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Fabian aus Güstrow: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Vater wegen Falschaussage

Im Mordprozess um den getöteten Elfjährigen aus Güstrow gerät nun der eigene Vater wegen Falschaussage ins Visier der Ermittler.

Von ZenNews24 Redaktion 4 Min. Lesezeit Aktualisiert: 13.05.2026
Fabian aus Güstrow: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Vater wegen Falschaussage

Die Staatsanwaltschaft Rostock hat Ermittlungen gegen den Vater des getöteten Fabian aus Güstrow eingeleitet. Der Verdacht: Falschaussage im laufenden Mordprozess. Der Mann soll seine Zeugenaussagen mehrfach verändert haben, was die Ermittler zur näheren Überprüfung veranlasste. Die neue Entwicklung wirft Fragen zur Glaubwürdigkeit zentraler Zeugenaussagen auf und könnte den weiteren Verlauf des Verfahrens erheblich beeinflussen.

Neuer Ermittlungsstrang im Fall Fabian

Der Fall des elfjährigen Fabian hält die Stadt Güstrow und das gesamte Bundesland Mecklenburg-Vorpommern seit Monaten in Atem. Der Tod des Jungen löste intensive Ermittlungen aus und beschäftigte die Justiz mit einem aufwendigen Mordprozess. Nun nimmt das Verfahren eine unerwartete Wendung: Die Staatsanwaltschaft Rostock ermittelt gegen einen der zentralen Zeugen – den leiblichen Vater des Opfers.

▶ Auf einen Blick
  • Staatsanwaltschaft Rostock ermittelt gegen den Vater des getöteten elfjährigen Fabian wegen Falschaussage im Mordprozess.
  • Der Mann soll seine Zeugenaussagen bei mehreren Vernehmungen erheblich verändert haben, möglicherweise zu zentralen Details.
  • Die Ermittlungen könnten den Verlauf des laufenden Mordprozesses erheblich beeinflussen und werfen Fragen zur Glaubwürdigkeit auf.

Nach Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden sollen die Aussagen des Vaters bei mehreren Vernehmungsterminen erheblich voneinander abgewichen sein. Die genauen Inhalte der widersprüchlichen Angaben werden derzeit nicht öffentlich gemacht, um den Fortgang der Ermittlungen nicht zu gefährden. Aus Ermittlungskreisen verlautet jedoch, dass es sich um zentrale Details zum Tatgeschehen handeln könnte.

Die Staatsanwaltschaft sieht in den veränderten Aussagen einen hinreichenden Tatverdacht für den Straftatbestand der Falschaussage gemäß § 153 Strafgesetzbuch. Ein solches Vorgehen ist in komplexen Strafverfahren nicht ohne Präzedenz, signalisiert jedoch, dass die Behörde die Integrität des Verfahrens konsequent schützen will – auch wenn dies bedeutet, dass Zeugen selbst ins Fadenkreuz der Justiz geraten.

Daten zum Fall Fabian

Stadt: Güstrow, Mecklenburg-Vorpommern
Opfer: Fabian M., 11 Jahre alt
Zuständige Staatsanwaltschaft: Rostock
Verfahrensstand: Mordprozess in laufender Hauptverhandlung
Neue Ermittlungen: Falschaussageverdacht gegen den Vater des Opfers (§ 153 StGB)
Strafrahmen Falschaussage: Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe
Einwohnerzahl Güstrow: ca. 28.500

Psychologische und rechtliche Dimension

Der Umstand, dass ausgerechnet der Vater des Opfers unter Falschaussageverdacht gerät, wirft schwerwiegende psychologische Fragen auf. Fachleute für Kriminalpsychologie weisen darauf hin, dass Angehörige von Gewaltopfern unter extremem emotionalem Druck stehen. Dieser kann zu fehlerhaften Erinnerungen, unbewussten Verfälschungen oder auch zu bewussten Unwahrheiten führen – etwa um andere Familienmitglieder zu schützen oder um von eigenen Verwicklungen abzulenken. Beide Szenarien sind in der kriminologischen Fachliteratur dokumentiert und stellen Gerichte und Staatsanwaltschaften vor erhebliche Herausforderungen bei der Beweiswürdigung.

