Finanzen

ETF-Sparplan: Welcher Broker ist am günstigsten?

Trade Republic, Scalable, DKB, Comdirect — alle Kosten im Vergleich

Von ZenNews24 Redaktion 6 Min. Lesezeit Aktualisiert: 06.05.2026
ETF-Sparplan: Welcher Broker ist am günstigsten?

Der Traum vom langfristigen Vermögensaufbau durch regelmäßiges Sparen ist für Millionen Deutsche längst gelebte Realität. Besonders ETF-Sparpläne haben sich als zugängliches und kosteneffizientes Instrument etabliert – niedrige Einstiegshürden, breite Diversifikation, automatisierte Ausführung. Doch die zentrale Frage bleibt: Welcher Broker ermöglicht den günstigsten Zugang zu diesem Finanzmarktsegment? Die Antwort fällt differenzierter aus, als der erste Blick vermuten lässt, denn die Kostenstrukturen sind komplex, teils bewusst intransparent gestaltet – und Werbeversprechen wie „0 Euro Gebühren" verschleiern häufig die wahren Belastungen für den Anleger.

Die Wahl des richtigen Brokers kann über lange Sparzeiträume hinweg erhebliche Summen ausmachen. Ein Anleger, der monatlich 300 Euro in einen ETF-Sparplan investiert und dabei 0,99 Euro Gebühr pro Ausführung zahlt, verliert über 20 Jahre allein an direkten Sparplankosten rund 238 Euro – zuzüglich entgangener Zinseszinseffekte auf diese Beträge. Bei höheren Sparraten potenziert sich dieser Effekt entsprechend. Eine detaillierte Analyse der führenden Anbieter lohnt sich daher für jeden, der ernsthaft Geld anlegen möchte.

Die wichtigsten Kostenfaktoren bei ETF-Sparplänen

ETF-Sparplan: Welcher Broker ist am günstigsten?

Bevor einzelne Broker verglichen werden, muss klar sein, aus welchen Komponenten sich die Gesamtkosten zusammensetzen. Nur wer alle Kostenebenen versteht, kann Angebote wirklich vergleichen.

Sparplan-Ausführungsgebühr

Die Sparplangebühr ist der sichtbarste Kostenfaktor. Sie wird pro Ausführung erhoben und variiert je nach Anbieter zwischen null und etwa 1,50 Euro pro Transaktion. Bei monatlicher Ausführung summieren sich selbst kleine Beträge über Jahre zu relevanten Summen – zumal der Zinseszinseffekt auf nicht investiertes Kapital entfällt.

Spreads und implizite Handelskosten

Ein systematisch übersehener Kostenfaktor ist der Spread – die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis eines ETFs zum Ausführungszeitpunkt. Broker, die Sparpläne ausschließlich über proprietäre Handelssysteme oder zu ungünstigen Tageszeiten ausführen, können zu strukturell höheren impliziten Kosten führen. Diese erscheinen in keiner Gebührentabelle, schmälern aber die tatsächliche Rendite messbar. Besonders bei volumenstarken, marktbreiten ETFs wie dem MSCI World oder dem S&P 500 sind die Spreads in der Regel gering; bei Nischen-ETFs kann die Differenz jedoch spürbar sein.

TER: Die ETF-eigene Kostenquote

Die Total Expense Ratio (TER) ist die jährliche Gebühr, die der ETF-Anbieter – nicht der Broker – erhebt. Sie wird täglich anteilig aus dem Fondsvermögen entnommen und erscheint nicht als separate Kontobelastung. Bei passiv gemanagten Indexfonds liegt die TER typischerweise zwischen 0,03 und 0,20 Prozent pro Jahr. Der Broker hat keinen Einfluss auf die TER, dennoch ist die Auswahl kostengünstiger ETFs für die Nettorendite elementar.

