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Sennder: Wie ein Berliner Startup den europäischen Frachtmarkt digitalisiert

Die digitale Frachtplattform aus Berlin vernetzt Verlader und Spediteure und hat mit über einer Milliarde Euro Umsatz Unicorn-Status erreicht

Von ZenNews24 Redaktion 4 Min. Lesezeit
Sennder: Wie ein Berliner Startup den europäischen Frachtmarkt digitalisiert
Das Wichtigste in Kürze
  • Sennder aus Berlin hat den analogen europäischen Frachtmarkt digitalisiert
  • Die Plattform verknüpft Verlader und Spediteure in Echtzeit, hat Unicorn-Status erreicht und über eine Milliarde Euro Umsatz erzielt

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Das Unternehmen: Logistik im digitalen Zeitalter

Sennder wurde 2015 von David Nothacker, Julius Köhler und Nicolaus Schefenacker in Berlin gegründet. Die Gründer hatten die Logistikbranche aus erster Hand kennengelernt und waren fassungslos über das Ausmaß der Ineffizienz: Ein Markt mit einem Volumen von hunderten Milliarden Euro, in dem Aufträge per Telefon und Fax vergeben werden, Lkw zu 30 Prozent leer fahren und Spediteure wochenlang auf ihre Zahlungen warten.

Sennder hat eine digitale Plattform gebaut, die Verlader — also Unternehmen, die Güter transportieren lassen — direkt mit Speditionen verbindet. Statt teurer Vermittler, langer Telefonate und unklarer Preise bietet Sennder Echtzeit-Preise, digitale Frachtbriefe, GPS-Tracking und schnelle Zahlung. Das Ergebnis: niedrigere Kosten für Verlader, höhere Auslastung für Spediteure und weniger Leerfahrten auf Europas Straßen.

Das Geschäftsmodell: Marktplatz plus Managed Service

Sennder operiert auf zwei Ebenen: als digitaler Marktplatz, auf dem Verlader Frachten ausschreiben und Spediteure Gebote abgeben können, und als Full-Service-Anbieter, der Transporte von A bis Z managt. Im Managed-Service-Modell übernimmt Sennder die gesamte Kommunikation, Dokumentation und Abrechnung — und garantiert dem Verlader feste Preise und Kapazitäten.

Die Marge im Frachtmarkt ist traditionell dünn, aber Sennder setzt auf Volumen: Mit tausenden Transporten täglich in über 40 Ländern generiert das Unternehmen erhebliche Datenmassen, die für Routenoptimierung, Preisvorhersage und Kapazitätsplanung genutzt werden. Diese Datenbasis ist ein langfristiger Wettbewerbsvorteil gegenüber kleinen Spediteuren, die keine vergleichbaren Informationen besitzen.

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Der Innovationsfaktor: KI-gestützte Frachtoptimierung

Sennder investiert massiv in KI-Algorithmen, die Frachten optimal aufteilen, Touren planen und Preise dynamisch anpassen. Maschinelles Lernen auf historischen Transportdaten ermöglicht Preisvorhersagen, die sowohl für Verlader als auch für Spediteure fair sind. Das System lernt aus jeder abgewickelten Fracht und wird mit der Zeit präziser.

Ein weiterer Innovationsbereich ist die Elektrifizierung des Fuhrparks: Sennder hat Partnerschaften mit E-Lkw-Herstellern wie Volvo und Mercedes-Benz Trucks geschlossen und baut ein Netzwerk von Ladepunkten entlang der Hauptrouten auf. Das Ziel ist, bis 2030 einen signifikanten Teil der über die Plattform abgewickelten Transporte auf Elektroantrieb umzustellen.

Marktposition: Europas führende digitale Frachtplattform

Mit über einer Milliarde Euro Umsatz und Unicorn-Status ist Sennder die führende digitale Frachtplattform in Europa. Das Unternehmen hat 2021 die Poste Italiane-Tochter Milkman übernommen und sich damit im wichtigen italienischen Markt verstärkt. Wichtige Kunden sind BASF, Henkel, Procter & Gamble und weitere multinationale Konzerne, die ihre europäischen Lieferketten über Sennder abwickeln.

