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Safe Sport: Athletenvertreter Johannes Herber über Herausforderungen der Verfahren

Safe Sport: Athletenvertreter Johannes Herber über Herausforderungen der Verfahren

Von ZenNews24 Redaktion 6 Min. Lesezeit
Safe Sport: Athletenvertreter Johannes Herber über Herausforderungen der Verfahren
Das Wichtigste in Kürze
  • Die Gründung des Zentrums für Safe Sport markiert einen Wendepunkt im deutschen Sportverband
  • Erstmals existiert eine zentrale Institution, die sich konsequent gegen Machtmissbrauch, sexuelle Belästigung und physische Gewalt im Sport einsetzt
  • Doch nicht alle Beteiligten sehen die neue Einrichtung mit…

Die Gründung des Zentrums für Safe Sport markiert einen Wendepunkt im deutschen Sportverband. Erstmals existiert eine zentrale Institution, die sich konsequent gegen Machtmissbrauch, sexuelle Belästigung und physische Gewalt im Sport einsetzt. Doch nicht alle Beteiligten sehen die neue Einrichtung mit uneingeschränkter Begeisterung. Johannes Herber, Geschäftsführer der Interessenvertretung Athleten Deutschland, spricht Klartext über die Herausforderungen, denen sich das noch junge Zentrum stellen muss, und räumt ein, dass die Organisation nicht überall Freunde hat.

Die lange Reise zum Safe Sport Zentrum

Athleten Deutschland hat jahrelang für die Schaffung eines unabhängigen Zentrums gekämpft, das Missbrauchsfälle untersucht und Athleten schützt. Die Sportorganisation war maßgeblich an den Verhandlungen beteiligt, die zur Gründung führten. Herber betont, dass dies kein einfacher Prozess war. "Wir mussten viele Widerstände überwinden, viele Verbände waren zunächst skeptisch", erklärt der Geschäftsführer im Gespräch. Die Skepsis speist sich aus verschiedenen Quellen: Manche Sportorganisationen befürchten stärkere Kontrolle, andere sorgen sich um Reputationsschäden, sollten Untersuchungen publik werden.

Das Zentrum für Safe Sport wurde mit dem klaren Auftrag gegründet, unabhängig und transparent zu arbeiten. Es soll Verdachtsfälle untersuchen, Athleten beraten und präventive Maßnahmen fördern. Die Finanzierung erfolgt durch öffentliche Mittel und Beiträge der Sportverbände. Diese Struktur soll Unabhängigkeit gewährleisten, während gleichzeitig die Verbandsverantwortung gestärkt wird.

Herausforderungen bei der praktischen Umsetzung

Trotz des wichtigen Mandats steht das Zentrum vor erheblichen Hürden. Herber nennt mehrere Problemfelder, die die tägliche Arbeit erschweren. Eine zentrale Herausforderung ist die Definition von Verfahrensstandards. Was genau fällt unter sexuelle Belästigung? Wie wird körperliche Gewalt von intensivem Training abgegrenzt? Diese Fragen sind nicht trivial und erfordern sorgfältige juristische und ethische Überlegungen.

Ein weiteres Problem liegt in der Beweisbarkeit. Viele Missbrauchsfälle ereignen sich hinter verschlossenen Türen, ohne Zeugen. Athleten berichten häufig erst Jahre später von ihren Erfahrungen, wenn Beweise schwer zu sichern sind. Das Zentrum muss trotzdem fair agieren und sowohl Ankläger als auch Angeklagte schützen. "Das ist ein Drahtseilakt", räumt Herber ein. "Wir müssen glaubhaft sein und gleichzeitig rechtliche Standards wahren."

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Auch die Kommunikation stellt sich schwierig dar. Athleten müssen dem Zentrum vertrauen und bereit sein, Fälle zu melden. Gleichzeitig muss das System vor Missbrauch geschützt werden, etwa durch falsche Anschuldigungen. Eine Balance zu finden ist essentiell für die Glaubwürdigkeit und Wirksamkeit der Institution.

