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Donald Trump gewinnt US-Präsidentschaftswahl

Trump kehrt ins Weiße Haus zurück — mit Auswirkungen auf Wirtschaft, Sicherheit und internationales Gefüge

Von Julia Schneider 7 Min. Lesezeit Aktualisiert: 10.05.2026
Donald Trump gewinnt US-Präsidentschaftswahl

Mit 312 Wahlmännerstimmen hat Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl gewonnen und kehrt damit als 47. Präsident der Vereinigten Staaten ins Weiße Haus zurück — ein Ergebnis, das Verbündete in Europa ebenso aufhorchen lässt wie Rivalen in Moskau und Peking.

Trump besiegte die demokratische Kandidatin Kamala Harris in mehreren entscheidenden Swing States, darunter Pennsylvania, Georgia und Wisconsin. Das Ergebnis markiert eine historische Zäsur: Kein US-Präsident hatte zuvor nach einer Niederlage vier Jahre später ein Comeback dieser Größenordnung erreicht. Die Nachricht schlug in den europäischen Hauptstädten wie eine Bombe ein — in Berlin, Paris und Brüssel wurde bis in die frühen Morgenstunden die Lage analysiert.

Der Wahlabend und seine unmittelbaren Folgen

Bereits kurz nach Mitternacht Ostküstenzeit zeichnete sich ab, dass Harris die notwendigen 270 Wahlmännerstimmen nicht erreichen würde. Trump trat in Palm Beach vor jubelnde Anhänger und erklärte: „Amerika hat gesprochen, und Amerika hat gewählt — eine Rückkehr zur Größe." Die Märkte reagierten prompt: Der Dollar legte gegenüber dem Euro deutlich zu, während europäische Börsenindizes im frühen Handel Verluste verzeichneten. Der Dax eröffnete mit einem Minus von rund 1,4 Prozent, erholte sich im Tagesverlauf aber teilweise (Quelle: Reuters).

Die Nachrichtenagentur AP meldete, dass Trumps Wahlsieg breite Teile des sogenannten „Rust Belt" umfasste — jener Industrieregionen, die unter wirtschaftlichem Strukturwandel leiden und die Trump bereits früher für sich gewinnen konnte. Diesmal schlug er Harris auch in Teilen der Latinos-Wählerschaft deutlicher als erwartet, was Demoskopen als statistisch bedeutsam einstuften (Quelle: AP).

Was bedeutet Trumps Rückkehr für Europa und die NATO?

Republikanische Nationalkonvention Donald Trump Wahlkampf Podium Amerikanische Flaggen Politische Veranstaltung Menschenmenge Zennews24
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Für die europäischen Verbündeten beginnt nun eine Phase der Neukalibrierung. Trump hatte im Wahlkampf erneut angedeutet, das Engagement der USA in der NATO von den Verteidigungsausgaben der Mitgliedsstaaten abhängig zu machen. Länder, die das Zwei-Prozent-Ziel des Bruttoinlandsprodukts nicht erfüllten, könnten im Ernstfall nicht auf amerikanischen Beistand zählen — eine Aussage, die in Brüssel und Berlin für erhebliche Unruhe sorgte.

Deutschland hat in den vergangenen Jahren seine Verteidigungsausgaben zwar erhöht und das Zwei-Prozent-Ziel formal erreicht, doch strukturelle Defizite bei der Bundeswehr sind bekannt. Experten des Deutschen Instituts für Internationale Politik und Sicherheit (SWP) warnen, dass Deutschland unter einem erneuten Trump eine deutlich größere Eigenverantwortung für seine Sicherheit übernehmen müsse (Quelle: SWP Berlin).

Parallel dazu beobachten europäische Regierungen mit Sorge, wie Trump die Ukrainepolitik neu ausrichten könnte. Der gescheiterte Ukraine-Friedensplan aus Trumps erstem Anlauf hatte gezeigt, wie fragil eine von Washington diktierte Lösung sein kann. Nun stehen neue Verhandlungsszenarien im Raum, die Kiew in eine deutlich schwächere Position bringen könnten.

