Deutschland EM 2020: Analyse des Achtelfinal-Aus gegen England
Analyse des Achtelfinals und was die DFB-Elf falsch machte
Das Achtelfinal-Aus gegen England bei der Europameisterschaft 2020 war für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ein tiefer Einschnitt. Am 29. Juni 2021 im Londoner Wembley-Stadion verlor die DFB-Elf mit 0:2 gegen die Three Lions und schied damit vorzeitig aus dem Turnier aus. Dabei hatte die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw mit großen Erwartungen in dieses Turnier gestartet – und wurde bitter enttäuscht. Die Niederlage markierte nicht nur das Ende einer Ära unter Löw, sondern offenbarte auch strukturelle Probleme im deutschen Spielsystem, die sich bereits über die gesamte Gruppenphase hinweg abgezeichnet hatten.
- Das Spiel im Überblick: Taktische Analyse
- Aktuelle Lage und Analyse
- Hintergrund und Statistiken
Es war ein Abend, der nachwirkte. Wembley war laut, England war hungrig – und Deutschland wirkte, als hätte man die Hausaufgaben nur halb gemacht. Was folgte, war eine Lehrstunde in Pressing, Effizienz und Entschlossenheit. Gareth Southgates Mannschaft zeigte, wie moderner Turnierfußball funktioniert. Löws Team zeigte, warum eine Ära zu Ende gehen musste.
Bereits in der Gruppenphase deutete sich an, dass diese deutsche Mannschaft nicht die gewohnte Stabilität ausstrahlen würde. Das 1:1 gegen Frankreich sowie durchwachsene Auftritte gegen Portugal und Ungarn zeigten, dass die Offensive nicht zuverlässig funktionierte und die Defensive anfällig war. Gegen England spitzte sich diese Schwäche dramatisch zu. Die Engländer spielten konzentriert, nutzten ihre Chancen kalt und ließen Deutschland nie wirklich ins Spiel kommen.
Das Spiel im Überblick: Taktische Analyse

Joachim Löw setzte auf eine 3-4-3-Formation, die Flexibilität und offensive Breite garantieren sollte. Mit Antonio Rüdiger, Mats Hummels und Niklas Süle in der Dreierkette wollte Deutschland defensive Stabilität ausstrahlen. Im Mittelfeld agierte Ilkay Gündoğan neben Leon Goretzka. Die Flügelpositionen bekleideten Serge Gnabry auf rechts und Robin Gosens auf links, dahinter schaltete Kai Havertz zwischen den Linien. Doch diese Formation wirkte gegen die Dynamik der Engländer von Beginn an zu statisch und zu vorhersehbar.
England unter Gareth Southgate spielte mit bemerkenswerter Disziplin und gleichzeitig großer Aggressivität. Die Defensive um Kyle Walker, John Stones und Luke Shaw stand kompakt und ohne Lücken. Das englische Mittelfeld mit Kalvin Phillips und Declan Rice presste früh und ließ Deutschland kaum Zeit für einen geordneten Spielaufbau. Besonders deutlich wurde das strukturelle Problem auf den deutschen Außenpositionen: Robin Gosens, eigentlich ein Aktivposten in diesem Turnier, wurde von der englischen Defensive konsequent gebunden und aus dem Spiel genommen.
Die erste Halbzeit verlief ausgeglichen, ohne dass eine Mannschaft echte Dominanz entwickeln konnte. Doch die zweite Hälfte brachte die Entscheidung. Raheem Sterling und Harry Kane wurden gefährlicher, die deutschen Spieler zogen sich immer tiefer zurück. Das Spiel kippte – und England nutzte seine Chancen erbarmungslos. In der 75. Minute erzielte Sterling das 1:0, nur vier Minuten später legte Kane mit dem 2:0 nach. Deutschland hatte diesem Sturm nichts mehr entgegenzusetzen.
| Statistik | Deutschland | England |
|---|---|---|
| Tore | 0 | 2 |
| Schüsse gesamt | 6 | 13 |
| Schüsse auf Tor | 2 | 7 |
| Ballbesitz (%) | 42 | 58 |
| Pässe | 379 | 451 |
| Passquote (%) | 83 | 86 |
| Tackles | 16 | 18 |
| Fouls | 12 | 10 |
| Gelbe Karten | 1 | 1 |
| Ecken | 2 | 5 |
Schlüsselzahlen: 0:2 – das bittere Endergebnis für Deutschland. 58 % Ballbesitz für England, während die DFB-Elf mit nur 42 % kämpfte. Lediglich 2 Schüsse auf das englische Tor bei 6 Abschlüssen insgesamt. Sterling erzielte das 1:0 in der 75. Minute, Kane legte das 2:0 in der 86. Minute nach. Es war Deutschlands zweites Achtelfinal-Aus bei einer Europameisterschaft in Folge – nach dem Aus gegen England 2021 auch das Ende der Ära Löw nach 15 Jahren als Bundestrainer.
Warum die deutsche Defensive versagte
Die Defensivleistung war das auffälligste Defizit des Abends. Deutschland hatte mit Mats Hummels und Antonio Rüdiger zwei Weltklasse-Innenverteidiger auf dem Platz – erfahren, ballsicher, zweikampfstark. Doch gegen die englischen Angreifer wirkten sie strukturell überfordert, weil das gesamte System nicht stimmte. Raheem Sterling war der entscheidende Unruheherd: Seine Schnelligkeit in engen Räumen und sein Direktspiel setzten die Dreierkette immer wieder unter Druck.
