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China-Säuberung: Xi Jinping entmachtet Top-Generäle

Zhang Youxia und Liu Zhenli müssen Partei und Militär wegen angeblichen Fehlverhaltens verlassen.

Von Thomas Weber 6 Min. Lesezeit
China-Säuberung: Xi Jinping entmachtet Top-Generäle
Das Wichtigste in Kürze
  • Xi Jinping wirft zwei seiner ranghöchsten Militärs aus Partei und Armee: Generalstabschef Liu Zhenli und den mächtigen Vize-Vorsitzenden Zhang Youxia
  • Offiziell heißt es Fehlverhalten - Beobachter sehen darin eine gezielte Säuberung im Machtapparat der Volksrepublik

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hat zwei der ranghöchsten Militärs des Landes, Vize-Vorsitzender Zhang Youxia und Generalstabschef Liu Zhenli, aus Partei und Armee entfernt – die bislang größte Säuberung an der Spitze der Volksbefreiungsarmee seit Jahren. Wie Reuters und AP unter Berufung auf Parteikreise berichten, wird beiden Generälen "schweres Fehlverhalten" sowie Korruption vorgeworfen. Die Personalie trifft die Zentrale Militärkommission ins Mark und wirft ein Schlaglicht auf die innere Instabilität in Pekings Machtapparat.

  • Zhang Youxia, zweitmächtigster Mann in der Zentralen Militärkommission, verliert alle Parteiämter
  • Generalstabschef Liu Zhenli wird wegen Korruptionsvorwürfen aus dem Amt entfernt
  • Es ist die größte Militär-Säuberung unter Xi Jinping seit dem Sturz der Verteidigungsminister Li Shangfu und Wei Fenghe
  • Beobachter sehen darin ein Signal wachsender Nervosität in der Führung vor dem Parteitag

Was ist genau passiert?

Nach Angaben von Reuters wurden Zhang Youxia und Liu Zhenli in einer nichtöffentlichen Sitzung der Zentralen Militärkommission ihrer Ämter enthoben. Beiden wird vorgeworfen, in großangelegte Korruptionsnetzwerke innerhalb der Volksbefreiungsarmee verwickelt gewesen zu sein. Offizielle Staatsmedien haben die Entlassungen bislang nicht bestätigt, was in Peking als typisches Muster bei sensiblen Personalentscheidungen gilt.

dpa berichtet, dass westliche Geheimdienste die Vorgänge bereits seit Wochen beobachtet hätten. Auffällig sei gewesen, dass beide Generäle bei wichtigen öffentlichen Terminen zuletzt fehlten. AP ergänzt, dass Zhang Youxia als einer der engsten militärischen Vertrauten Xi Jinpings galt und seine Entmachtung deshalb als besonders brisant gilt.

Wer sind die betroffenen Generäle?

Zhang Youxia, mittlerweile über 75 Jahre alt, gehörte seit Jahren zum inneren Zirkel der chinesischen Militärführung und war für die Modernisierung der Streitkräfte mitverantwortlich. Liu Zhenli hingegen wurde erst vor wenigen Jahren zum Generalstabschef befördert und galt als Aufsteiger mit engen Verbindungen zur Marine- und Raketentruppenführung. Beide Karrieren endeten nun abrupt.

Warum entmachtet Xi Jinping ausgerechnet jetzt seine engsten Generäle?

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Politikanalysten sehen die Säuberung als Teil einer längeren Kampagne Xi Jinpings, die Kontrolle über die Volksbefreiungsarmee weiter zu zentralisieren. Bereits in den vergangenen Jahren waren mehrere hochrangige Militärs, darunter zwei Verteidigungsminister, wegen Korruptionsvorwürfen gestürzt. UN-Beobachter und Diplomaten in Peking werten dies als Zeichen dafür, dass Korruption in der Armee tiefer verwurzelt ist als bislang angenommen.

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Reuters zitiert Insider, wonach die aktuelle Säuberung auch mit der geplanten Neuaufstellung der Kommandostrukturen im Vorfeld möglicher Spannungen um Taiwan zusammenhängen könnte. Eine geschwächte oder als unzuverlässig eingestufte Militärführung würde Pekings Handlungsfähigkeit in einer Krise erheblich einschränken.

Welche Rolle spielt der bevorstehende Parteitag?

Mit Blick auf den nächsten wichtigen Parteikongress will Xi Jinping offenbar sicherstellen, dass keine potenziellen Rivalen oder unzuverlässigen Figuren in Schlüsselpositionen verbleiben. Personalentscheidungen dieser Größenordnung kurz vor einem solchen Ereignis gelten in der Parteigeschichte traditionell als Machtdemonstration, nicht nur als Antikorruptionsmaßnahme.

Wie reagiert das Ausland auf die Entmachtung?

Die USA und Verbündete in der Region beobachten die Entwicklung mit Sorge, da Unsicherheit an der Spitze der chinesischen Streitkräfte auch die Berechenbarkeit Pekings in militärischen Krisensituationen verringern könnte. Dies betrifft insbesondere die Lage rund um Taiwan, wo Xi Jinping bereits zuvor deutliche Warnungen an die USA gerichtet hatte.

Zudem hatten die jüngsten diplomatischen Kontakte zwischen Washington und Peking gezeigt, wie eng militärische und wirtschaftliche Fragen mittlerweile verflochten sind. Erst kürzlich wurde ausführlich über den Besuch von Donald Trump in China und die dabei sichtbare Symbolpolitik berichtet.

Gibt es Parallelen zu früheren Säuberungen?

