Finanztip: Bausparvertrag – ein ehrliches Urteil
Saidi hat den Bausparvertrag unter die Lupe genommen. Wir ergaenzen was fehlt.
Im YouTube-Video von Finanztip (Saidi Sulilatu) wurde zuletzt das Thema Bausparvertrag nach der Zinswende unter die Lupe genommen. Der bekannte Finanzinfluencer hat sich intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, ob Bausparverträge in der heutigen Zinssituation noch eine sinnvolle Geldanlage darstellen oder ob es bessere Alternativen gibt. Saidi hat dabei sowohl die klassischen Bausparverträge als auch die Wohnriester-Variante beleuchtet und verschiedene Bausparkassen miteinander verglichen.
- Was Saidi in seinem Video festgestellt hat
- Was wir dazu sagen
- Das sagen die Zahlen
- Wann ein Bausparvertrag trotzdem sinnvoll sein kann
Was Saidi in seinem Video festgestellt hat
Saidi Sulilatu kommt in seiner Analyse zu dem Ergebnis, dass Bausparverträge in der gegenwärtigen Marktlage für viele Sparer nicht mehr die beste Wahl darstellen. Der Grund ist simpel: Die Bausparkassen bieten derzeit Guthabenzinsen an, die deutlich unter den Renditen liegen, die man mit anderen Sparformen – etwa ETF-Sparplänen oder Tagesgeldern – erzielen kann. Gleichzeitig sind die Darlehenszinsen, die die Bausparkassen nach Zuteilung anbieten, aktuell nicht besonders attraktiv, da die allgemeinen Marktzinsen für Immobilienkredite bereits konkurrenzfähig sind.
Besonders interessant ist Saidis Beobachtung zu Wohnriester-Bausparverträgen. Diese Variante mit Riester-Förderung bietet zwar staatliche Zuschüsse, doch auch hier warnt Saidi vor versteckten Kosten und Gebührenstrukturen, die die Rendite erheblich aufzehren können. Die Abschlussgebühren bei einigen Bausparkassen liegen teilweise zwischen 1 und 1,5 Prozent der Bausparsumme, was gerade bei kleineren Verträgen erhebliche Auswirkungen hat.

Was wir dazu sagen
Wir bei ZenNews24 können Saidis Analyse grundsätzlich bestätigen, möchten aber einige Differenzierungen vornehmen. Es ist richtig, dass Bausparverträge in der aktuellen Phase moderater Zinsen nicht automatisch die beste Lösung sind. Allerdings gibt es Situationen, in denen sie dennoch Sinn machen können – etwa wenn es um die psychologische Komponente des Sparens geht, um Zinssicherung auf lange Sicht oder wenn bestimmte staatliche Förderungen optimal genutzt werden können.
Das zentrale Problem der Bausparverträge liegt tatsächlich in ihrer Komplexität. Ein typischer Bausparvertrag besteht aus einer Sparphase und einer Darlehensphase. Während der Sparphase zahlt der Sparer regelmäßig in seinen Vertrag ein und erhält dafür Guthabenzinsen. Erst wenn eine bestimmte Bewertungszahl und eine Mindestansparquote – meist 40 bis 50 Prozent der Bausparsumme – erreicht sind, kann der Vertrag zugeteilt werden. Dann kann der Sparer das Darlehen zu vorher festgelegten Konditionen in Anspruch nehmen. Diese Zinssicherung kann in Zeiten steigender Zinsen tatsächlich wertvoll sein – aber eben nur dann, wenn man den Darlehensteil auch wirklich benötigt und nutzt.
Ein weiterer wichtiger Punkt, den wir ergänzen möchten: Die Bausparbranche hat in den letzten Jahren massiv unter Druck gestanden. Die Bausparkassen haben ihre Geschäftsmodelle anpassen müssen, was sich in teilweise deutlich reduzierten Guthabenzinsen widerspiegelt. Einige Bausparkassen zahlen aktuell nur noch 0,5 bis 1 Prozent Guthabenzinsen, während gleichzeitig Tagesgelder am Markt 4 bis 5 Prozent bringen. Diese Schere ist tatsächlich beachtlich und für viele Verbraucher schwer nachzuvollziehen.
Allerdings sollte man nicht pauschal sagen, dass alle Bausparverträge schlecht sind. Es kommt auf die individuellen Umstände an. Wer beispielsweise plant, in 5 bis 10 Jahren ein Haus zu bauen oder zu kaufen, und wer die Riester-Förderung optimal nutzen kann, könnte immer noch von einem Wohnriester-Bausparvertrag profitieren. Die staatlichen Zuschüsse – bis zu 175 Euro Grundzulage pro Jahr für Einzelpersonen sowie 300 Euro Kinderzulage pro Kind (für ab 2008 geborene Kinder) – sowie die steuerlichen Vergünstigungen können unter Umständen die etwas niedrigeren Zinsen kompensieren. Hier ist jedoch eine individuelle Berechnung unbedingt erforderlich, bevor man einen Vertrag abschließt.
