Sonntagsfrage Januar 2026: Merz-Bonus hält, Grüne erholen sich
CDU/CSU erreicht Jahreshoch — Grüne profitieren von Klimadebatte
32 Prozent für die Union — so stark stand die CDU/CSU zuletzt vor der Bundestagswahl in den Umfragen. Die aktuellen Sonntagsfrage-Daten bestätigen: Der sogenannte Merz-Bonus hält auch zu Beginn des neuen Jahres an, während die Grünen mit 14 Prozent einen ihrer stärksten Werte seit der Wahlniederlage verzeichnen.
Die aktuellen Umfragewerte im Überblick
Die Sonntagsfrage vom Januar zeigt ein Bild, das die politische Stimmung in Deutschland klarer widerspiegelt, als viele Beobachter erwartet hatten. Die CDU/CSU hält ihren Spitzenplatz mit 32 Prozent und erreicht damit das bislang höchste Monatsmittel seit der Regierungsübernahme unter Friedrich Merz. Die AfD verharrt bei 19 Prozent und damit auf einem Niveau, das für die Partei gleichzeitig Stagnation wie Stabilität bedeutet. Die SPD rutscht auf 14 Prozent — ein Wert, der die anhaltende Orientierungslosigkeit der Sozialdemokraten nach dem Koalitionswechsel widerspiegelt. Die Grünen klettern ebenfalls auf 14 Prozent und liegen damit gleichauf mit der SPD — ein symbolisch bedeutsames Signal. FDP und BSW verharren im einstelligen Bereich, während die Linke die Fünf-Prozent-Hürde weiterhin kaum überschreitet.
| Partei | Januar (aktuell) | Dezember (Vormonat) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| CDU/CSU | 32 % | 30 % | +2 |
| AfD | 19 % | 19 % | ±0 |
| SPD | 14 % | 15 % | –1 |
| Grüne | 14 % | 12 % | +2 |
| FDP | 6 % | 6 % | ±0 |
| BSW | 5 % | 5 % | ±0 |
| Linke | 4 % | 4 % | ±0 |
| Sonstige | 6 % | 9 % | –3 |
(Quelle: Forschungsgruppe Wahlen, Infratest dimap, INSA — Monatsmittelwert Januar)
Wie die Sonntagsfrage Dezember 2025: CDU stark, AfD stabil, SPD verliert bereits andeutete, setzt sich der Aufwärtstrend der Union nahtlos ins neue Jahr fort. Entscheidend ist jedoch nicht nur die Zahl selbst, sondern ihre Beständigkeit: Drei Monate in Folge liegt die CDU/CSU über der 30-Prozent-Marke — das ist kein statistisches Rauschen, das ist ein Muster.
Warum die Union weiter zulegt

Friedrich Merz hat in seiner Amtszeit als Bundeskanzler ein Regierungsprofil etabliert, das in der Bevölkerung offenbar Anklang findet — zumindest auf der Ebene der Sonntagsfrage. Die Themenhoheit der Union bei Wirtschaftskompetenz und innerer Sicherheit zahlt sich umfragetechnisch aus. Der Kanzler hat zudem den Bundesrat als Vermittlungsebene geschickt genutzt und bei mehreren Gesetzesvorhaben eine Einigung erzielt, die ursprünglich als blockiert galt. Das verleiht der Regierung eine Handlungsfähigkeit, die viele Wählerinnen und Wähler nach den turbulenten letzten Jahren der Ampel-Koalition offenbar schätzen.
Hinzu kommt: Die Union profitiert derzeit von einer fragmentierten Opposition. SPD, Grüne und AfD senden gegensätzliche Signale, was eine kohärente Gegenerzählung erschwert. Solange die Opposition keine gemeinsame Stoßrichtung findet — was strukturell kaum möglich ist —, bleibt die Regierungspartei der natürliche Bezugspunkt für unentschlossene Wählerinnen und Wähler.
