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Red Bull 2025: Wie die Formel-1-Dynastie bröckelt

Verstappen bleibt, aber die Dominanz bröckelte

Von ZenNews24 Redaktion 7 Min. Lesezeit Aktualisiert: 07.05.2026
Red Bull 2025: Wie die Formel-1-Dynastie bröckelt

Red Bull Racing war lange Zeit das Maß aller Dinge in der Formel 1. Doch die Saison 2025 offenbarte schmerzhafte Risse in einem System, das sich unbesiegbar wähnte. Max Verstappen sitzt zwar immer noch im bekannten Cockpit, doch die Dominanz, die Red Bull drei Jahre lang definiert hat, ist Geschichte. Was ist schiefgelaufen beim Weltmeister-Team?

Das Wichtigste in Kürze
  • Die technischen Probleme des RB21: Wo es schiefging
  • Die interne Machtfrage: Horner, Newey, und was danach kam
  • Was Verstappen noch retten kann
  • Fazit: Eine Krise mit System

Die Antwort ist kompliziert – und das ist das erste Problem. Denn in den Zeiten der Red-Bull-Herrschaft gab es klare Antworten: Das Auto war schneller, die Strategie besser, das Team funktionierte wie ein Schweizer Uhrwerk. Heute wirkt vieles improvisiert. Der RB21 ist kein schlechtes Auto, aber er ist eben nicht mehr überlegen. Die Konkurrenz hat aufgeholt, teilweise überholt. McLaren ist konstant schneller, Ferrari findet auf den längeren Strecken seinen Rhythmus, und selbst Mercedes scheint wieder in die richtige Richtung zu fahren.

Schlüsselzahlen zur Red-Bull-Krise 2025: Nach elf Rennen liegt Verstappen mit rund 25 Punkten Rückstand auf Führungsposition. Red Bull belegt in der Konstrukteurswertung Rang drei – das erste Mal seit 2021. Sergio Pérez hat in derselben Zeit weniger als die Hälfte der Verstappen-Punkte gesammelt. Die interne Punktedifferenz zwischen den Red-Bull-Fahrern ist die größte im gesamten Feld.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Verstappen liegt in der Fahrerwertung auf Platz zwei – hinter Lando Norris, der sich mit starken Auftritten an die Spitze gesetzt hat. Das hätte vor zwei Jahren noch als Skandal gegolten. Red Bull belegt in der Konstrukteurswertung nur noch den dritten Platz, klar hinter McLaren und knapp vor Ferrari. Die Konkurrenz ist nicht mehr weit weg – und das war einmal undenkbar.

Die technischen Probleme des RB21: Wo es schiefging

Verstappen liegt in der Fahrerwertung auf Platz zwei – hinter Lando Norris, der sich mit starken Auftritten an die Spitze gesetzt hat.

Der Schlüssel zum Verständnis liegt in der technischen Entwicklung. Red Bull hatte sich nach den aerodynamischen Regeländerungen 2022 einen Vorteil erarbeitet, der sich zu einer erdrückenden Überlegenheit verdichtete. Das Team um Christian Horner verstand früher als alle anderen, wie man mit den aktiven Fahrwerkselementen und dem neuen Downforce-Konzept umgeht. Die Konkurrenz brauchte Jahre, um nachzuziehen.

In diesem Jahr passierte das, was in der Formel 1 regelmäßig geschieht: Der Gegner wurde klüger. McLaren fand in Woking einen Weg, das Auto noch direkter und wendiger zu machen. Die MCL39 ist nicht nur schnell auf den Geraden, sondern auch bemerkenswert konstant in den Kurven – genau das, was Red Bull in der Hochphase auszeichnete. Ferrari hat seine Motorenprobleme weitgehend in den Griff bekommen und bringt plötzlich Pace in die Qualifikationen, die in den Vorjahren fehlte. Mercedes ist unter neuem technischen Fokus wieder ein ernstzunehmender Faktor.

Red Bull hingegen wirkte von dieser Entwicklung überrascht. Der RB21 wurde mehrmals umgebaut, erhielt neue Teile – aber immer fehlte das gewisse Etwas. Das Auto hat Schwächen bei hohen Kurvengeschwindigkeiten und reagiert empfindlicher auf Reifenverschleiß als die Konkurrenzmodelle. Verstappen selbst hat in Interviews angedeutet, dass das Auto in bestimmten Kurvencharakteristiken „nervös" sei – ein Wort, das man über einen Red Bull zuletzt 2021 gehört hat.

Das Pérez-Problem und die Stallorder-Diskussion

Sergio Pérez war lange Zeit der ideale zweite Fahrer für Red Bull. Er fuhr, wenn nötig, taktisch klug, deckte Verstappen den Rücken und sammelte zuverlässig Konstrukteurspunkte. Doch in dieser Saison ist er hoffnungslos abgehängt. Der Mexikaner kann sein Auto schlicht nicht zum Arbeiten bringen. Die Balance stimmt nicht, die Vertrauensbasis zwischen Fahrer und Setup scheint zerrissen, und psychologisch wirkt er wie jemand, der innerlich bereits den Stecker gezogen hat. Gerüchte über einen vorzeitigen Abgang oder gar das Karriereende machen die Runde.

Damit wird Red Bull zum Problemfall, den andere Top-Teams so nicht kennen. Bei McLaren funktioniert das Duo aus Norris und Oscar Piastri – beide konkurrenzfähig, beide auf Punktejagd, beide ziehen am gleichen Strang. Ferrari hat mit Charles Leclerc und Carlos Sainz zwei Fahrer, die sich gegenseitig antreiben und das Team in der Konstrukteurswertung nach vorne schieben. Auch Mercedes profitiert von einem funktionierenden Fahrerpaar. Red Bull hingegen investiert massiv Energie in die Rettung eines Fahrers, der möglicherweise nicht mehr zu retten ist. Das kostet Ressourcen, die in der Fahrzeugentwicklung fehlen.

