Finanzen

Finanzfluss: Depot aufraeumen -- was nach dem Boom-Jahrzehnt weg

Mona und Thomas gehen Depot-Leichen an. Wir liefern den steuerlichen Blickwinkel.

Von ZenNews24 Redaktion 4 Min. Lesezeit Aktualisiert: 06.05.2026
Finanzfluss: Depot aufraeumen -- was nach dem Boom-Jahrzehnt weg

Die Position von Finanzfluss zum Depot-Aufräumen

Das Finanzfluss-Team argumentiert, dass das sogenannte Boom-Jahrzehnt – gemeint ist der Zeitraum von etwa 2010 bis 2020 mit besonders günstigen Marktbedingungen – viele Anleger dazu verführt hat, zu viele unterschiedliche Positionen anzuhäufen. Diese „Altlasten" im Depot weisen laut Finanzfluss oft folgende Charakteristika auf:

  • Alte Riester-Verträge mit hohen Gebühren und schlechter Rendite
  • Gebundene Versicherungspolicen mit Fondsbeteiligung
  • Einzelaktien, die seit Jahren nur noch schlecht performen
  • Mehrfach belegte ETF-Positionen ohne klare Rebalancing-Strategie
  • Altbestände mit Verwaltungsgebühren oberhalb von 1 Prozent p.a.

Finanzfluss macht dabei deutlich, dass viele dieser Positionen zwar psychologisch schwer loszulassen sind, ökonomisch aber keinen Sinn mehr machen. Der Ratschlag lautet: Altlasten entfernen, neu strukturieren und dabei Steuern sparen.

Finanzfluss: Depot aufraeumen -- was nach dem Boom-Jahrzehnt weg muss

Was wir dazu sagen

Die Empfehlungen von Finanzfluss treffen den Kern eines Problems, das gerade im deutschsprachigen Raum besonders akut ist. Viele Sparer haben tatsächlich eine „Sammelsurium"-Mentalität entwickelt, ohne ihre Portfolios regelmäßig zu evaluieren. Das liegt auch daran, dass Banken und Versicherungen lange Zeit keinen Anreiz hatten, unrentable Verträge zu beenden – die Einnahmen flossen schließlich weiter.

Aus redaktioneller Sicht muss man hier jedoch differenzierter vorgehen: Nicht jede alte Position ist automatisch schlecht. Es kommt stets auf die konkrete Situation an.

Bei Riester-Verträgen ist Vorsicht geboten. Viele Verträge aus den 2000er-Jahren binden tatsächlich Kapital mit hohen Verwaltungsgebühren. Allerdings existieren hier wichtige Schutzbestimmungen: Die Riester-Rente garantiert mindestens die eingezahlten Beiträge plus staatliche Zulagen zurück. Ein übereilter Ausstieg kann zu erheblichen steuerlichen Nachteilen führen, insbesondere wenn bereits gewährte Zulagen zurückgezahlt werden müssen. Wer kündigt, ohne dies vorher genau durchzurechnen, zahlt unter Umständen drauf.

Bei Einzelaktien-Positionen spielt der sogenannte Dispositionseffekt eine zentrale Rolle. Viele Anleger halten an verlustreichen Positionen fest, weil sie hoffen, irgendwann noch „ins Plus" zu kommen. Finanzfluss hat recht, dass dies oft irrational ist – allerdings sollte die Möglichkeit zur Verlustverrechnung gezielt genutzt werden. Realisierte Verluste lassen sich steuerlich mit realisierten Gewinnen verrechnen und reduzieren so die Abgeltungsteuer-Last im selben Kalenderjahr.

Bei Fondspolicen ist die Sachlage komplex. Diese Produkte sind häufig so konstruiert, dass Kosten der Kapitalanlage direkt an die Erträge gekoppelt werden. Ein vorzeitiger Ausstieg kann je nach Vertragsbedingungen zu Stornokosten führen. Hier ist eine intensive individuelle Berechnung unerlässlich, bevor eine Entscheidung getroffen wird.

