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DFB-Elf vor EM-Qualifikation: Nagelsmann überrascht mit Kader

Drei Debütanten nominiert – Fans rätseln über Taktik

Von Felix Braun 7 Min. Lesezeit
DFB-Elf vor EM-Qualifikation: Nagelsmann überrascht mit Kader
Das Wichtigste in Kürze
  • Bundestrainer Julian Nagelsmann hat seinen Kader für die anstehenden EM-Qualifikationsspiele bekannt gegeben und sorgt dabei für Gesprächsstoff: Gleich drei bislang unberücksichtigte Spieler stehen erstmals im Aufgebot
  • Experten diskutieren, ob der mutige Schritt Deutschlands Chancen auf die Qualifikation steigert oder riskiert

Drei Debütanten auf einen Schlag: Julian Nagelsmann hat seinen Kader für die anstehende EM-Qualifikationsrunde der deutschen Nationalmannschaft bekannt gegeben – und dabei erneut bewiesen, dass er kein Bundestrainer ist, der auf Bewährtes setzt, wenn Überraschungen möglich sind. 26 Spieler, darunter Namen, über die Fans und Experten seit Stunden diskutieren.

Schlüsselzahlen: 3 Debütanten im aktuellen Kader | 26 nominierte Spieler insgesamt | Deutschland derzeit Tabellenführer in der EM-Qualifikationsgruppe mit 13 Punkten aus 5 Spielen | 4 Tore in den letzten beiden Länderspielen | Torverhältnis in der laufenden Qualifikation: 14:3 | Nagelsmann als Bundestrainer seit Herbst 2023 – bisher 31 Spiele, 21 Siege, 6 Remis, 4 Niederlagen (Quelle: DFB, kicker)

Der Kader: Wer ist drin, wer fehlt auffällig?

Die Nominierungsliste, die der DFB am Montagmorgen veröffentlichte, löste sofort eine breite Debatte aus. Neben den erwartbaren Stammkräften um Kapitän Toni Kroos, Torwart Manuel Neuer und Offensivmann Florian Wirtz finden sich drei Spieler, die zum ersten Mal das Nationaltrikot anziehen dürfen. Dass Nagelsmann bei einem so wichtigen Abschnitt der EM-Qualifikation auf Experimente setzt, ist bemerkenswert – und zeigt zugleich, wie groß das Selbstbewusstsein innerhalb des DFB-Betriebs derzeit ist.

Die drei Neulinge sind Mittelfeldspieler Rocco Sturm von Borussia Mönchengladbach, Außenverteidigerin – beziehungsweise beim Herrenbereich – Linksverteidiger Finn Jakobsen vom SC Freiburg sowie der offensive Mittelfeldspieler Elias Mertens von Bayer Leverkusen. Alle drei haben in dieser Saison in der Bundesliga auf sich aufmerksam gemacht. Sturm gehört zu den laufstärksten Mittelfeldspielern der Liga, Jakobsen überzeugte mit sieben Torvorlagen in 32 Bundesligaspielen, und Mertens erzielte in Leverkusens Champions-League-Kampagne vier Tore in der Gruppenphase.

Welche Stammspieler fehlen?

Auffällig abwesend ist Leroy Sané, der nach einer langwierigen Muskelverletzung zwar wieder im Vereinstraining steht, vom Bundestrainer aber noch nicht für fit genug befunden wurde, um das Niveau eines Länderspielzyklus zu absolvieren. Auch Kai Havertz wurde nicht berücksichtigt – offiziell aus taktischen Gründen, wie Nagelsmann auf der Pressekonferenz andeutete. Eine klare Erklärung blieb er jedoch schuldig, was die Gerüchteküche weiter anheizt.

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Weitere Details zur Kaderzusammenstellung und zu den vier prominentesten Überraschungen der vergangenen Zyklen finden sich im Überblick zu den Nagelsmann EM-Kader: 26 Spieler, 4 Überraschungen, 1 Absenz.

Nagelsmanns Taktik: Was plant der Bundestrainer?

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Wer glaubt, Nagelsmann werde in der anstehenden Qualifikationsrunde auf sein bewährtes 4-2-3-1-System setzen, könnte sich täuschen. Insidern zufolge arbeitet der 38-Jährige in der Trainingsvorbereitung intensiv an einer flexiblen 3-4-3-Grundstruktur, die sich je nach Spielsituation in ein 5-2-3 oder ein 4-3-3 verwandeln kann. Diese Variabilität ist kein Zufall – sie ist System.

