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auto motor und sport: Diese E-Autos schaffen 700 km

Wir haben den Reichweiten-Vergleich angesehen und fragen: Sind das Alltagszahlen?

Von ZenNews24 Redaktion 8 Min. Lesezeit Aktualisiert: 08.05.2026
auto motor und sport: Diese E-Autos schaffen 700 km

Siebenhundert Kilometer mit einer Einladung: Was nach Science-Fiction klingt, ist laut einem aktuellen Reichweiten-Vergleich von auto motor und sport für einige wenige Elektroautos bereits Realität — zumindest auf dem Papier. Doch zwischen WLTP-Norm und deutschen Landstraßen liegen oft Welten.

Der Vergleich, den das Fachmagazin veröffentlicht hat, listet Modelle auf, die laut offizieller Typgenehmigung über 700 Kilometer weit kommen sollen. Namen wie Mercedes EQS, BMW iX, Hyundai IONIQ 6 und der Lucid Air tauchen darin auf. Kaufinteressenten jubeln — Verbraucherschützer und Automobilclubs bremsen. Denn die Frage lautet nicht, was ein Elektroauto unter Idealbedingungen schafft, sondern was davon im deutschen Alltag ankommt.

Was steckt hinter den 700-km-Versprechen?

Grundlage aller offiziellen Reichweitenangaben ist der WLTP-Zyklus (Worldwide Harmonised Light Vehicles Test Procedure), der seit einigen Jahren den alten NEFZ-Standard abgelöst hat. WLTP gilt als praxisnäher, bildet aber dennoch einen Laborzyklus ab — mit definierten Temperaturen, standardisierten Fahrprofilen und ohne Klimaanlage im Volllastbetrieb. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) weist in seinen Typgenehmigungsunterlagen ausdrücklich darauf hin, dass individuelle Verbrauchswerte erheblich von den Normangaben abweichen können.

Der ADAC hat in zahlreichen Praxistests festgestellt, dass Elektroautos im Realbetrieb im Schnitt rund 20 bis 30 Prozent weniger Reichweite erzielen als die WLTP-Angabe verspricht. Bei einem Fahrzeug mit 700 Kilometern auf dem Datenblatt bedeutet das: Wer im Winter auf der Autobahn unterwegs ist, darf realistisch mit 450 bis 520 Kilometern rechnen — wenn überhaupt. Im Sommer und bei gemäßigtem Tempo sieht die Bilanz besser aus, liegt aber selten auf Normhöhe.

Temperatur als größter Feind der Reichweite

Lithium-Ionen-Akkus reagieren empfindlich auf Kälte. Bereits bei fünf Grad Celsius sinkt die nutzbare Kapazität spürbar, bei Minustemperaturen kann ein Batteriemanagementsystem bis zu einem Viertel der Gesamtkapazität vorübergehend sperren, um die Zellen zu schützen. Hinzu kommt: Heizung, Sitzheizung, beheizte Scheiben und Spiegelheizungen ziehen Strom — in einem Verbrenner kostet Heizen fast nichts, weil die Motorabwärme genutzt wird. Im Elektroauto ist jede Kilowattstunde für Komfort eine, die nicht für die Fahrt zur Verfügung steht.

Der ADAC empfiehlt deshalb, bei der Urlaubsplanung oder langen Strecken grundsätzlich mit maximal 70 Prozent der WLTP-Angabe zu kalkulieren — und das als konservative Planungsgröße. Wer im Winter auf der Autobahn mit 130 km/h fährt und die Klimaanlage auf Volllast betreibt, kann noch deutlicher darunter landen.

Autobahn versus Stadtverkehr: Das Reichweiten-Paradox

Elektroautos verhalten sich in einem Punkt fundamental anders als Verbrenner: Im Stadtverkehr sind sie effizienter. Dank Rekuperation — also der Rückgewinnung von Bremsenergie — können E-Autos in der Stadt einen Teil der verbrauchten Energie zurückgewinnen. Auf der Autobahn bei hohem Tempo gibt es dagegen kaum Möglichkeiten zur Rekuperation, während der Luftwiderstand mit dem Quadrat der Geschwindigkeit steigt. Ein Fahrzeug, das laut WLTP 700 Kilometer schafft, kann im reinen Stadtbetrieb durchaus 750 Kilometer und mehr erreichen — auf der Autobahn bei 150 km/h aber auf 400 Kilometer zusammenschrumpfen.

Dieser Zusammenhang ist für Kaufentscheidungen elementar. Wer täglich pendelt und abends zuhause lädt, erlebt das E-Auto von seiner besten Seite. Wer regelmäßig lange Strecken bei hohem Tempo zurücklegt, sollte die Marketingzahl auf dem Prospekt mit gesunder Skepsis betrachten.

Die Modelle im Überblick: Wer behauptet was?

