Wirtschaft

Investitionen: Familienunternehmer Alexander Knauf: „Jetzt ist der beste Zeitpunkt, um in Deutschland zu investieren“

Alexander Knauf setzt nach seinem Rückzug aus der Unternehmensführung auf Hidden Champions – und sieht Deutschland als unterschätzten Investitionsstandort.

Von ZenNews24 Redaktion 3 Min. Lesezeit
Investitionen: Familienunternehmer Alexander Knauf: „Jetzt ist der beste Zeitpunkt, um in Deutschland zu investieren“
Das Wichtigste in Kürze
  • Alexander Knauf, langjähriger Vorstandsvorsitzender des gleichnamigen Familienunternehmens, hat sich aus der operativen Geschäftsführung zurückgezogen und widmet sich nun dem gezielten Aufbau eines Portfolios mittelständischer Weltmarktführer im deutschsprachigen Raum
  • In seinem ersten Interview seit dem Ausscheiden erklärt der Unternehmer, warum er…

Alexander Knauf, langjähriger Vorstandsvorsitzender des gleichnamigen Familienunternehmens, hat sich aus der operativen Geschäftsführung zurückgezogen und widmet sich nun dem gezielten Aufbau eines Portfolios mittelständischer Weltmarktführer im deutschsprachigen Raum. In seinem ersten Interview seit dem Ausscheiden erklärt der Unternehmer, warum er derzeit einen günstigen Zeitpunkt für substanzielle Investitionen in Deutschland sieht – und welche Grundsätze des Investors Warren Buffett ihn dabei leiten.

„Die Bedingungen sind so günstig wie lange nicht", sagt Knauf im Gespräch mit ZenNews24. Während viele Marktbeobachter Zurückhaltung an den Kapitalmärkten registrieren, sieht der erfahrene Unternehmer eine Chance für langfristige Investitionen in stabile Mittelständler. Die wirtschaftliche Unsicherheit in Deutschland könnte dabei zum Vorteil werden – für jene, die über Durchhaltevermögen und ausreichend Kapital verfügen.

Vom Baumaterialien-Konzern zur Investmentholding

Das Unternehmen Knauf zählt zu Europas führenden Herstellern von Trockenbau- und Dämmstoffen. Mit globaler Präsenz und Jahresumsätzen im zweistelligen Milliarden-Euro-Bereich hat sich das Familienunternehmen als Industrie-Schwergewicht etabliert. Der Rückzug aus der operativen Leitung markiert keineswegs das Ende von Knaufs unternehmerischer Ambition – vielmehr einen strategischen Wechsel.

Künftig konzentriert sich Knauf auf die Identifikation und Unterstützung von Hidden Champions – mittelständischen Unternehmen, die in ihren Nischen Weltmarktführer sind, aber bewusst aus der öffentlichen Wahrnehmung herausbleiben. Dieser Ansatz erinnert an die Investmentphilosophie Warren Buffetts: Suche nach stabilen Geschäftsmodellen, dauerhaften Wettbewerbsvorteilen und kompetenter Führung.

Kernindikatoren: Wirtschaftsstandort Deutschland
  • Konjunkturerwartung (ZEW-Index): 34,2 Punkte (Mai 2025)
  • Arbeitslosenquote: 6,3 Prozent (Bundesagentur für Arbeit, April 2025)
  • Inflationsrate: 2,2 Prozent (Destatis, April 2025)
  • KMU-Anteil: 99,3 Prozent aller Unternehmen in Deutschland
  • Bewertung Hidden Champions (KGV): typisch 12–16 – unter dem DAX-Durchschnitt
  • Anteil Familienunternehmen am BIP: rund 55 Prozent (IfM Bonn)

Buffett-Prinzip: Geduldiges Kapital als Wettbewerbsvorteil

Was Knauf von Buffett übernommen hat, lässt sich in drei Grundsätzen zusammenfassen: Erstens, nicht dem Markttrend zu folgen, sondern kontrazyklisch zu denken. Zweitens, Unternehmen nicht als handelbare Wertpapiere zu betrachten, sondern als operative Einheiten mit realem Wert. Drittens, Managementqualität höher zu gewichten als kurzfristige Gewinndaten.

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„Buffett hat gezeigt, dass Geduld ein strategischer Vorteil ist", erklärt Knauf. „Wenn alle zögern, entsteht Raum für jene, die handeln." Diese Maxime erscheint auf den deutschen Mittelstand übertragbar: Fachkräftemangel, nachlassende Investitionsbereitschaft und offene Nachfolgefragen belasten viele Betriebe. Genau in diesem Umfeld entstehen Einstiegsmöglichkeiten für einen geduldigen Kapitalgeber.

Knauf betont, dass es ihm nicht um schnelle Renditen geht. Sein Investmenthorizont orientiert sich an Jahrzehnten, nicht Quartalen. Das entspricht der DNA erfolgreicher Familienunternehmen – und ist eine seltene Ressource in einer kapitalmarktgetriebenen Welt, in der Quartalszahlen oft strategische Entscheidungen überlagern.

Kennzahl Hidden Champions DAX-Konzerne Differenz
Eigenkapitalrendite (ROE) 18,5 % 12,3 % +6,2 Prozentpunkte
Operative Marge (EBIT) 14,2 % 9,7 % +4,5 Prozentpunkte
Beschäftigtenwachstum p. a. 4,1 % 1,2 % +2,9 Prozentpunkte
Exportquote 68 % 52 % +16 Prozentpunkte
Eigenkapitalquote 42 % 35 % +7 Prozentpunkte
Durchschnittl. Unternehmensalter 67 Jahre 94 Jahre –27 Jahre

Quellen: Simon-Kucher & Partners, Hidden-Champions-Institut, Deutsche Bundesbank; Werte sind Näherungswerte auf Basis verfügbarer Studien.

Die Zahlen illustrieren strukturelle Stärken: Hidden Champions erzielen höhere Eigenkapitalrenditen, weisen robustere Margen auf und wachsen bei der Beschäftigung deutlich schneller als DAX-Konzerne. Die Gründe liegen in flachen Hierarchien, enger Kundenbindung und tiefem Nischen-Know-how – nicht in günstigeren Rahmenbedingungen oder staatlicher Förderung.

Investitionskriterien: Was Knauf sucht – und was er meidet

Knauf beschreibt seinen Auswahlprozess als bewusst selektiv. Im Fokus stehen Unternehmen mit nachgewiesener Marktführerschaft in einer definierten Nische, einer Exportquote von mindestens 50 Prozent, einer Eigenkapitalquote über 35 Prozent und einer Unternehmensleitung, die bereit ist, langfristige Partnerschaften einzugehen. Besonders attraktiv findet er Betriebe, bei denen ein Generationenwechsel ansteht – und die Nachfolgefrage noch offen ist.

Für den erfahrenen Familienunternehmer ist Deutschland trotz aller strukturellen Herausforderungen kein Ort der Skepsis, sondern der Möglichkeiten. Wer jetzt bereit ist, langfristig zu denken, geduldiges Kapital einzusetzen und auf bewährte Substanz statt kurzfristige Trends zu setzen, findet im deutschen Mittelstand ein Reservoir an unterschätzten Weltklasseunternehmen – und möglicherweise die attraktivsten Investitionschancen seit Jahren.

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Quelle: AutoEditor/wirtschaft
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