ZenNews24› Digital› Zuckerberg bei Lex Fridman: Meta von Metaverse zu… Digital Zuckerberg bei Lex Fridman: Meta von Metaverse zu KI Mark Zuckerberg sitzt selten Interviews, bei denen er sich wirklich exponiert. Beim Lex-Fridman-Podcast passiert genau das — und es ist aufschlussreich.… Von Markus Bauer 28.04.2024, 09:00 Uhr 8 Min. Lesezeit Aktualisiert: 08.05.2026 Das Wichtigste in Kürze Wie Zuckerberg aus dem Metaverse-Desaster gelernt hat — und warum Open-Source-KI sein eigentlicher Joker ist. Über zehn Milliarden Dollar hat Meta in den vergangenen Jahren in das Metaverse versenkt — und Mark Zuckerberg hat im Gespräch mit Lex Fridman nun offen eingestanden, dass der Kurs sich fundamental verschoben hat. Das mehrere Stunden lange Interview ist eines der offenherzigsten, die der Meta-Chef je gegeben hat, und es zeichnet das Bild eines Unternehmens im tiefgreifenden Strategiewandel.InhaltsverzeichnisVom Metaverse zur KI: Ein Strategiewechsel in EchtzeitLlama, Open Source und die KI-Strategie von MetaAGI: Vision oder Marketingversprechen?Was bleibt vom Metaverse?Zuckerberg als Interviewpartner: Was das Format leistetEinordnung: Meta zwischen Neuerfindung und Kontinuität Kerndaten: Meta-CEO Mark Zuckerberg sprach im Lex-Fridman-Podcast in einem mehrstündigen Gespräch über KI-Strategie, Llama-Sprachmodelle, die Neuausrichtung weg vom Metaverse sowie seine persönliche Vision für Künstliche Intelligenz. Meta beschäftigt derzeit über 70.000 Mitarbeitende weltweit. Der Wert des Unternehmens liegt nach dem dramatischen Kursanstieg der Meta-Aktie in den vergangenen zwölf Monaten wieder im Billionen-Dollar-Bereich. Laut Statista nutzen monatlich rund 3,3 Milliarden Menschen mindestens eine Meta-Plattform. Vom Metaverse zur KI: Ein Strategiewechsel in Echtzeit Es gibt Interviews, die Unternehmensgeschichte dokumentieren, und dann gibt es solche, die sie in Echtzeit schreiben. Das Gespräch zwischen Lex Fridman und Mark Zuckerberg gehört zur zweiten Kategorie. Zuckerberg, der sonst eher in kontrollierten Medienformaten auftritt, ließ sich auf fast vier Stunden offenen Austausch ein — über Technik, Strategie, persönliche Überzeugungen und die Fehler der Vergangenheit. Was dabei besonders auffällt: Der Mann, der noch vor wenigen Jahren Meta als künftiges Metaverse-Unternehmen positioniert hatte, spricht heute fast ausschließlich über Künstliche Intelligenz. Das Metaverse taucht zwar noch auf, aber als Langzeitprojekt, nicht als dringende Gegenwart. Die Metaverse: Zuckerbergs 10-Milliarden-Wette auf eine virtuelle Welt war teuer — und das Unternehmen hat daraus offenbar gelernt, oder zumindest den Fokus neu gesetzt. Für Beobachter der Tech-Branche war dieser Schwenk schon länger absehbar. Der Hype rund um virtuelle Welten und VR-Hardware hat sich deutlich abgekühlt. Laut einer Analyse von Gartner befinden sich immersive Technologien wie das Metaverse im sogenannten „Trough of Disillusionment" — jenem Tal der Ernüchterung, das viele neue Technologien durchlaufen, bevor sie entweder reifen oder verschwinden. Meta zieht daraus operative Konsequenzen.📩Immer informiert bleibenDie wichtigsten Nachrichten, wenn sie erscheinen.Newsletter holen Llama, Open Source und die KI-Strategie von Meta Zentrales Thema des Interviews war Metas KI-Strategie rund um die Llama-Sprachmodellfamilie. Llama ist Metas Antwort auf Modelle wie GPT von OpenAI oder Gemini von Google — mit einem entscheidenden Unterschied: Meta veröffentlicht diese Modelle als Open-Source-Software. Das bedeutet, dass Entwicklerinnen und Entwickler den Code einsehen, anpassen und für eigene Zwecke einsetzen können, ohne direkt an Meta gebunden zu sein. Zuckerberg argumentiert, dass dieser Ansatz strategisch klüger sei als das geschlossene Modell der Konkurrenz. Wer das führende Open-Source-Modell kontrolliert, so die implizite These, setzt den Standard — ähnlich wie Linux im Serverbereich oder Android bei Mobilbetriebssystemen. Beide Systeme sind Open Source und werden dennoch von einzelnen Unternehmen maßgeblich geprägt. Dieses Kalkül ist nicht unumstritten. Kritiker weisen darauf hin, dass die Offenlegung leistungsfähiger KI-Modelle auch Risiken birgt: Staatliche