ZenNews24› Digital› Software Testing: Der Blaue Engel für Software Digital Software Testing: Der Blaue Engel für Software Das deutsche Umweltsiegel geht digital: Was der Blaue Engel für Software bedeutet – und welche Kriterien Entwickler erfüllen müssen. Von ZenNews24 Redaktion 14.05.2026, 08:02 Uhr 4 Min. Lesezeit Aktualisiert: 14.05.2026 Das Wichtigste in Kürze Der Blaue Engel ist eines der ältesten und angesehensten Umweltsiegel DeutschlandsBei Produkten wie Papier, Möbeln oder Reinigungsmitteln ist er längst etabliert – doch seit 2024 gibt es eine Erweiterung, die viele übersehen: die Zertifizierung für nachhaltige SoftwareRichard Seidl,… Der Blaue Engel ist eines der ältesten und angesehensten Umweltsiegel Deutschlands. Bei Produkten wie Papier, Möbeln oder Reinigungsmitteln ist er längst etabliert – doch seit 2024 gibt es eine Erweiterung, die viele übersehen: die Zertifizierung für nachhaltige Software. Richard Seidl, Softwareentwickler und Nachhaltigkeitsberater, und Anita Schüttler, Expertin für digitale Nachhaltigkeit, erklären, was das Siegel taugt und was es für Verbraucher sowie Unternehmen konkret bedeutet. Der Blaue Engel für Software – Kerndaten Gültig seit: 2024 (Kriterienstandard RAL-UZ 215, überarbeitet) Kriterien: Energieeffizienz, Sicherheit, Langlebigkeit, Ressourcenschonung Vergeben durch: Umweltbundesamt und RAL gGmbH Geltungsbereich: Desktop- und Mobile-Anwendungen (Cloud-Anwendungen derzeit in gesonderter Prüfung) Zertifizierte Anwendungen: Rund 20 Software-Produkte (Stand: Frühjahr 2025) Prüfdauer: Typischerweise 6 bis 18 Monate pro Produkt Ein Umweltsiegel für die digitale Welt Die digitale Transformation ist allgegenwärtig – doch über die Umweltauswirkungen von Software wird kaum gesprochen. Dabei verursacht jedes Programm, jede App und jeder Cloud-Dienst CO₂-Emissionen: durch den Energieverbrauch auf Servern, Computern und Smartphones. Studien des Umweltbundesamts schätzen, dass der IKT-Sektor in Deutschland für rund vier Prozent des nationalen Stromverbrauchs verantwortlich ist – Tendenz steigend. ▶ Auf einen BlickSeit 2024 vergibt der Blaue Engel erstmals Zertifikate für nachhaltige Software basierend auf Energieeffizienz und Ressourcenschonung.Der IKT-Sektor verursacht etwa vier Prozent des deutschen Stromverbrauchs, Software-Umweltauswirkungen waren bislang intransparent.Bislang sind rund 20 Software-Produkte zertifiziert, die Prüfung dauert typischerweise 6 bis 18 Monate pro Anwendung. Hier setzt der Blaue Engel für Software an. Das Konzept erweitert das bewährte deutsche Umweltzeichen erstmals auf den digitalen Sektor. „Verbraucher schauen beim Kauf eines Laptops auf Energielabels und Zertifikate", erklärt Schüttler. „Aber welche Software läuft darauf? Welche Anwendung ist wirklich ressourcenschonend? Das war bislang ein blinder Fleck." Das Siegel soll Transparenz schaffen – und setzt voraus, dass Software nachweislich energieeffizient, sicher und langlebig ist. Die Kriterien: Was macht Software zertifizierungsfähig? Das Zertifizierungsverfahren ist anspruchsvoll und mehrstufig. Seidl beschreibt den Ansatz: „Es geht nicht nur um den direkten Stromverbrauch im Betrieb. Wir schauen auf die gesamte Lebenszyklusbetrachtung – von der Entwicklung über den Betrieb bis zur Ablösung." Die Kriterien gliedern sich in vier Kernbereiche. Energieeffizienz und Performance Software muss ihren Zweck erfüllen, ohne Rechenleistung zu verschwenden. Konkret bedeutet das: Unnötige Hintergrundprozesse sind unzulässig, Code-Optimierung ist verpflichtend, und der RAM-Verbrauch darf technisch nicht begründbare Grenzen nicht überschreiten. Bei mobilen Anwendungen ist das besonders kritisch: Jede Sekunde unnötiger CPU-Aktivität belastet den Akku – und verursacht indirekt CO₂-Emissionen, solange der Ladestrom nicht aus erneuerbaren Quellen stammt.