Robo-Advisor im Vergleich: Kosten, Rendite, Eignung
Quirion, Scalable, Ginmon — wer schneidet besser ab
Robo-Advisor: Was steckt dahinter?

Robo-Advisor sind digitale Vermögensverwaltungen, die auf Basis von Algorithmen ein Anlageportfolio zusammenstellen und regelmäßig neu ausbalancieren. Der Prozess läuft stark automatisiert ab: Nach einer kurzen Befragung zu Anlagezielen, Risikotoleranz und Anlagehorizont bestimmt der Algorithmus die optimale Vermögensaufteilung. Typischerweise erfolgt eine weltweite Diversifikation über börsengehandelte Indexfonds (ETFs). Aktiv verwaltete Fonds kommen bei den meisten Anbietern allenfalls ergänzend zum Einsatz.
Das Versprechen ist verlockend: niedrigere Gebühren als bei traditionellen Vermögensberatern, transparente Kostenstrukturen, kein emotionales Handeln bei Marktvolatilität. Doch die Realität ist differenzierter. Nicht jeder Anleger profitiert gleichermaßen von diesem Ansatz, und die Gebührenunterschiede zwischen den Anbietern summieren sich über Jahrzehnte zu erheblichen Vermögensunterschieden. Wer heute 50.000 Euro anlegt, kann je nach Anbieter am Ende um mehr als 15.000 Euro reicher oder ärmer sein — allein durch die Wahl der Plattform.
Kosten im Überblick: Der entscheidende Vergleich

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Kennzahlen der drei Anbieter zusammen. Alle Angaben beziehen sich auf den Stand 2024 und wurden den veröffentlichten Preislisten sowie unabhängigen Vergleichsportalen entnommen. Die ETF-Kosten (TER) sind Näherungswerte, da sie vom konkreten Portfolio abhängen.
| Kriterium | Quirion | Scalable Capital | Ginmon |
|---|---|---|---|
| Verwaltungsgebühr p. a. | 0,48 % (ab 10.000 €) | 0,75 % (Flat, Broker-Modell separat) | 0,39 % – 0,75 % |
| Ø ETF-Kosten (TER) p. a. | ca. 0,12 % | ca. 0,10 % | ca. 0,15 % |
| Gesamtkosten (Richtwert) | ca. 0,60 % – 0,70 % | ca. 0,85 % | ca. 0,55 % – 0,90 % |
| Mindestanlage | 500 € | 1 € | 1.000 € |
| Persönliche Beratung | Ja (Hybrid-Option) | Nein | Eingeschränkt (digital) |
| ESG-Portfolios | Ja | Ja | Ja (Schwerpunkt) |
| Risikoklassen | 10 Stufen | 5 Stufen | 10 Stufen |
| Einlagensicherung | Ja (Quirin Privatbank) | Ja (Baader Bank) | Ja (Sutor Bank) |
Die drei Anbieter im Detail
Quirion: Breites Angebot mit Beratungsoption
Quirion ist die digitale Vermögensverwaltung der Quirin Privatbank, gegründet 2013 und damit einer der ältesten Robo-Advisor im deutschsprachigen Raum. Das Angebot richtet sich an Anleger, die einen rein digitalen Service bevorzugen, aber auch an solche, die gelegentlich persönliche Beratung wünschen. Letzteres ist über die Hybrid-Variante möglich — ein klarer Vorteil gegenüber rein digitalen Wettbewerbern.
Die Portfolios basieren auf einem klassischen ETF-Ansatz mit weltweiter Streuung über Aktien und Anleihen. Quirion arbeitet mit zehn Risikoklassen, was eine vergleichsweise feine Individualisierung ermöglicht. Die Verwaltungsgebühr liegt ab einem Anlagebetrag von 10.000 Euro bei 0,48 Prozent pro Jahr, zuzüglich der ETF-internen Kosten von durchschnittlich rund 0,12 Prozent. Die Gesamtbelastung beläuft sich damit auf etwa 0,60 Prozent jährlich — ein wettbewerbsfähiger Wert im Segment.
Ein konkretes Rechenbeispiel: Wer 50.000 Euro über 20 Jahre bei einer angenommenen Bruttorendite von 6 Prozent pro Jahr anlegt und 0,60 Prozent Gesamtkosten trägt, zahlt über die gesamte Laufzeit kumuliert rund 9.800 Euro in Gebühren. Der Endwert des Portfolios liegt bei etwa 152.000 Euro. Ohne jegliche Kosten würde dasselbe Portfolio auf rund 160.500 Euro anwachsen. Die Differenz verdeutlicht: Auch scheinbar geringe Gebühren haben langfristig erhebliche Auswirkungen.
Scalable Capital: Breite Nutzerbasis, komplexes Modell
Scalable Capital ist gemessen an der Nutzerzahl einer der größten deutschen Robo-Advisor und hat sich durch sein Broker-Angebot eine starke Marktposition aufgebaut. Das klassische Robo-Advisor-Modell — die vollständige Vermögensverwaltung — kostet pauschal 0,75 Prozent pro Jahr, unabhängig vom angelegten Betrag. Das ist im direkten Vergleich nicht das günstigste Angebot, bietet aber eine einfache, planbare Kostenstruktur.
Wichtig zu unterscheiden: Scalable Capital betreibt sowohl eine Broker-Plattform als auch eine echte Vermögensverwaltung. Viele Nutzer verwechseln beides. Wer lediglich den Broker nutzt und selbst ETF-Sparpläne anlegt, zahlt keine Verwaltungsgebühr — ist aber auch kein Robo-Advisor-Kunde im eigentlichen Sinne, da die Anlageentscheidung selbst getroffen werden muss.