Merz und die Wirtschaftsdebatte: Themenführerschaft als Umfragetreiber
Besonders auffällig ist, dass die Union bei Wirtschaftsthemen Werte erreicht, die seit der Ära Kohl in dieser Form nicht mehr gemessen wurden. In Umfragen zur Wirtschaftskompetenz — also der Frage, welcher Partei man am ehesten zutraut, wirtschaftliche Probleme zu lösen — liegt die CDU/CSU laut Infratest dimap bei knapp 40 Prozent, weit vor allen anderen Parteien. Das ist die Grundlage des Merz-Bonus: Nicht Beliebtheit im Sinne von persönlicher Sympathie, sondern Kompetenzzuschreibung — und diese ist historisch stabiler als emotionale Bindungen.
Die Bundesregierung hat zudem in diesem Monat ein Paket zur steuerlichen Entlastung mittelständischer Unternehmen vorgelegt, das im Bundesrat auf breite Zustimmung stieß. Auch wenn die Länder in Einzelfragen Nachbesserungen forderten, gilt das Vorhaben als Zeichen für eine funktionsfähige Koalition zwischen Bund und Länderexekutiven — ein Kontrast zur Blockadepolitik der jüngeren Vergangenheit.
Die Grünen-Erholung: Strukturell oder konjunkturell?
Zwei Prozentpunkte Zugewinn innerhalb eines Monats — für eine Partei, die nach der Bundestagswahl mit internen Zerreißproben und öffentlichem Vertrauensverlust kämpfte, ist das ein Signal, das ernst genommen werden muss. Die zentrale Frage lautet: Handelt es sich um eine nachhaltige Trendwende oder um eine klimabedingte Konjunkturbewegung?
Für Letzteres spricht die Timing-Korrelation: Im Januar dominierten zwei klimapolitische Ereignisse die Berichterstattung. Erstens veröffentlichte das Copernicus-Klimaforschungsdienst der EU seine Jahresbilanz, die das vergangene Jahr als wärmstes je gemessenes bestätigte. Zweitens befasste sich der Bundesrat mit einem Antrag mehrerer Länder zur Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energien — ein Thema, bei dem die Grünen als einzige Partei ein klares und konsistentes Profil haben.
Die Grünen haben die Klimadebatte in diesem Monat aktiv bespielt: Fraktionschefin Katharina Dröge trat mehrfach im öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf, die Partei organisierte eine parlamentarische Initiative zur Wiedereinführung des Klimaschutzsofortprogramms und setzte damit ein öffentlichkeitswirksames Zeichen als Oppositionskraft. Dass diese Aktivität in Umfragewerte mündet, zeigt: Die Grünen haben ihre Fähigkeit zur Themenagenda nicht verloren — sie hatten sie nur für mehrere Monate brach liegen lassen.
Wie sich die Partei mittelfristig neu aufstellt, ist dabei ein offener Prozess. Die Analyse Grüne nach der Wahlniederlage: Auf der Suche nach Neuanfang beschreibt die strukturellen Herausforderungen, die trotz des aktuellen Aufschwungs fortbestehen. Und auch der Beitrag Grüne in der Opposition: Selbstfindung und Profilschärfung zeigt, dass der Weg zur Erholung kein linearer ist — sondern von internen Debatten über Kurs und Personal begleitet wird.
Wahlkampf-Lessons aus Bayern: Was die Grünen gelernt haben
Es ist kein Zufall, dass die Grünen ausgerechnet dann in der bundesweiten Sonntagsfrage zulegen, wenn sie klimapolitisch präsent sind. Dieses Muster war bereits nach der Bayern-Wahl: CSU gewinnt, Grüne verlieren stark erkennbar: Die Partei verliert immer dann massiv, wenn sie sich in gesellschaftspolitische Debatten zieht, die ihre Kernwählerschaft nicht primär mobilisieren, und gewinnt zurück, wenn sie klimapolitische Eindeutigkeit demonstriert. Die Lehre aus Bayern scheint nun, zumindest taktisch, in der Bundestagsfraktion angekommen zu sein.
Dennoch bleibt das Dilemma bestehen: Eine Partei, die sich auf ein einziges Themenfeld reduziert, macht sich auch angreifbar. Vor allem dann, wenn — wie derzeit — wirtschaftliche Sorgen, Migrationspolitik und soziale Verteilungsfragen die öffentliche Debatte dominieren und die Grünen dort kein klares Profil zeigen.
