Politik

Sonntagsfrage Februar 2026: AfD zieht in Umfragen nach, SPD fällt

Migrationsdebatte treibt AfD-Werte hoch — SPD unter 15 Prozent

Von Thomas Weber 7 Min. Lesezeit Aktualisiert: 07.05.2026
Sonntagsfrage Februar 2026: AfD zieht in Umfragen nach, SPD fällt

Die AfD klettert in der aktuellen Sonntagsfrage auf 24 Prozent — und der Abstand zur regierenden CDU/CSU schrumpft auf einen einstelligen Wert. Die SPD rutscht unterdessen unter die 15-Prozent-Marke und befindet sich damit auf dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten. Die Migrationsdebatte dominiert die politische Agenda und treibt die Verschiebungen in der Wählergunst maßgeblich voran.

Aktuelle Umfragewerte: AfD auf dem Vormarsch

Die jüngsten Erhebungen mehrerer Meinungsforschungsinstitute zeichnen ein deutliches Bild: Die AfD gewinnt kontinuierlich an Zustimmung, während die Sozialdemokraten tiefer in die Bedeutungslosigkeit zu versinken drohen. Im Schnitt aller vorliegenden Umfragen aus dem Februar dieses Jahres kommt die AfD auf rund 24 Prozent — ein Wert, der zuletzt im Herbst des Vorjahres in dieser Höhe gemessen wurde. Die CDU/CSU führt zwar noch immer das Feld an, liegt aber nur noch bei 30 bis 31 Prozent und sieht ihren Vorsprung schwinden (Quelle: Infratest dimap, INSA, Forsa).

Die SPD, aktuell Juniorpartnerin in der Großen Koalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz, notiert in den aktuellen Erhebungen bei 13 bis 14 Prozent. Das ist ein historisch schlechter Wert für eine Partei, die über Jahrzehnte zwischen 20 und 40 Prozent pendelte. Grüne und FDP ringen um parlamentarische Relevanz, das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) konsolidiert sich bei rund sieben Prozent. Die Linke verharrt knapp unter der Fünf-Prozent-Hürde.

Zum Vergleich: Noch im Dezember des vergangenen Jahres war die AfD bei 21 Prozent geführt worden — ein Wachstum von drei Prozentpunkten binnen weniger Wochen ist im deutschen Parteiensystem ungewöhnlich dynamisch. Wer die Entwicklung der vergangenen Monate nachvollziehen möchte, findet eine detaillierte Analyse in der Sonntagsfrage Dezember 2025: CDU stark, AfD stabil, SPD verliert.

Oktober 2025
AfD bei 21 Prozent in ersten Nachwahlerhebungen. CDU/CSU führt mit 34 Prozent. SPD bei 16 Prozent. Migrationsfrage tritt noch hinter Wirtschaftsthemen zurück.
Dezember 2025
CDU/CSU gibt leicht nach auf 32 Prozent. AfD verharrt bei 21 Prozent. SPD fällt erstmals unter 15 Prozent. Debatte um Grenzkontrollen und Asylrechtsverschärfung entfacht sich neu.
Januar 2026
AfD springt auf 23 Prozent nach Berichten über steigende Asylantragszahlen und mehreren öffentlichkeitswirksamen Vorfällen. SPD verliert erneut. Koalitionsinterne Spannungen nehmen zu.
Februar 2026
AfD erreicht 24 Prozent in aggregierten Umfragewerten. SPD fällt auf 13 bis 14 Prozent. CDU/CSU bei 30 bis 31 Prozent. Migrationsdebatte dominiert Nachrichtenlage und Parteipositionierungen.
Ausblick März 2026
Erste Haushaltsentwürfe der Bundesregierung erwartet. Mögliche Auswirkungen auf CDU/CSU-Werte werden bereits antizipiert. Prognosen für die Sonntagsfrage März 2026: Haushaltskrise trifft CDU in Umfragen deuten auf neue Verwerfungen hin.

Migrationsdebatte als zentraler Treiber

Pol Parteien Wahl
Pol Parteien Wahl

Politikwissenschaftler und Meinungsforscher sind sich einig: Es ist vor allem die anhaltende und sich verschärfende Migrationsdebatte, die die aktuellen Umfragebewegungen erklärt. Seit Jahresanfang dominiert das Thema die politische Tagesordnung nahezu ununterbrochen — befeuert durch neue Asylzahlen, wiederholte Forderungen nach härteren Grenzmaßnahmen und eine Bundesregierung, die zwischen den Hardliner-Positionen der Union und dem traditionellen Kurs der SPD zu vermitteln versucht.

