Berliner Polizei meldet Rückgang bei Straßenkriminalität -
Aktuelle Statistiken offenbaren differenziertes Bild: Während Diebstähle sinken, steigen Gewaltdelikte in manchen Stadtteilen
Die Berliner Polizei hat am heutigen Dienstag aktuelle Kriminalitätsstatistiken vorgestellt, die ein differenziertes Bild der Sicherheitslage in der Hauptstadt zeichnen. Während die Straßenkriminalität insgesamt einen Rückgang verzeichnet, offenbaren die detaillierten Zahlen erhebliche regionale Unterschiede – Anlass zur Hoffnung in einigen Bezirken, aber auch zu verstärkter Aufmerksamkeit in anderen. Der Senat wertet die Zahlen als Teilerfolg der verstärkten Polizeipräsenz, warnt jedoch ausdrücklich vor voreiligen Entwarnsignalen.
- Erfolge bei der Bekämpfung des Taschendiebstahls
- Problemzonen: Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg weiter unter Druck
- Polizeistrategie: Mehr Präsenz, aber knappes Personal
- Einordnung und Ausblick
Lokale Zahlen: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sind Diebstähle im öffentlichen Raum berlinweit um 12,3 Prozent zurückgegangen. Besonders deutlich fällt der Rückgang bei Ladendiebstählen aus (minus 15,7 Prozent) sowie bei Taschendiebstählen in öffentlichen Verkehrsmitteln (minus 18,2 Prozent). Bei Gewaltdelikten zeigt sich ein gemischtes Bild: In Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf wurden weniger Körperverletzungen registriert, während Friedrichshain-Kreuzberg einen Anstieg um 8,5 Prozent und Neukölln einen Anstieg um 6,1 Prozent verzeichnen. Insgesamt wurden zuletzt rund 2.847 Fälle von Straßenkriminalität pro Monat erfasst – 247 Fälle weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Vergleichszahlen zu Taschendiebstählen in S- und U-Bahnen beziehen sich auf einen Zweijahresvergleich und sind daher nur eingeschränkt mit den übrigen Jahresvergleichswerten kombinierbar.
Erfolge bei der Bekämpfung des Taschendiebstahls

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Der deutlichste Fortschritt zeigt sich im Bereich des Taschendiebstahls – einer Deliktsform, die das Sicherheitsgefühl von Berlinerinnen und Berlinern sowie von Touristen über Jahre hinweg spürbar belastet hat. Die Berliner Polizei hat spezialisierte Einsatzgruppen in Bussen, Bahnen und an zentralen Knotenpunkten wie dem Hauptbahnhof und dem Alexanderplatz stationiert. Polizeipräsidentin Barbara Slowik erklärte dazu: „Die verstärkte Präsenz unserer Kolleginnen und Kollegen in den öffentlichen Verkehrsmitteln zeigt nachweislich Erfolg. Wir werden dieses Konzept fortsetzen und gezielt ausbauen." (Quelle: Senat Berlin, Pressestelle)
Flankiert wird die Polizeistrategie durch eine engere Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn, die zusätzliche Sicherheitskräfte an Bahnhöfen und in Zügen einsetzt. In den S- und U-Bahnen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wurden im Zweijahresvergleich rund 35 Prozent weniger Taschendiebstähle angezeigt. Für Pendlerinnen und Pendler sowie für regelmäßige ÖPNV-Nutzer bedeutet das eine greifbare Verbesserung des Sicherheitsgefühls – und mehr Vertrauen in den öffentlichen Nahverkehr als Rückgrat der städtischen Mobilität.
Das Bezirksamt Mitte bestätigt den positiven Trend: „Die Maßnahmen helfen uns, Berlin als sichere und attraktive Stadt zu positionieren. Das ist auch für unseren Einzelhandel und die Gastronomie von erheblicher Bedeutung", so ein Sprecher der Abteilung Wirtschaft und Ordnung. (Quelle: Bezirksamt Mitte)
- Pendlerinnen und Pendler profitieren von weniger Taschendiebstählen in U- und S-Bahnen sowie an zentralen Umsteigeknoten.
- Touristinnen und Touristen berichten laut Bezirksamt Mitte von einem gestiegenen Sicherheitsempfinden in der Innenstadt.
- Einzelhändlerinnen und Einzelhändler verzeichnen weniger Ladendiebstähle und damit geringere Verluste durch Inventurschwund.
- Anwohnerinnen und Anwohner in Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf erleben einen messbaren Rückgang bei Körperverletzungsdelikten im öffentlichen Raum.
- Bewohnerinnen und Bewohner in Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln sind hingegen weiterhin überdurchschnittlich von Gewaltdelikten betroffen und sollten erhöhte Wachsamkeit walten lassen.
Tourismuswirtschaft registriert vorsichtig positive Signale
Die verbesserte Sicherheitsbilanz bleibt nicht ohne Wirkung auf die Berliner Tourismuswirtschaft. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) Berlin beobachtet eine leicht gestiegene Reisebereitschaft internationaler Gäste – wenngleich ein direkter Kausalzusammenhang mit den Kriminalitätszahlen methodisch schwer zu belegen ist. Sicherheitsrelevante Einträge in internationalen Reiseforen und sozialen Medien sollen sich laut DEHOGA in den vergangenen Monaten merklich verbessert haben.
