Bauchfett ist nicht gleich Bauchfett
Viszerales Fett, Organe, Herzrisiko: Dieses Video sollte jeder ab 35 gesehen haben
Wir haben uns diese Woche ein Video von Dr. Johannes Wimmer angehört — und müssen ehrlich sagen: Das hätte deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient. Es geht um einen Unterschied, den die meisten von uns gar nicht kennen, obwohl er unser Herzrisiko massiv beeinflusst. Bauchfett ist nicht gleich Bauchfett — und genau das erklärt der bekannte YouTube-Arzt mit beeindruckender Klarheit.
Warum wir dieses Video für jeden ab 35 wichtig finden

Dr. Wimmer hat sich in seinem neuesten Video einem Thema gewidmet, das in der öffentlichen Gesundheitsdiskussion viel zu kurz kommt: dem Unterschied zwischen subkutanem und viszeralem Bauchfett. Das klingt nach akademischem Kram — ist aber tatsächlich eine Frage, die Millionen Menschen in Deutschland betrifft. Laut Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) haben etwa 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen in Deutschland Übergewicht oder Adipositas — und ein erheblicher Teil davon kämpft mit Bauchfett. Aber eben nicht alle Arten von Bauchfett sind gleich problematisch.
Das Video richtet sich bewusst an Menschen mittleren Alters — und das macht Sinn. Denn ab Mitte 30 verändert sich der Stoffwechsel, die Hormonproduktion sinkt, und viszerales Fett baut sich schneller auf. Genau das ist der Punkt, wo viele Menschen plötzlich merken: „Moment, mein Bauch wird größer, obwohl ich gar nicht mehr esse."
Der entscheidende Unterschied: Subkutan vs. Viszeral

Hier wird es interessant. Dr. Wimmer erklärt im Video, dass es zwei grundsätzlich verschiedene Arten von Bauchfett gibt — und die haben völlig unterschiedliche Auswirkungen auf unsere Gesundheit.
Subkutanes Fett: Das „sichtbare" Problem
Das subkutane Fett sitzt direkt unter der Haut. Das ist das Fett, das ihr sehen könnt, wenn ihr in den Spiegel schaut — die Wölbung, die über den Hosenbund quillt. Es ist ästhetisch unangenehm, und ja, auch zu viel davon ist nicht gesund. Aber — und das ist wichtig — subkutanes Fett ist nicht das größte gesundheitliche Problem. Es ist eher ein optisches und psychologisches als ein unmittelbares Herzrisiko.
Viele Menschen trainieren und diäten monatelang, um genau dieses Fett loszuwerden. Und tatsächlich: Wenn man abnimmt, ist es oft das subkutane Fett, das früher auf Kaloriendefizit und Bewegung reagiert. Das ist psychologisch motivierend — und macht gleichzeitig deutlich, warum eine sinkende Zahl auf der Waage nicht automatisch bedeutet, dass das eigentlich gefährlichere Fett ebenfalls abnimmt.
Viszerales Fett: Der stille Killer
Viel gefährlicher ist viszerales Fett. Das sitzt nicht unter der Haut, sondern tief im Bauchraum — direkt an den Organen. Es lagert sich um Leber, Bauchspeicheldrüse, Darm und andere lebenswichtige Organe. Und hier wird es kritisch: Viszerales Fett ist metabolisch aktiv. Das bedeutet, es produziert aktiv Entzündungsstoffe und hormonähnliche Substanzen — sogenannte Adipokine —, die kontinuierlich in den Blutkreislauf gelangen.
Dr. Wimmer betont im Video, dass viszerales Fett über die Pfortader direkt mit der Leber verbunden ist. Das ist anatomisch bedeutsam, weil Entzündungsstoffe von dort direkt in die Leber gelangen und dort zu einer nicht-alkoholischen Fettleber führen können — auch bei Menschen, die gar nicht stark übergewichtig wirken. Ein Thema, das wir in unserem Artikel zur stillen Epidemie der Fettleber bereits ausführlich beleuchtet haben.
Auf einen Blick: Subkutanes vs. viszerales Bauchfett
| Merkmal | Subkutanes Fett | Viszerales Fett |
|---|---|---|
| Lage | Direkt unter der Haut | Tief im Bauchraum, um Organe |
| Sichtbarkeit | Sichtbar, tastbar | Von außen nicht erkennbar |
| Stoffwechselaktivität | Gering | Hoch (produziert Entzündungsstoffe) |
| Herzrisiko | Moderat | Deutlich erhöht |
| Messbar durch | Spiegel, Körperfettwaage | Bauchumfang, MRT, CT |
| Abbau durch Sport | Ja, aber langsam | Ja, reagiert gut auf Ausdauertraining |
Was uns bei den Fakten überrascht hat
Die Zusammenhänge, die Dr. Wimmer im Video aufzeigt, sind für viele kontraintuitiv — aber gut belegt.