Die AfD profitiert von dieser Konstellation in doppelter Hinsicht: Zum einen gelingt es ihr, das Thema Migration als ihr ureigenes Kernthema zu besetzen und als einzige Partei zu inszenieren, die eine konsequente Kursänderung fordere. Zum anderen schwächt die Debatte die SPD, die in der Öffentlichkeit als zögerliche Bremse bei Verschärfungen wahrgenommen wird — und damit weder das progressive noch das konservative Lager zufriedenstellt.

Die AfD war bereits früher auf ähnlich hohe Werte geklettert: Wer die historische Einordnung sucht, findet sie in den Analysen zu AfD auf 20 Prozent: Historischer Höchststand in Umfragen — ein Wert, der inzwischen längst überboten wurde. Noch dramatischer liest sich der Blick auf den absoluten Rekordstand: AfD erstmals bei 30 Prozent in Umfragen — ein Szenario, das Politikbeobachter nicht grundsätzlich ausschließen, sollte sich die aktuelle Dynamik fortsetzen.

Koalitionsinterne Spannungen wachsen

Innerhalb der Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD wachsen die Verwerfungen. Führende Unionspolitiker fordern eine weitere Verschärfung des Asylrechts, darunter verlängerte Grenzkontrollen und eine Ausweitung der Liste sicherer Herkunftsstaaten. Die SPD hingegen beharrt auf rechtsstaatlichen Mindeststandards und verweist auf europäische Verpflichtungen — eine Position, die intern zunehmend als Wahlkampfhindernis diskutiert wird, extern aber kaum Profil erzeugt.

Sozialdemokratische Strategen räumen intern ein, dass die Partei in einer Sandwich-Position feststeckt: Links verliert sie Stimmen an die Grünen und das BSW, rechts der Mitte an die Union. Eine klare Positionierung in der Migrationsdebatte, die gleichzeitig die eigene Wählerschaft zusammenhält, ist der Parteiführung bislang nicht gelungen. Fraktionschef Rolf Mützenich betonte zuletzt, die SPD stehe für "Humanität und Ordnung" — eine Formel, die Beobachter als Kompromissrhetorik ohne politischen Biss werten.

Verfassungsrechtliche Grenzen der Migrationspolitik

Nicht unerwähnt bleiben darf der verfassungsrechtliche Rahmen, der der Migrationsdebatte Grenzen setzt. Das Bundesverfassungsgericht hat in mehreren Entscheidungen der vergangenen Jahre klargestellt, dass das Grundrecht auf Asyl nach Artikel 16a Grundgesetz nicht durch einfache parlamentarische Mehrheiten ausgehöhlt werden darf. Pauschale Zurückweisungen an der Grenze ohne Einzelfallprüfung gelten nach herrschender Rechtsprechung als grundgesetzwidrig — ein Umstand, den die AfD als "Versagen des Systems" rahmt, während Verfassungsrechtler auf die Schutzfunktion dieser Normen hinweisen.

Auch der Bundesrat spielt eine relevante Rolle: Verschärfungen im Asyl- und Aufenthaltsrecht, die die Zustimmung der Länderkammer erfordern, sind auf Kompromisse angewiesen. Mehrere Länder mit SPD- oder Grünen-Beteiligung haben signalisiert, weitreichende Verschärfungen nicht mitzutragen — was den Handlungsspielraum der Bundesregierung faktisch einschränkt, auch wenn der politische Druck wächst.

Fraktionspositionen: CDU/CSU: Fordert konsequente Grenzkontrollen, Ausweitung sicherer Herkunftsstaaten und schnellere Abschiebeverfahren; sieht sich durch aktuelle Umfragen bestätigt, steht aber unter Druck der AfD. SPD: Besteht auf rechtsstaatlichen Standards im Asylverfahren, lehnt Pauschalzurückweisungen ab; ringt um ein glaubwürdiges Profil zwischen Humanität und Ordnungspolitik. Grüne: Klare Ablehnung von Grenzschließungen und Asylrechtsverschärfungen; fordert europäische Lösungen und Ausbau legaler Migrationswege; profitieren leicht von SPD-Schwäche im progressiven Lager. AfD: Fordert umfassenden Migrationsstopp, Abschaffung des Asylrechts für Wirtschaftsmigranten und sofortige Grenzschließungen; nutzt Migrationsdebatte als zentrales Mobilisierungsthema und greift die Regierung als handlungsunfähig an.

