Klimaschutz

Fridays for Future: Was die Bewegung fordert

Klimaaktivisten und ihre Ziele

Von Thomas Weber 8 Min. Lesezeit Aktualisiert: 08.05.2026
Fridays for Future: Was die Bewegung fordert

Seit ihrer Gründung vor etwa fünf Jahren hat sich die globale Klimabewegung Fridays for Future zu einer der einflussreichsten Protestbewegungen unserer Zeit entwickelt. Was mit der einzelnen schwedischen Schülerin Greta Thunberg begann, die sich mit einem Schild vor das schwedische Parlament setzte, ist mittlerweile zu einer weltweiten Bewegung mit Millionen von Anhängern herangewachsen. Doch was fordert Fridays for Future eigentlich konkret? Welche politischen Ziele hat die Bewegung, und wie realistisch sind diese im Kontext der internationalen Klimapolitik und der wissenschaftlichen Erkenntnisse?

Das Wichtigste in Kürze
  • Die Kernforderungen von Fridays for Future
  • Die globale Perspektive: Was der IPCC sagt
  • Internationale Vergleiche und Best Practices

Diese Fragen werden zunehmend wichtiger, denn während die öffentliche Aufmerksamkeit für Klimaproteste schwankt, intensivieren sich die wissenschaftlichen Warnungen vor den Folgen der Erderwärmung. Der Internationale Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC) hat in seinen letzten Berichten deutlich gemacht, dass die Zeit zum Handeln begrenzt ist. Gleichzeitig ringen Regierungen weltweit mit der Umsetzung ehrgeiziger Klimaziele – ein Spannungsfeld, in dem sich Fridays for Future bewegt.

CO2/Klimazahl: Die Konzentration von CO₂ in der Atmosphäre beträgt aktuell etwa 422 ppm (parts per million), der höchste Wert seit mindestens 800.000 Jahren. Um die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, müssten die globalen Emissionen bis zum Jahr 2030 um etwa 43 Prozent gegenüber dem Niveau von 2019 sinken – laut IPCC eine notwendige Bedingung.

Die Kernforderungen von Fridays for Future

Das deutsche Klimaschutzgesetz sieht vor, bis Ende des Jahrzehnts die CO₂-Emissionen um 65 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken.
Fridays for Future Demo Berlin

Fridays for Future hat sich über die Jahre hinweg ein konsistentes Set von Forderungen erarbeitet, die sich sowohl an nationale Regierungen als auch an internationale Institutionen richten. Die zentrale Botschaft lautet: „Handelt jetzt" – nicht morgen, nicht in zehn Jahren, sondern unmittelbar. Diese Dringlichkeit speist sich aus wissenschaftlichen Erkenntnissen, die zeigen, dass jedes Zehntel Grad Erwärmung erhebliche Konsequenzen mit sich bringt.

Die erste große Forderung betrifft den Ausstieg aus fossilen Energieträgern. Fridays for Future fordert ein sofortiges Ende der Subventionierung von Kohle, Öl und Gas sowie den Ausstieg aus deren Nutzung. Dies ist eine zentrale Position, denn die Energiewirtschaft ist mit etwa einem Drittel aller globalen CO₂-Emissionen der größte Verursacher. Die Bewegung argumentiert, dass dieser Übergang technisch längst möglich ist und dass der Verzicht darauf politisches Versagen darstellt, nicht technische Unmöglichkeit.

Zweitens fordert die Bewegung ein echtes Klimaschutzgesetz mit verbindlichen, messbaren Zielen und Konsequenzen für Zielverfehlungen. In vielen Ländern, darunter Deutschland, existieren zwar Klimagesetze, doch deren Durchsetzung wird von der Bewegung oft als unzureichend kritisiert. Besonders wichtig ist dabei die Rechenschaftspflicht: Wer ist verantwortlich, wenn Ziele nicht erreicht werden? Wie werden Versprechen überprüft?

Eine dritte zentrale Forderung bezieht sich auf die Finanzierung von Klimaschutz und Klimaanpassung. Fridays for Future kritisiert, dass reiche Länder ihre Verpflichtungen nicht erfüllen, ärmeren Ländern bei der Bewältigung von Klimafolgen zu helfen. Die ursprüngliche Zusage der Industrieländer lautete 100 Milliarden Dollar pro Jahr für Klimafinanzierung – ein Ziel, das lange nicht erreicht wurde und das die Bewegung als moralisch inakzeptabel einstuft, zumal reiche Länder durch ihre historischen Emissionen die Krise verursacht haben.

