Kostenloses Girokonto: Die besten Angebote im Vergleich
DKB, ING, Comdirect — was wirklich kostenlos ist
Das kostenlose Girokonto ist für viele Verbraucher zum Standard geworden – doch längst nicht alle Banken halten an diesem Versprechen fest. Während einige Institute ihre Kontoführungsgebühren gesenkt haben, führen andere neue Bedingungen ein oder erheben versteckte Kosten. Die Realität ist differenzierter, als es die Marketingaussagen suggerieren. Dieser Ratgeber zeigt, welche Banken wirklich kostenlos sind, welche Fallstricke lauern und wie Sie das passende Konto für Ihre Situation finden.
Was bedeutet „kostenlos" bei einem Girokonto wirklich?
Ein kostenloses Girokonto ist nicht automatisch kostenlos in allen Bereichen. Die Kontoführungsgebühr kann entfallen, während Transaktionen, Kartengebühren oder Überziehungszinsen dennoch anfallen. Verbraucher sollten zwischen drei verschiedenen Kostenarten unterscheiden:
Kontoführungsgebühren
Die klassische Kontoführungsgebühr ist der Preis für die Verwaltung des Kontos selbst. Diese Gebühr liegt bei kostenpflichtigen Filialbanken typischerweise zwischen 5 und 15 Euro monatlich – oder eben bei null Euro. Viele Banken bieten die kostenlose Kontoführung nur unter bestimmten Bedingungen an, etwa wenn ein Mindestgeldeingang nachgewiesen wird oder bestimmte Produkte wie ein Wertpapierdepot genutzt werden.
Gebühren für den Zahlungsverkehr
Überweisungen, Daueraufträge und Kartenzahlungen sollten bei einem modernen Girokonto kostenlos sein – und das sind sie auch bei den meisten Direktbanken. Problematisch wird es bei kostenpflichtigen Papierüberweisungen am Schalter oder bei Sonderleistungen wie der telefonischen Bearbeitung durch einen Mitarbeiter. Einige Institute berechnen hierfür bis zu 3,50 Euro pro Vorgang.
Gebühren für Fremdwährungen und Geldautomaten
Wer regelmäßig Bargeld abhebt oder im Ausland zahlt, sollte besonders auf diese Kostenpositionen achten. Manche Banken berechnen 1,5 bis 2,5 Prozent Fremdwährungsgebühr auf Kartenzahlungen außerhalb der Eurozone, andere ermöglichen weltweites Abheben ohne Aufschlag. Auch innerhalb Deutschlands erheben einige Banken Gebühren von 2 bis 5 Euro je Abhebung an Fremdautomaten. Diese Posten können im Jahresverlauf erhebliche Summen ausmachen und die vermeintliche Kostenlosigkeit eines Kontos schnell relativieren.
Die größten Anbieter im Detail
DKB – Das Universalkonto mit Bedingungen
Die Deutsche Kreditbank (DKB) bewirbt ihr Girokonto als „kostenlos" – und das ist es tatsächlich, allerdings unter einer wichtigen Voraussetzung: Der monatliche Geldeingang muss mindestens 700 Euro betragen. Dabei zählt neben dem Gehalt auch die Rente oder Unterhaltszahlungen. Erfüllt der Kunde diese Bedingung, entfallen Kontoführungsgebühren vollständig; Überweisungen und Kartenzahlungen sind ebenfalls kostenlos. Die DKB bietet zudem kostenlose Bargeldabhebungen an allen Geldautomaten mit Visa-Logo weltweit – ein echter Vorteil für Vielreisende.
Kritisch anzumerken ist: Wer die 700-Euro-Grenze nicht erreicht, zahlt 4,99 Euro monatlich. Das betrifft insbesondere Personen mit unregelmäßigen Einkünften, Schüler oder Studierende ohne Nebenjob. Der Dispokredit liegt derzeit bei rund 10,49 Prozent effektivem Jahreszins – damit bewegt sich die DKB im Mittelfeld, günstiger als viele Filialbanken, aber teurer als einzelne Direktbank-Angebote.
ING – Flexibilität mit gestiegenen Anforderungen
Die ING (ehemals ING-DiBa) verfolgt einen differenzierten Ansatz: Das Girokonto ist kostenlos für Personen bis 28 Jahre sowie für Kunden, die monatlich mindestens 1.200 Euro einzahlen oder einen Wertpapiersparplan mit mindestens 1 Euro monatlicher Rate aktiv besparen. Für alle anderen Kunden kostet das Konto 4,90 Euro monatlich – eine Gebühr, die die ING zuletzt im Jahr 2023 eingeführt hat und die das einstige Alleinstellungsmerkmal der bedingungslosen Kostenlosigkeit beendet hat.