Herzrisiko durch viszerales Fett
Eine Kernaussage des Videos: Menschen mit normalem BMI, aber viel viszeralem Bauchfett, können ein höheres kardiovaskuläres Risiko tragen als Menschen mit leichtem Übergewicht, aber wenig viszeralem Fett. Das ist wichtig, weil es zeigt, dass die klassische BMI-Berechnung allein kein verlässlicher Gesundheitsindikator ist. Forscher sprechen in diesem Zusammenhang von „TOFI" — Thin Outside, Fat Inside —, also Menschen, die äußerlich schlank wirken, innerlich aber erhebliche Fettdepots an den Organen tragen.
Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie weist darauf hin, dass viszerales Fett mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Typ-2-Diabetes und metabolisches Syndrom assoziiert ist. Besonders relevant: Die chronische Entzündungsreaktion, die viszerales Fett auslöst, begünstigt die Entstehung von Arteriosklerose — also die Verhärtung und Verengung der Blutgefäße.
Der Bauchumfang sagt mehr als die Waage
Was wir nach dem Video mit anderen Augen sehen: Der Bauchumfang ist ein deutlich aussagekräftigerer Risikomarker als das Körpergewicht allein. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt als Orientierungswerte:
- Frauen: Bauchumfang unter 80 cm gilt als risikoarm; über 88 cm als erhöhtes Risiko
- Männer: Unter 94 cm gilt als risikoarm; über 102 cm als erhöhtes Risiko
- Gemessen wird in der Mitte zwischen unterster Rippe und Beckenkamm, morgens nüchtern
- Die Messung sollte regelmäßig, mindestens einmal pro Quartal, wiederholt werden
Das klingt simpel — und das ist es auch. Kein teures Gerät, kein Arztbesuch notwendig. Einfach ein Maßband. Trotzdem machen es die wenigsten systematisch.
Was konkret gegen viszerales Fett hilft — laut aktueller Studienlage
Dr. Wimmer bleibt im Video nicht bei der Diagnose stehen, sondern gibt auch konkrete Hinweise. Das schätzen wir an seinem Format: keine Panikmache, sondern Handlungsoptionen. Wir haben die Empfehlungen mit der aktuellen Forschungslage abgeglichen.
Ausdauertraining schlägt Krafttraining — zumindest beim viszeralen Fett
Mehrere Studien, darunter eine viel beachtete Arbeit aus dem American Journal of Physiology, zeigen, dass Ausdauertraining viszerales Fett effektiver reduziert als reines Krafttraining. Das bedeutet nicht, dass Krafttraining sinnlos ist — im Gegenteil, es erhöht den Grundumsatz langfristig. Aber wer gezielt viszerales Fett abbauen will, sollte regelmäßig laufen, radfahren, schwimmen oder walken. Bereits 150 Minuten moderate Ausdaueraktivität pro Woche zeigen messbare Effekte.
Schlaf ist unterschätzter Faktor
Chronischer Schlafmangel erhöht den Cortisolspiegel — und Cortisol fördert gezielt die Einlagerung von viszeralem Fett. Wer regelmäßig weniger als sechs Stunden schläft, trägt laut einer Langzeitstudie der University of Leeds ein deutlich erhöhtes Risiko für viszerale Fettansammlungen, unabhängig von Ernährung und Bewegung. Ein Punkt, den Dr. Wimmer im Video ebenfalls anspricht — und der in der öffentlichen Diskussion noch immer unterschätzt wird.
Zucker und Alkohol sind die größten Treiber
Besonders fruktosereicher Zucker — wie er in Softdrinks, Fruchtsäften und vielen Fertigprodukten steckt — wird von der Leber bevorzugt in viszerales Fett umgewandelt. Ähnliches gilt für Alkohol: Auch moderate, aber regelmäßige Alkoholmengen fördern die Entstehung von Leberfett und viszeralem Fett überproportional. Das ist eine der wenigen Stellen, an denen wir im Video noch einen deutlicheren Hinweis vermisst haben — aber das Thema füllt einen eigenen Artikel.
Unser Fazit: Lohnt sich das Video?
Ja — eindeutig. Dr. Wimmer schafft es, ein medizinisch komplexes Thema so aufzubereiten, dass man nach 15 Minuten tatsächlich schlauer ist, ohne das Gefühl zu haben, einen Vortrag gehört zu haben. Was uns besonders gefällt: Er verteilt keine Schuldgefühle, sondern liefert Kontext. Viszerales Fett ist kein Versagen — es ist ein Stoffwechselphänomen, das sich mit den richtigen Maßnahmen beeinflussen lässt.
Was wir nach dem Video anders machen? Das Maßband liegt jetzt griffbereit. Und wir werden beim nächsten Gesundheitscheck gezielt nach dem Bauchumfang fragen — nicht nur nach dem BMI.
Wer das Thema vertiefen möchte, findet bei uns außerdem unseren ausführlichen Beitrag zur Fettleber sowie unsere Übersicht zu Risikofaktoren beim metabolischen Syndrom.
- Bundesgesundheitsministerium — bundesgesundheitsministerium.de
- Robert Koch-Institut — rki.de
- Ärzteblatt — aerzteblatt.de


















