ZenNews24› Gesellschaft› Systemversagen Berlin: 17 Jahre illegal, Kokain u… Gesellschaft Systemversagen Berlin: 17 Jahre illegal, Kokain und kein Job Illegaler Aufenthalt in Berlin: Algerier sitzt seit 17 Jahren in Deutschland, hat Drogenhandel betrieben und Systemversagen aufgedeckt. Von Felix Braun 06.05.2026, 09:00 Uhr 7 Min. Lesezeit Aktualisiert: 27.06.2026 Das Wichtigste in Kürze Seit 17 Jahren in Europa, kein gültiges Visum, keine Sprache, kein Job – aber Kokain und Amphetamine in BerlinEin EinzelfallNein Siebzehn Jahre in Deutschland, ohne gültigen Aufenthaltsstatus — und trotzdem ist er noch da. Der Fall eines algerischen Mannes, den SPIEGEL TV in einer aktuellen Reportage porträtiert, wirft fundamentale Fragen auf: Wie kann ein System so konsequent scheitern, und wer trägt dafür die Verantwortung?InhaltsverzeichnisEin Porträt, das aufwühlt — und aufklären mussDas Systemversagen hat viele GesichterDie Perspektive der BetroffenenWas Experten und Politik sagenWas jetzt gebraucht wird — konkret Der Mann heißt Noureddine, ist Algerier, lebt seit fast zwei Jahrzehnten ohne Papiere in Berlin und hat nach eigener Aussage jahrelang Kokain verkauft. Er wurde mehrfach polizeibekannt, mehrfach vor Gericht gestellt, mehrfach zur Ausreise aufgefordert — und ist bis heute in Deutschland. Der Fall ist kein Einzelfall. Er ist ein Symptom. ▶ Auf einen BlickDer Fall zeigt massive Schwächen im deutschen Asylsystem und die fehlende Konsequenz bei Ausreisepflichtigen.Die hohe Anzahl geduldeter Ausreisepflichtiger deutet auf ein Problem der Integration und Durchsetzung hin.Die Situation wirft Fragen nach Verantwortlichkeiten und der Effektivität der Behörden auf. Ein Porträt, das aufwühlt — und aufklären muss SPIEGEL TV gab dem Mann vor laufender Kamera die Möglichkeit, seine Geschichte zu erzählen. Was dabei herauskam, ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Noureddine schildert offen, wie er jahrelang dealen musste, weil er keine Arbeitserlaubnis hatte. Er beschreibt die Verwaltungsschleifen, die endlosen Duldungen, die Behördentermine ohne Konsequenz. Und er fragt sich selbst, warum ihn niemand abgeschoben hat. ZenNews24 auf YouTube Diese Offenheit ist journalistisch wertvoll — und politisch explosiv. Denn das Bild, das dabei entsteht, ist kein Porträt eines skrupellosen Kriminellen. Es ist das Porträt eines Mannes, den ein System erzeugt hat, das weder integriert noch konsequent ausweist. Ein Mann im Niemandsland des deutschen Aufenthaltsrechts. Studienlage: Laut dem Statistischen Bundesamt lebten zuletzt rund 245.000 Menschen in Deutschland mit einem sogenannten Duldungsstatus — also ausreisepflichtig, aber faktisch geduldet. Die Bertelsmann Stiftung schätzte in einer Analyse, dass weniger als ein Drittel aller Ausreisepflichtigen tatsächlich abgeschoben wird. Forsan zufolge befürworten rund 68 Prozent der Bevölkerung eine konsequentere Durchsetzung von Abschiebungen bei Straftätern. Das Allensbach-Institut dokumentierte zuletzt eine wachsende gesellschaftliche Ungeduld gegenüber dem, was viele als „Vollzugsdefizit" im Migrationsrecht wahrnehmen. (Quelle: Statistisches Bundesamt, Bertelsmann Stiftung, Forsa, Institut für Demoskopie Allensbach)📩Immer informiert bleibenDie wichtigsten Nachrichten, wenn sie erscheinen.Newsletter holen Das Systemversagen hat viele Gesichter Es wäre zu einfach, die Schuld nur bei den Behörden abzuladen. Das Versagen ist strukturell. Es beginnt mit bilateralen Abkommen — oder dem Fehlen davon. Algerien zählt seit Jahren zu den Staaten, die die Rücknahme eigener Staatsbürger aktiv erschweren oder verzögern. Ohne gültige Reisedokumente, die das Herkunftsland ausstellt, ist eine Abschiebung faktisch nicht möglich. Deutschland sitzt in der Falle einer außenpolitischen Abhängigkeit. Hinzu kommt die