Gesundheit

Medizinisches Cannabis UK: Als Patient eine Verschreibung bekommen

Von Markus Bauer 3 Min. Lesezeit
Medizinisches Cannabis UK: Als Patient eine Verschreibung bekommen
Das Wichtigste in Kürze
  • Wer verschreibt, was kostet es, welche Diagnosen werden anerkannt
  • Der komplette Guide für Patienten im britischen Cannabis-System

Medizinisches Cannabis ist in Großbritannien seit 2018 legal — aber der Weg zur Verschreibung ist für Patienten mit erheblichem Aufwand und Kosten verbunden. Was genau möglich ist, wer verschreiben darf und was deutsche Patienten in UK wissen müssen.

Wer darf medizinisches Cannabis verschreiben?

Die zentrale Frage vorweg: Nicht jeder Arzt in Großbritannien darf Cannabis verschreiben. Nur sogenannte Specialist Doctors — also Fachärzte mit einer speziellen Registrierung beim General Medical Council (GMC) — sind berechtigt, Cannabis-basierte Medikamente zu verschreiben. NHS-Hausärzte (General Practitioners, kurz GPs) gehören grundsätzlich nicht dazu.

Was das in der Praxis bedeutet: Wer über den NHS eine Cannabis-Verschreibung möchte, muss vom Hausarzt an einen Spezialisten überwiesen werden. Dieser Spezialist kann dann eine Verschreibung ausstellen — tut es aber in der NHS-Praxis selten. Die Hürden sind hoch: Andere Behandlungen müssen nachweislich gescheitert sein, die Diagnose muss eindeutig sein, und es muss eine klare medizinische Evidenz für den Nutzen von Cannabis bestehen.

Bild: Leafme.co.uk

NHS oder privat? Die Realität des britischen Systems

Die überwiegende Mehrheit der britischen Patienten, die medizinisches Cannabis erhält, tut dies über private Kliniken — nicht über den NHS. Schätzungen gehen davon aus, dass seit der Legalisierung weniger als 20 NHS-Verschreibungen für medizinisches Cannabis ausgestellt wurden, während die private Industrie inzwischen Tausende von Patienten versorgt.

Private Anbieter haben sich auf diesen Markt spezialisiert. Bekannte Namen sind:

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  • Sapphire Medical Clinics — eine der ersten und größten privaten Cannabis-Kliniken im UK
  • The Medical Cannabis Clinics (TMCC) — fokussiert auf chronische Schmerzen und neurologische Erkrankungen
  • Lyphe Group — bietet Online-Konsultationen und schnellen Zugang
  • Releaf — digitale Plattform mit Telemedizin-Ansatz
  • Mamedica — spezialisiert auf chronische Erkrankungen, hohe Patientenzahlen

Die Kosten für private Cannabis-Behandlungen liegen typischerweise zwischen 200 und 400 Pfund pro Monat — abhängig von Diagnose, Produkt und Klinik. Hinzu kommen Erstberatungskosten von 50 bis 150 Pfund. Eine NHS-Erstattung ist nicht vorgesehen.

Welche Diagnosen werden anerkannt?

In Großbritannien gibt es keine abschließende Liste der Diagnosen, für die medizinisches Cannabis verschrieben werden darf. Das liegt im Ermessen des Spezialarztes. In der Praxis werden Cannabis-Medikamente häufig verschrieben bei:

  • Chronischen Schmerzen (neuropathisch, Muskel-Skelett-System, post-operativ)
  • Multipler Sklerose — insbesondere zur Behandlung von Spastik (das Medikament Sativex ist offiziell zugelassen)
  • Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen
  • Schwerer Epilepsie, besonders bei Kindern (Epidyolex ist offiziell für Lennox-Gastaut und Dravet-Syndrom zugelassen)
  • Post-traumatischer Belastungsstörung (PTBS)
  • Angststörungen und Schlafstörungen (bei manchen privaten Anbietern)

Für die offiziell zugelassenen Medikamente Sativex und Epidyolex gelten spezifische Indikationen. Für andere Cannabis-Produkte — Blüten, Öle, Extrakte — urteilt der Arzt individuell.

Welche Produkte sind verfügbar?

In Großbritannien werden Cannabis-Medikamente aus verschiedenen Ländern importiert. Die wichtigsten Hersteller und Lieferanten:

  • Bedrocan (Niederlande) — standardisierte Blütenprodukte, THC-kontrolliert
  • Aurora (Kanada) — breites Produktspektrum, Öle und Blüten
  • Tilray (Kanada/Portugal) — einer der größten globalen Cannabis-Produzenten
  • GW Pharmaceuticals / Jazz Pharmaceuticals (UK) — Hersteller von Epidyolex und Sativex
  • Spectrum Therapeutics — weiterer kanadischer Anbieter mit UK-Präsenz

Die Apotheke spielt eine wichtige Rolle: Verschreibungen werden über zugelassene Apotheken abgewickelt, die eine spezielle Erlaubnis für Cannabis-Medikamente besitzen. Nicht jede Apotheke kann Cannabis-Medikamente ausgeben.

Deutsche Patienten in Großbritannien

Für deutsche Patienten, die sich im Vereinigten Königreich aufhalten, gibt es einige wichtige Punkte:

Erstens: Eine deutsche Cannabis-Verschreibung wird in Großbritannien nicht anerkannt. Wer dort Cannabis-Medikamente benötigt, muss sich an eine britische Klinik wenden. Das gilt auch für Touristen und Langzeitaufenthalte.

Zweitens: Die NHS-Karte (frühere EHIC, heute GHIC für britische Staatsbürger) gilt nicht für Cannabis-Behandlungen. Selbst EU-Bürger mit gültigem Krankenversicherungsnachweis haben keinen Anspruch auf eine kostenlose Cannabis-Behandlung über den NHS.

Drittens: Wer als Deutscher private Kliniken in Großbritannien nutzen möchte, sollte im Voraus klären, ob die deutsche Krankenversicherung die Kosten anteilig erstattet. Die meisten gesetzlichen Kassen tun das nicht — private Auslandsversicherungen können unter Umständen helfen.

Wie läuft der Prozess ab? Schritt für Schritt

  • Schritt 1: Online-Registrierung bei einer privaten Cannabis-Klinik
  • Schritt 2: Telemedizinische Erstberatung mit einem Spezialisten (meist online)
  • Schritt 3: Medizinische Unterlagen einreichen (Diagnosen, bisherige Behandlungen)
  • Schritt 4: Verschreibung durch den Spezialisten, falls medizinisch geeignet
  • Schritt 5: Apotheke kontaktiert, Medikament wird zugestellt oder abgeholt
  • Schritt 6: Regelmäßige Folgeberatungen zur Dosisanpassung

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Markus Bauer
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