SPD: Zwischen Koalitionszwang und Identitätskrise
14 Prozent für die SPD — und damit gleichauf mit den Grünen. Für eine Volkspartei mit historisch breiter gesellschaftlicher Verankerung ist das ein Wert, der intern Alarm auslösen muss. Die Sozialdemokraten befinden sich in einer klassischen Oppositionsfalle: Sie tragen als Koalitionspartner der Union Verantwortung für Kompromisse, die ihrer eigenen Klientel erklärungsbedürftig sind, können sich aber gleichzeitig nicht klar abgrenzen, ohne die Regierungsarbeit zu gefährden.
Die interne Debatte über die Neuausrichtung der Partei ist dabei nicht abgeschlossen. Ähnlich wie bei den Debatten, die die Grünen nach ihrer Wahlniederlage führten — und die auch den Streit um Plattformen und öffentliche Kommunikation einschlossen, wie in SPD, Grüne und Linke spalten sich über X-Rückzug beschrieben —, ringt die SPD um ihre kommunikative Positionierung in einer fragmentierten Medienlandschaft.
Fraktionspositionen: CDU/CSU verteidigt Kurs der Regierung Merz, betont Wirtschaftskompetenz und innere Sicherheit als Kernthemen der Legislaturperiode. SPD signalisiert Zustimmung zu zentralen Haushaltsplänen, pocht jedoch auf Sozialleistungsgarantien und fordert mehr Spielraum bei der Wohngeldreform. Grüne bringen Klimaschutzsofortprogramm als Oppositionsinitiative ein, fordern verbindliche Emissionsziele bis zum Ende der Legislaturperiode und kritisieren die Abschwächung des Gebäudeenergiegesetzes. AfD lehnt alle Klimaschutzmaßnahmen als wirtschaftsschädlich ab, fordert Renationalisierung der Energiepolitik und nutzt aktuelle Umfragewerte als Beleg für angebliche Regierungsunfähigkeit der Großen Koalition.
AfD: Stagnation als Erfolg — oder als Warnsignal?
19 Prozent — unverändert zum Vormonat. Für die AfD ist das eine ambivalente Nachricht. Einerseits zeigt die Stabilität, dass ihre Wählerschaft nicht erodiert, auch nicht unter einer Regierung, die in der Migrationspolitik deutlich restriktivere Töne anschlägt als die Vorgängerregierung. Andererseits wächst die Partei nicht mehr, obwohl das politische Klima in Deutschland objektiv nach rechts verschoben hat — oder zumindest nach Einschätzung vieler Beobachter Signale dieser Verschiebung aussendet.
Das Bundesverfassungsgericht beschäftigt sich weiterhin mit einem Antrag auf Beobachtung von Teilen der AfD durch den Verfassungsschutz auf Bundesebene, nachdem das Verwaltungsgericht Köln im vergangenen Jahr die Einstufung als gesichert rechtsextremistisch in mehreren Bundesländern bestätigt hatte. Diese rechtliche Dauerbaustelle belastet die Außenwirkung der Partei und macht es schwerer, neue Wählerschichten zu erschließen. Die Stammwählerschaft bleibt — aber die erhoffte Ausweitung in die bürgerliche Mitte hinein findet nicht statt.
Was die Daten nicht zeigen: Strukturelle Unsicherheiten
Sonntagsfragen messen Stimmung — keine Wahlabsicht und schon gar keine langfristige Parteiidentifikation. Das gilt es bei der Interpretation dieser Daten immer mitzudenken. Die aktuellen Werte für die Union sind beeindruckend, aber historisch zeigt sich: Regierungsparteien erleiden in der Regel Abnutzungserscheinungen. Der Merz-Bonus ist real, aber er ist kein Naturgesetz.
Für die Grünen gilt umgekehrt: Zwei Prozentpunkte Zugewinn in einem thematisch günstigen Monat sagen wenig darüber aus, ob die Partei strukturell gelernt hat, ihre Botschaft breiter zu verankern. Erst wenn die Klimadebatte wieder in den Hintergrund tritt — und





