chronische Überlastung der Ausländerbehörden. In Berlin, einer Stadt mit einer der höchsten Anerkennungsquoten für Asylbewerber, aber auch einer der höchsten Zahl an abgelehnten Fällen, arbeiten Sachbearbeiter unter enormem Druck. Akten stapeln sich. Fristen werden verschleppt, nicht aus bösem Willen, sondern weil das Verhältnis von Personal zu Fallzahlen seit Jahren außer Kontrolle ist. Das ist kein Berliner Problem — es ist ein bundesdeutsches Strukturproblem. Ähnliche Muster sind aus anderen Bereichen bekannt. Wer sich mit dem Systemversagen bei Jugendämtern befasst, erkennt dieselben Muster: Überlastung, fehlende Ressourcen, bürokratische Parallelwelten, in denen Fälle verschwinden. Und wer sich den Pflegenotstand in der Pandemie vor Augen führt, versteht: Deutschland hat ein strukturelles Problem mit dem Aufrechterhalten staatlicher Funktionsfähigkeit in Bereichen, die chronisch unterfinanziert sind. Warum Duldung oft zur Dauerlösung wird Die Duldung ist rechtlich als temporäres Instrument gedacht — eine kurze Aussetzung der Abschiebung aus humanitären oder praktischen Gründen. In der Praxis wird sie für viele Menschen zur Dauerlösung. Wer drei, fünf, zehn Jahre geduldet wurde, hat oft Bindungen aufgebaut: Sprachkenntnisse, soziale Netzwerke, manchmal Kinder mit deutschem Pass. Dann greift der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Eine Abschiebung wird plötzlich schwieriger zu begründen — juristisch, aber auch menschlich. Für Noureddine kam ein weiterer Faktor hinzu: Er hatte keine legale Einkommensquelle. Arbeitsverbot für Geduldete ohne spezielle Genehmigung ist in Deutschland möglich, aber bürokratisch komplex. Viele scheitern an den Anforderungen oder werden von Arbeitgebern abgewiesen, die das Risiko scheuen. Was bleibt? Für manche Menschen, in bestimmten städtischen Milieus, ist die Antwort: der Drogenmarkt. Dieser Mechanismus ist kein Geheimnis. Er ist seit Jahren bekannt — und wird strukturell nicht behoben. Die Perspektive der Betroffenen Noureddine selbst sagt in der SPIEGEL-TV-Reportage sinngemäß: „Ich wollte nicht dealen. Aber was sollte ich tun?" Das ist keine Entschuldigung, und es darf keine sein. Kokainhandel schadet Menschen, zerstört Leben, finanziert organisierte Kriminalität. Das muss klar benannt werden. Aber es erklärt, wie strukturelle Ausgrenzung und kriminelles Verhalten miteinander verwoben sein können — ohne das eine durch das andere zu entschuldigen.Bildmaterial: ZenNews24 Mediathek Viele Menschen in ähnlichen Situationen berichten von einem Gefühl der totalen Unsichtbarkeit. Sie existieren auf Papier — Duldungsbescheid, Meldepflicht, Behördenpost — aber sie haben keine Zukunft, keine Perspektive, keinen legalen Weg. Die psychische Belastung ist enorm. Sucht, Depression, soziale Isolation sind häufige Begleiterscheinungen eines jahrelangen illegalen Aufenthaltsstatus. Das ist keine Mitleidserzählung, sondern Datenlage. Was Experten und Politik sagen Migrationsrechtsexperten weisen seit Jahren auf das Paradox hin: Je länger ein Verfahren dauert, desto schwerer wird die Abschiebung, weil Integration stattfindet. Gleichzeitig verhindert die rechtliche Unsicherheit echte Integration, weil Bildungs- und Arbeitsmarktförderung an einen gesicherten Status geknüpft ist. Das Ergebnis ist ein Zwischenzustand, der niemandem nützt — weder dem Staat noch den Betroffenen. Politisch wird der Fall instrumentalisiert. Rechtskonservative Stimmen fordern schärfere Abschiebegesetze und schnellere Verfahren. Linke Stimmen verweisen auf die humanitären Dimensionen und die Mitverantwortung des Staates. Beide Seiten haben Argumente — und beide vermeiden die unbequeme Mitte: dass es ohne funktionierende bilaterale Rückführungsabkommen, ausreichend Personal in Behörden und klare Integrationsangebote für diejenigen