Partei Umfragewert Feb. 2026 Veränderung zu Dez. 2025 Koalitionsstatus
CDU/CSU 30–31 % −2 Punkte Regierungspartei (Führung)
AfD 24 % +3 Punkte Opposition
SPD 13–14 % −2 Punkte Regierungspartei (Junior)
Grüne 12–13 % +1 Punkt Opposition
BSW 7 % ±0 Opposition
FDP 5–6 % +1 Punkt Opposition
Linke 4 % ±0 Opposition (unter 5-%-Hürde)

SPD: Strukturkrise oder vorübergehende Schwäche?

Die SPD-Führung versucht, die aktuellen Umfragewerte als temporäre Delle in einer Regierungsphase darzustellen, in der die Partei naturgemäß unbequeme Kompromisse eingehen müsse. Historisch betrachtet ist es nicht ungewöhnlich, dass kleinere Koalitionspartner in Großen Koalitionen an Profil verlieren — man erinnere sich an die Erosion der SPD während früherer GroKo-Phasen. Doch der Tiefstand unter 15 Prozent ist auch historisch gesehen beispiellos für eine der beiden einstigen Volksparteien.

Strukturelle Faktoren kommen hinzu: Die SPD verliert überproportional in der Altersgruppe der unter 40-Jährigen, hat in Ostdeutschland kaum noch Verankerung und kämpft mit einem Führungsproblem, das seit Jahren nicht gelöst wurde. Parteiinterne Debatten über eine programmatische Erneuerung haben bislang keine öffentlichkeitswirksamen Ergebnisse produziert. Der Weg zurück in zweistellige Zustimmungswerte oberhalb der 20-Prozent-Marke erscheint derzeit lang.

Der Kontext der Bundestagswahl, aus der die aktuelle Regierung hervorging, ist für das Verständnis der aktuellen Konstellation unverzichtbar: Die Ausgangslage nach der Neuwahl: Bundestag wählt für 23. Februar 2025 hatte bereits eine geschwächte SPD hinterlassen, die nun in der Regierung weiter an Substanz verliert.

Was bedeutet das für Kanzler Merz?

Für Bundeskanzler Friedrich Merz sind die Umfragen ein zweischneidiges Schwert. Einerseits führt die Union das Feld noch immer deutlich an und regiert mit stabiler Mehrheit. Andererseits sieht sich Merz einer AfD gegenüber, die seinen eigenen Forderungskatalog in der Migrationspolitik konsequent überbietet und damit den konservativen Flügel seiner eigenen Partei unter Druck setzt.

Eine ausführliche Bestandsaufnahme der Kanzlerschaft Merz im europäischen Kontext bietet die Analyse Brüssel zieht Bilanz: Ein Jahr Kanzler Merz zwischen Erwartung — ein Beitrag, der zeigt, wie sehr die Erwartungen an den Regierungschef auch international mit der innenpolitischen Migrationsdebatte verknüpft sind.

Merz hat signalisiert, weitere Maßnahmen zur Migrationssteuerung zu prüfen, ohne dabei die verfassungsrechtlichen Grenzen zu überschreiten. Diese Gratwanderung kostet politisches Kapital auf beiden Seiten: Die AfD nennt es halbherziges Zögern, die SPD beklagt einen Rechtsruck. Für den Kanzler ist es eine der zentralen Herausforderungen, die verbleibende Legislaturperiode ohne weiteren Erosionsverlust zu navigieren.

Ausblick: Haushalt als nächster Stresstest

Die Migrationsdebatte wird das dominante Thema bleiben — aber die Haushaltsdiskussion wartet bereits als nächster Belastungstest. Im kommenden Monat sollen erste konkrete Entwürfe für den Bundeshaushalt vorgelegt werden. Sparprogramme, Subventionsabbau und die Frage der Schuldenbremse könnten die politische Gemengelage erneut durcheinanderwirbeln — und diesmal die Union stärker treffen als in der bisherigen Debatte.

Meinungsforscher warnen davor, die aktuellen Werte als statisch zu betrachten. Die Sonntagsfrage ist eine Momentaufnahme — und in einem politischen Umfeld, das von kurzfristigen Nachrichtenlagen getrieben wird, können Verschiebungen schnell eintreten. Ob die AfD ihren Aufwärtstrend hält, ob die SPD stabilisieren kann und wie sich die Union unter dem Druck des Haushalts behauptet: Diese Fragen werden die politische Beobachtung in den kommenden Wochen bestimmen. (Quelle: Forsa, INSA, Infratest dimap, Politbarometer ZDF)

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Thomas Weber
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