Russland, China und die neue geopolitische Ordnung

In Moskau wurde Trumps Sieg mit verhaltener Zustimmung kommentiert. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte, man sei bereit zu Gesprächen, sofern diese „auf Augenhöhe" geführt würden — eine Formulierung, die Beobachter als Versuch werteten, eine mögliche Annäherung an Washington taktisch vorzubereiten. China dagegen hielt sich bedeckt: Das Außenministerium in Peking gratulierte routinemäßig, ohne inhaltliche Aussagen zu machen.

Die UN-Generalsekretär António Guterres ließ mitteilen, er erwarte von der neuen US-Regierung ein starkes Bekenntnis zu multilateralen Institutionen und zum Pariser Klimaabkommen — ein kaum verhohlener Verweis auf Trumps frühere Ankündigung, die USA erneut aus dem Abkommen herauszuführen (Quelle: UN). Genau das hatte Trump bereits in seiner ersten Amtszeit getan, bevor Biden die USA wieder eingliederte.

Für den Nahen Osten bedeutet Trumps Rückkehr ebenfalls eine neue Dynamik. Bereits spekulieren Analysten über mögliche Kurswechsel in der Iran-Politik. Zuletzt hatte Trump im Zusammenhang mit Spannungen im Persischen Golf für Schlagzeilen gesorgt — der ausgesetzte Militäreinsatz in der Hormus-Straße war ein erstes Signal einer unberechenbaren Außenpolitik. Gleichzeitig gerät Trump durch den Irankonflikt innenpolitisch unter Druck, wie zuletzt berichtet wurde: Trumps Wahlkampf war durch den Irankonflikt erheblich belastet worden, was seine außenpolitischen Prioritäten in der zweiten Amtszeit prägen dürfte.

Handelspolitik: Zölle als Druckmittel gegen Europa

Wirtschaftlich ist Trumps Ankündigung von Importzöllen in Höhe von bis zu 20 Prozent auf alle aus Europa eingeführten Waren das meistdiskutierte Thema in deutschen Unternehmensverbänden. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnte unmittelbar nach der Wahl vor einem Handelskrieg, der Deutschland als exportorientierte Volkswirtschaft überproportional treffen würde (Quelle: BDI). Besonders die Automobil- und Maschinenbaubranche blickt mit Sorge auf Washington.

Der Internationale Währungsfonds hatte bereits im Vorfeld der Wahl berechnet, dass umfassende US-Zölle das globale Wirtschaftswachstum um bis zu 0,8 Prozentpunkte dämpfen könnten — für Deutschland, dessen Wirtschaft ohnehin schwächelt, wäre das ein empfindlicher Schlag (Quelle: IWF). Die Bundesregierung signalisierte, man werde eng mit der EU-Kommission koordinieren und gegebenenfalls mit Gegenmaßnahmen reagieren.

US-Präsidentschaftswahlergebnisse: Trumps Stimmenanteile im Vergleich
Wahljahr Trump Wahlmännerstimmen Gegner/Gegnerin Ergebnis
2016 306 Hillary Clinton Trump siegt
2020 232 Joe Biden Trump verliert
aktuell 312 Kamala Harris Trump siegt

Innenpolitik: Trumps Agenda für Amerika

Im Inland kündigt Trump eine radikale Kehrtwende bei Migrationspolitik, Steuern und Energiepolitik an. Massendeportationen, ein Wiederhochfahren fossiler Brennstoffproduktion und Steuersenkungen für Unternehmen stehen ganz oben auf seiner Agenda. Kritiker befürchten eine Erosion demokratischer Institutionen; Trumps Anhänger sehen darin eine überfällige Korrektur einer als zu links wahrgenommenen Bundespolitik.

Bemerkenswert ist dabei auch der persönliche Stil, mit dem Trump in seine zweite Amtszeit geht. Der 79-Jährige, der zuletzt durch ungewöhnliche Aussagen über seinen Lebensstil auffiel — Trump offenbarte eine minimale Fitnessroutine — ist der älteste Präsident, der je in das Amt eingeführt wurde. Gesundheitsfragen könnten während seiner Amtszeit politisch relevant werden.