Die Realität ist: Die Bedingungen sind deutlich restriktiver als noch vor einigen Jahren. Viele Arbeitnehmer mit regelmäßigem Einkommen erfüllen die 1.200-Euro-Marke problemlos, für Selbstständige mit variablem Einkommen oder Personen in Teilzeit wird es schwieriger. Die Visa-Debitkarte ist kostenlos; Bargeldabhebungen sind in Deutschland ab einem Betrag von 50 Euro an allen Geldautomaten gebührenfrei, im Ausland innerhalb der Eurozone ebenso. Die ING-App gehört zu den benutzerfreundlichsten im Markt.
Comdirect – Starkes Angebot für aktive Anleger
Comdirect, die zur Commerzbank-Gruppe gehört, bewirbt ebenfalls ein „kostenloses" Girokonto. Faktisch ist dieses kostenfrei für Kunden unter 28 Jahren oder mit einem monatlichen Geldeingang von mindestens 1.200 Euro. Für alle anderen Kunden fallen 4,95 Euro monatlich an. Damit entsprechen die Bedingungen weitgehend denen der ING, was den direkten Vergleich beider Angebote besonders interessant macht.
Ein echter Vorteil von Comdirect liegt im kombinierten Angebot aus Girokonto und Depot: Wer beide Produkte nutzt, profitiert von einer verzahnten Plattform mit übersichtlichem Onlinebanking und einer leistungsfähigen Trading-App. Für Sparer, die gleichzeitig Wertpapiere handeln möchten, kann diese Kombination deutlichen Mehrwert bieten. Wie sich die laufenden strukturellen Veränderungen innerhalb des Commerzbank-Konzerns auf das Angebot auswirken, bleibt abzuwarten: Unicredit unterbreitet offizielles Übernahmeangebot für Commerzbank.

Weitere Alternativen im Überblick
Norisbank – Günstig einsteigen ab 500 Euro Geldeingang
Die Norisbank, eine Tochter der Deutschen Bank, bietet ein Girokonto ohne Kontoführungsgebühr, wenn ein monatlicher Geldeingang von mindestens 500 Euro nachgewiesen wird – damit liegt die Einstiegshürde deutlich niedriger als bei ING oder Comdirect. Für Kunden, die diese Bedingung nicht erfüllen, werden 8,99 Euro monatlich fällig, was sie in diesem Segment zu einer der teureren Optionen macht. Die Debitkarte ist kostenlos, Bargeldabhebungen am eigenen Netz der Deutschen Bank sind gebührenfrei.
Consorsbank – Interessant für Börsenaffine
Die Consorsbank, eine BNP-Paribas-Tochter, richtet sich primär an Anleger und bietet ein kostenloses Girokonto für Kunden bis 27 Jahre sowie für alle, die monatlich mindestens 1.200 Euro einzahlen oder ein Wertpapierdepot aktiv besparen. Ohne diese Bedingungen kostet das Konto 4,95 Euro monatlich. Die Stärke der Consorsbank liegt in der Verzahnung von Girokonto und Depot: Aktiv handelnde Kunden profitieren von günstigen Ordergebühren und einer durchdachten Anlage-App.
O2 Banking – Das Konto ohne klassische Bedingungen
Das O2 Banking (angeboten durch Fidor Bank) sticht heraus, weil es tatsächlich ohne Mindestgeldeingang kostenlos geführt wird. Allerdings ist das Angebot an einen O2-Mobilfunkvertrag geknüpft – wer bereits O2-Kunde ist, zahlt keine Kontoführungsgebühr. Für alle anderen entfällt dieser Vorteil. Die Konditionen sind solide für den Alltag, bei Auslandsabhebungen fallen jedoch Gebühren an. Als Nischenlösung für O2-Bestandskunden ist das Angebot attraktiv, als universelle Empfehlung taugt es weniger.
