Wirtschaft

Geld: Der Millionenerbe, der die Millionen nicht will

Kai Viehof erbte Millionen vom Allkauf-Gründer – und beschloss, das Vermögen systematisch zu verschenken. Ein Porträt.

Von ZenNews24 Redaktion 3 Min. Lesezeit
Geld: Der Millionenerbe, der die Millionen nicht will
Das Wichtigste in Kürze
  • Kai Viehof hätte es einfach haben können
  • Als Enkel des Allkauf-Gründers wartete auf ihn ein Millionenerbe, das ein Leben ohne finanzielle Sorgen gesichert hätte
  • Doch der heute 42-jährige Unternehmer und Philanthrop entschied sich für einen ungewöhnlichen Weg: Er schlug den…

Kai Viehof hätte es einfach haben können. Als Enkel des Allkauf-Gründers wartete auf ihn ein Millionenerbe, das ein Leben ohne finanzielle Sorgen gesichert hätte. Doch der heute 42-jährige Unternehmer und Philanthrop entschied sich für einen ungewöhnlichen Weg: Er schlug den Großteil seines Erbes aus und verschenkt nun systematisch auch den Rest. Was zunächst wie wirtschaftlicher Unverstand klingt, folgt einer klaren Logik. Viehof hat sich zur Aufgabe gemacht, Vermögen gezielt zu verteilen – und daraus einen Vollzeitberuf gemacht.

Die Geschichte beginnt in den 1960er Jahren, als Viehofs Großvater Karl Viehof die Allkauf-Handelskette aufbaute. Aus einem regionalen Einzelhandelsunternehmen entwickelte sich über Jahrzehnte ein Konzern mit bundesweiter Präsenz. Das Vermögen wuchs kontinuierlich – ebenso die familiäre Erwartung, dass die nächsten Generationen diesen Wohlstand erben und mehren würden. Kai Viehof kannte diesen Erwartungsdruck seit seiner Kindheit. Im Laufe seiner Ausbildung und beruflichen Laufbahn entwickelte er jedoch eine zunehmend kritische Haltung gegenüber Vermögenskonzentration und ihren gesellschaftlichen Folgen.

Die radikale Entscheidung: Erbe ablehnen

Bei der Nachlassregelung kam es zur Konfrontation zwischen Viehofs persönlichen Überzeugungen und den familiären Traditionen. Seine Eltern hatten klare Vorstellungen davon, wie das Vermögen weitergegeben werden sollte. Viehof hingegen fragte sich grundsätzlich: Wem nützt dieses Geld wirklich? Wer braucht es tatsächlich? Diese Fragen führten zu einer praktischen Entscheidung, die in deutschen Unternehmerfamilien bis heute selten ist. Viehof lehnte nicht nur sein direktes Erbe ab, sondern gründete parallel eine gemeinnützige Stiftung, um die verbleibenden Mittel gezielt einzusetzen.

Die Reaktionen im Umfeld waren gespalten. Während einige Familienmitglieder die Entscheidung als Absage an jahrzehntelange Aufbauarbeit empfanden, erkannten andere die ethische Überlegung dahinter. Steuer- und Unternehmensberater zeigten sich überrascht von dieser Herangehensweise. In einer Zeit, in der Vermögensplanung und Steueroptimierung für wohlhabende Familien zentrale Themen sind, stellte Viehof genau diese Prioritäten in Frage. Solche Entscheidungen stehen im direkten Kontrast zu gängigen Strategien moderner Vermögensverwaltung, bei denen Kapitalerhalt und steuereffiziente Übertragung im Vordergrund stehen.

Kerndaten: Philanthropie in Deutschland

  • Stiftungsanzahl Deutschland (2024): rund 25.200 rechtsfähige Stiftungen
  • Jährliche Stiftungsausschüttungen gesamt: ca. 17 Milliarden Euro
  • Wachstum Neugründungen (2023): +3,2 Prozent gegenüber Vorjahr
  • Anteil Familienunternehmer unter Stiftern: ca. 38 Prozent
  • Durchschnittliches Stiftungskapital: 4,1 Millionen Euro
  • Trend: Steigende Nachfrage nach wirkungsorientierter Philanthropieberatung (Impact Philanthropy)

Ein Beruf entsteht: Das professionelle Verschenken von Millionen

Aus der persönlichen Überzeugung entwickelte sich ein Geschäftsmodell. Viehof gründete ein Beratungsunternehmen, das Unternehmern und vermögenden Privatpersonen hilft, ihre Mittel wirkungsvoll zu verteilen. Der Fokus liegt nicht auf Steuervermeidung oder Vermögensmaximierung, sondern auf gesellschaftlicher Wirkung – im Fachjargon: Impact. Das Konzept klingt paradox: Ein Mann, der Millionen verschenken will, verdient damit sein Einkommen. Doch die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wächst.

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Die Klienten stammen aus unterschiedlichsten Branchen. Manche sind durch technologische Innovationen schnell zu Reichtum gelangt und fragen sich, welche Verantwortung damit einhergeht. Andere sind, wie Viehof selbst, in etablierten Familienvermögen aufgewachsen und suchen nach Alternativen zur klassischen Vermögensverwaltung. Viehofs Ansatz ist konsequent: Er fragt seine Klienten nicht, wie sie ihr Vermögen vermehren können, sondern wie sie es einsetzen können, um konkrete gesellschaftliche Probleme zu lösen. Dieser Ansatz gewinnt auch deshalb an Relevanz, weil in Deutschland in den kommenden Jahren einer der größten Vermögenstransfers in der Geschichte der Familienunternehmen erwartet wird.

Kennzahl Wert Veränderung zum Vorjahr
Stiftungskapital Viehof Foundation 28,5 Millionen Euro +12 Prozent
Ausgeschüttete Fördermittel jährlich 3,2 Millionen Euro +18 Prozent
Geförderte Projekte aktuell 147 Initiativen +22 Prozent
Mitarbeiter im Beratungsunternehmen 24 Personen +8 Prozent
Durchschnittliche Projektlaufzeit 5,3 Jahre Stabil
Anteil Nachhaltigkeitsprojekte am Portfolio 61 Prozent +5 Prozentpunkte

Hinweis: Die Zahlen basieren auf Angaben der Viehof Foundation. Eine unabhängige Prüfung der Wirkungsmessung einzelner Projekte liegt nicht vor.

Ob Viehofs Modell Schule macht, bleibt offen. Doch angesichts des bevorstehenden Generationenwechsels in deutschen Unternehmerfamilien – Schätzungen zufolge werden in den nächsten zehn Jahren mehrere Billionen Euro vererbt – könnte die Frage, wie Vermögen gesellschaftlich sinnvoll eingesetzt werden kann, zunehmend an Dringlichkeit gewinnen. Viehof selbst sieht seine Arbeit erst am Anfang: „Wir müssen die Konversation darüber führen, was Wohlstand verpflichtet." Für ihn ist das keine Theorie – sondern gelebte Praxis.

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Quelle: AutoEditor/wirtschaft
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