Auf internationaler Bühne hat Trump auch seine Konflikte mit religiösen Führern nicht beigelegt. Der anhaltende Disput mit dem Vatikan, bei dem Italien den Papst gegen Trumps Kritik in Schutz nahm, und der eskalierte Schlagabtausch zwischen Trump und Papst Leo über die Iran-Frage zeigen, dass der gewählte Präsident auch symbolische Konfrontationen nicht scheut.

Reaktionen aus Deutschland und Europa

Bundeskanzler Olaf Scholz gratulierte Trump in einer knapp gehaltenen Erklärung und betonte die Bedeutung der transatlantischen Partnerschaft. Hinter den Kulissen, so berichteten Diplomatenkreise der dpa, herrsche jedoch erhebliche Nervosität: Man habe wenige belastbare Kanäle in Trumps engsten Beraterkreis (Quelle: dpa).

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen signalisierte Gesprächsbereitschaft, machte aber deutlich, dass Europa seine Interessen — insbesondere beim Klimaschutz, beim Handel und bei der Ukraine-Unterstützung — entschlossen vertreten werde. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron telefonierte nach Medienberichten noch in der Wahlnacht mit Trump und soll dabei sowohl Glückwünsche als auch eine klare Erwartungshaltung übermittelt haben.

Innerhalb Deutschlands spaltete das Ergebnis die politische Landschaft erwartungsgemäß. Während wirtschaftsnahe Kreise und Teile der Union Hoffnung auf eine pragmatischere US-Handelspolitik äußerten, warnten SPD und Grüne vor einem Rückfall in Nationalismus und Isolationismus. Die AfD begrüßte Trumps Sieg offen — ein Signal, das in der europäischen Debatte über den Aufstieg rechtspopulistischer Bewegungen nicht unbemerkt blieb.

Deutschland-Bezug: Deutschland ist als größte Volkswirtschaft der EU und wichtigstes NATO-Mitglied in Europa direkt von Trumps außen- und handelspolitischen Plänen betroffen. Drohende US-Importzölle könnten die exportlastige deutsche Industrie — insbesondere Automobil, Maschinenbau und Chemie — hart treffen. Zugleich steigt der Druck auf Berlin, die Verteidigungsausgaben weiter zu erhöhen und die Bundeswehr schneller zu reformieren. In der Ukraine-Frage droht Deutschland zwischen einem kompromissbereiten Washington und einem auf Unterstützung angewiesenen Kiew zerrieben zu werden. Die Bundesregierung steht vor der schwierigen Aufgabe, Brücken zu bauen — ohne eigene rote Linien aufzugeben.

Ausblick: Eine ungewisse transatlantische Zukunft

Mit Trumps Amtsantritt beginnt für Europa eine Phase strategischer Neubewertung. Die Frage, ob die EU in der Lage ist, als eigenständiger geopolitischer Akteur aufzutreten, stellt sich nun dringlicher denn je. Initiativen zur europäischen Verteidigungsunion, zu einer eigenständigen Industriepolitik und zur Diversifizierung außenpolitischer Partnerschaften werden an Fahrt gewinnen müssen — ob die politischen Kräfte auf dem Kontinent dazu bereit sind, bleibt offen.

Was feststeht: Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus ist kein isoliertes amerikanisches Ereignis. Es ist ein globaler Wendepunkt, dessen Konsequenzen in Berlin, Brüssel, Kiew, Teheran und Peking in den kommenden Jahren spürbar sein werden. Für Deutschland bedeutet das: mehr Eigenverantwortung, mehr Investitionen in Sicherheit und Diplomatie — und die Bereitschaft, auch unbequeme Wahrheiten über die Grenzen der transatlantischen Partnerschaft anzuerkennen.

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Julia Schneider
Gesellschaft & International

Julia Schneider schreibt über gesellschaftliche Trends, internationale Konflikte und humanitäre Themen. Sie hat als Auslandskorrespondentin aus Brüssel und Wien berichtet.

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