mit echter Bleibeperspektive keine Lösung geben wird. Innenministerium und Senatsverwaltungen verweisen regelmäßig auf steigende Abschiebezahlen. Tatsächlich wurden zuletzt mehr Abschiebungen vollzogen als in den Vorjahren — doch die Zahl der Ausreisepflichtigen wächst schneller als die Vollzugsquote. Das Vollzugsdefizit ist eine mathematische Realität, keine politische Meinung. Berlin als Sonderfall — und als Spiegel der Nation Berlin ist in der deutschen Migrationsdebatte eine Chiffre. Die Stadt hat eine der liberalsten Ausländerbehörden des Landes, eine aktive Zivilgesellschaft, die Abschiebungen blockiert, und gleichzeitig einige der härtesten urbanen Drogenszenen Europas. Das ist kein Zufall. Es ist das Produkt jahrelanger politischer Entscheidungen — und Nichtentscheidungen. Wer in Berlin lebt, kennt das Bild: Parks, in denen offen gedealt wird. Bezirke, in denen Ordnungsamt und Polizei im Dauereinsatz sind — und trotzdem kaum etwas sich ändert. Das ist kein Angriff auf die Beamten, die dort arbeiten. Es ist eine Beschreibung struktureller Erschöpfung. Der Polizeieinsatz am 1. Mai in Berlin zeigt exemplarisch, wie die Stadt mit der Spannung zwischen Freiheit und Ordnung umgeht — und wie viel Kapazität der Ordnungsstaat dafür aufwenden muss. Was fehlt, ist kein strengerer Ton. Was fehlt, sind Strukturen: Rückführungsabkommen, die funktionieren. Behörden, die personell ausgestattet sind. Verfahren, die in Monaten abgeschlossen werden, nicht in Jahren. Und klare Entscheidungen: wer bleibt, bekommt Perspektive — wer gehen muss, geht. Die gesellschaftliche Dimension dieser Fragen ist nicht losgelöst von größeren Entwicklungen. Die gesellschaftliche Bilanz der Corona-Pandemie hat gezeigt, wie tiefe Risse durch das Vertrauen in staatliche Institutionen gehen — und wie gefährlich es ist, wenn der Staat wiederholt ankündigt, aber nicht handelt. Dieses Vertrauensproblem betrifft Migrationspolitik heute in besonderer Schärfe. Was jetzt gebraucht wird — konkret Beratungsstelle Migrationsrecht: Das Migrationsberatungszentrum Berlin bietet kostenlose Rechtsberatung für Menschen mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus — unabhängig von Vorstrafenregistern als erste Kontaktstelle nutzbar. Bundespolitik: Der Ausbau von Rückführungsabkommen mit Herkunftsländern wie Algerien muss zur außenpolitischen Priorität werden — mit konkreten Zeithorizonten und parlamentarischer Kontrolle. Personaloffensive Ausländerbehörden: Eine bundesweite Aufstockung der Behördenstellen für Migrationsverfahren ist überfällig — die Bertelsmann Stiftung empfiehlt Mindeststandards für Bearbeitungszeiten als rechtlich verbindliche Zielgrößen. Arbeitsmarktzugang für Geduldete: Ein vereinfachtes Verfahren für die Beschäftigungserlaubnis bei langfristig Geduldeten würde die strukturelle Ausgrenzung vom Arbeitsmarkt verringern — und damit einen zentralen Push-Faktor für Schattenwirtschaft und Kriminalität reduzieren. Konsequente Strafverfolgung bei Schwerkriminalität: Wiederholte Straftaten müssen beschleunigt zu aufenthaltsbeendenden Maßnahmen führen — dafür brauchen Gerichte und Staatsanwaltschaften ausreichend Kapazitäten und klare Verfahrenspfade ohne monatelange Wartezeiten. Aktivismus allein löst das Problem nicht. Härte allein auch nicht. Was der Fall Noureddine zeigt, ist die Konsequenz von beidem zugleich: einer liberalen Rhetorik ohne Umsetzungskraft und einer harten Rhetorik ohne Umsetzungswillen. Das Ergebnis sind 17 Jahre Illegalität, ein Kokainhandel als Überlebensstrategie — und ein Land, das sich fragen lassen muss, wie es dazu kommen konnte. Solche Fragen unbequem zu stellen, gehört zu den Kernaufgaben des Journalismus — auch dann, wenn die Antworten keine Partei vollständig entlasten. Ähnlich wie bei der Debatte um drei Jahre Klimaprotest