Finanzen

Welche Versicherungen du kündigen kannst — und welche nicht

Über- und Unterversicherung vermeiden

Von ZenNews24 Redaktion 7 Min. Lesezeit Aktualisiert: 08.05.2026
Welche Versicherungen du kündigen kannst — und welche nicht

Die Versicherungslandschaft in Deutschland ist fragmentiert und oft undurchschaubar. Viele Verbraucher zahlen für Policen, die sie nicht benötigen, während sie gleichzeitig in kritischen Bereichen unterversichert sind. Eine ehrliche Bestandsaufnahme der eigenen Versicherungen ist daher nicht nur eine Frage der Kostenoptimierung, sondern auch der finanziellen Sicherheit. Dieser Artikel hilft dir, die richtige Balance zu finden.

Das Wichtigste in Kürze
  • Die aktuelle Versicherungssituation in Deutschland
  • Versicherungen, die du ohne Weiteres kündigen kannst
  • Versicherungen, die du unter keinen Umständen kündigen solltest
  • Vergleichstabelle: Kündigen oder behalten?

Die aktuelle Versicherungssituation in Deutschland

Das bedeutet im Umkehrschluss: Bis zu 80 Prozent der eingezahlten Beiträge verbleiben beim Versicherer.

Laut Daten des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) unterhalten deutsche Privathaushalte im Schnitt sieben bis zehn Versicherungsverträge gleichzeitig. Die jährlichen Prämien belaufen sich dabei häufig auf 1.800 bis 3.200 Euro pro Haushalt – je nach Lebenssituation, Eigentum und Familiengröße. Analysen der Stiftung Warentest zeigen regelmäßig, dass ein erheblicher Teil dieser Ausgaben in Policen fließt, die entweder überflüssig sind, sich inhaltlich überschneiden oder schlicht zu teuer eingekauft wurden. Gleichzeitig bestehen bei wirklich wichtigen Absicherungen – etwa der Berufsunfähigkeitsversicherung oder der Privathaftpflicht – teils gravierende Schutzlücken.

Das Problem liegt oft darin, dass Versicherungen sukzessive abgeschlossen werden – beim Autokauf, der Wohnungsanmietung, beim ersten Job – ohne dass später eine systematische Überprüfung stattfindet. Lebensumstände ändern sich, Tarife werden unattraktiv, neue Regelungen treten in Kraft. Doch viele Versicherte merken dies nicht und zahlen jahrelang für Schutz, den sie längst nicht mehr benötigen.

Versicherungen, die du ohne Weiteres kündigen kannst

Glasversicherung

Die Glasversicherung ist ein klassisches Beispiel für eine Police, die im Alltag kaum einen echten Mehrwert bietet. Sie deckt Schäden an Fenstern, Glastüren, Duschkabinen und ähnlichen Elementen ab. Die durchschnittlichen Kosten für einen Glasschaden liegen je nach Umfang zwischen 150 und 600 Euro. Die Jahresprämie für eine separate Glasversicherung beträgt häufig 60 bis 120 Euro. Wer diese Police zehn Jahre lang zahlt, hat 600 bis 1.200 Euro aufgewendet – für einen Schaden, der statistisch gesehen selten eintritt. Die meisten Haushalte können solche Einzelschäden besser aus eigener Rücklage begleichen. Wichtig: Prüfe zunächst, ob deine Hausratversicherung Glasbruch bereits einschließt – in vielen neueren Tarifen ist das der Fall.

Elementarschadenversicherung – differenziert betrachten

Die Elementarschadenversicherung deckt Schäden durch Hochwasser, Starkregen, Erdrutsche und Rückstau ab. Ihre Sinnhaftigkeit hängt stark vom Wohnort ab. In Hochwasserrisikogebieten – erkennbar über die Zonenkarte ZÜRS (Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen) der deutschen Versicherungswirtschaft – ist sie für Haus- und Wohnungseigentümer nahezu unverzichtbar. In gering gefährdeten Lagen ohne bekannte Überflutungshistorie kann eine Kündigung wirtschaftlich vertretbar sein, sofern die Prämie unverhältnismäßig hoch ausfällt. Mieter ohne eigenes Hab und Gut im Keller haben hier deutlich weniger Absicherungsbedarf als Eigentümer.

