Finanzen

Hauskauf-Nebenkosten: Was viele unterschätzen

Grunderwerbsteuer, Notar, Makler — der echte Preis

Von ZenNews24 Redaktion 6 Min. Lesezeit Aktualisiert: 08.05.2026
Hauskauf-Nebenkosten: Was viele unterschätzen

Der Kauf eines Hauses ist eine der größten Finanzentscheidungen des Lebens. Doch während angehende Eigentümer sich intensiv mit der Höhe des Kaufpreises und den Hypothekenzinsen auseinandersetzen, bleibt ein entscheidender Kostenfaktor oft im Nebel: die Nebenkosten. Diese zusätzlichen Ausgaben summieren sich schnell zu fünf- oder sechsstelligen Beträgen und sprengen regelmäßig Budgets, die nicht sorgfältig kalkuliert wurden. Dieser Artikel führt Sie durch die wichtigsten Hauskauf-Nebenkosten und zeigt, wie Sie realistisch planen.

Die fünf großen Kostenfaktoren beim Hauskauf

Beim Erwerb einer Immobilie entstehen neben dem reinen Kaufpreis mehrere bedeutende Kostenpositionen. Diese sind in Deutschland relativ standardisiert, unterscheiden sich aber je nach Bundesland, Kaufpreis und individueller Situation erheblich. Die wichtigsten Komponenten sind die Grunderwerbsteuer, die Maklergebühren, die Notarkosten, die Grundbuchgebühren sowie mögliche Umbauten und Sanierungen. Wer diese Posten nicht von Anfang an einplant, riskiert eine gefährliche Finanzierungslücke.

Grunderwerbsteuer: Der größte Posten

Die Grunderwerbsteuer (GrESt) ist in der Regel die größte Einzelposition bei den Nebenkosten. Sie wird auf den Kaufpreis des Grundstücks einschließlich aller wesentlichen Bestandteile erhoben und entsteht mit der notariellen Beurkundung des Kaufvertrags. Diese Steuer ist nicht vermeidbar – sie ist eine Pflichtabgabe, die an das jeweilige Bundesland zu entrichten ist.

Die Steuersätze unterscheiden sich je nach Bundesland erheblich. Bayern und Sachsen erheben mit 3,5 Prozent den bundesweit niedrigsten Satz. Baden-Württemberg liegt bei 5,0 Prozent. Berlin und Brandenburg berechnen 6,0 Prozent. Nordrhein-Westfalen, das Saarland, Schleswig-Holstein und Thüringen verlangen mit 6,5 Prozent den höchsten Satz. Hamburg liegt bei 5,5 Prozent (Stand: 2024). Ein Blick auf diese Unterschiede lohnt sich bei der Standortentscheidung, denn die Differenz kann bei hohen Kaufpreisen mehrere Tausend Euro ausmachen.

Betrachten wir ein konkretes Beispiel: Ein Ehepaar kauft in München ein Einfamilienhaus für 850.000 Euro. Die Grunderwerbsteuer beträgt in Bayern 3,5 Prozent, also 29.750 Euro. Hätte dieses Paar dieselbe Immobilie in Berlin erworben, wären es 6,0 Prozent × 850.000 Euro = 51.000 Euro geworden – ein Unterschied von über 21.000 Euro. In Schleswig-Holstein würden sogar 55.250 Euro fällig. Diese Differenzen beeinflussen die Gesamtfinanzierung erheblich und sollten bei der Standortwahl bewusst mitgedacht werden.

