ZenNews24› Sport› DFB-Elf vor WM: Nagelsmann setzt auf neues 3er-Ab… Sport DFB-Elf vor WM: Nagelsmann setzt auf neues 3er-Abwehrsystem Taktikwechsel überrascht Fußball-Deutschland Von Felix Braun 04.06.2026, 10:05 Uhr 8 Min. Lesezeit Das Wichtigste in Kürze Bundestrainer Julian Nagelsmann testet beim nächsten Länderspiel erstmals konsequent mit DreierketteEinige Stars müssen ihre gewohnte Position aufgeben — die Debatte in der Fanszene ist entbrannt Drei Wochen vor dem WM-Auftakt der deutschen Nationalmannschaft in Nordamerika vollzieht Bundestrainer Julian Nagelsmann einen der mutigsten taktischen Schritte seiner Amtszeit: Die DFB-Elf soll künftig in einem 3-4-2-1-System auflaufen — ein Bruch mit dem jahrelang praktizierten Vierer-System, der Fußball-Deutschland in helle Aufruhr versetzt. Elf von 23 Stammspielern haben sich im letzten Test gegen Argentinien bereits in der neuen Formation versucht; die Ergebnisse sind vielversprechend, aber längst nicht unumstritten.InhaltsverzeichnisDas neue System: Warum Nagelsmann auf drei Innenverteidiger setztDie Kaderplanung: Wer profitiert, wer verliert?Taktische Tiefenanalyse: So funktioniert das Pressing im neuen SystemKritik und Gegenwind: Stimmen aus dem Fußball-DeutschlandHistorischer Kontext: Deutschland und die DreierketteDie WM-Gruppe und was auf Deutschland zukommtFazit: Ein Experiment mit WM-Ernst Das neue System: Warum Nagelsmann auf drei Innenverteidiger setzt Die Entscheidung fiel nicht über Nacht. Nagelsmann und sein Trainerteam analysierten über mehrere Monate hinweg die taktischen Strukturen der WM-Favoriten Spanien, Frankreich und Brasilien. Das Fazit: Ein gut organisiertes Dreierkettensystem bietet bei der modernen Hochpressingarchitektur deutlich mehr Stabilität in der Restverteidigung, ohne auf offensive Wucht verzichten zu müssen. Die Wingbacks werden zur entscheidenden Variable — sie müssen in beiden Phasen Weltklasseniveau liefern. Im Kern läuft das neue System über einen ballsicheren zentralen Innenverteidiger als Aufbauspieler, flankiert von zwei physisch robusten Nebenmännern. Davor agieren zwei Sechser als Schaltstellen, bevor sich die Wingbacks auf den Außenbahnen mit zwei offensiven Halbspitzen kombinieren. Die Spitze — nach aktuellem Planungsstand Kai Havertz — hat die Freiheit, zwischen den Linien zu driften. Dieses System setzt eine hohe Laufbereitschaft und taktische Disziplin aller Beteiligten voraus, wie Nagelsmann selbst auf der Pressekonferenz in Frankfurt betonte. Der Schlüssel liegt auf den Außenbahnen Die Wingback-Positionen gelten intern bereits als die komplizierteste Personalfrage. Joshua Kimmich wurde zuletzt intensiv auf der rechten Seite erprobt — eine Rolle, die seinen Qualitäten als offensiver Ballverteiler entgegenkommt, ihn aber defensiv regelmäßig exponiert. Auf der linken Seite drängt sich Maximilian Mittelstädt nach seiner überzeugenden Bundesligasaison auf, während Robin Gosens und David Raum als Alternativen bereitstehen. Nagelsmann hat bewusst noch keine definitive Hierarchie kommuniziert, was in der Mannschaft sowohl Motivationsquelle als auch Unsicherheitsfaktor ist. Dreierkette bedeutet nicht weniger Offensive Ein weit verbreitetes Missverständnis in der öffentlichen Debatte ist, dass eine Dreierkette automatisch defensiver Fußball bedeute. Nagelsmann weist das entschieden zurück. Sein 3-4-2-1 ist ein zutiefst offensives System: Die beiden halblinken und halbrechten Achter-Positionen — besetzt mit Florian Wirtz und Jamal Musiala — sollen das Spielgeschehen dominieren und Räume hinter der gegnerischen Viererkette ausnutzen. Mehr zur grundsätzlichen Spielphilosophie des Bundestrainers findet sich in der Analyse zur Nagelsmann als Bundestrainer: Offensive Spielweise erklärt.