Für Gewerbetreibende in innerstädtischen Lagen sind die Zahlen ein konkretes Signal: Weniger Ladendiebstähle bedeuten geringere Kosten für Warensicherung und Sicherheitspersonal. Der Handelsverband Berlin-Brandenburg erklärte dazu: „Jeder verhinderte Diebstahl entlastet unsere Mitgliedsbetriebe direkt. Wir begrüßen die Maßnahmen der Polizei ausdrücklich und hoffen auf eine Verstetigung der Zusammenarbeit." (Quelle: Handelsverband Berlin-Brandenburg, Pressestelle) Kleinere Läden, die sich professionelles Sicherheitspersonal bislang kaum leisten konnten, dürften besonders von dieser Entwicklung profitieren.
Problemzonen: Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg weiter unter Druck
So positiv die Gesamtbilanz ausfällt – ein ungetrübtes Erfolgsbild ergibt sie nicht. Insbesondere Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln stechen mit steigenden Körperverletzungszahlen heraus. In Friedrichshain-Kreuzberg stiegen entsprechende Delikte um 8,5 Prozent, in Neukölln um 6,1 Prozent. Die Bezirksbürgermeisterin von Neukölln, Karin Korte (SPD), mahnte zu einer differenzierten Betrachtung: „Die Gesamtzahlen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in bestimmten Kiezen nach wie vor erheblichen Handlungsbedarf haben. Wir brauchen nicht nur mehr Polizeipräsenz, sondern auch mehr Investitionen in Jugendarbeit, Sozialberatung und Prävention." (Quelle: Bezirksamt Neukölln, Pressestelle)
Stadtentwicklungssenatorin Franziska Giffey (SPD) verwies in diesem Zusammenhang auf laufende Förderprogramme für soziale Brennpunkte: „Sicherheit entsteht nicht allein durch Polizei. Sie entsteht durch stabile Nachbarschaften, gute Schulen und wirtschaftliche Perspektiven." Der Senat prüfe derzeit, ob zusätzliche Mittel aus dem Berliner Stadtentwicklungsfonds in die besonders belasteten Bezirke umgeleitet werden können. (Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Wohnen und Bauen)
Anwohnerinnen und Anwohner aus dem Reuterkiez in Neukölln schildern im Gespräch mit ZenNews24 ein ambivalentes Bild: „Tagsüber fühle ich mich sicher, aber abends am Hermannplatz ist es noch immer unruhig", berichtet eine 34-jährige Mutter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Ähnliche Stimmen sind aus dem Görlitzer Park in Kreuzberg zu hören, wo trotz verstärkter Polizeipräsenz weiterhin offen Drogen gehandelt werden sollen.
Polizeistrategie: Mehr Präsenz, aber knappes Personal
Hinter den positiven Zahlen steckt ein erheblicher personeller und logistischer Aufwand. Die Berliner Polizei hat in den vergangenen zwölf Monaten gezielt Schwerpunktstreifen eingeführt, mobile Einsatzgruppen in Hotspot-Bereichen verstärkt und die Kooperation mit privaten Sicherheitsdiensten intensiviert. Polizeipräsidentin Slowik betonte jedoch, dass der Stellenaufbau bei der Berliner Polizei nicht mit dem wachsenden Bedarf Schritt halte: „Wir arbeiten an unserer Kapazitätsgrenze. Weitere Einstellungen und eine bessere Ausstattung sind zwingend notwendig, um die erzielten Erfolge dauerhaft zu sichern." (Quelle: Berliner Polizei, Pressestelle)
Der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, burkhard Dregger, forderte ergänzend eine Überprüfung der Einsatzkonzepte: „Die Zahlen zeigen, dass gezielte Maßnahmen wirken. Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass Erfolge in einem Bezirk nicht durch Verlagerungseffekte in einem anderen Bezirk erkauft werden." Eine solche Verdrängung von Delikten in weniger kontrollierte Bereiche sei bei Konzentration von Polizeikräften auf einzelne Hotspots nicht auszuschließen. (Quelle: CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus)
Einordnung und Ausblick
Die aktuellen Zahlen sind ein ermutigendes Signal – aber kein Grund zur Selbstzufriedenheit. Der Rückgang bei Taschendiebstählen und Ladendiebstählen zeigt, dass konsequente, zielgerichtete Polizeiarbeit messbare Wirkung entfaltet. Gleichzeitig machen die steigenden Körperverletzungszahlen in Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg deutlich, dass strukturelle Probleme nicht allein mit Blaulicht und Streife zu lösen sind.
Für Berlins Bezirke, die Wirtschaft und die rund 3,7 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt bleibt die Botschaft klar: Sicherheit ist ein gesamtstädtisches Projekt, das Polizei, Senat, Bezirke, Sozialträger und Zivilgesellschaft gemeinsam tragen müssen. Die nächste Aktualisierung der Kriminalitätsstatistik ist für das zweite Quartal angekündigt. Beobachterinnen und Beobachter werden dann prüfen können, ob die aktuellen Trends von Dauer sind oder sich als kurzfristige Schwankung erweisen.
Weitere Hintergründe zur Sicherheitspolitik in der Hauptstadt finden Sie in unseren Berichten zur Berliner Polizeistrategie im Überblick, zu den Sicherheitsmaßnahmen in Neukölln sowie zur aktuellen Debatte über den Sicherheitsausbau im Berliner ÖPNV.





