Die Konkurrenz durch Amazon Freight, DHL und traditionelle Speditionsnetzwerke ist real, aber Sennder hat durch seine Technologieführerschaft und das Netzwerkeffekt der Plattform eine starke Position aufgebaut. Je mehr Verlader und Spediteure die Plattform nutzen, desto besser werden die Matchingalgorithmen und desto attraktiver wird das Angebot.

Ausblick: Multimodaler Transport und Dekarbonisierung

Sennder arbeitet an der Erweiterung auf multimodalen Transport: Kombinationen aus Lkw, Schiene und Binnenschifffahrt, die noch effizienter und CO₂-ärmer sind als reine Straßentransporte. Die Plattform soll mittelfristig den gesamten Landseitenverkehr in Europa abdecken — vom Kleinsttransport bis zur vollbeladenen Trailerload. Ein Börsengang oder eine strategische Partnerschaft mit einem globalen Logistikkonzern gilt als nächster Schritt.

Die Technologie hinter dem Netzwerk

Sennder ist primär ein Technologieunternehmen, das zufällig in der Logistikbranche tätig ist. Die eigens entwickelte TMS-Plattform (Transportation Management System) verbindet Verlader und Spediteure in Echtzeit: Frachtanfragen werden automatisch mit verfügbaren Kapazitäten abgeglichen, Preise werden algorithmisch berechnet, und Tracking-Daten aus GPS-Systemen der Fahrzeuge fließen direkt in das Dashboard der Verlader. Der Effekt ist eine Transparenz, die in der traditionellen Frachtbranche schlicht nicht existierte — Verlader können erstmals in Echtzeit sehen, wo ihre Ware ist, und Spediteure können ihre Leerfahrten systematisch reduzieren. Letzteres allein hat erhebliche ökologische Relevanz: Jede vermiedene Leerfahrt spart mehrere hundert Kilogramm CO₂.

Marktposition und die Konsolidierung der europäischen Logistik

Sennder ist nicht das einzige Unternehmen, das den europäischen Frachtmarkt digitalisieren will. Konkurrenten wie Forto, Transporeon (Trimble) und die US-amerikanische Convoy haben ähnliche Modelle entwickelt. Was Sennder auszeichnet, ist die Breite des Netzwerks: Mit über 20.000 aktiven Spediteuren und Präsenz in mehr als 20 europäischen Ländern ist das Unternehmen einer der wenigen Anbieter, der grenzüberschreitende Transporte innerhalb Europas vollständig digital abwickeln kann. Die Übernahme von Everoad (Frankreich) und Uber Freight Europe (europäischer Geschäftsbereich) hat die Position weiter gestärkt und Sennder zu einem der führenden digitalen Frachtbroker des Kontinents gemacht.

Nachhaltigkeit und die Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs

Der Straßengüterverkehr ist einer der größten CO₂-Emittenten in Europa und gleichzeitig einer der schwierigsten zu dekarbonisieren: Anders als Pkw lassen sich Lkw nicht einfach elektrifizieren, da Reichweite und Ladeinfrastruktur noch erhebliche Hürden darstellen. Sennder hat deshalb einen pragmatischen Zwischenweg gewählt: Die Optimierung bestehender Diesel-Flotten durch Leerfahrtenreduzierung und Routenoptimierung. Das Unternehmen berichtet, dass durch die effizientere Auslastung seiner Transporte im Schnitt rund 20 Prozent weniger Kraftstoff pro Frachteinheit verbraucht wird. Parallel kooperiert Sennder mit Herstellern alternativer Antriebe — Wasserstoff-Lkw von Hyzon und batterie-elektrische Fahrzeuge von Volta Trucks sind Teil von Pilotprogrammen — um den Übergang zur emissionsfreien Logistik aktiv zu gestalten.

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