Beobachter erinnern an die Entmachtung des früheren Verteidigungsministers Li Shangfu, der ebenfalls wegen Korruptionsvorwürfen sein Amt verlor. Muster und Zeitpunkt ähneln sich: Auch damals kam die offizielle Bestätigung erst Wochen nach ersten Gerüchten, während ausländische Geheimdienste bereits vorher Hinweise gesammelt hatten.

Was bedeutet das konkret für Deutschland und Europa?

Für Berlin und Brüssel ist die innere Instabilität in Pekings Militärführung von strategischer Bedeutung, da sie direkte Auswirkungen auf die Sicherheitslage im Indopazifik und damit auf globale Lieferketten haben kann. Deutschland ist über seine exportorientierte Industrie stark von stabilen Handelsbeziehungen mit China abhängig, gleichzeitig wächst die Sorge vor militärischen Spannungen um Taiwan, die auch europäische Wirtschaftsinteressen empfindlich träfen.

Deutschland-Bezug: Das Auswärtige Amt beobachtet laut dpa die Entwicklungen in Peking aufmerksam, da personelle Umbrüche im chinesischen Militärapparat Auswirkungen auf die Stabilität der Sicherheitsarchitektur im Indopazifik haben könnten – einer Region, durch die ein erheblicher Teil des deutschen Außenhandels läuft. Zudem verweisen Wirtschaftsverbände auf mögliche Risiken für deutsche Unternehmen mit China-Geschäft, sollte sich die innenpolitische Lage in Peking weiter verschärfen.

Welche wirtschaftlichen Risiken bestehen für Europa?

Analysten warnen, dass politische Unsicherheit in Peking Investitionsentscheidungen europäischer Unternehmen beeinflussen könnte. Schon die Spannungen rund um die Straße von Hormus und mögliche Öllieferengpässe hatten gezeigt, wie schnell geopolitische Entwicklungen in Asien globale Märkte erreichen können.

Wie ordnen internationale Experten die Lage ein?

Reuters zitiert einen Sicherheitsexperten der Denkfabrik RAND, wonach Säuberungen dieser Größenordnung häufig auf tiefere Machtkämpfe innerhalb der Partei hindeuten, die über reine Korruptionsbekämpfung hinausgehen. AP verweist zudem auf Stimmen innerhalb der US-Regierung, die die Entwicklung als Hinweis auf mögliche Führungsschwäche werten – ein Aspekt, der auch im Kontext der verstärkten US-Militärpräsenz gegenüber Taiwan diskutiert wird.

dpa berichtet ergänzend, dass europäische Diplomaten die Entwicklung als Warnsignal für mögliche Unberechenbarkeit in Krisensituationen deuten. Gerade weil Militärführungen in autoritären Systemen selten öffentlich Rechenschaft ablegen, bleibt die tatsächliche Tragweite der Säuberung schwer einzuschätzen.

Wie stabil ist Xi Jinpings Machtposition tatsächlich?

Trotz der wiederholten Säuberungen gilt Xi Jinpings Kontrolle über Partei und Staat nach Einschätzung der meisten Chinaexperten weiterhin als gefestigt. Die Häufung von Entlassungen in der Armeeführung wird eher als Instrument zur Absicherung der eigenen Macht interpretiert denn als Zeichen echter Schwäche.

EreignisJahrBetroffene Person(en)Vorwurf
Entmachtung Verteidigungsminister2023Li ShangfuKorruption
Entmachtung Verteidigungsminister2023Wei FengheKorruption
Säuberung Raketentruppe2024Mehrere GeneräleKorruption, Fehlverhalten
Aktuelle Säuberung2026Zhang Youxia, Liu ZhenliKorruption, schweres Fehlverhalten

Was bedeutet die Säuberung für die Zukunft der chinesischen Militärführung?

Die Entfernung von Zhang Youxia und Liu Zhenli hinterlässt ein Machtvakuum an der Spitze der Zentralen Militärkommission, das in den kommenden Wochen neu besetzt werden dürfte. Wer die Nachfolge antritt, wird als wichtiger Indikator dafür gelten, in welche Richtung Xi Jinping die künftige Militärstrategie ausrichten will – insbesondere mit Blick auf Taiwan und den Indopazifik.

Auch der jüngste Gipfel zwischen Washington und Peking, bei dem laut Berichten hochrangige US-Wirtschaftsvertreter wie Musk, Cook und Huang anwesend waren, dürfte durch die innenpolitischen Turbulenzen in Peking neu bewertet werden müssen. Ebenso bleibt abzuwarten, wie sich die Entwicklung auf künftige Gespräche auswirkt, wie sie zuletzt beim Treffen zwischen Trump und Xi Jinping zu Iran und der Straße von Hormus im Mittelpunkt standen.

Was müssen Beobachter in den kommenden Wochen im Blick behalten?

Entscheidend wird sein, ob Peking die Personalwechsel offiziell bestätigt und wie die Nachfolgeregelung in der Militärkommission ausfällt. Internationale Beobachter, darunter UN-Vertreter mit Fokus auf regionale Sicherheit, dürften die kommenden Wochen nutzen, um Rückschlüsse auf Chinas künftigen sicherheitspolitischen Kurs zu ziehen – insbesondere mit Blick auf eine mögliche Eskalation im Taiwan-Konflikt.

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Thomas Weber
Politik & Wirtschaft

Thomas Weber beobachtet seit über 15 Jahren die deutsche Bundespolitik und europäische Wirtschaftsentwicklungen. Sein Schwerpunkt liegt auf Haushaltspolitik, Koalitionsdynamiken und internationaler Handelspolitik.

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