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Djokovic triumphiert: Siebter Wimbledon-Titel trotz Widrigkeiten

Wie der Serbe trotz Verletzung und Zweifeln triumphierte

Von Sarah Müller 5 Min. Lesezeit Aktualisiert: 08.05.2026
Djokovic triumphiert: Siebter Wimbledon-Titel trotz Widrigkeiten

Wimbledon 2022 wird für immer als das Turnier in Erinnerung bleiben, in dem Novak Djokovic gegen alle Widrigkeiten ankämpfte – und gewann. Der serbische Tennisstar triumphierte im All England Club und sicherte sich seinen siebten Wimbledon-Titel, obwohl er mit Knieproblemen kämpfte, von Teilen der Fachwelt skeptisch beäugt wurde und nach einem turbulenten Saisonstart erst wieder in Turnierrhythmus finden musste. Ein Triumph der Willenskraft – und ein Beleg dafür, warum Djokovic auf Rasen schlicht eine Klasse für sich ist.

Das Wichtigste in Kürze
  • Zurück im Rampenlicht: Djokovics schwieriger Weg nach London
  • Eine märchenhafte Reise durch das Turnier
  • Warum dieser Titel besonders zählt

Zurück im Rampenlicht: Djokovics schwieriger Weg nach London

Schlüsselzahlen: Djokovic gewann Wimbledon 2022 ohne Satzverlust bis zum Halbfinale – nur im Finale musste er den ersten Satz abgeben.

Novak Djokovic stand vor Wimbledon 2022 unter ungewöhnlichem Druck – für seine Verhältnisse. Nach seiner Ausweisung aus Australien im Januar 2022, dem daraus resultierenden Verpass des Australian Open sowie der Nichtteilnahme an den US Open 2021 wegen seines Impfstatus war der Champion aus Belgrad in der Weltrangliste auf Platz drei abgerutscht. Rafael Nadal, frisch gebackener French-Open-Sieger und Träger von damals 22 Grand-Slam-Titeln, thronte über dem Feld.

Djokovic selbst gab vor dem Turnier offen zu, mit einem Knieproblem zu kämpfen – keine ideale Ausgangslage für einen Spieler, der in London seinen siebten Titel anstrebte. Zur Einordnung: Bisher hatte er Wimbledon 2011, 2014, 2015, 2018, 2019 und 2021 gewonnen – sechs Mal, nicht zwei Mal, wie manchmal vereinfacht dargestellt wird. Ein siebter Titel wäre ein weiterer Meilenstein in einer bereits historischen Karriere.

Die Vorbereitungsphase verlief holprig. Djokovic hatte in der Sandplatzsaison nur wenige Matches absolviert und beim BOSS Open in Stuttgart immerhin das Finale erreicht, in Eastbourne früh verloren. Sein Rhythmus fehlte, sein Knie schmerzte, und die britische Presse stellte offen die Frage, ob ein 35-Jähriger mit gesundheitlichen Einschränkungen noch das Niveau für einen Wimbledon-Triumph mitbringe. Die Antwort sollte auf dem Rasen gegeben werden.

Schlüsselzahlen: Djokovic gewann Wimbledon 2022 ohne Satzverlust bis zum Halbfinale – nur im Finale musste er den ersten Satz abgeben. Er spielte insgesamt 7 Matches, gewann 20 von 27 Sätzen im gesamten Turnier und verwandelte seinen ersten Matchball im Finale. Mit 35 Jahren und 345 Tagen war er beim Titelgewinn der älteste Wimbledon-Champion der Open Era.

Eine märchenhafte Reise durch das Turnier

Mit sieben Wimbledon-Titeln egalisiert Djokovic einen Rekord, den lange Zeit als unerreichbar galt – und beweist damit einmal mehr, dass Rasenplätze sein bevorzugtes Spielfeld sind, wo er mit seiner präzisen Grundlinienstabilität und dem perfekten Timing seinen Gegnern strukturell überlegen ist.

Frühe Runden: Der Champion findet sich

In der ersten Woche zeigte sich schnell: Djokovic war nicht nach London gereist, um die Atmosphäre zu genießen – er wollte den Titel. In seinen Auftaktmatches gegen den südkoreanischen Qualifikanten Soonwoo Kwon sowie Thanasi Kokkinakis dominierte er souverän. Das Knie schien unter Kontrolle, sein Aufschlag lief, und mit jedem gewonnenen Satz kehrte die Sicherheit zurück, die ihn so gefährlich macht.

Der entscheidende Fingerzeig kam im Viertelfinale gegen den aufstrebenden Italiener Jannik Sinner. Der Südtiroler, damals 20 Jahre alt und voller Energie, lieferte Djokovic einen echten Fight – der Serbe musste über fünf Sätze, verlor zwischenzeitlich den dritten und vierten Durchgang und schien kurz angreifbar. Doch genau in solchen Momenten trennen sich Champions von Titelanwärtern. Djokovic steigerte sich im Entscheidungssatz, spielte präziser, geduldiger, kompromissloser – und gewann. Das war das Signal: Dieser Mann hat den Hunger nicht verloren.

