Gesundheit

Mpox-Alarm: WHO ruft internationalen Gesundheitsnotstand aus

Neue Variante des Affenpockenvirus breitet sich in Afrika aus — Europa warnt vor Einschleppung

Von Julia Schneider 7 Min. Lesezeit Aktualisiert: 07.05.2026
Mpox-Alarm: WHO ruft internationalen Gesundheitsnotstand aus

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat erneut einen internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Grund ist die beschleunigte Ausbreitung einer neuen Mpox-Variante, insbesondere in mehreren afrikanischen Ländern. Diese Entwicklung ruft auch in Europa wachsende Aufmerksamkeit hervor. Experten fordern verstärkte Überwachungsmaßnahmen sowie eine rasche und gerechte Verfügbarkeit von Impfstoffen weltweit.

Das Wichtigste in Kürze
  • WHO erklärt Mpox erneut zur globalen Notlage
  • Ausbreitung in Afrika und globale Implikationen
  • Übertragung, Symptome und Krankheitsverlauf
  • Handlungsempfehlungen für die Bevölkerung

WHO erklärt Mpox erneut zur globalen Notlage

Die Fallsterblichkeitsrate (CFR) für Klade I liegt in der DRK historisch bei etwa 3–4 %, wobei Kinder unter 15 Jahren überproportional betroffen sind.
Modernes Krankenhaus
Modernes Krankenhaus

Nach einer ersten Notstandserklärung im Jahr 2022 hat die WHO im August 2024 abermals die höchste Alarmstufe – eine sogenannte Public Health Emergency of International Concern (PHEIC) – für Mpox ausgerufen. Auslöser dieser erneuten Eskalation ist die Verbreitung einer neu identifizierten Variante, die sich nach bisherigen Erkenntnissen effizienter von Mensch zu Mensch übertragen kann als zuvor bekannte Stämme. Besonders besorgniserregend ist die Lage in mehreren zentralafrikanischen und ostafrikanischen Ländern, wo die gemeldeten Infektionszahlen deutlich angestiegen sind.

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus betonte in einer offiziellen Stellungnahme, dass die aktuelle Entwicklung eine ernsthafte Bedrohung für die globale Gesundheit darstelle und koordiniertes internationales Handeln erfordere. Im Mittelpunkt steht die Variante Klade Ib – eine Subvariante von Klade I, die vorrangig in der Demokratischen Republik Kongo (DRK) und angrenzenden Ländern zirkuliert und von Expertinnen und Experten als besonders relevant eingestuft wird. Die zuvor in der Berichterstattung häufig verwendete Bezeichnung „Klade IIb" beschrieb hingegen den Stamm, der 2022 primär außerhalb Afrikas für Ausbrüche verantwortlich war. Diese Unterscheidung ist für eine präzise Berichterstattung wesentlich.

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Fachleute sind sich einig, dass eine sachliche, faktenbasierte Kommunikation notwendig ist, um Panikreaktionen zu vermeiden und gleichzeitig die erforderliche öffentliche Aufmerksamkeit zu sichern. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat bereits seine Empfehlungen aktualisiert und fordert Labore sowie medizinische Fachkräfte auf, erhöhte Wachsamkeit gegenüber verdächtigen Fällen zu zeigen. Schnelle Diagnostik und konsequente Meldepflicht sind zentral für eine wirksame Eindämmung. Das RKI arbeitet dabei eng mit europäischen Partnerbehörden zusammen, um ein koordiniertes Frühwarnsystem weiterzuentwickeln.

Studienlage: Laut einer im Fachjournal The Lancet veröffentlichten Analyse (2024) weist die Klade-Ib-Variante in frühen Untersuchungen eine höhere Übertragungsrate im Haushaltskontext auf als Klade II. Die Fallsterblichkeitsrate (CFR) für Klade I liegt in der DRK historisch bei etwa 3–4 %, wobei Kinder unter 15 Jahren überproportional betroffen sind. Klade II, die 2022 global zirkulierte, wies eine CFR von unter 0,1 % in ressourcenreichen Ländern auf. Die WHO schätzt, dass seit Jahresbeginn 2024 in der DRK allein über 15.000 Verdachtsfälle und mehr als 500 Todesfälle registriert wurden – wobei Untererfassung aufgrund begrenzter Diagnosekapazitäten als wahrscheinlich gilt. Der zugelassene Mpox-Impfstoff MVA-BN (Handelsname Imvanex/Jynneos) zeigt laut Studiendaten eine Wirksamkeit von etwa 85 % gegen symptomatische Erkrankung nach vollständiger Immunisierung.

