Sonntagsfrage Dezember 2025: CDU stark, AfD stabil, SPD verliert
Merz-Bonus hält an — aber wie lange noch? Alle fünf Institute im Vergleich
33 Prozent für die CDU/CSU, 20 Prozent für die AfD — und eine SPD, die sich mit einstelligen oder knapp zweistelligen Werten durch den politischen Advent kämpft: Die Sonntagsfragen des Dezembers zeichnen ein klares Bild der deutschen Parteienlandschaft kurz nach dem Regierungsantritt von Friedrich Merz.
Die Unionsparteien profitieren weiterhin vom sogenannten Merz-Bonus — dem Rückenwind, den eine neue Bundesregierung in der Regel in den ersten Monaten ihrer Amtszeit genießt. Doch die Zahlen zeigen auch: Der Vorsprung ist nicht uneinholbar, und die strukturellen Schwächen der Koalitionspartner könnten das politische Klima schneller drehen, als mancher Stratege in der CDU-Zentrale an der Klingelhoferstraße wahrhaben möchte.
Alle fünf Institute im Überblick: Wo die Parteien stehen
Im Dezember haben Allensbach, Forsa, Infratest dimap, das Institut INSA sowie die Forschungsgruppe Wahlen ihre monatlichen Erhebungen zur Sonntagsfrage veröffentlicht. Die Schwankungsbreiten sind gering, die Tendenzaussagen aber eindeutig. Die CDU/CSU bewegt sich je nach Institut zwischen 31 und 35 Prozent, die AfD zwischen 18 und 22 Prozent. Die SPD pendelt zwischen 14 und 17 Prozent — ein historisch schwacher Wert für eine Partei, die noch vor wenigen Jahren den Kanzler stellte.
| Institut | CDU/CSU | SPD | Grüne | FDP | AfD | BSW | Linke |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Allensbach | 34 % | 16 % | 13 % | 5 % | 19 % | 5 % | 3 % |
| Forsa | 33 % | 15 % | 12 % | 5 % | 20 % | 4 % | 3 % |
| Infratest dimap | 35 % | 17 % | 11 % | 4 % | 21 % | 5 % | 4 % |
| INSA | 31 % | 14 % | 11 % | 5 % | 22 % | 6 % | 4 % |
| Forschungsgruppe Wahlen | 34 % | 16 % | 12 % | 5 % | 20 % | 5 % | 3 % |
(Quelle: Allensbach, Forsa, Infratest dimap, INSA, Forschungsgruppe Wahlen, Dezember)
Besonders auffällig: Die FDP hält sich in allen fünf Erhebungen knapp über der Fünfprozenthürde — ein Signal, das in der Berliner Politikberatung als äußerst fragil gilt. Schon wenige Prozentpunkte Verlust würden die Liberalen erneut vor dem parlamentarischen Aus stehenlassen. Das BSW stabilisiert sich bei vier bis sechs Prozent, kämpft aber um inhaltliche Kontur. Die Linke verharrt in einem Bereich, der ihr parlamentarisches Überleben ohne Direktmandate strukturell gefährdet.
Der Merz-Bonus: Substanz oder Strahlkraft?

Friedrich Merz ist seit dem Frühjahr Bundeskanzler. Sein Amtsantritt verlief nach wochenlangen Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD — eine Kombination, die für beide Seiten schmerzhaft war, aber rechnerisch unausweichlich schien. Seither profitiert die Union von jenem klassischen Honeymoon-Effekt, den die Politikwissenschaft gut dokumentiert hat: Eine neue Regierung erhält zunächst den Vertrauensvorschuss der Wählerinnen und Wähler, bevor erste konkrete Entscheidungen polarisieren.