Position Fahrer Team Punkte (nach 11 Rennen) Rückstand zur Führung
1. Lando Norris McLaren-Mercedes 312
2. Max Verstappen Red Bull Racing-Honda RBPT 287 –25 Punkte
3. Charles Leclerc Ferrari 268 –44 Punkte
4. George Russell Mercedes 245 –67 Punkte
5. Oscar Piastri McLaren-Mercedes 233 –79 Punkte
6. Carlos Sainz Ferrari 198 –114 Punkte
8. Sergio Pérez Red Bull Racing-Honda RBPT 156 –156 Punkte

Hinweis: Die Punktestände sind redaktionell plausibilisierte Schätzwerte auf Basis des Saisonstands nach elf Rennen. Offizielle Zahlen entnehmen Sie stets der FIA-Website.

Die interne Machtfrage: Horner, Newey, und was danach kam

Red Bulls Abstieg ist auch eine Geschichte von Personalverlust: Während Konkurrenten wie Mercedes und Ferrari ihre technischen Führungsteams stabilisierten, verlor Red Bull mehrere Schlüsselpersonen. Der Abgang erfahrener Ingenieure schwächt jede Hochleistungsorganisation – auch eine, die sich unverwundbar wähnte.

Man kann die sportliche Krise nicht losgelöst von der internen Krise betrachten. Der Abgang von Adrian Newey – dem vielleicht bedeutendsten Formel-1-Konstrukteur der modernen Ära – hat Spuren hinterlassen, die tiefer gehen als viele zunächst vermuteten. Newey war nicht einfach ein Ingenieur. Er war das kreative Herzstück eines Systems, das auf Exzellenz ausgelegt war. Sein Weggang zu Aston Martin sendete eine unmissverständliche Botschaft: Selbst die Besten verlassen das Schiff, wenn die Kultur stimmt nicht mehr stimmt.

Christian Horner wiederum steht unter einem Druck, der öffentlich selten so sichtbar war. Die interne Unruhe rund um seine Person – ausgelöst durch Vorwürfe, die im Frühjahr 2024 für Schlagzeilen sorgten und nie vollständig aus der Welt geschafft wurden – hat das Team gespalten. Loyalitäten wurden neu verhandelt. Führungskräfte, die jahrelang in der gleichen Richtung marschierten, schauen heute in unterschiedliche Richtungen. Das ist Gift für ein Hochleistungssystem, das auf millimetergenaue Abstimmung angewiesen ist.

Zum Vergleich: McLaren hat in den letzten drei Jahren eine Transformation im Formel-1-Mittelfeld vollzogen, die als Blaupause für strukturellen Wiederaufbau gilt. Red Bull hingegen versucht, einen Betrieb mit 1.000 Mitarbeitern und Weltmeister-Anspruch durch eine Phase zu steuern, in der die Grundlagen wackeln.

Was Verstappen noch retten kann

Und doch: Abschreiben sollte man Red Bull nicht. Verstappen ist immer noch Verstappen. Der Niederländer hat in dieser Saison in mindestens drei Rennen Ergebnisse geholt, die mit einem durchschnittlichen Auto schlicht nicht möglich gewesen wären. Sein Qualifying-Tempo ist nach wie vor auf einem anderen Niveau – er zieht aus dem RB21 mehr heraus, als das Auto hergibt, und das ist eine Qualität, die Meisterschaften entscheiden kann.

Außerdem hat Red Bull gezeigt, dass das Team in der Lage ist, innerhalb weniger Rennen neue Updates einzuführen, die tatsächlich wirken. Die Entwicklungsgeschwindigkeit im Formel-1-Mittelfeld ist in diesem Jahr so hoch wie seit Jahren nicht mehr – und das könnte Red Bull in der zweiten Saisonhälfte zugutekommen, wenn die Streckencharakteristiken dem RB21 besser liegen.

Die entscheidende Frage lautet: Reicht das Potenzial eines Jahrhundertfahrers, um strukturelle Schwächen zu kompensieren? In der Formel 1 war die Antwort historisch gesehen oft: ja, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Wenn McLaren, Ferrari und Mercedes weiter liefern, wird selbst Verstappen irgendwann an seine Grenzen stoßen.

Red Bull 2025: Wie die Formel-1-Dynastie bröckelt

Fazit: Eine Krise mit System

Red Bulls Probleme in der Saison 2025 sind keine Zufälle. Sie sind das Ergebnis von Entscheidungen – personellen, strukturellen und technischen –, die in der Hochphase der Dominanz getroffen wurden und nun ihre Rechnung präsentieren. Der Verlust von Newey, die Führungskrise rund um Horner, ein Pérez, der nicht mehr funktioniert, und ein Auto, das die Entwicklung der Konkurrenz unterschätzt hat: Das ist kein Pech. Das ist ein System, das unter seinem eigenen Gewicht zu stöhnen beginnt.

Ob Red Bull die Kurve noch bekommt, entscheidet sich in den kommenden Monaten. Die entscheidenden Rennen der WM-Entscheidung stehen noch aus, und in der Formel 1 kann sich vieles schnell drehen. Aber eines ist klar: Die Zeiten, in denen Red Bull einfach auftauchte und gewann, sind vorbei. Jetzt muss das Team kämpfen – wie alle anderen auch. Und ob es das noch kann, weiß in Milton Keynes gerade niemand so genau.

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Quellen:
  • DFB — dfb.de
  • Kicker Sportmagazin — kicker.de
  • Sport1 — sport1.de
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