Ausbreitung in Afrika und globale Implikationen

Arztbesuch
Arztbesuch

Situation auf dem afrikanischen Kontinent

In mehreren Ländern Zentralafrikas und Ostafrikas – insbesondere in der Demokratischen Republik Kongo, Burundi, Ruanda, Uganda und Kenia – wurden in jüngster Zeit tausende Verdachtsfälle gemeldet. Unzureichende Sanitärinfrastruktur in bestimmten Regionen, begrenzter Zugang zu Impfstoffen und Diagnostika sowie lückenhafte epidemiologische Überwachung begünstigen eine rasche Virusausbreitung. Lokale Gesundheitsbehörden stehen unter erheblichem Druck und können nicht überall eine angemessene Versorgung sicherstellen.

Besonders kritisch ist die Lage in dicht besiedelten urbanen Zentren, wo Übertragungswege wie direkter Körperkontakt, Kontakt mit kontaminierten Materialien und – in geringerem Maße – Atemwegsexposition zu raschen Infektionsketten führen. Auch nosokomiale Übertragungen, also Ansteckungen in medizinischen Einrichtungen, wurden dokumentiert, was sowohl Patientinnen und Patienten als auch medizinisches Personal gefährdet.

Die Afrikanische Union (AU) und nationale Gesundheitsministerien haben Notfallmaßnahmen eingeleitet, stoßen jedoch auf erhebliche logistische und finanzielle Hürden. Impfstoffmangel bleibt ein zentrales Problem: Während wohlhabendere Länder bereits Vorräte des MVA-BN-Impfstoffs gesichert haben, fehlen ärmeren Ländern die Ressourcen für eine flächendeckende Immunisierung ihrer Bevölkerung. Diese strukturelle Ungleichheit in der globalen Pandemievorsorge wird von internationalen Gesundheitsorganisationen, darunter Médecins Sans Frontières und die Africa CDC, offen kritisiert und muss politisch adressiert werden.

Europäische Vorbereitungen und Risikobewertung

Europäische Länder, darunter Deutschland, bereiten sich präventiv vor. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hat seine Risikobewertung für Europa als derzeit gering bis moderat eingestuft – mit dem Hinweis, dass einzelne importierte Fälle möglich sind, eine unkontrollierte Ausbreitung in Europa jedoch aufgrund bestehender Surveillance-Strukturen und Impfstoffverfügbarkeit als unwahrscheinlich gilt. Das ECDC empfiehlt den Mitgliedstaaten dennoch, Impfstoffbestände zu überprüfen und nationale Pandemiepläne zu aktualisieren.

Die Europäische Kommission hat zusätzliche Mittel bereitgestellt, um die Verfügbarkeit und Verteilung von Mpox-Impfstoffen in Europa zu gewährleisten. Länder mit intensiven Reise- und Migrationsverbindungen nach Zentralafrika wurden gesondert auf ihre Vorsorgekapazitäten hingewiesen. Flächendeckende Grenzschließungen oder pauschale Einreiseverbote werden von Fachleuten ausdrücklich als unverhältnismäßig und epidemiologisch wenig wirksam abgelehnt.

Die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) empfiehlt, die Impfung mit MVA-BN vorrangig für Personen mit erhöhtem Expositionsrisiko anzubieten – darunter enge Kontaktpersonen bestätigter Fälle, bestimmte Berufsgruppen im Gesundheitswesen sowie Personen, die häufig wechselnde sexuelle Kontakte haben. Eine Massenimpfung der Allgemeinbevölkerung sei nach aktueller Datenlage für Deutschland nicht indiziert.

Übertragung, Symptome und Krankheitsverlauf

Mpox wird primär durch engen körperlichen Kontakt mit infizierten Personen oder Tieren übertragen – insbesondere über Hautkontakt mit Hautläsionen, Schleimhäuten oder Körperflüssigkeiten. Eine Übertragung über Atemwegssekrete ist bei längerem engem Kontakt möglich, spielt jedoch epidemiologisch eine untergeordnete Rolle. Das Virus zählt zur Familie der Pockenviren und ist seit Jahrzehnten bekannt.

Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 5 bis 21 Tage. Typische Symptome umfassen:

  • Fieber (häufig erstes Symptom, meist über 38,5 °C)
  • Ausgeprägte Lymphknotenschwellungen (charakteristisch für Mpox, im Unterschied zu Windpocken)
  • Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen
  • Erschöpfung und allgemeines Krankheitsgefühl
  • Charakteristischer Hautausschlag: beginnt oft im Gesicht, breitet sich auf Rumpf und Extremitäten aus; Bläschen füllen sich mit Flüssigkeit, verkrusten und heilen ab
  • In manchen Fällen: Läsionen im Genital- und Analbereich sowie im Mund-Rachen-Raum

Die meisten Verläufe sind selbstlimitierend und heilen innerhalb von zwei bis vier Wochen ab. Schwere Verläufe treten gehäuft bei Kleinkindern, immungeschwächten Personen sowie bei unzureichender medizinischer Versorgung auf. Das antivirale Medikament Tecovirimat steht in Deutschland für schwere Fälle zur Verfügung und kann die Krankheitsdauer verkürzen.

Handlungsempfehlungen für die Bevölkerung

Für die breite Bevölkerung in Deutschland besteht nach aktueller Einschätzung des RKI und des ECDC kein erhöhtes Risiko. Dennoch empfehlen Fachleute folgende Maßnahmen zur persönlichen Vorsorge und zur Unterstützung der Surveillance:

  • Informiert bleiben: Aktuelle Lageberichte des Robert Koch-Instituts und der WHO regelmäßig verfolgen.
  • Arztbesuch bei Symptomen: Bei unklarem Hautausschlag, insbesondere nach Reisen in betroffene Regionen oder nach engem Körperkontakt mit unbekannten Personen, umgehend ärztlichen Rat einholen und telefonisch voranmelden (kein ungeplantes Erscheinen in der Praxis).
  • Impfung für Risikogruppen: Personen mit erhöhtem Expositionsrisiko sollten die Mpox-Impfung mit MVA-BN in Betracht ziehen und ihren Impfstatus mit dem ärztlichen Fachpersonal besprechen.
  • Reisende in Endemiegebiete: Vor Reisen in betroffene Regionen Zentralafrikas Reisemedizinberatung aufsuchen und Impfschutz prüfen lassen.
  • Hygienemaßnahmen: Regelmäßiges Händewaschen, Vermeidung von engem Kontakt mit erkrankten Personen oder wild lebenden Tieren in Risikogebieten.
  • Keine Panikreaktionen: Mpox ist kein neues Virus. Gut funktionierende Gesundheitssysteme wie das deutsche verfügen über etablierte Strukturen zur Erkennung, Meldung und Behandlung von Fällen.

Einordnung: Was bedeutet der Notstand für Deutschland?

Eine PHEIC-Erklärung der WHO ist primär ein internationales Koordinationsinstrument – sie verpflichtet Mitgliedstaaten zur verstärkten Surveillance und internationalen Zusammenarbeit, bedeutet jedoch keine unmittelbare Bedrohungslage für die deutsche Bevölkerung. Deutschland verfügt über zugelassene Impfstoffe, etablierte Meldepflichten nach dem Infektionsschutzgesetz sowie labordiagnostische Kapazitäten zur Mpox-Erkennung.

Die eigentliche Herausforderung liegt auf globaler Ebene: Die Bekämpfung von Mpox in den am stärksten betroffenen Regionen Afrikas erfordert substanzielle internationale Solidarität – in Form von Impfstofflieferungen, Finanzierung lokaler Gesundheitssysteme und dem Transfer diagnostischer Kapazitäten. Nur eine wirksame Eindämmung an den Ursprungsorten kann das globale Risiko dauerhaft reduzieren. Dies betonen sowohl die WHO als auch die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG) in ihren aktuellen Stellungnahmen.

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Quellen:
  • Bundesgesundheitsministerium — bundesgesundheitsministerium.de
  • Robert Koch-Institut — rki.de
  • Ärzteblatt — aerzteblatt.de
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Weiterführende Informationen: Robert Koch-Institut

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Julia Schneider
Gesellschaft & International

Julia Schneider schreibt über gesellschaftliche Trends, internationale Konflikte und humanitäre Themen. Sie hat als Auslandskorrespondentin aus Brüssel und Wien berichtet.

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