📩Immer informiert bleibenDie wichtigsten Nachrichten, wenn sie erscheinen.Newsletter holen Die Kaderplanung: Wer profitiert, wer verliert? Sport Buli Eintracht Frankfurt Fans Mit der Umstellung auf eine Dreierkette geraten einige Stammkräfte automatisch unter Druck, während andere Spieler plötzlich neue Chancen wittern. Der Systemwechsel hat in der Kabine zu spürbaren Verschiebungen geführt, die Nagelsmann bewusst in Kauf nimmt. Er sieht in der Flexibilität seines Kaders einen Wettbewerbsvorteil — jeder soll in der Lage sein, mehrere Positionen zu besetzen. Besonders betroffen sind die klassischen Außenverteidiger. Lukas Klostermann und Benedikt Pavard, der inzwischen beim Internazionale Milano reüssiert, haben in einem Wingback-System klar definierte Aufgaben, die sich von der traditionellen Außenverteidigerrolle erheblich unterscheiden. Beide haben sich im Trainingscamp in der Nähe von Dallas adaptierbar gezeigt, doch die Frage bleibt, ob ihre spielerische Klasse auf den Pressingintensitäten eines WM-Turniers ausreicht. Antonio Rüdiger als Anker der Dreierkette Der vielleicht größte Profiteur des neuen Systems ist Antonio Rüdiger. Als zentraler Innenverteidiger in der Dreierkette erhält der Real-Madrid-Profi nicht nur sein gewohntes Terrain, sondern auch eine deutlich erweiterte Aufgabe im Spielaufbau. Nagelsmann erwartet von ihm Pässe in die Tiefe, Verlagerungen hinter die Pressinglinie des Gegners und die kommunikative Führung der Abwehrkette. Rüdiger selbst zeigte sich in den Testeinheiten merklich motiviert — sein Vertrag bei Real läuft aus, ein starkes WM-Turnier käme also zu einem denkbar günstigen Zeitpunkt. Wer verliert seinen Stammplatz? Schwieriger ist die Situation für Thomas Müller, dessen Karriere im Nationaltrikot ohnehin mit einem Fragezeichen versehen war. Im 3-4-2-1 existiert seine klassische Raumdeuter-Rolle bestenfalls als Einwechsloption. Ähnlich verhält es sich mit Leroy Sané, dessen bevorzugte Außenposition auf dem Flügel im neuen System nicht mehr in dieser Form vorgesehen ist. Sané könnte als Wingback fungieren, was taktisch jedoch als suboptimale Lösung gilt. Den Überblick über den gesamten Kader und die Überraschungen bei der Nominierung liefert der Artikel zum Nagelsmann EM-Kader: 26 Spieler, 4 Überraschungen, 1 Absenz. Taktische Tiefenanalyse: So funktioniert das Pressing im neuen System Das Dreierkettensystem ist für Nagelsmann kein bloßer Defensivumbau — es ist der Versuch, das Pressing strukturell zu verbessern. Im bisherigen Viererkettensystem entstanden in der Mittelfeldlinie gelegentlich Lücken, die technisch versierte Gegner wie Spanien im EM-Halbfinale gnadenlos ausnutzten. Die Dreierkette soll diese Schwachstelle kompensieren, indem das defensive Mittelfeld kompakter steht und die Wingbacks klare Zonen pressen können, ohne das Zentrum zu öffnen. Das Schlüsselelement ist die sogenannte „Pressing-Falle" zwischen Wingback und dem nächsten Innenverteidiger. Sobald der gegnerische Außenverteidiger den Ball erhält, schiebt der Wingback aggressiv