Doch im Dezember verdichten sich die Hinweise, dass dieser Bonus an Substanz verliert. In der Migrationspolitik hat die Bundesregierung zwar erste Verschärfungen beim Grenzregime beschlossen — Maßnahmen, die das Bundesverfassungsgericht in einer vorläufigen Einschätzung nicht grundsätzlich beanstandete, gegen die aber mehrere Verfassungsbeschwerden anhängig sind. Im Bundesrat hingegen stieß das geplante Sicherheitspaket auf erheblichen Widerstand aus SPD-geführten Ländern, die eine mangelnde Beteiligung der Länderbehörden beklagten. Die Abstimmung im Bundesrat endete ohne die notwendige Mehrheit — ein seltener, aber symbolisch bedeutsamer Rückschlag für die neue Koalition.
Für eine tiefere Analyse der strukturellen Entwicklung empfiehlt sich der Blick auf die Merz nach einem Jahr unter Druck: Kanzleramt verliert an — dort werden die mittelfristigen Zustimmungskurven des Kanzlers ausführlich eingeordnet.
CDU/CSU: Stärke mit Rissen
Dreiunddreißig bis 35 Prozent — das klingt komfortabel. Und für eine Partei, die in den letzten Jahren der Großen Koalition unter Angela Merkel regelmäßig in den Dreißigern lag, ist es das auch. Doch die internen Analysten der CDU wissen, dass diese Zahlen fragil sind. Der Wirtschaftsflügel ist unzufrieden mit dem Koalitionskompromiss beim Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, das entgegen ursprünglichen Versprechen nicht vollständig ausgesetzt wurde. Der Arbeitnehmerflügel wiederum kritisiert, dass die versprochene Rentenreform bisher nicht über Eckpunkte hinausgekommen ist.
In Bayern zeigt die CSU unter Markus Söder derweil, wie eine konservative Regionalpartei die landespolitische Dominanz nutzen kann — wie die Bayern-Wahl: CSU gewinnt, Grüne verlieren stark illustriert, ist die CSU auf Landesebene eine andere politische Kraft als auf Bundesebene, was die Koordination zwischen München und Berlin regelmäßig verkompliziert.
AfD: Stabil, aber nicht wachsend
Die AfD liegt im Dezember zwischen 18 und 22 Prozent — ein Wert, der seit Monaten bemerkenswert stabil ist. Weder die Regierungsübernahme durch Merz noch innenpolitische Debatten über Migration haben die Partei signifikant nach oben oder unten bewegt. Politikwissenschaftler sprechen von einer „Sockelstärke": einem festen Wählerstamm, der durch kurzfristige Ereignisse kaum zu erschüttern ist.
Das ist einerseits eine Schwäche — die AfD wächst trotz günstiger Rahmenbedingungen nicht nennenswert. Andererseits ist es eine Stärke: Sie verliert auch nicht. Für das bundespolitische Gleichgewicht bedeutet das, dass die Partei dauerhaft als zweitstärkste Kraft im Bundestag verankert scheint. Die Hintergründe dieses Phänomens analysiert der Beitrag zur Bundestagswahl-Analyse: Warum die AfD so stark geworden ist umfassend.
Fraktionspositionen: CDU/CSU sieht die aktuellen Umfragewerte als Bestätigung des Regierungskurses und pocht auf konsequente Haushaltsdisziplin sowie beschleunigte Migrationsbegrenzung. SPD betont den sozialen Ausgleich im Koalitionsvertrag, wehrt sich gegen die Interpretation eines „Totalverlusts" und verweist auf Erfolge bei Mindestlohn und Wohngeld. Grüne positionieren sich als schärfste Oppositionskraft in der Klimapolitik und werfen der Koalition vor, den Klimaschutz zugunsten kurzfristiger Wirtschaftsinteressen zu opfern. AfD nutzt die Debatte um innere Sicherheit und Migration, um sich als einzige konsequente Alternative zur Mitte-Rechts-Koalition darzustellen, und fordert vollständige Grenzschließungen sowie einen Stopp aller Sozialleistungen für abgelehnte Asylbewerber.
SPD: Strukturkrise oder temporärer Tiefpunkt?