Politische Maßnahmen im Detail

Wenn man die konkreten Forderungen aufschlüsselt, wird deutlich, dass Fridays for Future sich nicht nur auf abstrakte Ziele konzentriert, sondern auch spezifische Sektoren und Maßnahmen kritisiert. Im Verkehrssektor fordert die Bewegung einen massiven Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, ein Ende der Subventionen für Flugverkehr und die Besteuerung von Flugbenzin. Im Bereich Landwirtschaft und Ernährung wird eine Reduktion des Fleischkonsums auf gesamtgesellschaftlicher Ebene propagiert – nicht als individuelle moralische Forderung, sondern als strukturelle Notwendigkeit, da die intensive Tierhaltung erhebliche CO₂-Emissionen verursacht. Mehr Informationen hierzu finden sich in unserem Artikel zum Thema Fleischkonsum und Klima: Wie viel macht es aus?

Im Bereich Waldschutz fordert Fridays for Future ein sofortiges Ende von Abholzungen für kommerzielle Zwecke, insbesondere in Regionen wie dem Amazonas und in Südostasien. Wälder sind nicht nur CO₂-Senken, sondern auch kritisch für die Artenvielfalt und die Regulierung lokaler Klimamuster. Der deutsche Wald befindet sich dabei in einem besorgniserregenden Zustand – dazu mehr in unserem Bericht über den Waldsterben: Der aktuelle Zustandsbericht.

Eine häufig umstrittene Forderung betrifft auch die Energiewende und dabei speziell die Rolle der Kernenergie. Während sich die Positionen hier unterscheiden, argumentieren einige Teile der Bewegung, dass der Ausstieg aus fossilen Energien schneller gehen muss, und dass dies möglicherweise auch eine vorübergehende Rolle für Kernenergie bedeutet. Dieser Punkt ist inzwischen Gegenstand intensiver Debatten. Unseren ausführlichen Artikel zum Thema finden Sie unter Atomkraft: Kommt das Comeback doch noch?

Die globale Perspektive: Was der IPCC sagt

Fridays for Future: Zehntausende beim Klimastreik | ARD

Der Internationale Ausschuss für Klimaänderungen der Vereinten Nationen (IPCC) gilt als das maßgebende wissenschaftliche Gremium zur Bewertung des Klimawandels. In seinen Berichten fasst der IPCC den Stand der Forschung zusammen und leitet daraus Implikationen für politisches Handeln ab. Dabei stimmen die Forderungen von Fridays for Future in vielen Punkten mit den IPCC-Erkenntnissen überein.

Der IPCC betont, dass das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens vom Jahr 2015 technisch noch erreichbar ist, aber nur unter drastischen und unmittelbaren Maßnahmen. Dies bedeutet: schneller Ausstieg aus Kohle, ein massiver Ausbau erneuerbarer Energien, Verbesserungen in Effizienz und auch in den Bereichen Landnutzung und Landwirtschaft. Der IPCC warnt auch vor dem Risiko von „Kipppunkten" – kritischen Schwellenwerten, jenseits derer sich das Klimasystem selbst verstärkt und außer menschliche Kontrolle gerät. Dies liefert die wissenschaftliche Basis für die Forderung nach Dringlichkeit, die Fridays for Future so prominent macht.

Gleichzeitig warnt der IPCC auch vor Überoptimismus. Es reicht nicht aus, nur von erneuerbaren Energien zu sprechen; es braucht auch Kreislaufwirtschaft, Verhaltensänderungen, Gerechtigkeit und internationale Kooperation. Keine einzelne Maßnahme wird das Problem lösen – es braucht ein Bündel von Ansätzen, die koordiniert umgesetzt werden müssen.

Land/Region CO₂-Emissionen (Mrd. Tonnen/Jahr) Ziel für 2030 Status der Zielerreichung
China 10,7 –65% unter 2005-Niveau Auf Kurs, aber mit Verzögerungen
USA 5,2 –50% unter 2005-Niveau Unsicher, abhängig von Regierungskurs
Indien 2,4 –45% Emissionsintensität Auf Kurs
Deutschland 0,65 –65% unter 1990-Niveau Verzögerung, siehe Klimaschutzgesetznovelle
Großbritannien 0,36 –68% unter 1990-Niveau Auf Kurs

Deutschland und die Herausforderungen der Umsetzung

Deutschland nimmt in der Klimadebatte eine besondere Position ein. Das Land gilt international als Vorreiter in der Energiewende, hat aber zugleich mit erheblichen Herausforderungen bei der Umsetzung zu kämpfen. Das deutsche Klimaschutzgesetz sieht vor, bis Ende des Jahrzehnts die CO₂-Emissionen um 65 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Dies ist ein ambitioniertes Ziel, aber Fridays for Future argumentiert, dass es nicht ambitioniert genug ist.