Im Halbfinale wartete der britische Lokalmatador Cameron Norrie, der das Publikum in Wallung gebracht hatte. Djokovic ließ sich von der Stimmung nicht beirren und siegte in vier Sätzen. Er wirkte fokussiert, fast klinisch – ein Meister seines Handwerks, der genau weiß, wann er Gas gibt und wann er spart.

Das Finale gegen Nick Kyrgios: Drama in drei Stunden

Das Finale gegen den Australier Nick Kyrgios entwickelte sich zu einem der unterhaltsamsten Endspiele der jüngeren Wimbledon-Geschichte. Kyrgios, bekannt für seinen explosiven Aufschlag, seine unorthodoxen Unterhand-Rückspiele und seine Fähigkeit, ein Publikum zu polarisieren, hatte sich überzeugend durchs Tableau gekämpft – unter anderem nach dem Rückzug von Rafael Nadal im Halbfinale. Er war hungrig, er war gefährlich, und er hatte nichts zu verlieren.

Der erste Satz gehörte dem Australier. Kyrgios servierte wie ein Verrückter, variierte geschickt und zwang Djokovic zu Fehlern, die man von ihm selten sieht. Das Centre Court-Publikum tobte. Plötzlich war da wieder die alte Frage: Ist das Knie doch ein Problem? Fehlt der Matchrhythmus?

Djokovic antwortete mit dem, was ihn ausmacht: Geduld und Unnachgiebigkeit. Im zweiten Satz stabilisierte er sein Return-Spiel, ließ Kyrgios' Fehlerquote steigen und gewann klar mit 6:3. Der dritte Satz folgte dem gleichen Muster – Djokovic schraubte den Druck kontinuierlich hoch, Kyrgios wurde unruhiger, aggressiver, impulsiver. Das vierte Set brachte den emotionalen Höhepunkt: Ein langer Tiebreak, in dem beide Spieler alles gaben, in dem Kyrgios mit unglaublichen Winnern auftrumpfte und Djokovic mit eisernen Nerven konterte. Am Ende setzte sich der Serbe im Tiebreak durch.

Das Endergebnis: 4:6, 6:3, 6:4, 7:6(3) für Novak Djokovic. Sieben Wimbledon-Titel. Gleichstand mit Pete Sampras, nur noch einer hinter dem ewigen Rekordhalter Roger Federer.

Wimbledon 2022 – Djokovics Weg zum Titel
Runde Gegner Ergebnis
1. Runde Soonwoo Kwon (KOR) 6:3, 3:6, 6:3, 6:3
2. Runde Thanasi Kokkinakis (AUS) 6:1, 6:4, 6:2
3. Runde Tim van Rijthoven (NED) 6:2, 4:6, 6:1, 6:2
Achtelfinale Christophe Laporte (FRA) 6:2, 6:3, 3:6, 6:3
Viertelfinale Jannik Sinner (ITA) 5:7, 2:6, 6:3, 6:2, 6:2
Halbfinale Cameron Norrie (GBR) 2:6, 6:3, 6:2, 6:4
Finale Nick Kyrgios (AUS) 4:6, 6:3, 6:4, 7:6(3)
Wimbledon 2022: Djokovics siebter Titel

Warum dieser Titel besonders zählt

Es wäre bequem, Djokovics siebten Wimbledon-Titel als weiteren Eintrag in einer langen Liste von Erfolgen abzuhaken. Das würde dem Moment nicht gerecht werden. Dieser Triumph war anders. Er kam nach Monaten der Unsicherheit, politischer Kontroversen rund um seinen Impfstatus, einem geschwächten Körper und einem mentalen Kraftakt, den nur wenige Athleten leisten können.

Djokovic hat bewiesen, dass er auf Grand-Slam-Niveau auch dann liefert, wenn die Umstände gegen ihn stehen. Sein Spiel auf Rasen ist eine eigene Kunstform: Die Antizipation im Return, die Fähigkeit, die Ballgeschwindigkeit zu variieren, die körperliche Flexibilität in den Grundlinienduellen – all das funktionierte in London auf höchstem Niveau.

Und Nick Kyrgios? Er hat gezeigt, dass er zu den zehn besten Spielern der Welt gehören kann, wenn er es will. Sein Finale war kein Versagen – es war eine Bestätigung. Der Australier verlor gegen einen der Größten des Sports in einem Match, das das Centre Court-Publikum in Ekstase versetzte. Wer Wimbledon 2022 live verfolgt hat, wird dieses Finale so schnell nicht vergessen.

Für Djokovic geht die Jagd weiter. Der Grand-Slam-Rekord ist sein erklärtes Ziel – und nach London zweifelt daran kaum noch jemand. Der Mann mit dem eisernen Willen ist zurück. Wimbledon hat das eindrucksvoll bewiesen.

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Quellen:
  • DFB — dfb.de
  • Kicker Sportmagazin — kicker.de
  • Sport1 — sport1.de
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Sarah Müller
Sport & Regional

Sarah Müller berichtet über Bundesliga, Leichtathletik und regionale Sportthemen. Sie verfolgt die Entwicklungen im deutschen Profisport und beleuchtet Hintergründe abseits der Tabelle.

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