Zinsen auf Cashbestände

Nicht investierte Guthaben im Verrechnungskonto werden je nach Anbieter unterschiedlich verzinst oder gar nicht. In einem Hochzinsumfeld ist dieser Faktor relevanter als in Niedrigzinsphasen – er sollte in die Gesamtbewertung eines Brokers einbezogen werden.

Trade Republic: Disruptor mit breitem Sparplan-Angebot

ETF-Sparplan: Welcher Broker ist am günstigsten?

Trade Republic hat sich seit seiner Gründung 2015 als einer der wachstumsstärksten Neobroker Europas etabliert. Das Berliner Unternehmen verfügt inzwischen über eine eigene Banklizenz und verwaltet nach eigenen Angaben Kundenvermögen im zweistelligen Milliardenbereich.

Gebührenmodell von Trade Republic

Sparpläne sind bei Trade Republic grundsätzlich kostenlos – ohne Mindestdepotschwelle, ohne versteckte Ausführungsgebühr. Das Angebot umfasst nach Unternehmensangaben mehr als 2.000 ETFs, die im Sparplan besparbar sind, darunter die gängigsten Produkte von iShares, Xtrackers, Amundi und Vanguard. Die Mindest-Sparrate liegt bei einem Euro pro Ausführung, die Obergrenze bei 100.000 Euro monatlich.

Die Ausführung erfolgt werktäglich – ein Vorteil gegenüber Anbietern mit monatlichem Fixtermin, da das Durchschnittskosteneffekt-Prinzip (Cost-Averaging) feiner greift. Trade Republic finanziert das gebührenfreie Modell unter anderem durch Orderflow-Vergütungen des Handelspartners sowie durch das Zinsdifferenzgeschäft auf Kundeneinlagen.

Auf Guthaben zahlt Trade Republic (Stand: 2024) einen Zinssatz, der sich am EZB-Einlagensatz orientiert – zuletzt waren dies rund 3,75 Prozent pro Jahr auf Beträge bis 50.000 Euro. Dieser Zinsvorteil ist ein echter Mehrwert gegenüber Brokern ohne Guthabenverzinsung. Anleger sollten allerdings beachten, dass Trade Republic ausschließlich über eine App bedienbar ist – eine vollwertige Desktop-Oberfläche fehlt bislang.

Scalable Capital: Volumen und Flexibilität

Das Münchener Unternehmen Scalable Capital positioniert sich mit einem breiteren Produktangebot und richtet sich sowohl an Sparplananleger als auch an aktive Trader. Scalable kooperiert mit der Baader Bank als depotführendem Institut.

Gebührenmodell von Scalable Capital

Scalable Capital bietet ein zweistufiges Modell: Im kostenlosen Free-Broker-Tarif sind ausgewählte ETFs – schwerpunktmäßig Partnerprodukte – gebührenfrei im Sparplan. Für alle anderen ETFs fällt eine Gebühr von 0,99 Euro pro Ausführung an. Im kostenpflichtigen Prime-Tarif (2,99 Euro pro Monat) entfällt diese Gebühr für alle Sparpläne; zudem sind unlimitierte Einzelorders ohne Ordergebühr möglich.

Das Gesamtuniversum von Scalable Capital umfasst mehr als 8.000 ETFs und Aktien – damit gehört die Plattform zu den breitesten Angeboten im deutschsprachigen Raum. Für Anleger, die neben dem Sparplan auch aktiv handeln möchten, kann der Prime-Tarif ab einem gewissen Ordervolumen wirtschaftlich sinnvoll sein. Auf Guthaben wird derzeit ebenfalls ein Zinssatz nahe dem EZB-Niveau angeboten.

DKB: Die klassische Direktbank mit Sparplan-Kompetenz

Die Deutsche Kreditbank (DKB) gehört zu den größten deutschen Direktbanken und bietet als Vollbank neben dem Wertpapiergeschäft auch Girokonto, Tagesgeld und Kreditprodukte aus einer Hand. Das macht sie für Anleger attraktiv, die ihr gesamtes Banking konsolidieren möchten.