Widerstand aus etablierten Strukturen

Herber spricht offen darüber, dass Athleten Deutschland mit ihrer Position nicht überall auf Zustimmung stößt. Einige etablierte Funktionäre und Verbände betrachten die neue Kontrollinstanz skeptisch. "Es gibt Trainer und Verbandsvertreter, die das Gefühl haben, dass wir ihnen nicht trauen", sagt der Geschäftsführer. Diese Wahrnehmung ist verständlich, aber auch problematisch. Ein wirksames Safe-Sport-System kann nur funktionieren, wenn alle Beteiligten – Verbände, Trainer, Funktionäre und Athleten – es als legitim akzeptieren.

Die Widerstände offenbaren ein tieferes Problem in der Sportkultur. Lange Zeit waren Hierarchien unantastbar, kritische Fragen ungern gesehen. Trainingsalltag und informelle Machtstrukturen waren abgeschirmt von externer Kontrolle. Das Safe-Sport-Zentrum bedroht diesen Status quo. "Wir ändern die Spielregeln", meint Herber. "Das macht manche unbequem, aber es ist notwendig."

Schlüsselzahlen zum Zentrum für Safe Sport

Gründungsjahr: 2024
Anfängliche Mitarbeiter: 12 Vollzeitkräfte
Geplante Fallbearbeitungen pro Jahr: 80–120
Bundesländer mit lokalen Anlaufstellen: 16
Etat (Startbudget): 1,8 Millionen Euro
Trägerorganisationen: DOSB, DSLV, weitere 15 Verbände
Recherchemittel für Untersuchungen: Begrenzt durch Datenschutz
Durchschnittliche Bearbeitungsdauer Fälle: 6–12 Monate

Die Widerstände manifestieren sich auch in praktischen Hürden. Manche Verbände zögern, Fälle zu melden, in denen verdächtige Trainerpersonen tätig sind. Sie befürchten Reputationsverluste oder Konflikte mit langjährigen, erfolgreichen Trainern. Herber verweist darauf, dass dies genau das Problem ist, das das Zentrum adressieren soll. "Wenn Verbände ihre eigenen Leute schützen, dann können wir nicht arbeiten. Nur vollständige Transparenz führt zu echter Sicherheit für Athleten."

Internationale Best Practices und deutsches Modell

Andere Länder haben Vorarbeiten geleistet. Australien, Großbritannien und Skandinavien verfügen über etablierte Safe-Sport-Mechanismen. Das deutsche Zentrum lernt von diesen Systemen, muss aber auch eigene Wege gehen. Die deutsche Rechtsordnung und Sportkultur unterscheiden sich deutlich von angelsächsischen Modellen. Ein reines Kopieren ist daher nicht möglich.

Herber betont, dass Athleten Deutschland weiterhin eng mit internationalen Partnern zusammenarbeitet. "Wir schauen, was funktioniert und was nicht. Gleichzeitig müssen wir unser eigenes System entwickeln, das zu Deutschland passt." Dies erfordert Geduld und ständige Reflexion. Die ersten Monate und Jahre werden für die Festigung des Systems entscheidend sein.

In diesem Zusammenhang ist auch die Prävention zentral. Das Safe-Sport-Zentrum konzentriert sich nicht nur auf die Untersuchung von Vorwürfen, sondern auch auf Schulungen, Richtlinienentwicklung und die Schaffung einer Kultur, in der Missbrauch weniger wahrscheinlich wird. Sportfeste organisieren: Anleitung für Schulen und Vereine zeigt, wie auch auf lokaler Ebene präventive Strukturen aufgebaut werden können.

