 %Lockerung gefordert
Norwegenunter 5 %Verbot bleibt bestehen
Chinaca. 38 %Förderung von E-Antrieben verstärkt
USAca. 75 %Abgasnormen gelockert

Warum ist die deutsch-französische Achse so entscheidend?

Für eine Änderung der EU-Flottengrenzwerte ist eine qualifizierte Mehrheit im Rat notwendig. Deutschland und Frankreich repräsentieren gemeinsam einen so großen Bevölkerungsanteil, dass ihre gemeinsame Position faktisch kaum zu überstimmen ist. Beobachter werten die Einigung deshalb als wahrscheinlichen Wendepunkt für die endgültige EU-Regelung.

Welche Folgen hat das für den Klimaschutz insgesamt?

Der Verkehrssektor bleibt neben Energie und Industrie einer der größten Emittenten in Deutschland. Eine Verzögerung der Antriebswende könnte laut Berechnungen des Umweltbundesamts dazu führen, dass die nationalen Klimaziele für 2030 noch deutlicher verfehlt werden als bisher ohnehin erwartet.

Gleichzeitig verweisen Befürworter der Lockerung darauf, dass technologieoffene Lösungen Innovationsanreize schaffen könnten. Kritiker halten dagegen, dass die Zeit für ergebnisoffene Experimente angesichts der verbleibenden CO2-Budgets knapp wird. Die Debatte reiht sich ein in eine größere Diskussion über Prioritäten der EU-Klimapolitik, wie sie auch beim jüngsten Klimagipfel: E-Autos und Wärmepumpen statt CO2-Ziele? sichtbar wurde.

Gibt es Parallelen zu anderen Umweltthemen?

Die Debatte um das Verbrenner-Aus zeigt ein Muster, das sich auch bei anderen Klimathemen findet: kurzfristige wirtschaftliche Interessen treffen auf langfristige ökologische Notwendigkeiten. Ähnliche Zielkonflikte beschreiben wir auch in unserem Beitrag Tierbestände: WWF warnt vor dramatischem Rückgang weltweit, wo wirtschaftliche Nutzung und Artenschutz ebenfalls im Spannungsfeld stehen.

Was bedeutet die Debatte für die Zukunft der Mobilität?

Automobilhersteller müssen nun mit größerer regulatorischer Unsicherheit planen. Mehrere deutsche Konzerne hatten ihre Produktionslinien bereits auf eine vollständige Elektrifizierung bis 2035 ausgerichtet und milliardenschwere Investitionen in Batteriewerke getätigt.

Eine Lockerung der Vorgaben könnte diese Investitionen entwerten oder zumindest ihre Amortisation verzögern. Brancheninsider sprechen von einem "Zick-Zack-Kurs" der Politik, der langfristige unternehmerische Planung erschwere.

Wie hängt die Verkehrswende mit anderen Klimafolgen zusammen?

Verzögerungen bei der Verkehrswende summieren sich mit anderen beobachtbaren Klimafolgen in Europa. Der fortschreitende Meeresspiegel steigt: Was das für Deutschland bedeutet ebenso wie die zunehmende Wasserkrise: Europas Flüsse so leer wie nie zuvor zeigen, dass Verzögerungen im Verkehrssektor nicht isoliert betrachtet werden können, sondern Teil eines größeren Bildes sind, zu dem auch die Erwärmung des Mittelmeers zählt, wie im Artikel Mittelmeer heizt sich auf: Gefahr für Millionen Urlauber beschrieben.

Klimaforscher betonen deshalb, dass einzelne Politikentscheidungen wie die Verbrenner-Regelung stets im Kontext der übergeordneten Klimaziele bewertet werden müssen, nicht isoliert als industriepolitische Frage.

Wie geht es jetzt politisch weiter?

Die EU-Kommission will den deutsch-französischen Vorschlag in den kommenden Wochen prüfen und einen eigenen Gesetzesentwurf vorlegen. Dieser muss anschließend sowohl vom EU-Parlament als auch vom Rat der Mitgliedstaaten gebilligt werden, ein Prozess, der sich laut Beobachtern bis weit in das kommende Jahr ziehen könnte.

Umweltverbände kündigten bereits an, den Gesetzgebungsprozess kritisch zu begleiten. Das Statistische Bundesamt wird in den kommenden Monaten zudem aktualisierte Zahlen zu den Emissionen des Verkehrssektors veröffentlichen, die als wichtiger Indikator für die weitere politische Debatte gelten dürften.

Was können Autokäufer in der Übergangszeit erwarten?

Bis eine endgültige Regelung steht, bleibt die Rechtslage für Neuwagenkäufer unverändert: Der ursprüngliche Beschluss eines faktischen Verbrenner-Verbots ab 2035 gilt formal weiter. Experten raten dazu, Kaufentscheidungen weniger von kurzfristigen politischen Signalen als von den tatsächlichen Betriebskosten und der individuellen Nutzung abhängig zu machen.

Infratest dimap zufolge zeigt sich in aktuellen Umfragen eine gespaltene Bevölkerung: Etwa die Hälfte der Befragten befürwortet eine Lockerung der Vorgaben, während die andere Hälfte am ursprünglichen Zeitplan für den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor festhalten möchte. (Quelle: infratest dimap, Umweltbundesamt, Fraunhofer-Institut)

Was bisher geschah

  1. 10 Quellen berichten darüber
  2. Was das für Autokäufer bedeutet

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Originalquellen: Europäische Umweltagentur

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Andreas Koch
Gesundheit & Klima

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