Finanzen

Saidi von Finanztip: Tagesgeld-Zinsen fallen

EZB senkt den Leitzins, die Tagesgeld-Party ist vorbei. Die konkreten Alternativen.

Von ZenNews24 Redaktion 4 Min. Lesezeit Aktualisiert: 06.05.2026
Saidi von Finanztip: Tagesgeld-Zinsen fallen

Die Position von Finanztip: Realität akzeptieren, neu strategieren

Saidi Sulilatu von Finanztip analysiert in seinem aktuellen Video die direkten Auswirkungen der EZB-Entscheidungen auf klassische Sparprodukte. Seine zentrale These: Wer sich auf Tagesgeldkonten als Rendite-Motor verlassen hat, muss sich neu orientieren. Die EZB hat ihren Leitzins 2024 mehrfach reduziert, und dieser Trend wird sich 2025 fortsetzen. Das hat unmittelbare Konsequenzen für Sparer in ganz Deutschland.

Die Finanztip-Position lässt sich zusammengefasst so beschreiben: Nicht Panik, sondern pragmatisch handeln. Sulilatu empfiehlt eine Diversifizierung der Geldanlage. Wer bisher einen Großteil seines Ersparten auf Tagesgeld mit vier bis fünf Prozent Zinsen geparkt hat, sollte jetzt aktiv werden – bevor die Zinsen noch weiter fallen. Festgeld mit längeren Laufzeiten, Anleihen-ETFs und sogar eine moderate Aktienquote seien nun zu betrachten.

Die Kernbotschaft: Die „Tagesgeld-Party" – wie Sulilatu es selbst nennt – ist tatsächlich vorbei. Aber das ist nicht das Ende der Welt, sondern ein Signal für notwendige Umstrukturierungen im privaten Portfolio. Wer jetzt nicht reagiert, lässt bares Geld liegen – oder verliert es schleichend durch Inflation und Kaufkraftverlust.

Saidi von Finanztip: Tagesgeld-Zinsen fallen

Was wir dazu sagen

ZenNews24 teilt die Einschätzung von Finanztip, dass Handlungsbedarf besteht – allerdings mit einer wichtigen Differenzierung: Nicht alle Sparer befinden sich in der gleichen Situation. Für den Notgroschen und kurzfristig benötigte Mittel bleibt Tagesgeld auch bei niedrigeren Zinsen ein sicherer Hafen. Die Liquidität und der Schutz durch die Einlagensicherung sind dabei nicht zu unterschätzen – gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten.

Was wir allerdings stärker betonen möchten als Finanztip: Die Zinsunterschiede zwischen Anbietern werden massiv sein. Während Premium-Anbieter mit digitaler Infrastruktur noch immer 3,0 bis 3,5 Prozent zahlen, fallen die Durchschnittszinsen bei klassischen Filialbanken schon auf 0,5 bis 1,5 Prozent. Hier liegt ein erhebliches Optimierungspotenzial, das kein Sparer ignorieren sollte. Ein einfacher Bankenwechsel kann mehrere hundert Euro pro Jahr ausmachen – ohne jedes zusätzliche Risiko.

Auch bei Festgeld gibt es massive Unterschiede zwischen Anbietern. Die sogenannte „Festgeld-Leiter" – ein gestaffeltes System mit unterschiedlichen Laufzeiten – bietet mehr Flexibilität als oft gedacht. Und bei Anleihen sollten Privatanleger die Bonitätsrisiken nicht unterschätzen. Es ist richtig, dass Sulilatu zum Handeln auffordert – aber diese Handlungen müssen wohlüberlegt und individuell auf die eigene finanzielle Situation abgestimmt sein.

Das sagen die Zahlen

Sparprodukt Q4 2023 (vor Zinssenkung) Q4 2024 (aktuell) Tendenz 2025 Für wen geeignet
Tagesgeld (Premium) 4,5 – 5,0 % 3,0 – 3,5 % 2,0 – 2,5 % Notgroschen, Liquidität
Tagesgeld (Durchschnitt) 3,8 – 4,2 % 0,8 – 1,5 % 0,3 – 1,0 % Nicht empfohlen
Festgeld (12 Monate) 3,8 – 4,5 % 2,2 – 3,0 % 1,5 – 2,2 % Strategische Rücklagen
Festgeld (36 Monate) 3,5 – 4,0 % 2,5 – 3,5 % 2,0 – 3,0 % Mittelfristige Ziele
Anleihen-ETF (Investment Grade) 3,2 – 3,8 % 3,8 – 4,5 % 3,5 – 4,2 % Diversifizierung, Kursstabilität
Hybrid-Ansatz (gemischt) ca. 3,5 % ca. 2,8 % ca. 2,0 – 2,5 % Alle Anleger

Quelle: Deutsche Bundesbank, Stiftung Warentest, Europäische Zentralbank. Erhebung November/Dezember 2024.

