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BMW, Mercedes, Audi: Wie es den deutschen Autoherstellern geht

Absatzzahlen, Marktanteile, China-Krise

Von ZenNews24 Redaktion 6 Min. Lesezeit
BMW, Mercedes, Audi: Wie es den deutschen Autoherstellern geht

Die deutsche Automobilindustrie durchläuft eine der tiefgreifendsten Transformationen ihrer Geschichte. BMW, Mercedes-Benz und Audi – die drei prägenden Säulen des europäischen Premium-Segments – sehen sich gleichzeitig mit sinkenden Absatzzahlen, einem schwierigen China-Geschäft und dem strukturellen Wandel zur Elektromobilität konfrontiert. Doch hinter den großen Schlagzeilen stecken sehr unterschiedliche Ausgangssituationen. Dieser Überblick zeigt, wo die drei Hersteller wirklich stehen – und was das für potenzielle Käufer bedeutet.

Marktlage: Absatzzahlen und Marktanteile unter der Lupe

BMW, Mercedes, Audi: Wie es den deutschen Autoherstellern geht
BMW, Mercedes, Audi: Wie es den deutschen Autoherstellern geht

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) verzeichnet bei den Neuzulassungen deutscher Premium-Hersteller einen spürbaren Rückgang gegenüber den Vorjahreszeiträumen. Der Gesamtmarkt in Deutschland zeigt sich zwar vergleichsweise stabil, doch BMW, Mercedes-Benz und Audi büßen Marktanteile ein – vor allem gegenüber chinesischen Anbietern wie BYD, NIO und XPeng, die mit aggressiver Preisgestaltung und technologisch ausgereiften Elektromodellen in den europäischen Markt drängen. Auch US-Hersteller wie Tesla setzen das Premiumsegment unter Druck. Der ADAC weist in seinen Marktanalysen darauf hin, dass die Kaufzurückhaltung bei vielen Verbrauchern zunimmt – gestiegene Lebenshaltungskosten und die noch immer erhebliche Preisdifferenz zwischen Elektro- und Verbrennerfahrzeugen hemmen die Kaufentscheidung.

Besonders aufschlussreich ist ein Blick auf den chinesischen Markt. Lange Zeit war China der Wachstumsmotor schlechthin für alle drei Marken – mit zweistelligen Absatzanteilen und überdurchschnittlichen Margen. Heute ist das Bild ein anderes: Lokale Hersteller dominieren zunehmend das Mittel- und Premiumsegment, während deutsche Modelle an Relevanz verlieren. Der Rückzug kostet die Branche Milliarden und zwingt zu strategischen Korrekturen.

BMW: Flexibel, aber nicht unverwundbar

BMW gilt unter den drei Herstellern derzeit als das am besten aufgestellte Unternehmen. Der Münchner Konzern – zu dem neben der Kernmarke auch Mini und Rolls-Royce gehören – produziert jährlich rund 2,5 Millionen Fahrzeuge und hat es bislang geschafft, den Elektrofahrzeug-Anteil kontinuierlich auszubauen, ohne die Profitabilität zu gefährden. Die flexible Plattformstrategie, die sowohl Verbrenner als auch Elektroantriebe auf denselben Fertigungslinien ermöglicht, verschafft BMW einen strukturellen Vorteil gegenüber Wettbewerbern mit starrer EV-only-Architektur.

Dennoch ist BMW nicht ohne Gegenwind. Rückrufaktionen – zuletzt im Zusammenhang mit Bremssystemen bei bestimmten Modellreihen – haben das Qualitätsimage belastet. Zudem steht die Marge unter Druck, da Rabatte im Händlernetz zunehmen, um Lagerbestände abzubauen. Für elektroautos-kaufratgeber">Käufer eines Elektroautos bietet BMW mit dem i4 und dem iX attraktive Optionen, die jedoch preislich deutlich über dem Marktsegment der chinesischen Konkurrenz liegen.