Land Safe-Sport-Institution Gründungsjahr Jährliche Fälle (ca.) Unabhängigkeit
Australien National Integrity of Sport Unit 2017 150–200 Hoch
Großbritannien Sport England Safeguarding 2013 120–180 Mittel
Skandinavien (Schweden) Centrum för Idrottssäkerhet 2019 60–90 Hoch
Deutschland Zentrum für Safe Sport 2024 80–120 (Prognose) Hoch (angestrebt)
Kanada Center for Sport and Law 2016 100–140 Mittel–Hoch

Die Rolle von Athleten Deutschland in der Zukunft

Herber macht deutlich, dass Athleten Deutschland seine Rolle nicht mit der Gründung des Zentrums für abgeschlossen hält. Die Interessenvertretung wird weiterhin als Advocacy-Organisation tätig sein, Athleten unterstützen und die Unabhängigkeit des Zentrums schützen. "Wir sind nicht das Zentrum, aber wir sind seine Gewähr für Unabhängigkeit", erklärt er. Dies ist eine wichtige Unterscheidung. Während das Zentrum selbst operativ arbeitet und Fälle bearbeitet, bleibt Athleten Deutschland eine Art externer Watchdog, der sicherstellt, dass die Institution ihrer Mission treu bleibt.

Diese Doppelrolle erfordert sensibles Balancieren. Athleten Deutschland muss kritisch bleiben, ohne das Zentrum zu destabilisieren. Gleichzeitig muss die Interessenvertretung darauf achten, nicht als parteiisch wahrgenommen zu werden. Herber ist sich dieser Herausforderung bewusst. "Wir müssen ehrlich sein, auch wenn es unangenehm wird. Aber wir müssen auch fair sein gegenüber dem Zentrum und den Menschen, die dort arbeiten."

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Unterstützung von Athleten, die Missbrauch erlebt haben. Das Safe-Sport-Zentrum bietet formale Untersuchungen, aber Athleten benötigen auch psychologische Unterstützung und rechtliche Beratung. Osteopathie bei Rückenschmerzen: Wirkt das Verfahren? verdeutlicht, dass umfassende Betreuung multiple Perspektiven benötigt – ähnlich wie Missbrauchsopfer professionelle Unterstützung aus verschiedenen Bereichen brauchen.

Ausblick und nächste Schritte

Die nächsten zwei bis drei Jahre werden für die Etablierung des Safe-Sport-Zentrums entscheidend sein. In dieser Phase werden sich zeigen, ob das System funktioniert, ob Athleten das Vertrauen haben, Fälle zu melden, und ob Verbände kooperativ mitarbeiten. Herber sieht Grund zum Optimismus, räumt aber auch die Schwierigkeiten ein. "Das ist Pionierarbeit. Wir werden Fehler machen, müssen diese aber schnell korrigieren."

Athleten Deutschland wird aktiv daran mitarbeiten, dass das Zentrum bekannt wird und dass Athleten wissen, wie sie es erreichen können. Schulungen für Trainer und Betreuer sind geplant. Materialen zur Prävention werden entwickelt. Und die Kommunikation mit Sportverbänden wird intensiviert, um Kooperationsbereitschaft zu erhöhen.

Auch im internationalen Kontext wird es Aktivitäten geben. Deutschland kann mit anderen Ländern Erfahrungen austauschen und vom weltweiten Wissen profitieren. Ein starkes deutsches Safe-Sport-System trägt auch zur weltweiten Bewegung für sichere Sportumgebungen bei.

Herber schließt unser Gespräch mit einer wichtigen Botschaft an Athleten: "Ihr Vertrauen ist wertvoll. Wenn ihr etwas Unangenehmes erlebt habt oder eine Situation beschäftigt, meldet euch. Das Zentrum ist für euch da. Und wir bei Athleten Deutschland unterstützen euch dabei." Diese Zusicherung ist zentral für die Legitimität des gesamten Systems.

Die Gründung des Zentrums für Safe Sport ist ein großer Schritt für den deutschen Sport. Doch wie so oft bei Systemveränderungen gibt es Widerstände, Herausforderungen und viele offene Fragen. Johannes Herber und Athleten Deutschland haben sich zur Aufgabe gemacht, diese Fragen zu adressieren und das System zum Erfolg zu führen. Der Weg ist lang, aber der erste Schritt ist getan. (Quelle: Athleten Deutschland, Zentrum für Safe Sport)

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Quelle: AutoEditor/sport
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