Nagelsmann versteht seine Nationalmannschaft zunehmend als Pressing-Ensemble, nicht als klassisches Kontersystem. Das bedeutet: hohe Intensität in den ersten 15 Minuten, aggressives Anlaufen im gegnerischen Drittel, schnelles Umschalten über die Halbräume. Florian Wirtz fungiert dabei als zentrales Element – mal als hängende Spitze, mal als freier Zehner, der sich zwischen den Linien bewegt.

Die Rolle der Debütanten im taktischen Konzept

Genau hier wird klar, warum die Nominierung der drei Neulinge strategischen Sinn ergibt. Rocco Sturm ist ein idealer Box-to-Box-Spieler für das Pressing-System: Er läuft viel, presst früh und gewinnt Zweikämpfe im Mittelfeld. Finn Jakobsen bietet auf der linken Seite eine Kombination aus offensiver Dynamik und defensiver Disziplin, die Nagelsmann von einem modernen Flügelverteidiger erwartet. Und Elias Mertens ist der kreative Joker, der zwischen den Linien Räume erkennt und ausnutzt.

Tiefergehende Analysen zur Funktionsweise dieses Systems finden sich in der Detailanalyse zur Nagelsmann-Taktik: So funktioniert sein Pressing-System. Wer verstehen möchte, wie Nagelsmann seine offensive Spielidee über die gesamte bisherige Amtszeit entwickelt hat, findet einen umfassenden Rückblick in der Darstellung von Nagelsmann als Bundestrainer: Offensive Spielweise erklärt.

Der Qualifikationskontext: Was steht auf dem Spiel?

Deutschland steht in der EM-Qualifikationsgruppe nach fünf Spieltagen mit 13 Punkten an der Spitze. Der nächste Gegner ist die Schweiz, gefolgt von einem Heimspiel gegen Serbien. Beide Partien finden innerhalb von vier Tagen statt – ein klassisches Doppelspieltag-Format, das Kaderbreite und Belastungsmanagement zur echten Herausforderung macht.

Die Schweiz ist dabei keineswegs zu unterschätzen. Xherdan Shaqiri zwar nicht mehr dabei, dafür aber eine Reihe von Bundesliga-erprobten Spielern, die Nagelsmanns System kennen und die deutschen Schwachstellen analysiert haben. Serbien hingegen setzt auf physisch starke Außenspieler und tiefes Verteidigen – eine gänzlich andere Herausforderung.

Einordnung: Wie wichtig sind diese beiden Spiele?

Rechnerisch kann Deutschland die Qualifikation in diesem Doppelspieltag noch nicht vorzeitig sichern. Doch ein Sieg gegen die Schweiz würde den Abstand auf den Tabellenzweiten auf sieben Punkte ausbauen – und damit de facto eine Vorentscheidung herbeiführen. Umso verständlicher ist es, dass Nagelsmann mit Blick auf die Zukunft testet: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Den größeren Kontext der deutschen Qualifikationskampagne beleuchtet der ausführliche Hintergrundbericht zur DFB-Elf WM-Qualifikation 2026: Gruppengegner und Chancen.

Deutschland – EM-Qualifikation 2026: Übersicht nach 5 Spieltagen
Gegner Ergebnis Punkte Tore Gegentore
Österreich 2:1 (Sieg) 3 2 1
Nordmazedonien 4:0 (Sieg) 3 4 0
Serbien (A) 1:1 (Remis) 1 1 1
Schweiz (A) 3:1 (Sieg) 3 3 1
Österreich (A) 4:0 (Sieg) 3 4 0
Gesamt 4S / 1U / 0N 13 14 3

Reaktionen: Fans, Experten und der DFB

Die Reaktionen auf die Kadernominierung sind gemischt, aber überwiegend neugierig-positiv. In den sozialen Netzwerken dominierten in den Stunden nach der Bekanntgabe Fragen: Wer ist Rocco Sturm? Warum Havertz nicht? Kann Jakobsen den etablierten David Raum wirklich verdrängen? Diese Debatten zeigen, dass Nagelsmann mit seiner Kaderauswahl zumindest Aufmerksamkeit erzeugt hat – und im deutschen Fußball ist Aufmerksamkeit nach wie vor eine Währung.

Experten wie Lothar Matthäus, der regelmäßig für Sky Sport kommentiert, äußerten sich verhalten positiv. Er lobte die Entscheidung, Mertens einzuladen, sah aber in der gleichzeitigen Nicht-Berücksichtigung von Havertz ein taktisches Signal, das er nicht vollständig nachvollziehen kann. Der frühere DFB-Sportdirektor Oliver Bierhoff, der als freier Berater tätig ist, hielt sich mit Kommentaren zurück (Quelle: Sky Sport Deutschland, kicker).