Akteure oder kriminelle Gruppen könnten frei verfügbare Modelle für schädliche Zwecke nutzen, ohne dass Meta direkte Kontrolle ausüben kann. Im Podcast geht Zuckerberg auf diese Spannung ein und argumentiert, dass die Vorteile — breitere Entwicklungsgemeinschaft, schnelleres Feedback, globale Verbreitung — die Risiken überwiegen. Eine Position, die man teilen kann oder nicht, die aber zumindest kohärent ist. KI-Agenten als nächste große Welle Besonders aufschlussreich ist Zuckerbergs Ausblick auf sogenannte KI-Agenten. Damit sind Softwaresysteme gemeint, die nicht nur auf einzelne Anfragen reagieren, sondern eigenständig mehrstufige Aufgaben ausführen können — also etwa selbstständig recherchieren, planen, Entscheidungen treffen und handeln. Zuckerberg sieht hier einen der größten Wachstumsbereiche für Meta in der nächsten Phase. Die Idee ist, dass Nutzerinnen und Nutzer der Meta-Plattformen zukünftig mit KI-Agenten interagieren, die ihnen im Alltag helfen — beim Shopping, beim Informationsabruf, bei der Kommunikation. Meta will diese Agenten tief in WhatsApp, Instagram und Facebook integrieren. Was das für den Datenschutz bedeutet, bleibt im Interview weitgehend ausgespart — ein typisches Muster in solchen Gesprächen. IDC-Analysten prognostizieren, dass der globale Markt für KI-Plattformen und -Dienste in den kommenden Jahren jährlich um mehr als 30 Prozent wachsen wird. Für Meta ist die Frage nicht, ob KI eine tragende Rolle spielen wird, sondern wie gut es dem Unternehmen gelingt, seinen bestehenden Nutzerstamm von über drei Milliarden Menschen in dieses neue Ökosystem zu überführen. AGI: Vision oder Marketingversprechen? Zuckerberg spricht im Interview auch über Artificial General Intelligence — kurz AGI, also eine Künstliche Intelligenz, die menschliche kognitive Fähigkeiten in ihrer Breite erreicht oder übertrifft. Er tut dies mit einer Selbstverständlichkeit, die in der Branche zunehmend verbreitet ist, aber nach wie vor heftig debattiert wird. Ob Metas AGI-Ambitionen realistisch oder primär ein kommunikatives Mittel zur Aufmerksamkeitssteuerung sind, lässt sich schwer sagen. Eine vertiefte Einordnung dazu findet sich im ZenNews24-Artikel Zuckerberg will AGI: Realistisch oder Marketing-Gag? Fest steht: Meta investiert massiv in Rechenkapazität. Zuckerberg erwähnte im Podcast, dass das Unternehmen plant, bis Ende dieses Jahres rund 350.000 Nvidia-H100-Grafikprozessoren in Betrieb zu nehmen — eine Dimension, die selbst im Kontext der allgemeinen KI-Investitionswelle bemerkenswert ist. Interessant ist der Vergleich mit Sam Altman, dem CEO von OpenAI, der ebenfalls kürzlich bei Lex Fridman zu Gast war. Während Altman vor allem über die gesellschaftlichen Implikationen von AGI sprach, fokussiert Zuckerberg stärker auf konkrete Produkte und Plattformstrategie. Wer Sam Altman bei Lex Fridman: Was der OpenAI-Chef über AGI verrät nachlesen möchte, findet bei ZenNews24 eine ausführliche Einordnung des Gesprächs. Das Verhältnis zur Regulierung Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt des Interviews ist Zuckerbergs Haltung zur Regulierung von KI. Er spricht sich grundsätzlich gegen zu frühe oder zu restriktive Regulierung aus, plädiert aber für brancheninterne Standards. Das ist eine Position, die unter Tech-CEOs weit verbreitet ist und von Regulierungsbehörden in Europa mit zunehmender Skepsis betrachtet wird. Der EU AI Act, der derzeit schrittweise in Kraft tritt, stellt Unternehmen wie Meta vor erhebliche Anforderungen — insbesondere im Bereich der sogenannten Hochrisiko-KI und der Transparenzpflichten für generative Modelle. Zuckerberg streift das Thema im Podcast, ohne konkret darauf einzugehen. Diese Zurückhaltung ist symptomatisch: Die europäische Regulierungsdiskussion findet in amerikanisch geprägten Tech-Podcasts oft nur am Rande statt. Laut Bitkom sehen rund 60 Prozent der deutschen Unternehmen KI-Regulierung als Standortnachteil — gleichzeitig fordern fast ebenso viele klare Regeln, um Rechtssicherheit zu erhalten. Die Debatte ist also komplexer als die einfache Gegenüberstellung von Innovation versus Regulierung, die Zuckerberg nahelegt. Was bleibt vom Metaverse? Es wäre voreilig, das