Wirtschaft

Mietrecht: Über die Hälfte der privaten Vermieter denkt über Verkauf nach

Über die Hälfte der privaten Vermieter in Deutschland erwägt den Verkauf ihrer Immobilien aufgrund des strengen Mietrechts und des angespannten

Von Julia Schneider 8 Min. Lesezeit Aktualisiert: 25.06.2026
Mietrecht: Über die Hälfte der privaten Vermieter denkt über Verkauf nach
Das Wichtigste in Kürze
  • Die geplanten Verschärfungen des Mietrechts durch die Bundesregierung führen zu einem Umdenken bei privaten Vermietern
  • Einer aktuellen Erhebung zufolge erwägt mehr als die Hälfte von ihnen, ihre Wohnungen zu verkaufen
  • Experten warnen vor zusätzlichem Druck auf den angespannten Wohnungsmarkt

Mehr als die Hälfte der privaten Vermieter in Deutschland erwägt, ihre Immobilien zu verkaufen statt zu vermieten – das geht aus einer aktuellen Umfrage des Immobilienverbands IVD hervor, die im Mai 2026 veröffentlicht wurde. Die Ursache: ein Regulierungsklima, das Kleinvermieter zunehmend unter Druck setzt, während der ohnehin angespannte Wohnungsmarkt weiter an Substanz verliert.

Alarmierende Verkaufsbereitschaft unter Kleinvermietern

Laut der IVD-Erhebung gaben 54 Prozent der befragten privaten Vermieter an, ernsthaft über einen Verkauf ihrer Mietobjekte nachzudenken. Weitere 18 Prozent haben entsprechende Schritte bereits eingeleitet oder Verkaufsberatungen in Anspruch genommen. Das Bild, das sich daraus ergibt, ist eindeutig: Die Bereitschaft, privates Kapital dauerhaft im Mietwohnungsmarkt zu binden, sinkt rapide. Für einen Markt, der zu rund 60 Prozent von Privatpersonen mit wenigen Einheiten getragen wird, ist das eine strukturelle Zeitbombe.

▶ Auf einen Blick
  • Über die Hälften der privaten Vermieter in Deutschland erwägen den Verkauf ihrer Immobilien.
  • Die Regulierungslage und der angespannte Wohnungsmarkt treiben diese Entscheidung voran.
  • Die Umwandlung von Mietwohnungen in Eigentumswohnungen beschleunigt sich und gefährdet das Angebot.

Der Deutsche Mieterbund hat die Zahlen zunächst relativiert und argumentiert, dass Verkäufe nicht automatisch zu weniger Mietwohnungen führen müssen, weil neue Eigentümer ebenfalls vermieten könnten. Allerdings zeigen aktuelle Daten des Statistischen Bundesamts, dass die Umwandlungsrate von Miet- in Eigentumswohnungen in Großstädten derzeit auf einem Zehnjahreshoch liegt. Der Netto-Effekt auf das verfügbare Mietangebot ist damit eindeutig negativ.

Wer sind die betroffenen Vermieter?

Private Kleinvermieter, also Eigentümer von ein bis vier Wohneinheiten, stellen nach Angaben des ifo Instituts rund 15 Millionen Mietverhältnisse in Deutschland bereit – das entspricht fast zwei Dritteln aller Mietwohnungen außerhalb des sozialen Wohnungsbaus (Quelle: ifo Institut). Diese Gruppe ist strukturell anders aufgestellt als institutionelle Investoren oder Wohnungsbaugesellschaften: Sie verfügen über geringere Rücklagen, sind stärker auf Mieteinnahmen zur Eigenvorsorge angewiesen und reagieren sensibler auf regulatorische Eingriffe.

Das Durchschnittsalter dieser Vermietergruppe liegt laut Umfragedaten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) bei 58 Jahren. Viele nähern sich dem Rentenalter und überdenken ohnehin ihre Vermögensstrategie. Werden Regulierung und Renditeerwartung als nicht mehr kompatibel erlebt, ist der Ausstieg aus dem Vermietungsgeschäft eine naheliegende Konsequenz – mit weitreichenden Folgen für das Angebot.