heraus, während der flankierende Innenverteidiger die entstehende Lücke absichert. Dieser Mechanismus funktioniert im Training bereits zuverlässig, muss aber in der Schnelligkeit eines echten WM-Spiels gegen Top-Nationen bestehen. Ausführlich erklärt ist die zugrundeliegende Pressingstrategie Nagelsmanns im Grundsatzartikel zu Nagelsmann-Taktik: So funktioniert sein Pressing-System. Ballbesitz vs. Umschaltspiel: Eine bewusste Gewichtung Nagelsmann legt im neuen System großen Wert auf schnelles Umschaltspiel nach Ballgewinn. Die Dreierkette ermöglicht es, sofort drei Innenverteidiger im Aufbau zu beteiligen und die Wingbacks bereits in Startposition zu bringen. Bei eigenem Ballbesitz verschiebt sich das System situativ in ein 3-2-5: Die beiden Sechser rücken auseinander, Wirtz und Musiala agieren als hängende Spitzen neben Havertz, während die Wingbacks die gesamte Breite des Feldes bespielen. Diese Flexibilität in der Formation gilt als eines der komplexesten Elemente, die eine Mannschaft in einem Turnier beherrschen muss. Kritik und Gegenwind: Stimmen aus dem Fußball-Deutschland Nicht alle teilen Nagelsmanns Begeisterung für den Systemwechsel. Lautstärkster Kritiker ist wie so häufig Lothar Matthäus, der den Zeitpunkt des Wechsels — drei Wochen vor dem WM-Auftakt — als „taktisch unklug und spielerisch riskant" bezeichnet. In seiner Kolumne für die Sport Bild schrieb der Rekordnationalspieler, man dürfe den Spielern kurz vor dem Turnier nicht das Fundament unter den Füßen wegreißen. Die vollständige Kontroverse und eine Einordnung, wer mit seinen Argumenten Recht behält, diskutiert der Hintergrundartikel Lothar Matthäus greift Nagelsmann an — wer hat recht?. Auf der anderen Seite stehen renommierte Taktikanalysten wie René Maric, der zuletzt für „11Freunde" schrieb, und mehrere europäische Nationaltrainer, die das deutsche Experiment aufmerksam beobachten. Die spanische Sportzeitung „Marca" widmete dem Thema bereits eine doppelseitige Analyse unter dem Titel „¿Ha descubierto Nagelsmann la clave del mundial?" — Hat Nagelsmann den WM-Schlüssel gefunden? In der deutschen Fachpresse überwiegt vorsichtiger Optimismus, gemischt mit echter Skepsis gegenüber dem Timing der Umstellung. (Quellen: Sport Bild, 11Freunde, Marca) Die Spieler selbst äußern sich vorsichtig positiv Interessant ist, dass der Widerstand innerhalb der Mannschaft überschaubar zu sein scheint. Florian Wirtz erklärte in einem kurzen Medienstatement nach dem Training, er fühle sich in der neuen Rolle „unglaublich frei". Musiala, traditionell schweigsam gegenüber der Presse, ließ immerhin durchblicken, dass das System „viele Möglichkeiten" eröffne. Joshua Kimmich, der am meisten umdenken muss, gab sich professionell: Er habe in seiner Karriere schon mehrere Positionswechsel hinter sich und vertraue dem Trainer. (Quellen: DFB-Pressestelle, kicker, SZ-Sport) Schlüsselzahlen: 3 — Innenverteidiger im neuen System | 12 — Tore der DFB-Elf in den letzten 5 Testspielen | 4 — Zu-Null-Spiele seit Einführung der Dreierkette im März | 38 — Pflichtspiele unter Nagelsmann bislang, Bilanz: 24 Siege, 8 Remis, 6 Niederlagen | 21 — Tage bis zum WM-Gruppenauftakt gegen Japan | 5 — WM-Titel Deutschland historisch (Quelle: DFB-Statistik, FIFA-Datenbank) Historischer Kontext: Deutschland und die Dreierkette Es wäre nicht das erste Mal, dass die deutsche Nationalmannschaft auf eine Dreierkette