Metaverse bei Meta für tot zu erklären. Zuckerberg erwähnt es im Interview durchaus — allerdings in einem anderen Ton als noch vor zwei oder drei Jahren. Es ist kein Versprechen mehr, das morgen eingelöst werden muss, sondern eine langfristige Richtung, die sich parallel zur KI-Strategie entwickelt. Ray-Ban-Smart-Glasses und das Quest-Headset werden erwähnt, aber nicht als Kernprodukte, sondern als Bausteine einer fernen Vision. Die Hardware-Sparte Reality Labs hat in den vergangenen Jahren insgesamt Verluste in zweistelliger Milliardenhöhe angehäuft. Auch wenn Zuckerberg diese Zahlen im Podcast nicht direkt thematisiert, sind sie der Subtext des gesamten Gesprächs. Der Strategiewechsel hin zu KI ist nicht nur eine inhaltliche Neuausrichtung, sondern auch eine Reaktion auf Investorendruck und reale Marktbedingungen. Zum breiteren technologischen Wandel, der Infrastrukturentscheidungen beeinflusst, gehört auch der laufende Rückbau älterer Netztechnologien: So hat etwa A1 Telekom Austria den 2G-Mobilfunkstandard beendet — ein Symbol dafür, wie schnell digitale Infrastruktur veraltet und neue Generationen von Diensten ermöglicht. Und Konsolidierungsbewegungen wie die Transaktion, bei der Vodafone Three für 5 Milliarden Euro übernimmt, zeigen, dass der Telekommunikationsmarkt sich parallel zur KI-Debatte neu ordnet — mit direkten Auswirkungen auf die Infrastruktur, auf der KI-Dienste letztlich laufen. Zuckerberg als Interviewpartner: Was das Format leistet Lex Fridman ist bekannt für lange, technisch tiefe Gespräche, die wenig Platz für flache PR-Antworten lassen. Das ist einer der Gründe, warum das Zuckerberg-Interview trotz seiner Länge aufmerksam verfolgt wurde. Fridmans Stil zwingt Gäste dazu, Positionen tatsächlich zu erläutern, statt nur zu behaupten. Zuckerberg wirkt in diesem Format anders als in Congressional Hearings oder kurzformatigen TV-Interviews. Er spricht technisch versiert, zeigt echtes Interesse an Detailfragen zu Modellarchitektur und Trainingsverfahren und gibt zu, dass nicht alles planmäßig verlaufen ist. Das macht ihn nicht zwangsläufig sympathischer, aber glaubwürdiger als Gesprächspartner. Ob diese Offenheit strategisch kalkuliert ist — als Mittel zur Imagepflege in einer Phase, in der Meta wieder an Bedeutung gewonnen hat — oder authentischer Ausdruck von Zuckerbergs Persönlichkeit, lässt sich von außen nicht sicher beurteilen. Beide Interpretationen sind möglich, und die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Einordnung: Meta zwischen Neuerfindung und Kontinuität Was das Interview letztlich zeigt, ist ein Unternehmen, das sich in einer Phase der Neuerfindung befindet — aber nicht bei null anfängt. Die Infrastruktur, die Nutzerbasis, die Werbeeinnahmen: All das ist weiterhin vorhanden und finanziert die KI-Ambitionen. Meta ist kein reines KI-Startup, das alles auf eine Karte setzt, sondern ein etablierter Konzern, der KI als nächsten strategischen Hebel einsetzt. Das unterscheidet die Situation fundamental von jemandem wie OpenAI, das von Grund auf um KI herum gebaut wurde. Metas Vorteil ist der massive Nutzerstamm und die Vertriebskanäle. Der Nachteil: Ein Konzern dieser Größe ändert seine Richtung langsam, und die Konkurrenz schläft nicht. Statista-Daten zeigen, dass Meta bei den Werbeeinnahmen nach wie vor zu den führenden digitalen Plattformen weltweit gehört — aber der Anteil an der globalen digitalen Werbung ist leicht rückläufig, während neue Plattformen und KI-gestützte Suchdienste Marktanteile gewinnen. Der Druck, KI nicht nur als Zukunftsvision zu vermarkten, sondern tatsächlich in monetisierbare Produkte zu übersetzen, ist real. Für Zuckerberg ist das Fridman-Interview ein Signal an mehrere Zielgruppen gleichzeitig: an Entwickler, die Llama nutzen sollen; an Investoren, die Metas KI-Strategie bewerten; und an die breitere Öffentlichkeit, die das Unternehmen noch immer primär mit Facebook-Datenskandalen oder dem gescheiterten Metaverse-Versprechen verbindet. Ob dieses Reframing gelingt, wird sich nicht im Podcast entscheiden, sondern in den Produkten und Quartalsergebnissen der kommenden Monate. 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