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Renditeerwartungen brechen weg

Die Nettomietrenditen in deutschen Großstädten sind in den vergangenen Jahren erheblich unter Druck geraten. Zwischen steigenden Instandhaltungskosten, energetischen Sanierungspflichten und gedeckelten Mieterhöhungsmöglichkeiten ergibt sich für viele Vermieter eine strukturelle Renditequetsche. Das DIW Berlin hat in seiner aktuellen Wohnungsmarktstudie errechnet, dass die Realrendite für private Vermieter in angespannten Wohnungsmärkten im Schnitt auf unter zwei Prozent gesunken ist – bei gleichzeitig erhöhtem Verwaltungsaufwand und regulatorischem Risiko (Quelle: DIW Berlin).

Die Koalitionspläne und ihre Marktfolgen

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Die Bundesregierung hat im Frühjahr dieses Jahres ein Maßnahmenpaket zur Regulierung des Mietmarkts angekündigt. Im Kern geht es um eine Verschärfung der Mietpreisbremse, eine Ausweitung der Kappungsgrenzen auf nahezu alle Regionen sowie verschärfte Auflagen für Modernisierungsumlagen. Vermieter sollen künftig bei Modernisierungen maximal sechs Prozent der Kosten pro Jahr auf die Miete umlegen dürfen – bislang lag diese Grenze bei acht Prozent. Hinzu kommen strengere Anforderungen an den Energieausweis beim Neuabschluss von Mietverträgen.

Ökonomen und Immobilienwirtschaft haben diese Pläne einhellig kritisiert. Der Immobilienverband ZIA warnt, dass durch die geplante Senkung der Modernisierungsumlage der finanzielle Anreiz zur energetischen Sanierung weitgehend entfiele – mit direkt negativen Konsequenzen für Klimaziele und Wohnqualität. Das ifo Institut hat in einer Stellungnahme gegenüber dem Bundesbauministerium darauf hingewiesen, dass Mietpreisregulierungen historisch dazu neigen, das Angebot zu reduzieren statt die Bezahlbarkeit langfristig zu sichern (Quelle: ifo Institut München).

Zur politischen Einordnung: Die aktuell regierende Koalition steht unter erheblichem Legitimationsdruck. Die Positionierung der Bundesregierung unter Kanzler Merz in wirtschaftspolitischen Grundfragen ist dabei nicht auf den Mietmarkt beschränkt – der Konflikt zwischen regulatorischen Ambitionen und marktwirtschaftlichen Erfordernissen durchzieht mehrere Politikfelder.

Wohnungsbau als eigentliche Baustelle

Während die politische Debatte um Mieter- und Vermieterrechte kreist, rückt der strukturelle Kern des Problems immer weiter in den Hintergrund: Deutschland baut zu wenig. Das Statistische Bundesamt meldete für das erste Quartal dieses Jahres erneut rückläufige Baugenehmigungszahlen – der Rückgang im Mehrfamilienhausbau gegenüber dem Vorjahreszeitraum beträgt knapp 14 Prozent. Der Zielkorridor der Bundesregierung von 400.000 neuen Wohneinheiten pro Jahr ist damit in weite Ferne gerückt; Branchenexperten gehen für 2026 von real fertiggestellten Wohnungen weit unter 250.000 aus (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Das Paradox der aktuellen Wohnungspolitik ist offensichtlich: Auf der einen Seite will die Koalition Mieter durch Regulierung schützen, auf der anderen Seite schreckt dieselbe Regulierung jene ab, die das Angebot bereitstellen. Ohne ausreichendes Angebot lässt sich Wohnraum auf Dauer nicht bezahlbar halten – das ist ökonomischer Grundkonsens, der sich auch politisch nicht wegregulieren lässt.

Soziale Wohnungsbaugesellschaften als Lückenbüßer?

Als Reaktion auf den Rückzug privater Vermieter wird vielerorts auf kommunale und gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaften verwiesen. Doch auch diese stehen unter erheblichem Finanzdruck: Gestiegene Baukosten, hohe Zinsen für Refinanzierungen und knappe kommunale Haushalte begrenzen deren Handlungsspielraum. Eine vollständige Substitution privater Vermieter durch gemeinnützige Träger ist weder kurz- noch mittelfristig realistisch.