Das sagen die Zahlen
Um das Thema zu konkretisieren, haben wir aktuelle Vergleichsdaten zusammengestellt. Die folgende Tabelle zeigt, wie verschiedene Sparformen im direkten Vergleich abschneiden:
| Sparform | Aktueller Zinssatz (2024) | Gebühren | Liquidität | Rendite über 5 Jahre |
|---|---|---|---|---|
| Bausparvertrag (klassisch) | 0,5–1,2 % | 1–1,5 % Abschluss | Begrenzt bis Zuteilung | 1,5–2,8 % |
| Wohnriester-Bausparvertrag | 0,5–1,0 % | 1–1,5 % Abschluss | Begrenzt bis Zuteilung | 3,2–4,5 % (mit Förderung) |
| Tagesgeld | 4,0–4,5 % | Keine | Täglich verfügbar | 4,0–4,5 % |
| Festgeld (5 Jahre) | 3,5–4,2 % | Keine | Nach Laufzeitende | 3,5–4,2 % |
| ETF-Sparplan (MSCI World) | Historisch 7–8 % | 0,2–0,5 % TER p.a. | Börsentäglich | 7,5–8,2 % (historischer Schnitt) |
(Quellen: Finanztip, Stiftung Warentest, aktuelle Marktdaten 2024; ETF-Renditen basieren auf historischen Durchschnittswerten und sind keine Garantie für künftige Erträge.)
Wichtig: Ein Bausparvertrag mit einer Abschlussgebühr von 1,5 Prozent bei einer Bausparsumme von 100.000 Euro kostet sofort 1.500 Euro. Um diese Kosten allein durch Guthabenzinsen wieder einzuspielen, müsste der Vertrag bei einem Guthabenzins von 1 Prozent rund 15 Jahre lang laufen – ohne Berücksichtigung der Inflation. Bei einem Guthabenzins von 0,5 Prozent wären es sogar 30 Jahre. Dieses einfache Rechenbeispiel verdeutlicht, warum Abschlussgebühren so kritisch zu betrachten sind.
Wann ein Bausparvertrag trotzdem sinnvoll sein kann
Trotz aller berechtigter Kritik gibt es Szenarien, in denen ein Bausparvertrag nach wie vor eine Überlegung wert ist. Erstens: Wer heute einen Bausparvertrag abschließt und in fünf bis acht Jahren eine Immobilie finanzieren möchte, sichert sich heute schon einen festen Darlehenszinssatz. Sollten die Zinsen bis dahin stark gestiegen sein, wäre diese Absicherung bares Geld wert. Zweitens: Familien mit mehreren Kindern können durch die Riester-Kinderzulage eine erhebliche staatliche Förderung erhalten, die die Rendite spürbar verbessert. Drittens: Für Personen, denen es schwerfällt, diszipliniert zu sparen, kann die Zweckbindung des Bausparvertrags eine hilfreiche Struktur bieten.
Entscheidend ist jedoch immer der Gesamtblick: Wer keinen konkreten Immobilienwunsch hat und lediglich Vermögen aufbauen möchte, ist mit einem breit gestreuten ETF-Sparplan oder zumindest einem hochverzinsten Festgeldkonto in aller Regel deutlich besser bedient. Die historische Überlegenheit der Aktienrendite gegenüber klassischen Bankprodukten ist in der Finanzwissenschaft gut belegt.
Unser Fazit
Saidis Analyse bei Finanztip trifft den Kern der Sache: Bausparverträge sind in der Breite kein optimales Sparinstrument für die Gegenwart. Die Kombination aus niedrigen Guthabenzinsen, hohen Abschlussgebühren und eingeschränkter Flexibilität macht sie für die meisten Sparer unattraktiv. Wer jedoch einen konkreten Immobilienplan hat, Riester-Zulagen erhält und bereit ist, die Konditionen sorgfältig zu vergleichen, sollte den Wohnriester-Bausparvertrag nicht pauschal ausschließen.
Die wichtigste Botschaft bleibt: Vergleichen, rechnen, individuell entscheiden. Ein Bausparvertrag, der vor zehn Jahren noch eine gute Entscheidung war, muss es heute nicht mehr sein – und umgekehrt kann ein heute abgeschlossener Vertrag in einem anderen Zinsumfeld morgen wieder attraktiv wirken. Wer unsicher ist, sollte eine unabhängige Finanzberatung in Anspruch nehmen, bevor er langfristige Verträge unterschreibt.