Gebührenmodell der DKB

Für DKB-Aktivkunden – definiert als Kunden mit monatlichem Gesamtgeldeingang von mindestens 700 Euro auf das DKB-Konto – sind Sparpläne auf über 1.300 ETFs kostenlos ausführbar. Für alle anderen Kunden (Passivkunden) fällt eine Gebühr von 1,50 Euro pro Sparplan-Ausführung an. Diese Zweiteilung ist ein relevanter Faktor in der Gesamtbewertung: Wer die DKB ohnehin als Hauptbank nutzt, profitiert vom gebührenfreien Sparplan; wer ein reines Depot-Konto führt, zahlt vergleichsweise viel.

Ein struktureller Vorteil der DKB: Als lizenzierte Vollbank mit gesetzlicher Einlagensicherung (bis 100.000 Euro) und langjähriger Marktpräsenz gilt sie als institutionell stabiler als reine Neobroker. Die Depotführung ist kostenlos, eine Negativverzinsung auf Guthaben wird aktuell nicht erhoben.

comdirect und ING: Die etablierten Online-Broker

comdirect (Teil der Commerzbank-Gruppe) und ING Deutschland zählen zu den meistgenutzten Online-Brokern im deutschen Privatkundengeschäft. Beide Anbieter haben ihre Sparplan-Konditionen in den vergangenen Jahren unter dem Druck der Neobroker-Konkurrenz deutlich verbessert.

comdirect

comdirect bietet Sparpläne auf mehr als 2.000 ETFs an. Die Ausführungsgebühr beträgt 1,50 Prozent der Sparrate, mindestens jedoch 1,50 Euro pro Ausführung. Bei niedrigen Sparraten (unter 100 Euro) ist dieses Modell vergleichsweise teuer; bei höheren Sparraten nähert sich die prozentuale Belastung der Mindestgebühr an. comdirect punktet mit einer ausgereiften Desktop-Oberfläche, umfassendem Research-Angebot und der Möglichkeit, komplexere Wertpapierarten im selben Depot zu verwalten.

ING Deutschland

ING bietet Sparpläne auf rund 900 ETFs an. Die Ausführung ist grundsätzlich kostenlos – ohne Mindestdepotschwelle und ohne Kundenkategorie-Unterscheidung. Damit gehört ING zu den wenigen Anbietern mit echtem Nulltarif ohne Bedingungen. Das Angebot ist im Vergleich zu Trade Republic oder Scalable in der Breite eingeschränkter, deckt aber alle relevanten Kern-Indizes ab.

Wusstest du schon? Laut einer Studie der Deutschen Börse sparen mittlerweile über 2 Millionen Deutsche regelmäßig in ETF-Sparpläne, um langfristig Vermögen aufzubauen. Die durchschnittlichen Gebühren bei führenden Brokern liegen dabei zwischen 0 % und 0,5 % pro Jahr.

Vergleichstabelle: ETF-Sparplan-Kosten auf einen Blick

Stand: 2024. Konditionen können sich ändern. Vor Depoteröffnung stets aktuelle Preislisten der Anbieter prüfen.

Broker Sparplangebühr ETF-Auswahl (Sparplan) Mindest-Sparrate Guthabenverzinsung Besonderheit
Trade Republic 0 € > 2.000 ETFs 1 € ~EZB-Satz (bis 50.000 €) Nur App; tägliche Ausführung
Scalable Capital (Free) 0 € (Partner-ETFs) / 0,99 € (andere) > 8.000 ETFs gesamt 1 € ~EZB-Satz Prime-Tarif: 2,99 €/Monat, dann alle kostenlos
ING Deutschland 0 € ~900 ETFs 1 € Tagesgeldkonto separat Keine Bedingungen für Gebührenfreiheit
DKB 0 € (Aktivkunden) / 1,50 € (andere) > 1.300 ETFs 25 € Tagesgeldkonto separat Vollbank; stabile Einlagensicherung
comdirect 1,50 % (mind. 1,50 €) > 2.000
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