Konjunkturindikator: Der ifo-Geschäftsklimaindex für die Wohnungswirtschaft liegt im Mai 2026 bei –18,4 Punkten – der dritte negative Monat in Folge. Besonders die Erwartungskomponente trübt sich ein: Nur 11 Prozent der befragten Immobilienunternehmen rechnen mit einer Verbesserung der Lage in den kommenden sechs Monaten. Als Hauptbelastungsfaktoren nennen die Unternehmen regulatorische Unsicherheit, stagnierende Baugenehmigungen und schwächelnde Investitionsbereitschaft im privaten Segment. (Quelle: ifo Institut)

Wer profitiert, wer verliert

Die Verschiebungen am Mietmarkt erzeugen klare Gewinner und Verlierer – und diese sind nicht immer dort zu finden, wo die politische Intuition sie vermutet.

Gewinner: Institutionelle Investoren und Eigentümer

Wenn private Kleinvermieter ihre Objekte verkaufen, kaufen sie jemand anderes. Professionelle Bestandshalter, Family Offices und große Wohnungsportfoliogesellschaften profitieren von der erhöhten Verkaufsbereitschaft privater Eigentümer – oft zu vergleichsweise moderaten Einstiegspreisen, da viele private Verkäufer schnell abwickeln wollen. Langfristig führt diese Konsolidierung zu einer stärkeren Marktmacht weniger Akteure, was die Verhandlungsposition von Mietern strukturell schwächen kann.

Ebenfalls im Vorteil: wer bereits Wohneigentum besitzt. In einem Markt mit schrumpfendem Mietwohnungsangebot steigt der Wert von Bestandsimmobilien strukturell. Immobilienbesitz als Vermögensanlage gewinnt damit genau in dem Moment an Attraktivität, in dem er politisch stärker reguliert wird – ein klassischer regulatorischer Widerspruch.

Verlierer: Mieter ohne Bestandsschutz und Wohnungssuchende

Wer heute eine neue Wohnung sucht, erlebt die Folgen des sinkenden Angebots unmittelbar. Die Zahl der Angebote auf den großen Immobilienportalen ist laut Statista im Jahresvergleich in den sieben größten deutschen Städten um durchschnittlich 21 Prozent zurückgegangen (Quelle: Statista). Die Konkurrenz um verfügbare Wohnungen wächst, und bestehende Regulierungen helfen ausschließlich jenen, die bereits einen Mietvertrag haben.

Besonders betroffen sind Berufseinsteiger, Studierende, Geringverdiener und Haushalte in der Migrationsgesellschaft, die überdurchschnittlich häufig auf dem freien Mietwohnungsmarkt nach Wohnraum suchen. Für sie verschlechtert sich die Lage trotz – oder gerade wegen – zunehmender Regulierung.

Wer seine Rechte als Mieter kennen möchte, findet Orientierung im Überblick zu Mietrecht und den Rechten von Mietern. Außerdem relevant: Mieter dürfen nach der Vormiete fragen – ein wichtiges Instrument zur Überprüfung von Mietpreisanforderungen bei Neuvermietungen.

Indikator Aktueller Wert (2026) Vergleichswert (2023) Veränderung
Private Vermieter mit Verkaufsabsicht 54 % 31 % +23 Prozentpunkte
Baugenehmigungen Mehrfamilienhäuser (Q1) ca. 28.400 ca. 33.100 –14,2 %
Fertiggestellte Wohnungen (Prognose Gesamtjahr) ca. 240.000 ca. 295.000 –18,6 %
Wohnungsangebote Großstädte (Online, YoY) –21 % –8 % Beschleunigung
Nettomietrendite Privatvermieter (Ø) ca. 1,8 % ca. 2,9 % –1,1 Prozentpunkte
ifo-Geschäftsklimaindex Wohnungswirtschaft –18,4 Punkte –6,1 Punkte Deutliche Eintrübung

Regulierung versus Anreiz: Der ordnungspolitische Grundkonflikt

Der Wohnungsmarkt ist ein klassisches Beispiel für die Grenzen staatlicher Regulierung in Märkten mit langen Investitionszyklen. Wohnungsbau bindet Kapital über Jahrzehnte; Regulierungsrisiken werden daher besonders stark diskontiert. Ökonomen der Bundesbank haben in ihrem aktuellen Monatsbericht explizit darauf hingewiesen, dass Regulierungseingriffe in Mietmärkte dann kontrakproduktiv werden, wenn sie die Angebotselastizität dauerhaft senken – also wenn Investoren auf Unsicherheit mit Enthaltung reagieren (Quelle: Deutsche Bundesbank).