zeigt sich: gesellschaftliche Probleme, die ignoriert oder rhetorisch überlagert werden, verschwinden nicht. Sie eskalieren. Noureddine ist ein Name. Hinter ihm stehen Zehntausende Menschen in ähnlichen Situationen, die keine Kamera haben, die ihre Geschichte erzählt. Das ist das eigentliche Systemversagen — nicht ein einzelner Mann, sondern ein kollektives Organisationsversagen eines Staates, der den Anspruch hat, Rechtsstaat zu sein. Mehr zum ThemaTU Berlin: Hauptgebäude bleibt gesperrt – Wissenschaftssenatorin räumt Versäumnisse einTU Berlin: Sanierungsstau von 2,3 Milliarden Euro – Hauptgebäude gesperrtVerzerren Turbo-Einbürgerungen die Kriminalstatistik? EinordnungDie Meldung beleuchtet ein strukturelles Problem im deutschen Aufenthaltsrecht. Sie verdeutlicht die Herausforderungen bei der Aussetzung von Ausreisepflichten und die Notwendigkeit einer effektiveren Umsetzung. ZZenNews24 RedaktionUnabhängige Nachrichtenredaktion · Schwerpunkt: Gesellschaft Teilen Teilen X Facebook WhatsApp Link kopieren Wie findest du das? 🔥 0 😲 0 🤔 0 👍 0 😢 0 Gesellschaft Systemversagen Berlin Jahre Kokain Fall F Felix Braun Investigativ & Analyse Felix Braun recherchiert tief, wo andere an der Oberfläche bleiben. Er deckt Missstände auf, hinterfragt offizielle Aussagen und bringt Hintergründe ans Licht, die sonst verborgen blieben. Das könnte dich interessieren › Gesellschaft Hitze in Europa: 100 Grad Bodentemperatur auf der Baustelle – und Schneematsch am Mont Blanc 10 Std. her Gesellschaft Bad Langensalza: Streit in Café – 25-Jähriger stirbt nach Messerattacke 25.06.2026 Gesellschaft Herbert Grönemeyer: Musiker erhält Deutschen Nationalpreis und kritisiert deutsche Politiker 24.06.2026 Gesellschaft Wohnungsnot: Mietpreise in Großstädten steigen weiter 24.06.2026 Gesellschaft Taylor Swift und Travis Kelce: Wird da etwa doch schon geheiratet? 21.06.2026 Gesellschaft Wohnungsnot: Junge Erwachsene ziehen später aus 21.06.2026 Gesellschaft Dua Lipa und Callum Turner sammeln mit Hochzeitsbildern Millionen Likes 20.06.2026 Gesellschaft Nürnberg: Grooming-Bande missbraucht Minderjährige — Das Rotherham-Muster in Deutschland 19.06.2026 Auch interessant › Sport Julian Nagelsmann bei der Fußball-WM 2026: Der Ohnmächtige - Kommentar 2 Std. her Regional Kieler Woche: Rund 185.000 Menschen beobachten Windjammerparade 4 Std. her Gesundheit Sonnenbrillen: Worauf Sie beim Schutz für die Augen achten sollten 13 Std. her Sport Deutschland 1:2 gegen Ecuador: »Diese Mannschaft braucht Orientierung« – Pressestimmen 16 Std. her Sport WM 2026: Neuseeland 1:5 Belgien — Spielbericht 27.06.2026 16 Std. her Sport WM 2026: Ägypten 1:1 Iran — Spielbericht 27.06.2026 16 Std. her Sport WM 2026: Kap Verde 0:0 Saudi-Arabien — Spielbericht 27.06.2026 19 Std. her Sport WM 2026: Uruguay 0:1 Spanien — Spielbericht 27.06.2026 19 Std. her Mehr aus Gesellschaft › Gesellschaft Hitze in Europa: 100 Grad Bodentemperatur auf der Baustelle – und Schneematsch am Mont Blanc 10 Std. her Gesellschaft Bad Langensalza: Streit in Café – 25-Jähriger stirbt nach Messerattacke 25.06.2026 Gesellschaft Herbert Grönemeyer: Musiker erhält Deutschen Nationalpreis und kritisiert deutsche Politiker 24.06.2026 Gesellschaft Wohnungsnot: Mietpreise in Großstädten steigen weiter 24.06.2026 Gesellschaft Taylor Swift und Travis Kelce: Wird da etwa doch schon geheiratet? 21.06.2026 Gesellschaft Wohnungsnot: Junge Erwachsene ziehen später aus 21.06.2026 Gesellschaft Dua Lipa und Callum Turner sammeln mit Hochzeitsbildern Millionen Likes 20.06.2026 Gesellschaft Nürnberg: Grooming-Bande missbraucht Minderjährige — Das Rotherham-Muster in Deutschland 19.06.2026 ← Gesellschaft Spanien nimmt Kreuzfahrtpassagiere mit Hantavirus-Verdacht auf Gesellschaft → Portugal Cannabis Tourismus: Der Guide für Deutsche Reisende