Mercedes-Benz: Luxusstrategie als Rettungsanker

Mercedes-Benz hat in den vergangenen Jahren konsequent auf das oberste Premiumsegment gesetzt – eine Strategie, die kurzfristig die Margen schützt, langfristig aber das Volumengeschäft gefährdet. Der Stuttgarter Hersteller produziert jährlich rund 1,9 Millionen Fahrzeuge und kämpft mit strukturellen Herausforderungen in der Softwareentwicklung. Verzögerungen beim Aufbau einer eigenständigen Betriebssoftware sowie Lieferkettenprobleme der vergangenen Jahre haben Spuren hinterlassen.

Die Elektromodelle der EQ-Familie – darunter EQE und EQS – haben trotz technischer Qualitäten bislang nicht die erhofften Verkaufszahlen erreicht. Kritiker bemängeln, dass die Fahrzeuge zwar luxuriös, aber nicht ausreichend differenziert gegenüber der Verbrenner-Palette positioniert sind. Mercedes hat daraufhin angekündigt, die reine EV-Strategie zu entschleunigen und hybride Antriebe länger im Portfolio zu behalten – ein Signal, das sowohl als Pragmatismus als auch als Kurskorrektur interpretiert werden kann. Wer sich für Mercedes-Elektromodelle im Vergleich interessiert, sollte die Gesamtbetriebskosten sorgfältig kalkulieren.

Audi: Tiefe Krise mit offenem Ausgang

Audi befindet sich von den drei Herstellern in der schwierigsten Lage. Die Ingolstädter Premiummarke, die als Kernmarke der Volkswagen-Gruppe erheblich zur Konzernprofitabilität beitragen soll, verzeichnet signifikante Umsatzrückgänge und hat umfangreiche Personalmaßnahmen angekündigt. Die Abhängigkeit von der Konzernmutter VW – die selbst in einer tiefen Strukturkrise steckt – schränkt den Handlungsspielraum ein. Plattformen, Lieferketten und Entwicklungsbudgets werden konzernweit verhandelt, was Audis eigene Transformation verlangsamt.

Hinzu kommt: Die Elektrooffensive von Audi läuft hinter Plan. Modelle wie der e-tron GT und der Q8 e-tron sind technisch überzeugend, verkaufen sich aber deutlich hinter den Erwartungen. Im direkten Vergleich mit BMW i4 oder Tesla Model 3 wirken Audis Elektrofahrzeuge teurer und in manchen Kundensegmenten weniger zeitgemäß positioniert. Für Interessenten lohnt sich ein genauer Blick auf aktuelle Fördermöglichkeiten für Audi-Elektroautos, da Händler zunehmend mit Preisnachlässen arbeiten.

Faktencheck: Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) lag der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge an den Neuzulassungen in Deutschland zuletzt bei rund 12 bis 15 Prozent – nach einem starken Einbruch infolge des abrupten Endes der staatlichen Förderprämie Ende 2023. Der ADAC weist darauf hin, dass die Gesamtbetriebskosten eines Elektroautos trotz gesunkener Fahrzeugpreise für viele Haushalte noch immer schwer kalkulierbar sind, insbesondere wegen der volatilen Strompreise und der ungleichmäßigen Ladeinfrastruktur. Die im Artikel genannten Produktionszahlen (BMW-Gruppe ca. 2,5 Mio., Mercedes-Benz ca. 1,9 Mio., Audi ca. 550.000 jährlich) basieren auf veröffentlichten Geschäftsberichten und sind als Näherungswerte zu verstehen – exakte Quartalszahlen können abweichen. Die Marktanteile in Deutschland beziehen sich auf KBA-Zulassungsstatistiken und spiegeln das Segment Pkw-Neuzulassungen wider. Angaben zu China-Absätzen stützen sich auf Branchenberichte; eine offizielle Konsolidierung liegt zum Redaktionsschluss nicht vor.