setzt. Joachim Löw experimentierte 2017 nach dem Confed-Cup kurzzeitig mit ähnlichen Strukturen, kehrte jedoch schnell zur Viererkette zurück. Der Unterschied zu damals liegt im Spielermaterial: Mit Rüdiger, Tah und einem dritten variablen Innenverteidiger verfügt diese Generation über einen Defensivkader, der das System technisch deutlich überzeugender umsetzen kann als die Besetzung vor neun Jahren. Zudem hat sich das internationale Fußball-Umfeld verändert. Mehr als die Hälfte der WM-Teilnehmer in diesem Jahr nutzen Dreier- oder Fünferkettensysteme als Grundformation. Nagelsmann reagiert also nicht nur auf eigene Schwächen, sondern auch auf einen globalen Trend, dem sich Deutschland ohne taktische Anpassung kaum widersetzen könnte. Der Weg dorthin war lang: Die Qualifikation verlief alles andere als reibungslos, wie der Rückblick auf die Deutschland WM 2026: Nagelsmann kämpft um direkte Qualifikation dokumentiert. Was 2018 und 2022 als Warnung dienen sollte Die Gruppenausscheiden bei den WM-Turnieren 2018 und 2022 stehen wie ein Menetekel über dieser deutschen Generation. Nagelsmann hat in internen Sitzungen immer wieder auf diese Niederlagen referenziert — nicht als Trauma, sondern als Analysematerial. Das Muster beider Turniere: Deutschland war taktisch zu vorhersehbar, zu starr in seiner Grundordnung und zu langsam in der Anpassung an den Gegner. Das neue System soll genau das ändern: mehr Variabilität, mehr Unberechenbarkeit, mehr taktische Intelligenz während des Spiels. Die WM-Gruppe und was auf Deutschland zukommt Deutschland trifft in der Vorrunde auf Japan, Kolumbien und Costa Rica — auf dem Papier eine machbare Gruppe, doch Japan hat in den letzten Jahren gezeigt, dass es technisch und taktisch zu den anspruchsvollsten Gegnern weltweit gehört. Japan selbst spielt übrigens in einem 4-2-3-1, das durch seine hohe Pressingintensität bekannt ist — genau das System, gegen das Nagelsmanns neue Dreierkette entwickelt wurde. Kolumbien wiederum setzt auf schnelles Umschaltspiel und verfügt mit James Rodríguez über einen Spielgestalter, der in großen Turnieren regelmäßig über sich hinauswächst. Costa Rica gilt als taktisch disziplinierter, aber physisch robuster Gegner. Nagelsmann hat betont, dass alle drei Gruppenspiele als Entwicklungsphase für das neue System begriffen werden sollen — ein Luxus, den er sich nur leisten kann, wenn die Ergebnisse stimmen. Wie die letzten Kaderentscheidungen vor dem Turnier aussehen, beleuchtet der Artikel zum DFB-Team vor Sommerpause: Nagelsmann rotiert durch. Spiel Datum Ergebnis System Tore (D) Gegentore Deutschland – Österreich (Testspiel) März 2026 3:1 3-4-2-1 3 1 Deutschland – Niederlande (Testspiel) März 2026 2:2 3-4-2-1 2 2 Deutschland – Italien (Testspiel) Mai 2026 2:0 3-4-2-1 2 0 Deutschland – Argentinien (Testspiel) Juni 2026 1:1 3-4-2-1 1 1 Bilanz neu (Dreierkette gesamt) 2026 2S / 1U / 1N 3-4-2-1 8 4 Fazit: Ein Experiment mit WM-Ernst Julian Nagelsmann hat sich mit der Einführung der Dreierkette kurz vor einem Weltturnier in Teilen Teilen X Facebook WhatsApp Link kopieren Wie findest du das? 🔥 0 😲 0 🤔 0 👍 0 😢 0 F Felix Braun Investigativ & Analyse Felix Braun recherchiert tief, wo andere an der Oberfläche bleiben. Er deckt Missstände auf, hinterfragt offizielle Aussagen und bringt Hintergründe ans Licht, die sonst verborgen blieben. 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