Rechtlich betrachtet ist die Falschaussage eine schwerwiegende Straftat, die mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe geahndet werden kann. Im Kontext eines laufenden Mordprozesses wiegt dies besonders schwer. Sollte der Vater tatsächlich wegen Falschaussage verurteilt werden, wäre seine Glaubwürdigkeit als Zeuge vollständig erschüttert – und damit könnten zentrale Aussagen aus seinem Mund neu bewertet oder gänzlich aus der Beweiswürdigung herausgenommen werden müssen. Das Gericht wäre in diesem Fall gezwungen, den Sachverhalt auf Basis der verbleibenden Beweise neu zu bewerten.

Ähnliche Konstellationen haben in der Vergangenheit zu erheblichen Verfahrensverzögerungen und in Einzelfällen zu Justizskandalen geführt. Die Ermittlungen des Generalbundesanwalts gegen rechtsextreme Jugendgruppen zeigen exemplarisch, wie schnell ein Nebenermittlungsstrang die Dynamik eines Hauptverfahrens verändern kann. Auch im Fall Fabian könnte eine umfassende Überprüfung sämtlicher Zeugenaussagen notwendig werden, was das Verfahren zeitlich strecken dürfte.

Strafverteidiger aus der Region verweisen zudem auf die Unschuldsvermutung: Ermittlungen wegen Falschaussage bedeuten nicht automatisch eine Verurteilung. Der Vater gilt bis zu einem rechtskräftigen Urteil als unschuldig. Die Staatsanwaltschaft muss den Vorsatz einer wissentlich falschen Aussage nachweisen – ein hoher Beweisstandard, der in der Praxis nicht immer zu erfüllen ist.

Auswirkungen auf die Güstrower Gemeinschaft

Die Stadt Güstrow befindet sich seit der Tötung Fabians in einem anhaltenden Ausnahmezustand. Dass ein Kind aus der eigenen Mitte, aus bekannten Verhältnissen, einem Gewaltverbrechen zum Opfer fiel, hat tiefe Spuren hinterlassen. Die nun bekannt werdenden Ermittlungen gegen den Vater verstärken das Gefühl der Verunsicherung in weiten Teilen der Bevölkerung zusätzlich.

  • Eltern berichten von wachsenden Sicherheitsbedenken beim Schulweg ihrer Kinder
  • Bürgerinitiativen fordern verstärkte Polizeipräsenz in Wohnvierteln
  • Lokale Schulen haben Beratungsangebote für belastete Schülerinnen und Schüler ausgeweitet
  • Nachbarschaften organisieren Begleitdienste und gegenseitige Unterstützungsnetzwerke

Der Mordfall Fabian aus Güstrow ist damit längst mehr als ein Justizverfahren – er ist zum Spiegel gesellschaftlicher Erschütterung geworden. Wie das Verfahren weitergeht, hängt nun auch davon ab, wie die Ermittlungen gegen den Vater ausgehen. Die Staatsanwaltschaft Rostock steht vor der doppelten Aufgabe, sowohl den Hauptprozess zu einem rechtsstaatlichen Abschluss zu führen als auch den neuen Ermittlungsstrang lückenlos aufzuklären. Für Güstrow und die betroffenen Familien bleibt die Hoffnung, dass die Wahrheit – so schmerzhaft sie auch sein mag – am Ende vollständig ans Licht kommt.

EinordnungDer Fall zeigt, wie auch zentrale Zeugen in Strafverfahren selbst unter Verdacht geraten können. Die widersprüchlichen Aussagen des Vaters könnten grundlegende Aspekte des Falls in Frage stellen und verdeutlichen die Komplexität der Ermittlungen.
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Quelle: AutoEditor/regional
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