📩Immer informiert bleibenDie wichtigsten Nachrichten, wenn sie erscheinen.Newsletter holen Der Standard schreibt zudem vor, dass Software auf älterer Hardware lauffähig bleiben muss, sofern dies technisch zumutbar ist. Damit soll verhindert werden, dass Softwareupdates Nutzer faktisch zu Hardware-Neukäufen zwingen – ein Mechanismus, den Kritiker als „Software-induzierte Obsoleszenz" bezeichnen.Bildmaterial: ZenNews24 Mediathek Sicherheit und Datenschutz Nachhaltige Software ist auch sichere Software – dieser Zusammenhang ist enger, als er auf den ersten Blick wirkt. Sicherheitslücken führen zu Datenverlust, Ransomware-Angriffen und im schlimmsten Fall zur vollständigen Neuinstallation ganzer IT-Infrastrukturen. Das bedeutet Mehraufwand, zusätzlichen Energieverbrauch und Umweltbelastung. Der Blaue Engel verlangt daher regelmäßige Sicherheitsupdates über einen definierten Mindestzeitraum, transparente Datenverarbeitung sowie die Einhaltung der DSGVO. Dass Sicherheit und Nachhaltigkeit zusammengedacht werden müssen, zeigt auch der wachsende Bereich barrierefreie Softwareentwicklung, in dem ähnliche Qualitätsstandards greifen. Langlebigkeit und Wartbarkeit „Eine Software ist nur dann nachhaltig, wenn sie lange läuft", betont Schüttler. Das setzt voraus: lesbarer und wartbarer Code, klar dokumentierte Abhängigkeiten sowie Kompatibilität über mehrere Betriebssystemversionen hinweg. Software, die nach drei Jahren auf aktuellen Systemen nicht mehr lauffähig ist, treibt Nutzer zu Neukäufen und erzeugt Elektroschrott – das Gegenteil von Nachhaltigkeit. Der Standard fordert konkret, dass Hersteller einen Wartungszeitraum von mindestens fünf Jahren zusichern und innerhalb dieser Zeit kritische Sicherheitspatches liefern. Für Unternehmen, die auf proprietäre Lösungen setzen, kann das eine erhebliche strategische Verpflichtung darstellen. Minimale Ressourcennutzung Technisch bedeutet das: keine unnötigen Datenübertragungen, keine ständigen Hintergrund-Synchronisierungsprozesse, keine aufgeblähten Bibliotheken. Schüttler nennt es einen Paradigmenwechsel: „Lange galt: Je mehr Features, desto besser. Jetzt heißt das Gegenmodell: Je schlanker und zielgerichteter, desto nachhaltiger." Das spiegelt sich auch in der wachsenden Debatte über Green Coding und energieeffiziente Softwareentwicklung wider, die in der Entwickler-Community zunehmend an Fahrt gewinnt. Was bedeutet das Siegel für Verbraucher und Unternehmen? Für Privatnutzer bietet das Zertifikat eine verlässliche Orientierung in einem Markt, der bislang kaum vergleichbare Qualitätsmerkmale für digitale Produkte kannte. Wer künftig beim Software-Kauf auf das Siegel achtet, wählt Anwendungen, die länger laufen, weniger Ressourcen verbrauchen und besser gepflegt werden. Für Unternehmen wiederum kann die Zertifizierung zum Wettbewerbsvorteil werden – insbesondere im öffentlichen Sektor, wo Nachhaltigkeitskriterien bei der Vergabe von IT-Aufträgen zunehmend eine Rolle spielen. Der Blaue Engel für Software steht damit am Beginn einer Entwicklung, die weit über ein einzelnes Label hinausgeht. Wenn digitale Produkte denselben Nachhaltigkeitsstandards unterliegen wie physische Güter, verändert das die Anreizstruktur der gesamten Softwarebranche. Hersteller, die heute in ressourcenschonende Entwicklung investieren, dürften morgen die Nase vorn haben – sowohl regulatorisch als auch beim wachsenden Kreis umweltbewusster Käufer. Mehr zum ThemaElektroauto-Software: Wenn Over-the-Air-Updates schadenNVIDIA: Die unwahrscheinlichste Erfolgsgeschichte der Tech-WeltWarum Deutschland beim Digitalen immer hinterherhinkt EinordnungDas neue Zertifikat schließt eine Informationslücke bei der Auswahl energieeffizienter Anwendungen. Für Verbraucher und Unternehmen bietet es erstmals verlässliche Orientierung beim Softwarekauf. ZZenNews24 RedaktionUnabhängige Nachrichtenredaktion · Schwerpunkt: Technologie 📱QR-Code GeneratorErstelle kostenlos deinen eigenen QR-Code.QR-Code erstellen → Teilen Teilen X Facebook WhatsApp Link kopieren Wie findest du das? 🔥 0 😲 0 🤔 0 👍 0 😢 0 technologie Z ZenNews24 Redaktion Redaktion Die ZenNews24-Redaktion berichtet rund um die Uhr über die wichtigsten Ereignisse aus Deutschland und der Welt. Unsere Journalistinnen und Journalisten recherchieren, analysieren und ordnen ein — unabhängig und verlässlich. 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