Finanzen

Finanzfluss: Inflation faellt -- was das für dein Depot bedeutet

Thomas Kehl macht Kassensturz nach der Inflationswelle.

Von ZenNews24 Redaktion 5 Min. Lesezeit Aktualisiert: 08.05.2026
Finanzfluss: Inflation faellt -- was das für dein Depot bedeutet

Im YouTube-Kanal von Finanzfluss wurde zuletzt ein wichtiges Thema in den Fokus gerückt: die fallende Inflation und deren Auswirkungen auf private Geldanlagen. Thomas Kehl, Gründer und Gesicht des erfolgreichen Finanz-Bildungskanals, nimmt sich regelmäßig Zeit für umfassende Analysen makroökonomischer Trends – und deren direkten Konsequenzen für das Depot des durchschnittlichen Anlegers. In seinem neuesten Beitrag beleuchtet er, wie die Inflationswelle der Jahre 2021 bis 2023 abflacht und was das konkret für Sparer, Aktienanleger und Anleihebesitzer bedeutet.

Das Wichtigste in Kürze
  • Finanzfluss setzt auf Differenzierung statt Panik
  • Was wir dazu sagen
  • Das sagen die Zahlen
  • Ein konkretes Rechenbeispiel

Finanzfluss setzt auf Differenzierung statt Panik

Ein Euro, den man 2021 gespart hat, ist heute real um etwa 20 bis 25 Prozent weniger wert – auch wenn die Inflationsrate jetzt sinkt.

Thomas Kehl vermittelt in seiner Analyse einen ausgewogenen, faktengestützten Zugang zum Thema Inflation. Seine Position lässt sich kurz zusammenfassen: Zwar ist die Teuerungsrate tatsächlich gefallen – in Deutschland lag sie im Januar 2025 bei etwa 2,6 Prozent nach über 10 Prozent im Herbst 2022 –, doch dies bedeutet nicht automatisch, dass bewährte Geldanlage-Strategien pauschal obsolet geworden sind.

Kehl argumentiert, dass Anleger drei zentrale Faktoren beachten müssen: erstens die absoluten Inflationszahlen, zweitens die realen Renditen ihrer bestehenden Anlagen und drittens die künftige Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Der Finanzfluss-Creator betont, dass eine fallende Inflation zwar grundsätzlich positiv für festverzinsliche Wertpapiere ist, aber nicht automatisch zum Umschichten aus Aktien führt.

Finanzfluss: Inflation faellt -- was das fuer dein Depot bedeutet

Was wir dazu sagen

Die Einschätzung von Finanzfluss verdient Aufmerksamkeit, weil sie gegen einen weit verbreiteten Reflex angeht: den Drang, bei sinkender Inflation sofort alle Aktienpositionen zu reduzieren und in Anleihen zu flüchten. Tatsächlich zeigt sich hier eine wichtige Unterscheidung, die viele Privatanleger unterschätzen.

Das Thema Inflation und Geldanlage ist komplexer, als manche Schlagzeile suggeriert. Eine fallende Inflationsrate bedeutet nicht, dass die Kaufkraft wieder vollständig hergestellt ist. Die akkumulierte Teuerung der Jahre 2021 bis 2023 hat sich bereits dauerhaft in den Vermögen und Gehältern manifestiert. Ein Euro, den man 2021 gespart hat, ist heute real um etwa 20 bis 25 Prozent weniger wert – auch wenn die Inflationsrate jetzt sinkt. Wer also in dieser Phase ausschließlich auf Tagesgeld oder kurzlaufende Anleihen gesetzt hat, hat echte Kaufkraft verloren.

Zudem darf nicht übersehen werden, dass eine fallende Inflation unter bestimmten Bedingungen auch Risiken birgt. In historischen Phasen sehr niedriger Inflation oder gar Deflation hatte der Arbeitsmarkt regelmäßig Probleme. Deutschland mit seiner starken Exportorientierung und hohen Lohnkosten muss besonders darauf achten, nicht in eine deflationäre Spirale zu geraten – zumal die anhaltende Automobilkrise und strukturelle Energieprobleme bereits erheblichen Druck auf die Wirtschaft ausüben.

Ein wichtiger Punkt, den Finanzfluss zu Recht hervorhebt: Die reale Rendite ist das entscheidende Kriterium. Wenn die Inflation fällt und die EZB die Leitzinsen senkt – was in den kommenden Quartalen wahrscheinlich ist –, dann sinkt auch die nominale Rendite neu emittierter Anleihen. Das bedeutet, dass eine hohe Nominalrendite eines Rentenpapiers nicht automatisch zu höheren realen Gewinnen führt. Wer heute in Anleihen investiert, kauft auf einem Niveau, das bereits viele Zinssenkungserwartungen eingepreist hat.