Direkter Vergleich: Die wichtigsten Konditionen auf einen Blick
| Bank | Kostenlos ab | Gebühr ohne Bedingung | Geldautomaten weltweit | Dispokredit (ca.) |
|---|---|---|---|---|
| DKB | 700 € Geldeingang/Monat | 4,99 €/Monat | Kostenlos (Visa weltweit) | 10,49 % eff. |
| ING | 1.200 € Geldeingang/Monat oder Sparplan | 4,90 €/Monat | Kostenlos ab 50 € (Eurozone) | 11,90 % eff. |
| Comdirect | 1.200 € Geldeingang/Monat | 4,95 €/Monat | Kostenlos im Comdirect-Netz | 12,49 % eff. |
| Norisbank | 500 € Geldeingang/Monat | 8,99 €/Monat | Kostenlos (Deutsche Bank Netz) | 10,99 % eff. |
| Consorsbank | 1.200 € Geldeingang/Monat oder Depot | 4,95 €/Monat | Gebühren im Ausland möglich | 11,46 % eff. |
| O2 Banking | O2-Vertrag erforderlich | Nur mit O2-Vertrag kostenlos | Gebühren im Ausland | k. A. |
Worauf Sie beim Wechsel achten sollten
Ein Kontowechsel ist in Deutschland seit Einführung des Zahlungskontogesetzes im Jahr 2016 erheblich vereinfacht worden. Banken sind gesetzlich verpflichtet, beim Wechsel zu unterstützen und Daueraufträge sowie Lastschriften auf das neue Konto zu übertragen. Dennoch gibt es praktische Fallstricke: Arbeitgeber, Vermieter und Versicherungen müssen über die neue Kontonummer informiert werden. Ein Parallelbetrieb beider Konten über mindestens zwei Monate ist empfehlenswert, um keine Zahlungen zu verpassen.
Besonders wichtig: Prüfen Sie vor dem Wechsel Ihren bestehenden Dispokredit. Ein genehmigter Überziehungsrahmen wird beim neuen Institut nicht automatisch in gleicher Höhe gewährt. Wer seinen Dispo regelmäßig nutzt, sollte die Zusage des neuen Institutes abwarten, bevor er das alte Konto schließt.
Wusstest du schon? Etwa 70% der deutschen Banken bieten noch immer kostenlose Girokonten an, doch bei über der Hälfte davon sind an diese Konten bestimmte Bedingungen wie ein Mindestgeldeingang von 500 Euro monatlich gebunden.
Fazit: Wer profitiert von welchem Angebot?
Die beste Wahl hängt stark von der individuellen Lebenssituation ab. Für Arbeitnehmer mit regelmäßigem Gehaltseingang über 1.200 Euro ist das ING-Girokonto eine solide Wahl mit benutzerfreundlicher App. Die DKB überzeugt besonders Vielreisende durch die weltweite kostenlose Bargeldabhebung – und das bereits ab 700 Euro Geldeingang. Wer parallel investieren möchte, findet bei Comdirect oder der Consorsbank ein stärker integriertes Angebot aus Konto und Depot. Die Norisbank ist eine Option für Personen mit geringeren regelmäßigen Eingängen, solange die 500-Euro-Marke verlässlich erreicht wird.
Allen gemein ist: Das Wort „kostenlos" im Produktnamen ersetzt keine individuelle Prüfung der Konditionen. Wer die Bedingungen kennt und sie zuverlässig erfüllt, spart bares Geld. Wer sie verfehlt, zahlt mitunter mehr als bei einer klassischen Filialbank mit transparenter Pauschalgebühr.
- Typische Kontoführungsgebühr bei Filialbanken: 5–15 Euro/Monat
- Niedrigste Mindestgeldeingang-Schwelle für kostenlose Kontoführung: 500 Euro/Monat (Norisbank)
- Höchste Mindestgeldeingang-Schwelle im Vergleich: 1.200 Euro/Monat (ING, Comdirect, Consorsbank)
- Fremdwährungsgebühren je nach Anbieter: 0 bis 2,5 Prozent pro Transaktion
- Fremdautomaten-Gebühren in Deutschland: 0 bis 5 Euro pro Abhebung
- Dispozinsen im Vergleich: 10,49 % (DKB) bis 12,49 % (Comdirect) effektiver Jahreszins
- Gesetzliche Wechselhilfe-Frist für Banken: 12 Werktage (seit 2016 verpflichtend)
- Anspruch auf Basiskonto: Jede in Deutschland gemeldete Person hat gesetzlichen Anspruch auf ein Zahlungskonto mit Grundfunktionen (§ 31 Zahlungskontengesetz)