Das zentrale Problem lag in der Abstimmung zwischen der Abwehrkette und dem Mittelfeld. Deutschland ließ zu, dass England gefährliche Räume zwischen den Linien öffnen konnte, die weder das Mittelfeld noch die Defensive rechtzeitig schloss. Beim 0:1 war die Koordination der deutschen Abwehr schlicht nicht vorhanden – Sterling kam zu frei zum Abschluss, ohne dass ein Deutscher entschlossen störte. Auf diesem Niveau ist das eine Einladung.
Hinzu kam ein Problem, das schwer messbar, aber deutlich spürbar war: die Kommunikation auf dem Platz. Entscheidende EM-Spiele auf höchstem Niveau werden oft durch Kleinigkeiten entschieden – ein rechtzeitiger Zuruf, eine klare Zuordnung, ein abgestimmtes Herausrücken. All das fehlte der DFB-Elf in den entscheidenden Momenten. Das Wembley-Publikum übertönte jeden Versuch der deutschen Abstimmung – und England nutzte die Verwirrung gnadenlos aus.
Das englische Pressing und deutsche Probleme im Aufbauspiel
Ein weiterer zentraler Grund für die deutsche Niederlage war die strukturelle Unfähigkeit, gegen das englische Pressing zu spielen. England attackierte früh und aggressiv, sodass deutsche Spieler bereits beim ersten Aufbaupass unter Druck gerieten. Besonders im defensiven Mittelfeld, wo Gündoğan und Goretzka die Fäden ziehen sollten, fand Deutschland keine Lösungen. Pässe in die Tiefe kamen nicht an, Kombinationen wurden unterbrochen, Spielaufbau über die Innenverteidiger endete regelmäßig im Fehlpass oder Befreiungsschlag.
Aktuelle Lage und Analyse
Kalvin Phillips und Declan Rice waren die Taktgeber des englischen Pressings. Beide agierten nicht nur defensiv stark, sondern leiteten auch schnelle Umschaltmomente ein. Jedes Mal, wenn Deutschland den Ball verlor – und das passierte häufig –, stand England sofort bereit, die Kontersituation zu nutzen. Deutschland wirkte reaktiv, nicht aktiv. Das ist ein fundamentaler Unterschied auf Turniernieau.
Serge Gnabry, der auf der rechten Seite eigentlich für Tempo und Tiefenläufe sorgen sollte, war weitgehend unsichtbar. Luke Shaw und die englische Defensive ließen ihm keinen Platz. Auch Thomas Müller, der als Joker eingewechselt wurde, konnte dem Spiel keine neue Richtung geben. Die deutschen Wechsel kamen zu spät und zeigten keine klare taktische Absicht.
Das Ende der Ära Löw
Das Aus gegen England hatte eine Bedeutung, die weit über dieses einzelne Spiel hinausging. Joachim Löw hatte angekündigt, nach der Europameisterschaft als Bundestrainer aufzuhören – nach 15 Jahren, einem Weltmeistertitel 2014 und unzähligen prägenden Momenten für den deutschen Fußball. Dieses Spiel war sein letztes Kapitel, und es war kein würdiger Abschluss.
Löws Formation, seine Personalentscheidungen und seine taktischen Anpassungen standen nach dem Ausscheiden massiv in der Kritik. Die Rückkehr von Hummels und Müller, die nach dem WM-Desaster 2018 zunächst ausgemustert worden waren, hatte das Team nicht stabilisiert. Das System wirkte veraltet, die Spieler wirkten orientierungslos. Eine Mannschaft, die einst für ihren Kombinationsfußball und ihre taktische Vielseitigkeit bewundert wurde, stand am Ende ohne Idee da.
Hansi Flick übernahm das Amt des Bundestrainers und leitete eine neue Phase ein. Doch die Neuausrichtung der deutschen Nationalmannschaft nach dem EM-Aus 2021 sollte langwieriger werden als erwartet. Die Probleme, die in Wembley sichtbar wurden – mangelnde Pressing-Resistenz, fehlende Kreativität im Aufbauspiel, Kommunikationsdefizite in der Defensive – waren keine Eintages-Erscheinungen, sondern strukturelle Schwächen, die über Jahre gewachsen waren.
Hintergrund und Statistiken
Fazit: Eine Niederlage mit Ansage
Rückblickend war die Niederlage gegen England keine überraschende Katastrophe, sondern das logische Ergebnis einer Turnierteilnahme, die von Beginn an von Unsicherheit geprägt war. Die Gruppenphase hatte Warnsignale gesendet, die taktische Vorbereitung auf England blieb hinter den Erwartungen zurück, und auf dem Platz fehlte es an genau jenen Qualitäten, die Turniere entscheiden: Entschlossenheit, Flexibilität und die Fähigkeit, unter Druck kluge Entscheidungen zu treffen.
England war an diesem Abend das bessere Team – effizienter, aggressiver und taktisch schärfer. Deutschland war nicht schlecht genug, um chancenlos zu sein, aber nicht gut genug, um zu bestehen. Das ist vielleicht das

- DFB — dfb.de
- Kicker Sportmagazin — kicker.de
- Sport1 — sport1.de






