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Der von auto motor und sport veröffentlichte Vergleich zeigt eine klare Tendenz: Es sind vor allem große, schwere Luxuslimousinen und SUVs mit riesigen Akkupaketen, die die 700-km-Marke knacken. Kleine und mittlere Elektroautos bleiben meist deutlich darunter — was nicht zwangsläufig bedeutet, dass sie im Alltag schlechter abschneiden.

Modell WLTP-Reichweite (ca.) Akkugröße (netto) Einstiegspreis (ca.) Realreichweite ADAC-Schätzung
Mercedes EQS 450+ bis 770 km 108 kWh ab ca. 104.000 € ca. 500–580 km
BMW iX xDrive50 bis 630 km 105 kWh ab ca. 98.000 € ca. 430–520 km
Hyundai IONIQ 6 RWD (77 kWh) bis 614 km 74 kWh ab ca. 43.900 € ca. 420–500 km
Tesla Model S Long Range bis 652 km ca. 95 kWh ab ca. 89.990 € ca. 460–550 km
Lucid Air Grand Touring bis 883 km (EPA, US) ca. 112 kWh ab ca. 140.000 € WLTP-Zertifizierung ausstehend/begrenzt
Mercedes EQE 350+ bis 654 km 90 kWh ab ca. 66.000 € ca. 450–530 km

Auffällig: Die einzige Ausnahme im Segment der bezahlbareren Fahrzeuge ist der Hyundai IONIQ 6, der mit einem vergleichsweise kompakten Akku durch seine hervorragende Aerodynamik (cw-Wert 0,21) überproportionale Reichweite erzielt. Das Fahrzeug zeigt, dass Effizienz nicht zwangsläufig teuer sein muss — ein wichtiges Signal für die Branche.

Interessant ist auch der Vergleich mit Alternativen jenseits der reinen Batterie. Wer sich für einen anderen Antriebsansatz interessiert, kann sich etwa mit dem Ergebnis auseinandersetzen, das auto motor und sport beim Test des Toyota Mirai mit Brennstoffzellentechnologie erzielt hat — einem Fahrzeug, das ganz andere Stärken und Schwächen mitbringt.

Faktencheck: Die WLTP-Reichweitenangaben werden unter Laborbedingungen ermittelt und sind gesetzlich vorgeschrieben für alle Neuzulassungen in der EU. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) genehmigt die Typzulassungen auf Basis dieser Messungen, betont aber ausdrücklich, dass individuelle Fahrweise, Witterungsbedingungen, Beladung und Topografie erhebliche Abweichungen im Realbetrieb verursachen. Der ADAC hat in eigenen Messreihen dokumentiert, dass die Differenz zwischen WLTP-Norm und Alltagsreichweite im Mittel bei 20 bis 30 Prozent liegt — bei Kälte und Autobahnbetrieb kann sie auf über 40 Prozent ansteigen. Die Lucid-Air-Angabe von 883 Kilometern basiert auf dem US-amerikanischen EPA-Zyklus, der nicht direkt mit WLTP vergleichbar ist.

Was Käufer wirklich wissen müssen

Ein Blick auf die aktuellen Zulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamts zeigt, dass die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen trotz aller Diskussionen stabil bleibt — wenngleich das Wachstum in Deutschland langsamer verläuft als in anderen europäischen Märkten. Als eine der Bremsen gilt nach wie vor die Reichweitenangst, obwohl der überwiegende Teil der täglichen Fahrten in Deutschland unter 50 Kilometer liegt. Das KBA beziffert den durchschnittlichen Tageskilometerstand eines Pkw auf deutlich unter 40 Kilometer.

Für den Alltag der meisten Pendler ist Reichweite also kein echtes Problem — sofern eine Lademöglichkeit zu Hause oder am Arbeitsplatz besteht. Die psychologische Komponente ist dennoch real: Wer einmal mit leerem Akku liegengeblieben ist oder einen Ladestop auf einer langen Strecke einplanen musste, der versteht die Bedeutung von Pufferkapazität.

Für Kaufinteressenten gelten daher folgende Faustregeln, die aus der Analyse von ADAC-Daten und KBA-Statistiken abgeleitet sind:

  • 70-Prozent-Regel: Kalkuliere niemals mit der vollen WLTP-Reichweite. Setze 70 Prozent als Planungsgrundlage an — das ist im Winter auf der Autobahn immer noch optimistisch.
  • Ladeinfrastruktur prüfen: Die beste Reichweite nützt nichts, wenn die Ladeinfrastruktur auf deiner Hauptstrecke lückenhaft ist. Die Bundesnetzagentur veröffentlicht aktuelle Ladepunkt-Daten.
  • Akkugröße vs. Effizienz: Ein größerer Akku bedeutet mehr Gewicht und höhere Kosten — nicht zwangsläufig bessere Alltagstauglichkeit. Effiziente Modelle wie der IONIQ 6 liefern oft mehr Praxisreichweite pro Kilowattstunde.
  • Wärmepumpe als Option: Fahrzeuge mit serienmäßiger oder optionaler Wärmepumpe zeigen im Winter deutlich geringere Reichweiteneinbußen. Diese Option kann den Winterreichweitenverlust um bis zu zehn Prozentpunkte reduzieren (Quelle: ADAC).