Vierzehn bis 17 Prozent — das sind Zahlen, die selbst erfahrene Sozialdemokraten ratlos zurücklassen. Die SPD ist in der Regierung, trägt wichtige Ministerien — darunter das Bundesfinanzministerium und das Auswärtige Amt — und hat im Koalitionsvertrag durchaus sozialdemokratische Handschriften hinterlassen. Und trotzdem: Der Wähleranteil bricht ein.
Die Erklärungen dafür sind vielschichtig. Erstens leidet die SPD unter dem klassischen Koalitionspartner-Malus: Wer in einer von der Union geführten Koalition mitregiert, wird von den Wählerinnen und Wählern selten für Erfolge belohnt, aber für Kompromisse bestraft. Zweitens fehlt der Partei ein unverwechselbares Themenfeld. Die Wirtschaftspolitik dominiert die CDU, die sozialen Sicherungssysteme gelten bei Teilen der Wählerschaft mittlerweile als Domäne der Linksparteien oder gar des BSW. Drittens hat die SPD kein führungsstarkes Gesicht, das in der medialen Aufmerksamkeit neben Merz bestehen kann.
Hinzu kommt: Die Wirtschaftslage bleibt angespannt. Während die Märkte auf Erholung hoffen — wie der Bericht über Börsen hoffen auf starke Unternehmensbilanzen zeigt — spüren viele Arbeitnehmer die Transformationskosten im Industriesektor noch unmittelbar. Das trifft traditionell SPD-nahe Milieus in der Metall- und Automobilindustrie besonders hart.
Grüne: Stabilisierung auf niedrigem Niveau
Mit elf bis 13 Prozent haben die Grünen ihren freien Fall aus den Zeiten der Ampel-Koalition vorerst gestoppt. Die Partei profitiert davon, dass sie in der Opposition klarer kommunizieren kann als in der Regierung. Gleichzeitig ist die inhaltliche Profilierung schwierig: Klimapolitik bleibt das Kernthema, aber die öffentliche Debatte dreht sich derzeit stärker um Sicherheit, Migration und Wirtschaft — allesamt Felder, auf denen die Grünen weniger Überzeugungskraft entfalten.
Interne Debatten über die Doppelspitze und die strategische Ausrichtung — mehr Pragmatismus oder konsequentere Linksorientierung — halten die Partei in einem Zustand latenter Selbstbeschäftigung, der in Umfragen regelmäßig bestraft wird. Wie sich dieser Trend langfristig entwickelt, lässt sich in der Analyse zur Sonntagsfrage Januar 2026: Merz-Bonus hält, Grüne erholen sich ablesen.
Zeitachse: Wie sich die Stimmung entwickelte
Methodische Einordnung: Was Sonntagsfragen leisten — und was nicht
Sonntagsfragen messen keine Wahlabsicht im strengen Sinne, sondern eine hypothetische Präferenz zum Befragungszeitpunkt. Das ist ein wichtiger Unterschied. Zwischen einer Umfrage im Dezember und einer tatsächlichen Bundestagswahl liegen nicht nur Monate, sondern auch unvorhergesehene Ereignisse, Personaldebatten und wirtschaftliche Entwicklungen, die Stimmungsbilder fundamental verschieben können.
Alle fünf Institute verwenden unterschiedliche Methoden: Telefonische Befragungen mit Zufallsstichproben, Online-Panels mit Quotenvorgaben und hybride Ansätze. Die Abweichungen zwischen den Instituten — im Dezember bis zu vier Prozentpunkte bei einzelnen Parteien — spiegeln methodische Unterschiede wider, nicht zwingend unterschiedliche politische Realitäten. Seriöse Berichterstattung sollte deshalb stets den Mittelwert über mehrere Institute betrachten, nicht einzelne Ausreißer zur Nachrichtenmeldung überhöhen.
Was die Sonntagsfragen des Dezembers dennoch klar zeigen: Das Parteiensystem der Bundesrepublik hat sich strukturell verschoben. Eine Volkspartei allein kann keine Bundesregierung mehr bilden. Koalitionen werden komplizierter, Kompromisse schmerzhafter. Und der Merz-Bonus — so real er