Modell- und Kostenvergleich: BMW, Mercedes, Audi auf einen Blick

Modell / Marke Produktionsvolumen (jährlich, ca.) Marktanteil Deutschland (ca.) E-Auto-Anteil Durchschnittspreis (EUR)
BMW 3er / 5er ca. 800.000 (BMW-Marke gesamt) ca. 6,5 % ca. 25 % 45.000 – 75.000
BMW i4 / iX ca. 200.000 (E-Modelle) ca. 2,8 % 100 % 60.000 – 120.000
Mercedes C-Klasse / E-Klasse ca. 650.000 (Mercedes-Benz Pkw) ca. 5,8 % ca. 18 % 48.000 – 85.000
Mercedes EQE / EQS ca. 150.000 (E-Modelle) ca. 1,9 % 100 % 65.000 – 125.000
Audi A4 / A6 ca. 550.000 (Audi gesamt) ca. 4,2 % ca. 15 % 42.000 – 72.000
Audi e-tron GT / Q8 e-tron ca. 80.000 (E-Modelle) ca. 1,2 % 100 % 70.000 – 130.000

Hinweis: Alle Zahlen sind Näherungswerte auf Basis verfügbarer Geschäftsberichte und KBA-Statistiken. Marktanteile beziehen sich auf den deutschen Pkw-Neuzulassungsmarkt.

Was Käufer jetzt wissen müssen: Praktischer Ratgeber

Die Krise der Hersteller ist für Käufer nicht nur eine schlechte Nachricht – sie eröffnet auch konkrete Chancen. Wer derzeit ein Premiumfahrzeug kaufen möchte, sollte folgende Punkte beachten:

  • Verhandlungsspielraum nutzen: Hohe Lagerbestände bei Händlern bedeuten reale Rabattmöglichkeiten. Gerade bei Elektromodellen von Mercedes und Audi sind Nachlässe von 5 bis 15 Prozent gegenüber dem Listenpreis keine Seltenheit mehr. Vergleichen Sie Angebote aktiv und holen Sie mehrere Angebote ein.
  • Restwertrisiko bei Elektrofahrzeugen einkalkulieren: Der ADAC weist darauf hin, dass Elektrofahrzeuge im Premiumsegment derzeit einem erhöhten Restwertrisiko unterliegen. Neue, günstigere Konkurrenzmodelle aus China drücken die Gebrauchtwagenpreise. Wer leasen möchte, sollte die Leasingrate und Restwertgarantie genau prüfen.
  • Ladeinfrastruktur vorab prüfen: Besonders im ländlichen Raum ist die Schnellladeinfrastruktur noch lückenhaft. Der ADAC empfiehlt, vor dem Kauf eines Elektrofahrzeugs die verfügbaren Ladepunkte im täglichen Fahrprofil zu kartieren – idealerweise mit einer Probefahrt über die eigene Alltagsstrecke.
  • Garantie- und Serviceleistungen vergleichen: BMW, Mercedes und Audi bieten unterschiedlich lange Garantien auf Batteriesysteme. Während BMW und Mercedes in der Regel 8 Jahre oder 160.000 km auf die Hochvoltbatterie gewähren, variieren die Bedingungen im Detail. Lassen Sie sich diese schriftlich bestätigen.
  • Softwarestand und Over-the-Air-Updates prüfen: Besonders bei Mercedes-Modellen lohnt ein genauer Blick auf den aktuellen Softwarestand des Fahrzeugs. Fehlende oder verzögerte Updates können Komfortfunktionen und Sicherheitssysteme beeinflussen. Fragen Sie beim Händler explizit nach der aktuellen Softwareversion und dem Update-Rhythmus.

Wer sich für einen gebrauchten Elektro-Gebrauchtwagen im Premium-Segment interessiert, findet derzeit gute Einstiegsmöglichkeiten – sollte aber zwingend eine Batteriezustandsprüfung (State of Health, SoH) durchführen lassen, bevor er unterschreibt.

Ausblick: Strukturwandel mit ungewissem Ausgang

Die Transformation der deutschen Premiumhersteller ist kein kurzfristiges Tief, sondern ein struktureller Einschnitt. Ob BMW, Mercedes und Audi ihre Spitzenpositionen im globalen Automobilmarkt halten können, hängt von ihrer Fähigkeit ab, Softwarekompetenz aufzubauen, Produktionskosten zu senken und neue Märkte zu erschließen. Der Wettbewerb aus China wird nicht nachlassen – im Gegenteil: Mit dem möglichen Markteintritt weiterer chinesischer

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