Im Rechenbeispiel mit 50.000 Euro, 20 Jahren Laufzeit und 6 Prozent Bruttorendite ergibt sich bei 0,85 Prozent Gesamtkosten ein kumulierter Gebührenaufwand von rund 13.500 Euro. Der Endwert liegt bei etwa 147.000 Euro — rund 5.000 Euro weniger als bei Quirion unter sonst gleichen Bedingungen. Dieser Unterschied entsteht allein durch 0,25 Prozentpunkte mehr Jahresgebühr.
Ginmon: Fokus auf Nachhaltigkeit und Faktor-Investing
Ginmon, gegründet 2014 und mit Sitz in Frankfurt am Main, hebt sich durch zwei Merkmale ab: einen starken Fokus auf nachhaltige Geldanlage und den Einsatz von faktorbasiertem Investieren. Letzteres bedeutet, dass die Portfolios gezielt auf wissenschaftlich belegte Renditefaktoren wie Value, Size oder Profitability ausgerichtet werden — ein Ansatz, der über das einfache Marktportfolio hinausgeht.
Die Gebührenstruktur ist gestaffelt: Ab 1.000 Euro Anlage kostet Ginmon 0,75 Prozent pro Jahr, bei höheren Beträgen sinkt die Gebühr auf bis zu 0,39 Prozent. Hinzu kommen ETF-interne Kosten von durchschnittlich 0,15 Prozent. ESG-Portfolios werden zum gleichen Preis angeboten wie konventionelle — ein Vorteil für nachhaltigkeitsorientierte Anleger, die keinen Kostenaufschlag zahlen möchten.
Im Vergleichsbeispiel mit 50.000 Euro Startkapital, 20 Jahren und 6 Prozent Bruttorendite ergibt sich bei angenommenen 0,75 Prozent Gesamtkosten ein kumulierter Gebührenaufwand von rund 11.900 Euro und ein Endwert von etwa 148.600 Euro. Der faktorbasierte Ansatz könnte theoretisch eine Mehrrendite erzielen, die diesen Gebührenunterschied kompensiert — empirisch ist das jedoch nicht garantiert.
So viel kostet der falsche Anbieter: Ein Rechenbeispiel
Annahmen: 50.000 Euro Startkapital, 20 Jahre Anlagehorizont, 6 Prozent Bruttorendite pro Jahr, keine weiteren Einzahlungen.
- Ohne Gebühren: Endwert ca. 160.500 € | Kosten: 0 €
- Quirion (0,60 % Gesamtkosten): Endwert ca. 152.000 € | kumulierte Kosten: ca. 8.500 €
- Ginmon (0,75 % Gesamtkosten): Endwert ca. 148.600 € | kumulierte Kosten: ca. 11.900 €
- Scalable Capital Robo (0,85 % Gesamtkosten): Endwert ca. 147.000 € | kumulierte Kosten: ca. 13.500 €
Fazit: Der Unterschied zwischen dem günstigsten und dem teuersten Anbieter beträgt in diesem Szenario über 5.000 Euro — ohne einen einzigen Euro mehr einzuzahlen. Bei 100.000 Euro Startkapital verdoppelt sich dieser Effekt entsprechend.
Für wen ist ein Robo-Advisor geeignet?
Ein Robo-Advisor ist kein Allheilmittel. Er eignet sich vor allem für Anleger, die ihr Vermögen breit gestreut und kostengünstig anlegen möchten, ohne sich intensiv mit Einzeltiteln oder Marktentwicklungen zu beschäftigen. Wer regelmäßig Zeit und Interesse aufbringt, um ein eigenes ETF-Portfolio selbst zu verwalten, kann durch den Verzicht auf Verwaltungsgebühren langfristig mehr Rendite erzielen.
Besonders sinnvoll sind Robo-Advisor für Berufseinsteiger mit ersten Ersparnissen ab etwa 1.000 Euro, für Anleger ohne Erfahrung im Wertpapierhandel sowie für Menschen, die automatische Disziplin schätzen — also das Rebalancing und die emotionsfreie Verwaltung auch in Krisenzeiten. Weniger geeignet sind sie für Anleger mit sehr hohem Vermögen, die steuerliche Gestaltungsspielräume oder eine individuelle Portfoliostrategie benötigen, sowie für Menschen, die eine enge Kundenbeziehung mit persönlicher Beratung suchen.
Fazit: Kosten entscheiden langfristig
Der Vergleich zeigt: Alle drei Anbieter — Quirion, Scalable Capital und Ginmon — sind seriöse, regulierte Vermögensverwalter mit BaFin-Zulassung und klaren Depotbankkonzepten. Die Unterschiede liegen im Detail: bei den Gesamtkosten, der Tiefe der Individualisierung und dem Servicemodell. Wer primär auf Kostenminimierung setzt, sollte Quirion oder — bei Interesse an Faktor-Investing und ESG — Ginmon in Betracht ziehen. Scalable Capital überzeugt mit seiner Plattformgröße und Benutzerfreundlichkeit, ist aber im reinen Robo-Advisor-Modell nicht die günstigste Wahl.
Entscheidend ist am Ende nicht allein der Anbieter, sondern die Konsequenz: Wer regelmäßig spart, das Portfolio nicht bei jedem Kursrückgang antastet und einen langen Atem mitbringt, wird mit einem Robo-Advisor solide Ergebnisse erzielen — unabhängig davon, welchen der drei Anbieter er wählt.
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