Politik

CDU-Krise: Merz vor Machtprobe bei Präsidiumsklausur

Nach den Wahlniederlagen im September ringt die Parteispitze um einen klaren Kurs.

Von Markus Bauer 5 Min. Lesezeit
CDU-Krise: Merz vor Machtprobe bei Präsidiumsklausur
In Kürze
  • CDU erleidet bei Landtagswahlen im September in drei Bundesländern zweistellige Verluste gegenüber vorheriger Wahl.
  • Mehrere Landesverbände fordern personelle Konsequenzen im Bundesvorstand und schärfere Abgrenzung zur SPD.
  • AfD liegt laut Umfragen bundesweit erstmals gleichauf mit der Union; Analysten sehen Haushaltsdebatte als Grund für Verluste.

Friedrich Merz steht bei der Präsidiumsklausur der CDU an diesem Wochenende vor der schwersten Bewährungsprobe seiner Kanzlerschaft, nachdem die Union bei den Landtagswahlen im September in gleich drei Bundesländern deutlich verloren hat. Parteiintern wächst der Druck auf den Vorsitzenden, einen klaren Kurswechsel einzuleiten. Mehrere Landesverbände fordern personelle Konsequenzen und eine schärfere Abgrenzung zur SPD in der Koalition.

  • CDU verliert bei Landtagswahlen im September in drei Ländern zweistellig gegenüber der letzten Wahl
  • Präsidiumsklausur in Berlin gilt als Richtungsentscheidung für die Restlaufzeit der Koalition
  • Mehrere Landesverbände fordern personelle Konsequenzen im Bundesvorstand
  • Umfragen von infratest dimap sehen AfD bundesweit erstmals gleichauf mit der Union

Die Stimmung in der CDU-Zentrale ist nach Angaben mehrerer Teilnehmer der jüngsten Präsidiumssitzung angespannt. Nach den Niederlagen im September wird offen über die Strategie der Partei diskutiert, auch über Merz' Führungsstil selbst.

Was ist bei den Landtagswahlen im September genau passiert?

Die CDU musste in den drei Ländern, in denen im September gewählt wurde, teils historische Verluste hinnehmen. Besonders schmerzhaft war das Ergebnis in Regionen, die traditionell als Stammland der Union galten (Quelle: Infratest dimap).

Parallel dazu legte die AfD in allen drei Ländern deutlich zu und liegt laut aktuellen Erhebungen bundesweit erstmals mit der Union gleichauf. Das Institut für Demoskopie Allensbach bestätigt diesen Trend in einer separaten Erhebung von Anfang Oktober.

Welche Rolle spielte die Bundespolitik bei den Verlusten?

Analysten der Konrad-Adenauer-Stiftung verweisen auf den engen Zusammenhang zwischen den schwachen Länderergebnissen und der schwierigen Haushaltsdebatte im Bund. Viele Wähler äußerten in Nachwahlbefragungen Unzufriedenheit mit der wahrgenommenen Konfliktunfähigkeit der Koalition.

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Besonders der ungelöste Streit über die Finanzierung zentraler Vorhaben belastet das Bild der Regierungsarbeit. Mehr dazu in unserem Artikel Haushaltskrise: Merz und SPD streiten um Milliarden.

Wie reagiert die Parteispitze auf die Krise?

Merz Wahlkampf Rede Menge

Merz hat die Präsidiumsklausur kurzfristig um einen zusätzlichen Tag verlängert, um grundsätzliche strategische Fragen zu klären. Teilnehmer berichten von kontroversen Debatten über den künftigen Umgang mit der AfD und die Positionierung in der Migrationspolitik.

Mehrere Ministerpräsidenten aus ostdeutschen Ländern fordern eine schärfere inhaltliche Abgrenzung sowie eine Rückkehr zu klassischen konservativen Positionen. Andere Stimmen im Präsidium warnen vor einem zu starken Rechtsruck, der die Koalition mit der SPD zusätzlich belasten könnte.

Gibt es bereits personelle Forderungen?

Aus der Jungen Union kamen in den vergangenen Tagen erste Forderungen nach einer Verjüngung des Bundesvorstands. Namentlich wurde bislang niemand öffentlich in Frage gestellt, doch die Debatte über eine mögliche Kabinettsumbildung hat innerhalb der Partei bereits begonnen.

Ähnliche Krisensitzungen hatte es bereits im Spätsommer gegeben, wie wir in unserem Bericht Merz sagt New York ab: CDU-Spitze tagt vor Wahlschluss im Krisenmodus dokumentiert haben.

Wie stabil ist die Koalition mit der SPD noch?

Die Wahlniederlagen der CDU wirken sich direkt auf das Koalitionsklima in Berlin aus. SPD-Generalsekretär und Fraktionsspitze beobachten die Entwicklung mit wachsender Sorge, da ein geschwächter Koalitionspartner die eigene Verhandlungsposition in der Haushaltspolitik verändert.

Innerhalb der SPD wird zugleich diskutiert, ob man sich stärker von der Union distanzieren sollte, um bei den eigenen Anhängern nicht weiter an Profil zu verlieren. Diese Debatte überschneidet sich mit Fragen, die bereits in unserem Artikel Koalitionskrise: Platzt jetzt Schwarz-Rot? ausführlich behandelt wurden.

Was sagen die Umfragen zur aktuellen Koalitionsstabilität?

