Finanzen

Finanzfluss: Inflation fällt – was das für dein Depot bedeutet

Thomas Kehl macht Kassensturz nach der Inflationswelle.

Von Laura Fischer 4 Min. Lesezeit Aktualisiert: 08.05.2026
Finanzfluss: Inflation fällt – was das für dein Depot bedeutet
Das Wichtigste in Kürze
  • Thomas Kehl vermittelt in seiner Analyse einen ausgewogenen, faktengestützten Zugang zum Thema Inflation.
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Die Inflationswelle der Jahre 2021 bis 2023 hat Millionen von deutschen Sparern und Anlegern in Angst und Schrecken versetzt. Doch mittlerweile zeigt sich ein klares Bild: Die Preisanstiege flachen ab, und mit ihnen verschieben sich die Spielregeln für private Geldanlagen fundamental. Thomas Kehl, Gründer des erfolgreichen Finanz-Bildungskanals Finanzfluss, hat sich in seinen neuesten Analysen genau dieser Frage gewidmet – und liefert dabei nicht nur Zahlen, sondern auch konkrete Handlungsempfehlungen für Depots unterschiedlicher Risikoprofile.

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Wie dramatisch war die Inflationswelle wirklich?

Um die aktuelle Entspannung richtig einzuordnen, lohnt sich ein Blick zurück: Im Mai 2022 erreichte die Inflationsrate in Deutschland 7,9 Prozent – ein Wert, den es in dieser Form seit Jahrzehnten nicht gegeben hatte. Der Schock saß tief. Verbraucher sahen ihre Kaufkraft schmelzen, Sparzinsen auf dem Tagesgeldkonto blieben lange Zeit unterhalb der Inflationsrate, und viele Anleger fragten sich verzweifelt, wie sie ihr Vermögen noch schützen könnten.

Die Ursachen waren vielfältig: Lieferkettenprobleme nach der Corona-Pandemie, die Energiekrise infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine, und schließlich historisch niedrige Zinsen, die zu einer Überflutung der Märkte mit Kapital geführt hatten. Besonders Lebensmittel, Energie und Mieten schnellten in die Höhe – genau die Ausgabenkategorien, in denen sich normale Haushalte nicht einfach sparen konnten.

Der dramatische Rückgang: Von 7,9 auf 1,6 Prozent

Doch die gute Nachricht kam schneller als viele erwartet hatten. Die Inflation ist auf 1,6 Prozent gefallen und der Preisdruck lässt deutlich nach. Dieser Rückgang ist keine vorübergehende Blase, sondern das Resultat mehrerer zusammenwirkender Faktoren: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Leitzinsen massiv erhöht, die Lieferketten haben sich normalisiert, und die Energiepreise sind auf ihr Vor-Krise-Niveau zurückgekehrt.

Was bedeutet das konkret? Ein Preisdruck, der noch vor zwei Jahren als existenzielle Bedrohung wirkte, ist heute kein dominantes Thema mehr am Frühstückstisch. Doch für Anleger ändert sich damit auch die Strategie grundlegend – und hier setzt Finanzfluss mit differenzierter Analyse an, statt in Panik oder unbegründetem Optimismus zu verfallen.

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Auswirkungen auf Aktien: Der große Wendepunkt

Während der Hochinflation hatten es vor allem Wachstumsaktien schwer. Der Grund ist mathematisch simpel: Höhere Zinsen machen Zukunftsgewinne weniger wert (Diskontierungseffekt). Tech-Unternehmen mit hohen erwarteten Gewinnen in ferner Zukunft verloren prozentual stärker als defensive Value-Titel.

Jetzt, mit fallender Inflation und stabilen, möglicherweise sogar sinkenden Zinsen, kehrt sich dieser Trend um. Thomas Kehl betont in seiner Analyse, dass Aktiendepots, die strategisch breit aufgestellt sind, von dieser Normalisierung profitieren könnten. Besonders interessant: Die Inflation sank bereits 2023 auf 3,8 Prozent und zeigte damit einen stabilen Abwärtstrend, was Analysten damals bereits als Wendepunkt erkannten. Diejenigen, die damals nicht panisch verkauft haben, haben von der Erholung bereits profitiert.

Allerdings warnt Kehl auch vor Überoptimismus: Die geopolitischen Risiken bleiben bestehen, und eine Rückkehr zu den inflationären Zeiten ist theoretisch nicht ausgeschlossen. Eine breite Diversifizierung über Branchen und Regionen bleibt daher essentiell.