Das sagen die Zahlen

Kennzahl Herbst 2022 Herbst 2023 Januar 2025 Veränderung
Inflationsrate (Deutschland) 10,9 % 3,8 % 2,6 % −8,3 Prozentpunkte
EZB-Leitzins 2,0 % 4,5 % 3,0 % +1,0 Prozentpunkte ggü. 2022
10-J. Bundesanleihe-Rendite 2,2 % 2,6 % 2,3 % +0,1 Prozentpunkte
DAX-Performance (Jahresbasis) −24,7 % +25,5 % +15,2 % (YTD) Volatilität bleibt erhöht
Reale Rendite (10-J. Bundesanleihe) −8,7 % −1,2 % −0,3 % Verbesserung, aber weiterhin negativ

(Quellen: Deutsche Bundesbank, EZB, Deutsche Börse; eigene Berechnungen ZenNews24)

Wichtig: Die reale Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt auch bei sinkender Inflation noch im negativen Bereich. Das bedeutet, dass selbst sichere Staatspapiere die Kaufkraft derzeit nicht vollständig bewahren. Ein Anleger, der 10.000 Euro in Bundesanleihen mit 2,3 Prozent Nominalrendite investiert, erhält zwar 230 Euro Zinsen pro Jahr – doch bei einer Inflation von 2,6 Prozent verliert er real etwa 30 Euro an Kaufkraft. Sicherheit hat also weiterhin ihren Preis.

Ein konkretes Rechenbeispiel

Nehmen wir einen typischen Fall: Ein 45-jähriger Anleger hat 50.000 Euro zu investieren. Im Herbst 2022, als die Inflation auf dem Höchststand war, hätte er sich möglicherweise zu 80 Prozent in Anleihen und nur 20 Prozent in Aktien positioniert – aus verständlicher Angst vor der Teuerung und in der Hoffnung auf sichere Nominalrenditen.

Szenario A – Defensiv (80 % Anleihen / 20 % Aktien, Stand Herbst 2022 bis Januar 2025):

  • 40.000 Euro in Bundesanleihen mit damaliger Rendite ~2,2 %: ca. 1.760 Euro Zinsen pro Jahr, also rund 4.400 Euro über 2,5 Jahre nominal
  • 10.000 Euro in DAX-ETF: DAX fiel zunächst weiter, erholte sich dann stark – vereinfacht ein Gesamtgewinn von ca. +8 % über den gesamten Zeitraum, also +800 Euro
  • Gesamtgewinn nominal: ca. 5.200 Euro – real jedoch deutlich weniger, da die akkumulierte Inflation die Kaufkraft der Anleiherenditen aufgefressen hat

Szenario B – Ausgewogen (50 % Aktien / 50 % Anleihen, gleicher Zeitraum):

  • 25.000 Euro in Bundesanleihen: ca. 2.750 Euro Zinsen nominal über 2,5 Jahre
  • 25.000 Euro in DAX-ETF: vereinfachter Gesamtgewinn ca. +8 %, also +2.000 Euro
  • Gesamtgewinn nominal: ca. 4.750 Euro – aber durch den höheren Aktienanteil ist die reale Kaufkraftentwicklung günstiger ausgefallen, da Aktien langfristig als Inflationsschutz wirken

Dieses vereinfachte Beispiel zeigt: Wer in der Hochinflationsphase reflexartig in Anleihen geflüchtet ist, hat zwar nominal Zinsen kassiert – real aber häufig verloren. Finanzfluss weist zu Recht darauf hin, dass eine breit diversifizierte Strategie mit solidem ETF-Anteil langfristig robuster ist als reine Anleihedepots, selbst wenn die Inflationsangst groß ist.

Fazit: Fallende Inflation ist keine Entwarnung

Die Analyse von Finanzfluss trifft einen wichtigen Nerv: Fallende Inflation ist eine gute Nachricht, aber kein Freifahrtschein für unkritisches Umschichten. Wer jetzt vorschnell auf Anleihen setzt, weil die Teuerung nachlässt, riskiert, in einer Phase steigender Anleihekurse einzukaufen – und gleichzeitig auf künftige Aktienrenditen zu verzichten.

Unsere Einschätzung bei ZenNews24 Finanzen: Die Kernbotschaft stimmt. Entscheidend bleibt die reale Rendite. Solange zehnjährige Bundesanleihen real negativ rentieren, bleibt ein substanzieller Aktienanteil im Depot für langfristig orientierte Anleger unverzichtbar. Die Inflationsentwicklung sollte beobachtet, aber nicht überinterpretiert werden. Wer sein Depot bei jeder Makronachricht grundlegend umbaut, zahlt am Ende vor allem eines: Transaktionskosten und verschenkte Rendite.

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