Tatsächlich haben einzelne Sektoren in Deutschland die ihnen zugewiesenen Emissionsziele verfehlt, besonders der Verkehrssektor und der Gebäudesektor. Dies führte zu Diskussionen über die Verschärfung von Maßnahmen und – im Falle von Zielverfehlungen – zur Verabschiedung von Sofortmaßnahmenprogrammen. Mehr Informationen zur aktuellen Situation finden Sie in unserem Artikel über die Klimaschutzziele verfehlt: Was jetzt passiert.

Besonders relevant für die kommenden Jahre ist die Frage der CO₂-Bepreisung. Das deutsche Emissionshandelssystem wurde in der Vergangenheit mehrfach angepasst, und es gibt Diskussionen darüber, wie schnell die Preise steigen sollten und wie die Einnahmen verwendet werden. Fridays for Future fordert hier eine höhere Bepreisung und eine gerechtere Verteilung der Lasten, besonders um sicherzustellen, dass niedrige Einkommen nicht überproportional belastet werden. Weitere Details zum Klimapaket der Bundesregierung: Was sich 2025 beim CO₂-Preis ändert finden Sie in unserem spezialisierten Artikel.

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Rolle der Industrie. Deutschland ist ein Industrieland mit energieintensiven Sektoren wie Stahl, Chemie und Zement. Fridays for Future fordert hier eine Transformation dieser Industrien, nicht nur durch Effizienzmaßnahmen, sondern durch fundamentale Umstrukturierung: grüner Stahl, grüne Chemikalien, alternative Zementformulierungen. Dies erfordert erhebliche Investitionen und eine Bereitschaft, traditionelle Produktionsweisen zu überdenken.

Internationale Vergleiche und Best Practices

Wenn man einen internationalen Blick wirft, werden die unterschiedlichen Ansätze zur Klimapolitik deutlich. Skandinavische Länder wie Schweden, Norwegen und Dänemark haben relativ hohe Preise auf CO₂ eingeführt und sind teilweise bereits zu hohem Anteilen auf erneuerbare Energien übergegangen. Costa Rica, obwohl ein deutlich ärmeres Land, speist einen Großteil seines Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen, hauptsächlich Wasserkraft. Marokko hat massive Solaranlagen aufgebaut und positioniert sich als Vorreiter in Nordafrika.

Auf der anderen Seite gibt es Länder, die relativ wenig getan haben oder sogar Schritte zurückgenommen haben. Die USA unter bestimmten Administrationen haben sich dem Pariser Abkommen widersetzt oder sind aus ihm ausgestiegen. Australien hat lange Zeit fossile Brennstoffe subventioniert. China hat zwar ehrgeizige Ziele angekündigt, wird aber oft kritisiert, weil es weiterhin in Kohle investiert und seine CO₂-Emissionen noch nicht rückläufig sind, obwohl die Wachstumsrate sinkt.

Fridays for Future argumentiert, dass diese Unterschiede nicht akzeptabel sind und dass internationale Mechanismen – etwa durch die Vereinten Nationen – stärker durchgesetzt werden müssen. Besonders wichtig ist dabei die Frage der Gerechtigkeit: Länder des Globalen Nordens haben durch ihre historischen Emissionen den Großteil der bisherigen Erwärmung verursacht, müssen aber jetzt zusammen mit den ärmeren Ländern des Südens das Problem lösen. Diese Asymmetrie wird von der Bewegung als zentral problematisch betont.

Kritik und Gegenpositionen

Fridays for Future wird von verschiedenen Seiten kritisiert. Manche argumentieren, die Forderungen seien unrealistisch und würden wirtschaftliche Folgen ignorieren. Andere wiederum kritisieren, dass die Bewegung nicht radikal genug ist und zu viel

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Quellen:
  • Umweltbundesamt — umweltbundesamt.de
  • BMUV — bmuv.de
  • dpa Klimanachrichten
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Thomas Weber
Politik & Wirtschaft
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