Politik

Gerhard Schröder und Wladimir Putin: Eine gefährliche Freundschaft

Der Ex-Bundeskanzler als Putins Mann in Deutschland — Kontakte, Gasdeals und politischer Schaden

Von ZenNews24 Redaktion 8 Min. Lesezeit
Gerhard Schröder und Wladimir Putin: Eine gefährliche Freundschaft

Es ist eine Freundschaft, die Europa teuer zu stehen kam: Gerhard Schröder, Bundeskanzler von 1998 bis 2005, und Wladimir Putin, Russlands Präsident seit dem Jahr 2000, verbindet mehr als nur politisches Kalkül. Was als diplomatische Annäherung zweier Staatsmänner begann, entwickelte sich zu einer persönlichen Liaison, die Schröder zum nützlichsten deutschen Fürsprecher des Kremls machte — und Deutschland in eine gefährliche energiepolitische Abhängigkeit trieb, deren Folgen noch heute spürbar sind.

Die Wurzeln einer ungewöhnlichen Männerfreundschaft

Gerhard Schröder und Wladimir Putin lernten sich in einer Zeit kennen, als beide die politische Bühne noch als Aufsteiger betraten. Schröder, der Arbeitersohn aus Mossenberg, und Putin, der ehemalige KGB-Offizier aus Leningrad, teilten eine Affinität für Machtpolitik jenseits moralischer Befindlichkeiten. Ihre erste Begegnung als Regierungschefs fand in einer Phase statt, in der der Westen noch glaubte, Russland könne in die demokratische Weltgemeinschaft integriert werden.

Was folgte, war eine intensive persönliche Annäherung, die weit über das protokollarische Maß hinausging. Schröder bezeichnete Putin öffentlich als „lupenreinen Demokraten" — ein Satz, der ihm bis heute anhängt wie ein Brandmal. Zu diesem Zeitpunkt liefen bereits russische Militäroperationen in Tschetschenien, die von Menschenrechtsorganisationen als Kriegsverbrechen eingestuft wurden. Schröder ignorierte dies. Für ihn zählten strategische Partnerschaft und wirtschaftliche Interessen.

Die Männerfreundschaft manifestierte sich auch im Privaten: Putin sang Schröder zum Geburtstag vor, besuchte ihn in seinem Haus in Hannover, und Schröder adoptierte gemeinsam mit seiner Frau Soyeon ein russisches Kind. Diese Verflechtung von Politik und Privatem machte eine kritische Distanz nahezu unmöglich — und war möglicherweise genau so gewollt.

Der KGB-Mann und der Genosse der Bosse

Putin verstand es von Anfang an, Schröders Eitelkeit und seinen Hang zur großen Geste zu bedienen. Schröder, der sich stets als Pragmatiker verstand, sah in der Zusammenarbeit mit Russland einen realpolitischen Coup. Kritiker hingegen erkannten früh, dass Schröder einem System auf den Leim ging, das persönliche Beziehungen systematisch zur Einflussnahme nutzt.

Russische Geheimdienstexperten beschreiben das Muster als klassische „Friendly Intelligence Operation": Ein Zielobjekt wird über Jahre durch Aufmerksamkeit, Geschäfte und persönliche Bindungen gebunden, bis eine Trennung psychologisch und finanziell kaum mehr möglich erscheint. Ob Schröder sich dieser Dynamik bewusst war oder ihr schlicht erlag, bleibt eine der zentralen Fragen seiner politischen Biografie.

Nordstream: Das Geschäft des Jahrhunderts als politische Zeitbombe

Wenige Wochen nach seinem Ausscheiden als Bundeskanzler unterzeichnete Schröder einen Vertrag als Aufsichtsratsvorsitzender der Nord Stream AG, dem Betreiberkonsortium der gleichnamigen Ostseepipeline. Das Projekt hatte er selbst als Kanzler politisch vorangetrieben, gegen erhebliche Widerstände aus Polen, dem Baltikum und den USA. Die zeitliche Nähe zwischen seinem Ausscheiden aus dem Amt und der Übernahme des lukrativen Postens löste einen Sturm der Empörung aus.

Kritiker sprachen von einem beispiellosen Vorgang in der Geschichte der Bundesrepublik: Ein amtierender Regierungschef hatte ein milliardenschweres Infrastrukturprojekt politisch durchgesetzt und nahm unmittelbar danach einen hochdotierten Posten beim russischen Staatskonzern Gazprom an, der von diesem Projekt direkt profitierte. Der Begriff „Drehtür" reichte nicht aus, um zu beschreiben, was hier geschehen war.