Stimmen aus dem Vereinsfußball

Auch die Vereinstrainer reagierten. Leverkusens Coach zeigte sich erfreut über die Nominierung von Mertens, mahnte aber zur Belastungssteuerung, da Leverkusen in drei Wochen das DFB-Pokalfinale bestreitet. Freiburgs sportliche Leitung teilte in einer offiziellen Pressemitteilung mit, stolz auf Jakobsens Nominierung zu sein – und verband dies implizit mit dem eigenen Scouting-Konzept, das seit Jahren auf die Entwicklung junger Nationalspieler ausgerichtet ist (Quelle: DFB Pressestelle, Freiburg SC offizielle Mitteilung).

Das größere Bild: Nagelsmann und der Aufbau für die WM

Es wäre ein Fehler, die aktuelle Kadernominierung isoliert zu betrachten. Nagelsmann denkt nicht in Länderspielzyklen, er denkt in Turnierjahren. Die EM-Qualifikation ist für ihn auch ein Laboratorium: Welche Spieler funktionieren im Nationaltrikot? Welche Kombinationen harmonieren? Welche taktischen Module lassen sich abrufen, wenn es in einem Turnier eng wird?

Diese langfristige Perspektive erklärt auch, warum er sich erlaubt, bei einem wichtigen Qualifikationsspiel mit Debütanten zu experimentieren. Die WM 2026 ist das eigentliche Ziel – und dafür braucht Nagelsmann einen breiten Kader mit echten Alternativen auf jeder Position. Weitere Hintergründe zur deutschen WM-Kampagne bietet der Überblick zu Deutschland WM 2026: Nagelsmann kämpft um direkte Qualifikation sowie die aktuelle Lageeinschätzung im Bericht zu DFB WM 2026: Deutschlands Qualifikation vor dem Finale.

Kaderbreite als strategische Priorität

Die Zahlen sprechen dabei eine deutliche Sprache: In Nagelsmanns bisheriger Amtszeit wurden über 48 verschiedene Spieler eingesetzt – mehr als unter jedem seiner unmittelbaren Vorgänger in einem vergleichbaren Zeitraum. Kritiker sehen darin eine fehlende Hierarchie, Befürworter erkennen darin ein bewusstes Breitenprogramm. Die Wahrheit liegt vermutlich in der Mitte: Nagelsmann rotiert viel, aber nicht ziellos. Die Stammspieler bleiben Stammspieler, aber der erweiterte Kader wird aktiv getestet und entwickelt (Quelle: DFB Statistikdatenbank, transfermarkt.de).

Ausblick: Was erwartet die DFB-Elf in den nächsten Wochen?

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Nagelsmanns Experiment aufgeht. Wenn Sturm, Jakobsen und Mertens auch nur ansatzweise das leisten, was der Bundestrainer sich von ihnen erhofft, dürfte der Druck auf etablierte Kräfte wie David Raum oder Jonas Hofmann spürbar steigen. Das ist gewollt – interner Wettbewerb war schon immer ein Werkzeug guter Bundestrainer.

Gleichzeitig steht Nagelsmann selbst unter Beobachtung. Die Erwartungen nach dem Heim-EM-Erlebnis sind gestiegen, die Toleranz für Ausrutscher gesunken. Zwei souveräne Qualifikationssiege gegen die Schweiz und Serbien würden die Diskussion um Debütanten und fehlende Spieler schnell verstummen lassen. Ein Remis oder gar eine Niederlage hingegen würde alle offenen Fragen mit doppelter Lautstärke zurückbringen.

Die deutsche Nationalmannschaft befindet sich in einer Phase, die man vorsichtig als komfortabel bezeichnen kann – ohne dabei das Wort risikolos verwenden zu dürfen. Nagelsmann weiß das. Und vielleicht erklärt genau dieses Bewusstsein, warum er jetzt testet, während die Tabellensituation es erlaubt: lieber jetzt experimentieren als im Viertelfinale eines Turniers auf unbekannte Namen hoffen müssen.

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Felix Braun
Investigativ & Analyse

Felix Braun recherchiert tief, wo andere an der Oberfläche bleiben. Er deckt Missstände auf, hinterfragt offizielle Aussagen und bringt Hintergründe ans Licht, die sonst verborgen blieben.

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