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Cannabis in Großbritannien: Der Guide für Patienten und Reisende

Von Julia Schneider 3 Min. Lesezeit
Cannabis in Großbritannien: Der Guide für Patienten und Reisende
Das Wichtigste in Kürze
  • Medizinisch legal, Freizeit verboten: Alles über Cannabis in Großbritannien — für deutsche Patienten, Reisende und Interessierte
  • UK vs
  • DE im Vergleich

Großbritannien gehört zu den interessantesten Cannabis-Märkten der Welt: Medizinisches Cannabis ist seit 2018 legal, Freizeitkonsum bleibt streng verboten — und trotzdem ist das Vereinigte Königreich der weltgrößte Exporteur von medizinischem Cannabis. Für deutsche Patienten, Touristen und alle, die das Thema verfolgen, ein wichtiger Überblick.

Der rechtliche Rahmen: Was in Großbritannien gilt

Cannabis ist in Großbritannien nach dem Misuse of Drugs Act 1971 als Class-B-Droge eingestuft. Das bedeutet: Besitz, Anbau und Handel sind grundsätzlich strafbar. Wer mit Cannabis erwischt wird, riskiert bis zu fünf Jahre Gefängnis für Besitz und bis zu 14 Jahre für Handel. Der Freizeitmarkt, wie er in Deutschland mit dem CanG-Gesetz eingeführt wurde, existiert in Großbritannien nicht — und ist auch nicht geplant.

Die wichtige Ausnahme: Medizinisches Cannabis ist seit November 2018 legal, nachdem das Innenministerium den Misuse of Drugs Act entsprechend geändert hat. Auslöser waren mehrere öffentliche Fälle, darunter der Fall des Jungen Billy Caldwell, dem Cannabis-Öl zur Behandlung schwerer Epilepsie verweigert wurde. Seitdem können zugelassene Spezialärzte Cannabis-basierte Medikamente verschreiben.

Bild: Leafme.co.uk

Medizinisches Cannabis: Legal, aber nicht einfach zu bekommen

Die Legalisierung von medizinischem Cannabis in Großbritannien klingt zunächst nach einem großen Fortschritt — in der Praxis ist der Zugang jedoch erheblich eingeschränkt. Der NHS (National Health Service) verschreibt Cannabis-Medikamente äußerst selten. Die Hürden sind hoch: Es müssen andere Behandlungen gescheitert sein, und die Verschreibung muss durch einen Spezialisten erfolgen.

Die Folge: Die meisten Patienten in Großbritannien, die medizinisches Cannabis erhalten, nutzen private Kliniken. Dort kostet eine Behandlung je nach Diagnose und Produkt zwischen 200 und 400 Pfund pro Monat — ohne staatliche Erstattung. Anbieter wie Sapphire Medical, The Medical Cannabis Clinics oder Lyphe Group haben sich auf diesen Markt spezialisiert. Produkte kommen häufig aus den Niederlanden (Bedrocan), Kanada (Aurora, Tilray) oder werden im Vereinigten Königreich selbst unter strengen Auflagen produziert.

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Zugelassene Diagnosen umfassen unter anderem chronische Schmerzen, Multiple Sklerose, Chemotherapie-bedingte Übelkeit, schwere Epilepsie sowie bestimmte psychiatrische Erkrankungen. Nicht jede Diagnose garantiert jedoch eine Verschreibung — es liegt immer im Ermessen des Spezialarztes.

UK vs. Deutschland: Cannabis-Recht im Vergleich

Aspekt Großbritannien (UK) Deutschland
Freizeitkonsum Illegal, Class B, bis 5 Jahre Haft Besitz bis 25g für Erwachsene erlaubt (CanG)
Medizinisches Cannabis Legal seit November 2018, nur Spezialärzte Legal, Kassenarzt kann verschreiben
NHS / GKV-Erstattung NHS verschreibt selten, kaum Erstattung GKV erstattet bei Genehmigung
Private Kosten 200–400 £/Monat Variabel, oft 100–300 €/Monat
CBD-Produkte Legal bei THC < 0,2% Legal bei THC < 0,3%
Anbau Verboten Bis 3 Pflanzen privat erlaubt (CanG)
Cannabis Clubs Nicht erlaubt Social Clubs erlaubt (CanG)
Export Weltgrößter Exporteur mediz. Cannabis Importer / noch kein nennenswerter Export

CBD in Großbritannien: Was erlaubt ist

CBD-Produkte sind in Großbritannien legal, sofern der THC-Gehalt unter 0,2 Prozent liegt. CBD-Öle, Kapseln und Cremes sind in Apotheken, Reformhäusern und Online-Shops frei erhältlich. Für deutsche Touristen bedeutet das: CBD-Produkte können in Großbritannien problemlos gekauft und konsumiert werden — allerdings sollte man bei der Einreise zurück nach Deutschland den THC-Grenzwert im Blick behalten. Produkte, die in Deutschland zugelassen sind, haben einen THC-Grenzwert von 0,3 Prozent.

Der Paradox: Größter Exporteur trotz strikter Gesetze

Großbritannien ist ein globaler Paradox-Fall: Während Freizeitkonsum streng verboten bleibt und selbst medizinische Patienten kämpfen müssen, ist das Vereinigte Königreich der weltweit größte Exporteur von medizinischem Cannabis. British Sugar, das Unternehmen hinter der Zuckermarke Silver Spoon, betreibt unter dem Namen Oxford Cannabinoid Technologies und GW Pharmaceuticals (heute Teil von Jazz Pharmaceuticals) eine der größten Cannabis-Anbauoperationen der Welt in Wissington, Norfolk. Das dort produzierte Cannabis wird nicht für britische Patienten genutzt, sondern exportiert — vorwiegend in die USA und andere Länder mit legalem Medizinalmarkt.

FAQ: Cannabis Großbritannien

Ist Cannabis in Großbritannien legal?
Freizeitkonsum ist weiterhin illegal und wird als Class-B-Delikt geahndet. Medizinisches Cannabis ist seit 2018 auf Verschreibung legal.

Kann ich als Deutscher in UK medizinisches Cannabis bekommen?
Grundsätzlich können auch EU-Bürger bei privaten Kliniken in Großbritannien eine Cannabis-Verschreibung erhalten, sofern sie die medizinischen Voraussetzungen erfüllen. Die NHS-Karte gilt nicht.

Darf ich CBD aus UK nach Deutschland mitnehmen?
CBD-Produkte mit THC unter 0,2% sind in UK legal. Bei der Einfuhr nach Deutschland gelten deutsche Vorschriften — Produkte mit THC unter 0,3% sind dort ebenfalls erlaubt.

Kann man in UK Cannabis rauchen wie in Amsterdam?
Nein. Anders als in den Niederlanden gibt es in Großbritannien keine Coffee Shops und keine Toleranzpolitik für Freizeitkonsum.

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Julia Schneider
Gesellschaft & International

Julia Schneider schreibt über gesellschaftliche Trends, internationale Konflikte und humanitäre Themen. Sie hat als Auslandskorrespondentin aus Brüssel und Wien berichtet.

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