Nord Stream, und später Nord Stream 2, wurden zum Symbol für Deutschlands energiepolitische Fehlkalkulation. Jahrzehntelang hatte die Bundesrepublik ihre Abhängigkeit von russischem Gas erhöht, in der Überzeugung, wirtschaftliche Verflechtung schaffe politische Stabilität. Diese Theorie scheiterte krachend, als russische Panzer in die Ukraine rollten. Die aktuelle Frontlage in der Ukraine zeigt, welche realen Konsequenzen diese Fehleinschätzung hatte.

Gazprom und die goldene Leine

Schröder übernahm nicht nur den Aufsichtsratsvorsitz bei Nord Stream, sondern wechselte später auch in den Aufsichtsrat des russischen Staatskonzerns Rosneft. Sein Jahressalär aus russischen Quellen wird auf mehrere hunderttausend Euro geschätzt. Die goldene Leine war perfekt: Schröder hatte finanziell, beruflich und persönlich so viel in Russland investiert, dass eine Abkehr von Putin einer Selbstaufgabe gleichgekommen wäre.

Als der Krieg ausbrach, stellte die SPD ihm ultimativ frei, seine russischen Posten zu räumen. Schröder zögerte monatelang, gab schließlich einige Positionen auf — aber nicht alle. Rosneft behielt er, zumindest vorübergehend. Das Bild, das er hinterließ, war verheerend: ein ehemaliger Bundeskanzler, der das Gesicht nicht verlieren wollte, während Ukrainer starben.

Schlüsselfakten: Gerhard Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Unmittelbar nach seinem Ausscheiden aus dem Amt wurde er Aufsichtsratsvorsitzender der Nord Stream AG. Er bezeichnete Putin öffentlich als „lupenreinen Demokraten", während russische Truppen in Tschetschenien operierten. Die SPD leitete nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ein Parteiausschlussverfahren ein, das jedoch scheiterte. Das Europaparlament forderte mehrfach Sanktionen gegen Schröder. Er verlor seinen Status als Ex-Kanzler mit privilegiertem Büro im Bundestag nach einer Entscheidung des Bundestages. Russland schlug ihn als möglichen Vermittler im Ukraine-Konflikt vor — die Ukraine lehnte ab.

Der Krieg und das Schweigen eines Ex-Kanzlers

Als russische Truppen in den frühen Morgenstunden des Februars in die Ukraine einmarschierten, wartete die Welt auf eine Reaktion Gerhard Schröders. Sie fiel erschreckend aus. Während Bundeskanzler Olaf Scholz von einer „Zeitenwende" sprach, ließ Schröder Tage verstreichen. Seine erste öffentliche Reaktion war geprägt von Relativierungen und einer auffälligen Weigerung, Putin direkt zu verurteilen.

Was folgte, war eine beispiellose politische Degradierung eines ehemaligen Bundeskanzlers. Der Bundestag beschloss, sein privilegiertes Büro im Parlament zu schließen. Mitarbeiter seines Büros kündigten. Ehrenbürgerschaften wurden aberkannt. Geschäftspartner zogen sich zurück. Selbst innerhalb der SPD, seiner politischen Heimat, wurde er zur persona non grata. Ein Parteiausschlussverfahren wurde eingeleitet — und scheiterte dennoch an formalen Hürden, was die Partei in eine tiefe Erklärungsnot brachte.

Schröder selbst gab sich trotzig. In Interviews verteidigte er seine Russlandpolitik als historisch richtig und warf dem Westen Mitschuld an der Eskalation vor. Diese Haltung entfremdete ihn endgültig von der deutschen Öffentlichkeit. Als Putin ihn als Vermittler vorschlug, lehnte die Ukraine kategorisch ab — ein Symbol für den völligen Vertrauensverlust.

Der Vermittler, dem niemand vertraut

Die Idee, Schröder als Vermittler einzusetzen, entbehrt nicht einer gewissen schwarzen Ironie. Wer Jahrzehnte daran gearbeitet hat, Russland gegenüber dem Westen salonfähig zu machen, und wer persönlich von russischem Geld abhängig ist, kann kaum als neutraler Akteur gelten. Die Ablehnung der Ukraine war eine politische Demütigung, aber auch eine nüchterne Einschätzung der Realität.

Gleichzeitig offenbarte der Vorschlag Putins Kalkül: Schröder sollte nicht wirklich vermitteln, sondern als Symbol dienen — als Beweis, dass es im Westen einflussreiche Stimmen gibt, die Russlands Position verstehen. Putins Machtdemonstration bei der Siegesparade in Moskau zeigt, wie sehr der Kreml auf solche Symbolpolitik setzt.