Bundesland Steuersatz Steuer bei 850.000 €
Bayern 3,5 % 29.750 €
Sachsen 3,5 % 29.750 €
Hamburg 5,5 % 46.750 €
Baden-Württemberg 5,0 % 42.500 €
Berlin 6,0 % 51.000 €
Brandenburg 6,0 % 51.000 €
Nordrhein-Westfalen 6,5 % 55.250 €
Schleswig-Holstein 6,5 % 55.250 €
Thüringen 6,5 % 55.250 €
Saarland 6,5 % 55.250 €

Maklergebühren: Verhandelbar, aber oft unterschätzt

Die Maklergebühren bilden den zweiten großen Kostenblock. Seit der Reform des Maklerrechts im Dezember 2020 gilt in Deutschland: Wer den Makler beauftragt, trägt mindestens die Hälfte der Provision. Beauftragt also der Verkäufer den Makler, darf der Käufer höchstens denselben Betrag zahlen wie der Verkäufer – eine Schutzregelung, die viele Käufer noch immer nicht kennen.

Die übliche Gesamtprovision liegt zwischen 5,95 und 7,14 Prozent des Kaufpreises inklusive Mehrwertsteuer. Bei hälftig geteilter Provision trägt der Käufer also zwischen 2,975 und 3,57 Prozent. Für unser Beispielhaus in München mit einem Kaufpreis von 850.000 Euro bedeutet das eine Maklergebühr von rund 25.300 bis 30.345 Euro auf Käuferseite. In Regionen, in denen traditionell der Käufer allein zahlt – was nach der Reform nur noch gilt, wenn der Käufer den Makler beauftragt hat –, kann die Belastung deutlich höher ausfallen.

Maklergebühren sind grundsätzlich verhandelbar, besonders bei hohen Kaufpreisen oder in einem käuferfreundlicheren Marktumfeld. Ein Vergleich mehrerer Makler sowie das gezielte Ansprechen der Konditionen vor Vertragsabschluss kann die Gesamtkosten spürbar senken.

Hauskauf-Nebenkosten: Was viele unterschätzen

Notargebühren und Grundbuchkosten

Die notarielle Beurkundung ist zwingend erforderlich für die rechtliche Wirksamkeit eines Immobilienkaufvertrags in Deutschland. Die Notarkosten richten sich nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) und sind bundeseinheitlich geregelt – sie sind also nicht verhandelbar. In der Praxis liegen die Notargebühren für einen typischen Immobilienkauf bei rund 1,0 bis 1,5 Prozent des Kaufpreises, wenn man Beurkundung, Betreuungstätigkeiten und die Abwicklung über das Notaranderkonto zusammenrechnet.

Für unser Beispielhaus mit einem Kaufpreis von 850.000 Euro ergibt sich damit ein realistischer Notarkostenrahmen von etwa 8.500 bis 12.750 Euro. Der Notar ist gesetzlich verpflichtet, beide Parteien neutral zu beraten – ein wichtiger Verbraucherschutz, der im internationalen Vergleich nicht selbstverständlich ist.

Hinzu kommen die Grundbuchgebühren für die Eintragung des neuen Eigentümers sowie gegebenenfalls für die Eintragung einer Grundschuld zugunsten der finanzierenden Bank. Diese Gebühren richten sich ebenfalls nach dem GNotKG und bewegen sich je nach Kaufpreis und Finanzierungshöhe insgesamt zwischen etwa 0,5 und 1,0 Prozent des Kaufpreises. Bei 850.000 Euro Kaufpreis und einer typischen Finanzierung sind Grundbuchkosten von 2.000 bis 5.000 Euro realistisch. Im Gegensatz zu Notargebühren sind diese Beträge überschaubar, sollten aber nicht vergessen werden.