Reiserücktrittsversicherung

Diese Versicherung erstattet die Reisekosten, wenn du eine gebuchte Reise kurzfristig absagen musst – etwa wegen Krankheit oder eines Todesfalls in der Familie. Sie kostet typischerweise drei bis fünf Prozent des Reisepreises. Bei einer Pauschalreise für 1.800 Euro sind das 54 bis 90 Euro pro Buchung. Wer nur gelegentlich verreist, zahlt über mehrere Jahre mehr ein, als er statistisch jemals zurückerhält. Hinzu kommt: Zahlreiche Kreditkarten der gehobenen Kategorie – etwa Visa-Karten mit Reiseschutzpaketen oder bestimmte American-Express-Produkte – beinhalten einen Reiserücktrittsschutz bereits ohne Aufpreis, sofern die Reise mit der Karte bezahlt wurde. Es lohnt sich, die Kreditkartenkonditionen genau zu prüfen, bevor man zusätzlich zahlt.

Reisekrankenversicherung – nur im richtigen Kontext

Für Inlandsreisen ist eine separate Reisekrankenversicherung vollständig überflüssig: Die gesetzliche Krankenversicherung gilt deutschlandweit ohne Einschränkung. Innerhalb der EU und in Ländern mit Sozialversicherungsabkommen – darunter Schweiz, Norwegen und Türkei – leistet die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) auf der Rückseite der Krankenkassenkarte grundlegende Absicherung. Für Fernreisen nach Nordamerika, Asien oder Australien hingegen ist eine Auslandsreisekrankenversicherung sinnvoll, da dort anfallende Behandlungskosten und vor allem Rücktransporte in die Zehntausende Euro gehen können. Der entscheidende Vorteil: Ein Jahresvertrag für Reisekranken­schutz kostet bei seriösen Anbietern lediglich 15 bis 45 Euro – deutlich günstiger als die Pauschalpreise, die Reisebüros beim Buchungsabschluss aufrufen.

Zahnzusatzversicherung – im Einzelfall prüfen

Eine Zahnzusatzversicherung ist nicht grundsätzlich überflüssig, aber bei guter Zahngesundheit und konsequenter Prophylaxe häufig unrentabel. Eine solche Police kostet durchschnittlich 15 bis 45 Euro monatlich, also 180 bis 540 Euro pro Jahr. Über zehn Jahre summieren sich die eingezahlten Beiträge auf 1.800 bis 5.400 Euro. Für Personen ohne größere Zahnprobleme reicht es in vielen Fällen aus, zweimal jährlich zur Prophylaxe zu gehen – die gesetzliche Krankenkasse übernimmt dabei Basisleistungen und durch Bonusheft-Führung bis zu 65 Prozent bei Zahnersatz – und Mehrkosten gezielt aus einer Rücklage zu bestreiten. Wirtschaftlich interessant wird die Zahnzusatzversicherung erst bei absehbar hohem Sanierungsbedarf oder im höheren Lebensalter. Achtung: Viele Tarife enthalten Wartezeiten von acht bis zwölf Monaten und Leistungsobergrenzen im ersten und zweiten Versicherungsjahr.

Welche Versicherungen du kündigen kannst — und welche nicht

Handyversicherung und Elektronikversicherung

Handyversicherungen gehören zu den margenreichsten Produkten der Versicherungsbranche. Die Schadensquote – also der Anteil der Prämieneinnahmen, der tatsächlich für Schadenszahlungen aufgewendet wird – liegt laut Verbraucherschutzorganisationen bei lediglich 20 bis 35 Prozent. Das bedeutet im Umkehrschluss: Bis zu 80 Prozent der eingezahlten Beiträge verbleiben beim Versicherer. Eine Handyversicherung kostet typischerweise 6 bis 15 Euro monatlich, über 24 Monate also 144 bis 360 Euro. Ein Displaytausch beim autorisierten Service schlägt mit 150 bis 280 Euro zu Buche, ein Komplettersatz eines Mittelklasse-Smartphones mit 350 bis 600 Euro. Wer ein robustes Schutzcase verwendet und sein Gerät pfleglich behandelt, fährt mit einer zweckgebundenen Rücklage in der Regel günstiger. Für hochwertige Geräte ab 1.000 Euro Neupreis kann eine Elektronikversicherung im Einzelfall sinnvoll sein – dann aber nur über eigenständige Tarife, nicht über überteuerte Händlerangebote beim Kauf.