Rentenmärkte: Eine Renaissance für Anleiheanleger

Für Anleihebesitzer war die Inflationswelle ein Albtraum. Während Zentralbanken die Zinsen hochfuhren, sanken die Kurse bestehender Anleihen – ein direkter mathematischer Zusammenhang. Wer 2021 noch eine zehnjährige Bundesanleihe mit 0,2 Prozent Rendite kaufte, erlitt massive Kursverluste.

Die Situation hat sich komplett gedreht. Neue Anleihen bringen wieder attraktive Renditen von 2 bis 3 Prozent – teilweise sogar mehr bei Unternehmensanleihen mit etwas höherem Risiko. Dies eröffnet Anlegern mit konservativer Orientierung endlich wieder realistische Chancen, ihre Ersparnisse zu schützen und dabei auch real (also nach Inflation bereinigt) Rendite zu erzielen.

Finanzfluss empfiehlt hier eine graduierte Anlagestrategie: Statt alles auf einmal zu investieren, kann man kontinuierlich in Anleihen-ETFs oder Rentenfonds einsteigen und dabei von eventuell noch etwas höheren Renditen profitieren, sollten die Zinsen nicht sofort fallen.

Sparen und Tagesgelder: Endlich wieder sinnvoll

Ein oft übersehener Aspekt: Für klassische Sparer mit Tagesgeldkonten macht Sparen wieder Sinn. Während der Inflationskrise bot der beste Tagesgeldzins oft nur 3 bis 4 Prozent – deutlich weniger als die offiziellen Inflationsraten. Dies führte zu realen Vermögensverlusten.

Mit moderater Inflation und stabilen Zinsen bei 3 bis 4 Prozent Tagesgeldzinsen ist ein realer Vermögensaufbau wieder möglich. Für den Notfallfonds oder Vermögen, das in den nächsten 1–2 Jahren benötigt wird, ist ein Tagesgeldkonto damit wieder eine seriöse Option – nicht nur ein notwendiges Übel.

Was Checklisten-Anleger jetzt überprüfen sollten

Thomas Kehls Ansatz ist praktisch orientiert. Er empfiehlt, folgende Punkte zu überprüfen:

  • Inflationsschutz überprüfen: Wer massiv in inflationsgebundene Wertpapiere (wie TIPS oder I-Bonds) investiert hat, sollte überprüfen, ob diese Position noch sinnvoll ist. Mit fallender Inflation verlieren solche Instrumente ihre Attraktivität.
  • Fremdkapital bewerten: Wer Schulden hat – etwa einen Immobilienkredit mit variablem Zins – könnte von fallenden Zinsen profitieren. Hier lohnt sich eine Refinanzierungsprüfung.
  • Anlagequote überprüfen: Wer während der Krise zu defensiv wurde, sollte sich fragen, ob eine Rebalancierung sinnvoll ist.
  • Kosten senken: Statt reaktiv zu handeln, können Anleger auch aktiv Depotkosten prüfen – ETF-Gebühren, Verwahrentgelte und ähnliches. In stabilen Zeiten fällt solches Optimierungspotential leichter.

Der Ausblick: Normalität statt Extrema

Finanzfluss warnt vor einer wichtigen Falle: Das Pendel schlägt nun in die andere Richtung aus. Während manche noch von großen Zinsschritten träumen, deuten Daten der Bundesbank und die Geldmarkterwartungen eher auf eine Phase der Stabilisierung hin. Weder extreme Inflation noch extreme Deflation sind das wahrscheinlichste Szenario – sondern eine normalisierte Welt mit moderaten Inflationsraten von 1,5 bis 2,5 Prozent und entsprechenden Realzinsen.

Das bedeutet konkret: Langfristig orientierte Anleger sollten zu ihrer ursprünglichen Strategie zurückkehren. Wer eine 60/40-Aktien-Anleihen-Quote hatte, sollte diese wiederhergestellen. Wer einen weltweiten ETF-Sparplan fahren wollte, sollte diesen aktivieren oder beibehalten. Krisenzeiten mit extremen Inflationsraten sind nicht die Regel – sie sind Anomalien.

Die zentrale Botschaft von Thomas Kehl und seinem Team lautet: Ruhe bewahren, regelmäßig rebalancieren, und nicht versuchen, den Markt zu timen. Die Rückkehr zur Normalität bietet nicht die Sensation von Krisenzeiten – dafür aber die Möglichkeit, wieder mit verlässlichen Renditen zu planen.

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Laura Fischer
Finanzen & Verbraucher

Laura Fischer schreibt über Geldanlage, Verbraucherrecht und wirtschaftliche Trends. Ihr Fokus liegt auf praxisnahen Einordnungen — von Zinsentscheidungen bis zu alltäglichen Finanzfragen.

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