Makler, Notar, Grundbuchamt: Nebenkosten im Überblick

Fassen wir die wichtigsten Positionen für unser Beispielhaus in München (Kaufpreis: 850.000 Euro, Bundesland Bayern) zusammen:

Kostenposition Prozentsatz Betrag (ca.)
Grunderwerbsteuer (Bayern) 3,5 % 29.750 €
Maklergebühr (Käuferanteil, 3,57 % inkl. MwSt.) 3,57 % 30.345 €
Notarkosten ca. 1,0–1,5 % 8.500–12.750 €
Grundbuchgebühren ca. 0,5 % 2.000–4.250 €
Gesamt ca. 8,5–9,5 % 70.595–77.095 €

Das bedeutet: Wer in München ein Haus für 850.000 Euro kauft, muss mit Gesamtnebenkosten von rund 70.000 bis 77.000 Euro rechnen – ohne etwaige Sanierungs- oder Umzugskosten. In Bundesländern mit höherer Grunderwerbsteuer wie Nordrhein-Westfalen oder Schleswig-Holstein wären es noch einmal mehrere Zehntausend Euro mehr.

Sanierung und Renovierung: Der oft vergessene Posten

Neben den klassischen Kaufnebenkosten unterschätzen viele Käufer den Aufwand für Modernisierungen und Sanierungen. Gerade bei Bestandsimmobilien, die vor 1990 gebaut wurden, sind energetische Sanierungen – Dämmung, Heizungsaustausch, Fenstererneuerung – häufig notwendig oder durch gesetzliche Vorgaben wie das Gebäudeenergiegesetz absehbar. Die Kosten dafür können schnell 50.000 bis 150.000 Euro betragen, abhängig vom Zustand des Gebäudes.

Wer ein sanierungsbedürftiges Haus kauft, sollte vor dem Kauf ein unabhängiges Energiegutachten sowie eine bautechnische Begutachtung durch einen Sachverständigen einholen. Diese Kosten von typischerweise 500 bis 2.000 Euro sind gut investiertes Geld, das im Ernstfall sechsstellige Überraschungen verhindert.

Finanzierungskosten: Was die Bank zusätzlich kostet

Auch die Finanzierung selbst verursacht Nebenkosten, die im Eifer der Kaufplanung gern übersehen werden. Bankgebühren für die Kreditvergabe, Kosten für die Grundschuldbestellung, mögliche Bereitstellungszinsen sowie das Disagio können je nach Finanzierungsstruktur mehrere Tausend Euro ausmachen. Beim Vergleich von Baufinanzierungsangeboten sollte daher immer der effektive Jahreszins herangezogen werden, nicht nur der Nominalzins.

Wer den Kauf mit Eigenkapital unter 20 Prozent des Kaufpreises finanziert, zahlt zudem häufig Risikoaufschläge auf den Zinssatz oder muss eine Restschuldversicherung abschließen – beides erhöht die tatsächlichen Finanzierungskosten erheblich. Generell empfehlen Finanzexperten, mindestens 20 bis 30 Prozent des Kaufpreises als Eigenkapital mitzubringen und die Nebenkosten vollständig aus eigenen Mitteln zu bestreiten.

So planen Sie realistisch: Die wichtigsten Faustregeln

Eine solide Faustformel lautet: Kalkulieren Sie in Bayern und Sachsen mit rund 8 bis 10 Prozent Nebenkosten auf den Kaufpreis, in allen anderen Bundesländern mit 10 bis 15 Prozent – je nach Maklersituation und Sanierungsbedarf. Wer diese Puffer nicht einplant, läuft Gefahr, die Finanzierung zu gefährden oder das Eigenkapital so weit aufzubrauchen, dass spätere Reparaturen nicht mehr gestemmt werden können.

Konkret bedeutet das: Bei einem Kaufpreis von 400.000 Euro sollten Sie 40.000 bis 60.000 Euro allein für Nebenkosten zurückhalten – zuzüglich einer Liquiditätsreserve von mindestens drei bis sechs Monatsgehältern für unvorhergesehene Ausgaben nach dem Einzug.

Fazit: Nebenkosten sind kein Nebenschauplatz

Die Nebenkosten beim Hauskauf sind alles andere als

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Quellen:
  • Bundesfinanzministerium — bundesfinanzministerium.de
  • Deutsche Bundesbank — bundesbank.de
  • Finanzen.net
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ZenNews24 Redaktion
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