Das ist genau die Situation, die sich derzeit abzeichnet. Nicht nur private Kleinvermieter, auch institutionelle Projektentwickler zögern mit neuen Mietwohnungsprojekten. Die Risikoprämien im Bereich Wohnimmobilien sind gestiegen; viele Projektentwickler weichen auf Gewerbeimmobilien oder andere Assetklassen aus.

Alternative Instrumente werden kaum diskutiert

Dabei existieren ordnungspolitische Alternativen, die in anderen europäischen Ländern erprobt werden: steuerliche Anreize für Vermieter, die langfristige und bezahlbare Mietverträge abschließen, beschleunigte Baugenehmigungsverfahren durch Digitalisierung und Standardisierung, oder geförderte Zwischenerwerbsmodelle, bei denen Kommunen Wohnungen von verkaufswilligen Privatvermietern ankaufen, um sie im Mietmarkt zu halten. Solche Ansätze finden sich in den aktuellen Koalitionsplänen kaum wieder.

In diesem Zusammenhang ist auch der digitale Wandel in der Finanzberatung relevant: KI-gestützte Finanzagenten könnten künftig auch privaten Vermietern helfen, komplexe steuerliche und renditeoptimierte Entscheidungen schneller zu treffen – ein Potenzial, das bislang vor allem institutionellen Akteuren zugute kommt.

Steuerliche Dimension: Was ein Verkauf bedeutet

Wer seine Mietwohnung verkauft, muss die steuerliche Seite im Blick behalten. Liegt der Verkauf innerhalb der Zehnjahresfrist nach Erwerb, fällt Spekulationssteuer auf den Gewinn an – und bei gestiegenen Immobilienpreisen der vergangenen Jahre kann das einen erheblichen Steuerbetrag bedeuten. Für Vermieter, die den Ausstieg erwägen, ist die steuerliche Planung daher zentral. Ähnliche Überlegungen gelten übrigens für andere Wertspeicher: Wer etwa über Edelmetalle als Alternative nachdenkt, sollte sich mit den steuerlichen Implikationen vertraut machen – was das Finanzamt beim Goldverkauf erfährt, ist dabei oft nicht bekannt.

Für Vermieter, die noch unsicher sind, welche konkreten Rechte und Pflichten im laufenden Mietverhältnis bestehen, lohnt der Blick auf die rechtlichen Grundlagen: Was Mieter wissen müssen – ein Überblick, der auch für Vermieter als Referenzpunkt nützlich ist, um eigene Pflichten einzuordnen.

Steuereinnahmen als politische Nebenwirkung

Die fiskalische Dimension des Vermietungsrückzugs ist politisch kaum thematisiert, aber relevant: Wenn private Kleinvermieter verkaufen, fallen Spekulationssteuereinnahmen an – kurzfristig profitiert der Fiskus. Mittel- und langfristig jedoch sinken die laufenden Steuereinnahmen aus Mieteinnahmen, und die sozialpolitischen Kosten der verschlechterten Wohnraumversorgung steigen. Das ist kein nachhaltiger fiskalischer

EinordnungDie Umfrage zeigt eine wachsende Verkaufsbereitschaft privater Vermieter, was die Mietwohnungsversorgung in Deutschland gefährdet. Die steigende Nachfrage nach Eigentumswohnungen verstärkt diesen Effekt.
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ZenNews24 RedaktionUnabhängige Nachrichtenredaktion · Schwerpunkt: Wirtschaft
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Julia Schneider
Gesellschaft & International

Julia Schneider schreibt über gesellschaftliche Trends, internationale Konflikte und humanitäre Themen. Sie hat als Auslandskorrespondentin aus Brüssel und Wien berichtet.

Quelle: Handelsblatt
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