Wichtig: Die EZB senkte den Leitzins von 4,25 Prozent (Dezember 2023) auf 3,15 Prozent (Dezember 2024) in mehreren Schritten. Weitere Senkungen um insgesamt 0,75 bis 1,0 Prozentpunkte werden für 2025 erwartet. Dies bedeutet konkret: Eine vierköpfige Familie mit 100.000 Euro Ersparnissen verliert durch den Zinsverfall etwa 2.000 bis 3.000 Euro jährliche Rendite – sofern keine Umstrukturierung der Geldanlage stattfindet. Besonders hart trifft es Sparer bei Filialbanken, die die Zinssenkungen sofort und vollständig weitergeben.

Konkretes Rechenbeispiel: Wenn die Zinsen halbiert werden

Nehmen wir eine realistische Situation: Ein Ehepaar mit einem Notgroschen und angesparten Rücklagen in Höhe von 100.000 Euro. Im Dezember 2023 war diese Summe auf einem Premium-Tagesgeldkonto mit 4,75 Prozent Zinsen angelegt – ein damals realistischer Satz bei Anbietern wie Trade Republic oder ING. Das Ehepaar verdiente jährlich 4.750 Euro Zinserträge. Abzüglich des gemeinsamen Sparerpauschbetrags von 2.000 Euro (je 1.000 Euro pro Person) blieben nach Steuern rund 4.162 Euro netto übrig.

Heute, im Dezember 2024, zahlen selbst Premium-Anbieter nur noch rund 3,2 Prozent. Das ergibt bei gleichem Kapital noch 3.200 Euro brutto – ein Rückgang von 1.550 Euro jährlich. Und für 2025 ist bei einem weiteren Rückgang auf rund 2,5 Prozent nur noch mit 2.500 Euro Jahreszins zu rechnen. Wer dagegen frühzeitig auf eine Kombination aus Festgeld mit 36-monatiger Laufzeit und einem Anleihen-ETF umschichtet, könnte den Rückgang abfedern und mittelfristig bei einer Rendite von 2,8 bis 3,2 Prozent bleiben.

Unsere Empfehlung: Der Dreiklang für die Zinssenkungsphase

ZenNews24 empfiehlt Sparern, ihr Vermögen in dieser Phase in drei Töpfe aufzuteilen. Erstens: den Liquiditätstopf – drei Monatsgehälter netto auf einem marktführenden Tagesgeldkonto mit mindestens 2,5 Prozent Zinsen. Zweitens: den Mittelfristtopf – Beträge, die in den nächsten ein bis vier Jahren nicht benötigt werden, auf Festgeld mit abgestuften Laufzeiten verteilen. Drittens: den Renditетopf – alles, was langfristig nicht gebraucht wird, breit gestreut in kostengünstige ETFs investieren, ergänzt durch Investment-Grade-Anleihen-ETFs für etwas mehr Stabilität.

Dieser Dreiklang ist nicht neu – aber er ist angesichts der aktuellen Zinswende relevanter denn je. Finanztip macht mit seinem Video einen guten Job, das Bewusstsein dafür zu schärfen. Was die Zuschauer daraus machen, liegt jedoch an ihrer individuellen Risikobereitschaft, ihrem Anlagehorizont und ihrer persönlichen Liquiditätssituation. Pauschalratschläge helfen hier nur bedingt weiter.

Fazit: Handeln ja – aber mit Bedacht

Saidi Sulilatu von Finanztip hat recht: Die Zeit des passiven Geldverdienens mit Tagesgeld ist vorbei. Wer jetzt nicht umdenkt, wird in zwei Jahren mit realen Zinsen nahe der Nulllinie konfrontiert sein – und das bei einer Inflation, die noch immer über dem EZB-Zielwert von zwei Prozent liegt. Kaufkraftverlust ist in diesem Szenario keine abstrakte Gefahr, sondern Realität.

Gleichzeitig gilt: Nicht jede Umschichtung ist für jeden Sparer sinnvoll. Wer morgen sein Eigenkapital für eine Immobilie benötigt, sollte nicht in Anleihen-ETFs wechseln. Wer seinen Job verlieren könnte, braucht einen soliden Notgroschen – auch wenn der künftig nur noch 2,0 Prozent abwirft. Finanzielle Sicherheit hat ihren Preis, und der liegt manchmal in Form von entgangenem Zinsertrag. Das ist kein Fehler – das ist bewusste Planung.

Die Botschaft lautet daher: Informieren, rechnen, handeln. Aber immer in dieser Reihenfolge.

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