Laut einer aktuellen Forsa-Erhebung glauben nur noch 29 Prozent der Befragten, dass die Koalition bis zum regulären Ende der Legislaturperiode hält. Das ist ein Rückgang von elf Prozentpunkten gegenüber einer vergleichbaren Umfrage im Frühjahr.

Gleichzeitig zeigt die Erhebung, dass eine Mehrheit der Wähler Neuwahlen derzeit ablehnt, aus Sorge vor weiterer politischer Instabilität. Diese Ambivalenz erschwert sowohl der Union als auch der SPD eine klare strategische Entscheidung.

Fraktionspositionen: CDU/CSU fordert geschlossenes Auftreten der Koalition und verweist auf Reformbedarf bei Migration und Haushalt, SPD pocht auf soziale Ausgleichsmaßnahmen und warnt vor Kurskorrekturen nach rechts, Grüne kritisieren mangelnde Klimaambitionen der Regierung, AfD sieht sich durch die Wahlergebnisse in ihrer Oppositionsrolle bestätigt und fordert Neuwahlen.

Welche Themen stehen bei der Präsidiumsklausur im Mittelpunkt?

Neben der Personaldebatte dominieren inhaltliche Fragen die Klausur. Besonders die Klimapolitik und der Haushalt für das kommende Jahr sorgen für Spannungen zwischen den verschiedenen Flügeln der Partei.

Wirtschaftsnahe Verbände innerhalb der CDU drängen darauf, klimapolitische Vorgaben zeitlich zu entzerren, um die Industrie zu entlasten. Diese Position deckt sich mit Forderungen, die bereits in unserem Artikel Klimakrise in Deutschland: Industrie und Gewerkschaften drängen auf spätere Einsparungen beschrieben wurden.

Welche Rolle spielt das Bundesverfassungsgericht in der aktuellen Debatte?

Das Bundesverfassungsgericht hatte in einer früheren Entscheidung zur Schuldenbremse enge Grenzen für zusätzliche Haushaltsspielräume gesetzt. Diese Vorgabe erschwert der Koalition nun, neue finanzielle Zusagen zu machen, ohne verfassungsrechtliche Risiken einzugehen.

Auch der Bundesrat hat in seiner letzten Sitzung deutlich gemacht, dass Länder bei einer möglichen Reform der Schuldenbremse ein Mitspracherecht einfordern. Diese föderale Dimension verkompliziert die ohnehin angespannten Verhandlungen zwischen CDU und SPD zusätzlich.

Wie blickt die Parteibasis auf die Entwicklung?

In mehreren Landesverbänden mehren sich kritische Stimmen zur Kommunikationsstrategie der Bundespartei. Besonders jüngere Mitglieder fordern eine klarere Haltung gegenüber der AfD, anstatt wie bisher vorwiegend auf Abgrenzung durch Schweigen zu setzen.

Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck hatte bereits in einem vielbeachteten Interview gemahnt, dass politische Krisen nicht nur beschrieben, sondern aktiv angegangen werden müssten. Seine Äußerungen, dokumentiert in unserem Beitrag Joachim Gauck: »Krisenszenarien beschreiben können wir hervorragend. Jetzt muss gehandelt werden«, werden auch innerhalb der CDU als Mahnung zitiert.

Gibt es Parallelen zu anderen Parteien?

Auch bei der SPD und den Grünen zeigen sich ähnliche Richtungskonflikte, wie unser Bericht über die Lage in Berlin zeigt. Besonders die Verhandlungen zwischen Linken und Grünen auf Landesebene verdeutlichen, dass die Fragmentierung des Parteiensystems alle etablierten Kräfte vor ähnliche Herausforderungen stellt. Details dazu finden sich im Artikel SPD-Sondierung: Linke und Grüne vor Machtprobe in Berlin.

Diese Parallelen zeigen, dass die Krise der CDU kein isoliertes Phänomen ist, sondern Teil eines größeren Umbruchs im deutschen Parteiensystem, der sich seit mehreren Wahlzyklen abzeichnet.

14. September
CDU verliert bei Landtagswahlen in drei Bundesländern deutlich an Stimmen, AfD legt stark zu.
20. September
Erste interne Kritik an Merz' Führungsstil wird aus Landesverbänden öffentlich.
Ende September
Forsa-Umfrage zeigt sinkendes Vertrauen in die Stabilität der Koalition mit der SPD.
9. Oktober
Präsidiumsklausur wird um einen Tag verlängert, Debatte über Kurswechsel beginnt.
10. Oktober
Merz stellt sich bei der Klausur den internen Kritikern, Ausgang offen.
ParteiErgebnis September (%)VeränderungBundestrend (Okt.)
CDU/CSU24,8-9,326 %
SPD14,2-3,115 %
Grüne11,5-1,812 %
AfD27,6+8,427 %

Wie die Präsidiumsklausur ausgeht, dürfte maßgeblich darüber entscheiden, ob Merz die Koalition bis zum regulären Ende der Legislaturperiode fortführen kann. Sowohl parteiintern als auch im Koalitionsverhältnis mit der SPD steht die CDU damit an einem entscheidenden Punkt, dessen Folgen weit über die nächsten Wochen hinausreichen dürften.

Was bisher geschah

  1. Kanzler in Not: Warum es jetzt für Friedrich Merz um alles geht
  2. Merz vor Machtprobe bei Präsidiumsklausur

Coverage: 2 Berichte zu dieser Geschichte aus 2 Quellen. Hol mich auf den Stand →

Originalquellen: Infratest dimap · Institut für Demoskopie Allensbach · Konrad-Adenauer-Stiftung

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