Deutschlands energiepolitisches Erbe und die Lehren der Abhängigkeit

Die Schröder-Putin-Achse war kein Einzelphänomen. Sie stand für eine breite deutsche Überzeugung, dass wirtschaftliche Verflechtung Frieden sichert — eine Überzeugung, die in der Nachkriegsgeschichte ihre Berechtigung hatte, aber gegenüber Putins Russland tragisch fehlgeleitet war. Deutschland investierte Milliarden in Infrastruktur, die es vom Wohlwollen eines Autokraten abhängig machte.

Die Energiekrise, die auf den Kriegsbeginn folgte, traf Deutschland härter als die meisten anderen westlichen Länder. Gaspreise explodierten, Industrien gerieten in Not, Bürger fürchteten um die Heizung im Winter. Die Kosten dieser Abhängigkeit wurden nun auf die gesamte Gesellschaft umgelegt — während Schröder in seiner Villa in Hannover lebte, finanziert unter anderem durch russische Gelder.

Die politischen Konsequenzen reichen weit über Schröder hinaus. Deutschland musste seine gesamte Energiepolitik neu ausrichten, neue Lieferanten finden, Flüssiggasterminals in Rekordzeit errichten und gleichzeitig den Ausstieg aus der Kernenergie verteidigen. Die Frage der EU-Erweiterung um die Ukraine ist auch vor diesem Hintergrund zu verstehen: Europa sucht nach neuen Strukturen, die solche Abhängigkeiten künftig verhindern.

Was bleibt vom Kanzler der Agenda 2010?

Schröder trägt ein zwiespältiges politisches Erbe. Als Kanzler modernisierte er mit der Agenda 2010 den deutschen Arbeitsmarkt — Reformen, die bis heute umstritten sind, aber Deutschland konjunkturell stabilisierten. Seine Weigerung, am Irakkrieg teilzunehmen, wurde damals gefeiert und ist historisch betrachtet eine der wenigen konsistenten Positionen seiner Amtszeit.

Doch all das wird überlagert von der Putin-Bindung. In Geschichtsbüchern wird Schröder nicht als Modernisierer erinnert werden, sondern als der Kanzler, der Russlands Gas-Leine legte und sie danach selbst übernahm. Das ist ein hartes Urteil — aber es ist das Urteil, das er sich durch sein eigenes Handeln eingehandelt hat.

Die Zukunft: Konsequenzen für deutsche Außenpolitik und transatlantisches Vertrauen

Der Fall Schröder hat das Vertrauen in die deutsche Außenpolitik nachhaltig beschädigt — besonders bei östlichen NATO-Partnern. Polen, die baltischen Staaten und die Ukraine hatten seit Jahren vor der deutschen Naivität gegenüber Russland gewarnt. Sie wurden belächelt oder als nationalistische Provokation abgetan. Die Geschichte hat ihnen Recht gegeben.

Deutschland hat seither begonnen, seine außenpolitischen Reflexe zu überdenken. Die Zeitenwende-Rede des amtierenden Kanzlers markierte zumindest rhetorisch einen Bruch. Doch strukturelle Veränderungen brauchen Zeit. Die NATO-Debatten über Sicherheitsgarantien für die Ukraine sind auch ein Spiegel der neuen Ernsthaftigkeit, mit der der Westen die Bedrohung durch Russland nun bewertet.

Der Fall Schröder hat zudem eine wichtige Debatte über Regulierung ausgelöst: Welche Tätigkeiten dürfen ehemalige Regierungsmitglieder unmittelbar nach ihrem Ausscheiden annehmen? Die meisten westlichen Demokratien haben hier strengere Regeln als Deutschland. Eine Cooling-off-Periode, wie sie in Frankreich oder Großbritannien gilt, hätte den Wechsel in den Gazprom-Orbit zumindest erschwert.

Gerhard Schröder ist heute ein alter Mann, der in politischer Isolation lebt. Die Freundschaft mit Putin hat ihn nicht reich gemacht im Sinne von Einfluss und Ansehen — sie hat ihn arm gemacht an Würde und historischem Erbe. Und Deutschland hat aus dieser Geschichte eine Lektion gelernt, die teuer bezahlt wurde: Freundschaften zwischen Staatsmännern sind kein Ersatz für Werte — und persönliche Bindungen zu Autokraten haben stets einen Preis, den am Ende andere bezahlen.

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