Das sagen die Zahlen

Vertragstyp Durchschnittliche Gebühr p.a. Typische Gebühr nach ETF-Umstieg Kostenersparnis über 10 Jahre
Riester-Police (2005–2015) 1,8 % – 2,5 % 0,20 % – 0,40 % 18.000 € – 25.000 € (bei 100.000 € Anlagesumme)
Klassische Fondspolice 2,2 % – 3,0 % 0,30 % – 0,50 % 19.000 € – 30.000 €
Alte Bankdepots (Einzelaktien + Fonds) 1,0 % – 1,5 % 0,15 % – 0,30 % 8.500 € – 15.000 €
Robo-Advisor (2015–2020) 0,5 % – 1,0 % 0,25 % – 0,35 % 2.500 € – 7.500 €

(Quelle: Stiftung Warentest, BVI – Bundesverband Investment und Asset Management, 2024)

Diese Zahlen zeigen eindrucksvoll, wie stark sich Sparverträge der 2000er-Dekade von modernen Lösungen unterscheiden. Ein durchschnittlicher Sparer mit 100.000 Euro in einer Riester-Police aus dem Jahr 2008 zahlt über zehn Jahre zwischen 18.000 und 25.000 Euro mehr, als wenn er in einen kostengünstigen ETF wechseln würde. Selbst nach Abzug etwaiger Stornokosten bleibt in vielen Fällen ein deutlicher Vorteil zugunsten des Wechsels.

Wichtig: Der Verbraucherzentrale Bundesverband dokumentiert, dass etwa 12 Millionen Deutsche Geld in Riester-Verträgen liegen haben, bei denen die jährlichen Gebühren 1,5 % überschreiten. Nach Abzug der Inflation ergibt sich für viele Sparer damit eine reale Vermögensvernichtung – trotz staatlicher Förderung. (Quelle: Verbraucherzentrale Bundesverband, 2023)

Konkrete Steuersparpotenziale beim Depot-Aufräumen

Lassen Sie uns ein realistisches Rechenbeispiel durchspielen, das die Theorie greifbar macht.

Szenario: Das Portfolio von „Hans M."

Hans, 48 Jahre alt, befindet sich in folgender Situation:

  • 100.000 Euro in einem Riester-Vertrag aus dem Jahr 2007, Gebühren: 2,1 % p.a.
  • 15.000 Euro in einer Einzelaktie, die seit 2018 rund 40 % im Minus liegt
  • 30.000 Euro in einem aktiv gemanagten Aktienfonds mit einer Gesamtkostenquote (TER) von 1,75 %
  • 25.000 Euro in einem breit gestreuten ETF-Sparplan, der gut performt

Für Hans ergeben sich beim strukturierten Depot-Aufräumen drei konkrete Hebel:

Verlustverrechnung nutzen: Der realisierte Verlust der Einzelaktie von rund 10.000 Euro kann im selben Steuerjahr mit Gewinnen aus anderen Verkäufen verrechnet werden. Erzielt Hans beispielsweise durch den Verkauf des aktiven Fonds einen Gewinn von 8.000 Euro, fällt darauf keine Abgeltungsteuer an – eine direkte Ersparnis von rund 2.000 Euro (25 % Abgeltungsteuer zzgl. Solidaritätszuschlag).

Aktiven Fonds ersetzen: Der Wechsel vom aktiv gemanagten Fonds (TER 1,75 %) in einen vergleichbaren Welt-ETF (TER ca. 0,20 %) spart bei 30.000 Euro Anlagesumme über zehn Jahre rund 4.650 Euro allein an Gebühren – ohne Renditeunterschied einzurechnen, der historisch betrachtet noch deutlicher ausfällt.

Riester-Vertrag prüfen lassen: Beim Riester-Vertrag ist eine individuelle Beratung unumgänglich. Je nach bereits erhaltenen Zulagen, Einkommenssituation und verbleibender Ansparphase kann ein Wechsel sinnvoll oder nachteilig sein. Ein zertifizierter Honorarberater ohne Provisionsinteresse ist hier die richtige Anlaufstelle.

Fazit: Aufräumen ja – aber mit Köpfchen

Finanzfluss liefert mit dem Thema Depot-Aufräumen einen wertvollen Impuls für Privatanleger, die seit Jahren keine kritische Bestandsaufnahme ihres Portfolios gemacht haben. Der Kerngedanke – Kosten senken, Komplexität reduzieren, Steuervorteile aktiv nutzen – ist aus finanzieller Sicht absolut richtig.

Dennoch gilt: Pauschale Empfehlungen ersetzen keine individuelle Analyse. Wer blind alle Altverträge kündigt, riskiert steuerliche Nachteile oder Stornokosten, die den erhofften Gewinn zunichtemachen. Die klügste Herangehensweise ist eine strukturierte Bestandsaufnahme, idealerweise mit einem unabhängigen Berater oder zumindest mit dem Wissen, welche steuerlichen Konsequenzen jeder einzelne Schritt mit sich bringt.

Das Boom-Jahrzehnt hat viele Depots aufgebläht – jetzt ist ein guter Zeitpunkt, sie wieder schlank zu machen. Aber wer aufräumt, sollte wissen, was er wegwirft.

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