Wer den Schritt zum Elektroauto erwägt und dabei auch die Wettbewerbssituation auf dem Markt beobachten will, sollte einen Blick auf die Einschätzung werfen, die auto motor und sport beim Test des BYD Seal als chinesischem Tesla-Herausforderer formuliert hat — auch dort spielen Reichweite und Effizienz eine zentrale Rolle.

Der Blick auf die Ladeinfrastruktur

Selbst das reichweitenstärkste Elektroauto ist nur so gut wie das Ladenetz, das es umgibt. Deutschland hat in den vergangenen Jahren massiv in den Ausbau öffentlicher Ladepunkte investiert, doch die Verteilung bleibt ungleich. Während in Ballungsräumen mittlerweile ein dichtes Schnellladenetz existiert, sind ländliche Regionen und Teile Ostdeutschlands weiterhin unterversorgt — das belegen die regelmäßig aktualisierten Erhebungen der Bundesnetzagentur.

Für Langstreckenfahrten gilt: Wer auf dem Weg von Hamburg nach München einen Mercedes EQS mit 700 Kilometern WLTP-Reichweite fährt, braucht bei realistischer Planung mindestens einen Schnellladestopp — idealerweise mit Vorkonditionierung der Batterie, die moderne Fahrzeuge automatisch einleiten, wenn das Navigationsziel eine Ladestation ist. Ohne diese Funktion kann die Ladeleistung bei kalter Batterie erheblich unterhalb der Maximalwerte bleiben.

Ein weiterer Aspekt, der in der öffentlichen Debatte zu kurz kommt: die Degradation. Akkus verlieren über Jahre und Ladezyklen an Kapazität. Das KBA führt zwar keine eigene Degradations-Statistik, doch Studien verschiedener Forschungsinstitute zeigen, dass moderne Lithium-Ionen-Akkus bei sachgemäßer Nutzung (kein dauerhaftes Schnellladen auf 100 Prozent, kein dauerhafter Betrieb unter zehn Prozent) nach fünf Jahren noch rund 85 bis 90 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität aufweisen.

Einordnung: Marketingzahl oder Meilenstein?

Die 700-km-Marke ist beides: ein echtes technisches Fortschritt und gleichzeitig eine Zahl, die ohne Kontext irreführend wirkt. Vor zehn Jahren galten 200 Kilometer als ambitioniertes Ziel für Serienfahrzeuge — heute ist das Mittelfeld der Elektroklasse längst darüber hinaus. Die Entwicklung ist beeindruckend. Doch wer ein Fahrzeug allein deshalb kauft, weil auf dem Datenblatt 700 steht, und dann im Winter auf der Autobahn 420 Kilometer in der Praxis erlebt, fühlt sich zu Recht getäuscht.

Die Branche hat hier eine Kommunikationsverantwortung, der sie nicht immer gerecht wird. Ein realistischeres Ampel-System für Reichweitenangaben — aufgeteilt in Sommer/Stadt, Sommer/Autobahn, Winter/Stadt und Winter/Autobahn — würde Kaufentscheidungen fairer gestalten. Entsprechende Forderungen hat der ADAC in der Vergangenheit wiederholt erhoben, bislang ohne verbindliche Umsetzung auf EU-Ebene.

Wer die Mobilitätsdebatte in einem breiteren Kontext verfolgt — also nicht nur Reichweite, sondern auch Energiepolitik und Versorgungssicherheit — findet relevante Hintergrundinformationen etwa in der Berichterstattung zum dritten Castortransport ins Zwischenlager Ahaus, der Fragen der nuklearen Entsorgung und damit des gesamten Energiewende-Kontexts beleuchtet.

Für alle, die Kaufentscheidungen nicht nur technisch, sondern auch strategisch treffen wollen, gilt: Die beste Reichweite ist die, die zum eigenen Fahrprofil passt. Wer täglich 60 Kilometer pendelt und ein Fahrzeug mit 350 Kilometern WLTP kauft, ist im Alltag entspannter unterwegs als jemand mit einem 700-km-Flaggschiff, das er nicht richtig lädt oder betreibt. Die Zahl auf dem Prospekt ist ein Startpunkt — kein Versprechen.

Abschließend ein Gedanke zur Marktperspektive: Elektromobilität entwickelt sich rasant, und wer heute kauft, kauft in einen technologischen Wandel hinein. Die Frage, wie Unternehmen und auch Konsumenten strategisch mit Veränderungsprozessen umgehen, beschäftigt übrigens nicht nur die Autoindustrie — wie Führungskräfte eine produktive Leistungskultur schaffen, ist ein Thema, das auch Automobilhersteller in Transformationsphasen prägt. Und wer die Medienlandschaft beobachtet, die über diese Entwicklungen berichtet, verfolgt möglicherweise auch, wie sich das Sport- und Streaming-Angebot verändert — Stichwort: X Facebook WhatsApp

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