Versicherungen, die du unter keinen Umständen kündigen solltest

Private Haftpflichtversicherung

Die Privathaftpflichtversicherung gehört zu den wichtigsten Versicherungen überhaupt – und ist gleichzeitig eine der günstigsten. Sie greift, wenn du anderen Personen oder deren Eigentum einen Schaden zufügst, für den du gesetzlich haftest. In Deutschland gilt das Prinzip der unbegrenzten Privathaftung: Wer etwa durch Unachtsamkeit einen Unfall verursacht, der zu dauerhafter Erwerbsminderung beim Geschädigten führt, kann im schlimmsten Fall mit dem Pfändungsfreibetrag bis ans Lebensende zur Kasse gebeten werden. Eine gute Privathaftpflichtversicherung kostet Einzelpersonen zwischen 40 und 80 Euro jährlich, Familien zwischen 70 und 120 Euro – und deckt Schäden in der Regel bis zu 10 oder 15 Millionen Euro ab. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist kaum zu schlagen.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Statistisch gesehen wird jeder vierte Erwerbstätige in Deutschland vor dem regulären Rentenalter berufsunfähig – die häufigsten Ursachen sind psychische Erkrankungen, Erkrankungen des Bewegungsapparats und Krebserkrankungen. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente greift erst bei vollständiger Erwerbsminderung und liegt im Durchschnitt bei deutlich unter 1.000 Euro monatlich – für die meisten Menschen existenziell unzureichend. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung sollte daher für alle Berufstätigen mit laufenden Verpflichtungen absolute Priorität haben. Wer diese Police bereits besitzt, sollte sie unter keinen Umständen kündigen – eine Neubeantragung ist mit zunehmendem Alter und eventuellen Vorerkrankungen deutlich teurer oder sogar unmöglich.

Krankenversicherung

In Deutschland besteht Krankenversicherungspflicht. Eine Kündigung der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung ohne nahtlosen Wechsel zu einem anderen Anbieter ist rechtlich nicht zulässig und würde im Schadensfall zu katastrophalen finanziellen Folgen führen. Wer in der privaten Krankenversicherung ist und die Prämien nicht mehr tragen kann, sollte zunächst Optionen wie den Basistarif oder den Notlagentarif prüfen, bevor er über einen Wechsel nachdenkt.

Kfz-Haftpflichtversicherung

Die Kfz-Haftpflichtversicherung ist gesetzlich vorgeschrieben. Ohne sie darf kein Fahrzeug im öffentlichen Straßenverkehr bewegt werden. Sie haftet für Personen-, Sach- und Vermögensschäden, die du Dritten mit deinem Fahrzeug zufügst – mit Deckungssummen, die heute mindestens 7,5 Millionen Euro für Personenschäden betragen müssen. Eine Kündigung ohne sofortige Abmeldung des Fahrzeugs ist schlicht keine Option.

Vergleichstabelle: Kündigen oder behalten?

Versicherung Durchschnittliche Jahresprämie Empfehlung Begründung
Privathaftpflicht 40–120 € Behalten Existenziell, unbegrenzte Haftung in Deutschland
Berufsunfähigkeit 600–2.400 € Behalten Jeder 4. wird berufsunfähig, staatliche Absicherung unzureichend
Kfz-Haftpflicht 200–700 € Pflicht Gesetzlich vorgeschrieben, keine Option zur Kündigung
Hausratversicherung 80–200 € Meist behalten Sinnvoll bei hochwertigem Inventar; Tarif regelmäßig vergleichen
Glasversicherung (separat) 60–120 € Kündigen Oft in Hausrat enthalten; Schäden aus Rücklage tragbar
Handyversicherung 72–180 € Kündigen Sehr hohe Versicherermargen, Rücklage sinnvoller
Reiserücktritt (Einzelbuchung) 50–100 € pro Reise Prüfen Oft durch Kreditkarte oder Veranstalter abgedeckt
Reisekranken (Inland/EU) Variabel Kündigen GKV und EHIC-Karte ausreichend
Reisekranken (Fernreisen) 15–45 € p. a. Behalten Günstig, hoher Rücktransportschutz bei Fernreisen essenziell
Zahnzusatz 180–540 € Individuell Nur bei absehbarem Sanierungsbedarf wirtschaftlich

Wusstest du schon? Der durchschnittliche Deutsche gibt etwa 2.500 Euro pro Jahr für Versicherungen aus – dabei sind mindestens 30 % dieser Policen völlig überflüssig.

So gehst du bei der Überprüfung deiner Versicherungen vor

Eine systematische Überprüfung aller Versicherungsverträge sollte mindestens alle zwei bis drei Jahre stattfinden – und immer dann, wenn sich die Lebenssituation wesentlich ändert: Heirat, Geburt eines Kindes, Immobilienkauf, Jobwechsel oder Renteneintritt sind typische Auslöser. Folgende Schritte helfen dabei:

Schritt 1: Bestandsaufnahme. Lege alle Versicherungspolicen an einem Ort ab – digital oder physisch. Notiere für jede Police: Versicherer, Jahresprämie, Laufzeit, Kündigungsfrist und abgedecktes Risiko.

Schritt 2

Quellen:
  • Bundesfinanzministerium — bundesfinanzministerium.de
  • Deutsche Bundesbank — bundesbank.de
  • Finanzen.net
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