ZenNews24› Finanzen› Wohn-Riester: Förderung fürs Eigenheim nutzen Finanzen Wohn-Riester: Förderung fürs Eigenheim nutzen Wer profitiert, wie es funktioniert, was man beachten muss Von Laura Fischer 21.07.2025, 00:00 Uhr 7 Min. Lesezeit Aktualisiert: 07.05.2026 Das Wichtigste in Kürze Die Wohn-Riester-Förderung, gesetzlich im Eigenheimrentengesetz (EigRentG) verankert, erlaubt es Sparern, ihre geförderte Altersvorsorge zugunsten... Die Riester-Alternative prüfen-Rente gilt vielen als bürokratisches Dickicht – doch wer die Mechanik des Wohn-Riesters wirklich durchdringt, kann sich einen erheblichen staatlichen Zuschuss zur Eigenheimfinanzierung sichern. Millionen Verbraucher lassen diese Förderung jedes Jahr ungenutzt liegen, weil sie die Bedingungen scheuen oder falsch einschätzen. Dabei ist das Prinzip mit dem richtigen Wissen handhabbar. Wer nicht versteht, wie das System funktioniert, verliert bares Geld.InhaltsverzeichnisWas ist Wohn-Riester und wie funktioniert das System?Wer hat Anspruch auf Wohn-Riester?Die finanzielle Mechanik: Zulagen, Steuern und das WohnförderkontoRiester-Darlehen versus Kapitalentnahme: Zwei Wege zum EigenheimVor- und Nachteile auf einen BlickPraktische Hinweise: Was Sparer konkret beachten müssen Die Wohn-Riester-Förderung, gesetzlich im Eigenheimrentengesetz (EigRentG) verankert, erlaubt es Sparern, ihre geförderte Altersvorsorge zugunsten einer Immobilienfinanzierung einzusetzen. Das Prinzip klingt verlockend: Der Staat unterstützt Sie mit Zulagen und Steuervergünstigungen, während Sie sich Ihren Traum vom Eigenheim erfüllen. Doch zwischen Anspruch und Realität liegen erhebliche Unterschiede, die viele Sparer erst während der Umsetzung entdecken. Was ist Wohn-Riester und wie funktioniert das System? Wohn-Riester ist eine spezielle Variante der staatlich geförderten Altersvorsorge, die seit 2008 mit Einführung des Eigenheimrentengesetzes existiert. Das Grundkonzept ist klar umrissen: Sie schließen einen zertifizierten Riester-Vertrag ab – etwa einen Banksparplan, einen Fondssparplan oder ein Riester-Darlehen – und nutzen das angesparte Kapital gezielt für den Erwerb oder Bau einer Immobilie. ZenNews24 auf YouTube Im Unterschied zur klassischen Riester-Rente, die im Rentenalter als monatliche Zahlung ausgekehrt wird, fließt das Kapital beim Wohn-Riester direkt in die Immobilienfinanzierung. Das gesamte geförderte Kapital – Eigenbeiträge, Zulagen und erzielte Erträge – darf für den Erwerb, den Bau oder bestimmte Umbaumaßnahmen einer selbstgenutzten Wohnimmobilie eingesetzt werden. Möglich ist außerdem, ein Riester-Darlehen direkt zur Finanzierung aufzunehmen und die Zulagen für die Tilgung zu verwenden. Die staatliche Unterstützung erfolgt auf zwei Wegen: Zum einen werden Riester-Zulagen direkt dem Vertrag gutgeschrieben, zum anderen können die geleisteten Eigenbeiträge als Sonderausgaben in der Einkommensteuererklärung geltend gemacht werden – bis zu einem jährlichen Höchstbetrag von 2.100 Euro. Übersteigt der steuerliche Vorteil die bereits gewährten Zulagen, erstattet das Finanzamt die Differenz. (Quelle: Bundesministerium der Finanzen)📩Immer informiert bleibenDie wichtigsten Nachrichten, wenn sie erscheinen.Newsletter holen Die Grundzulage beträgt derzeit 175 Euro pro Jahr für jeden unmittelbar Berechtigten. Für Kinder, die ab dem 1. Januar 2008 geboren wurden, kommen 300 Euro pro Kind und Jahr hinzu – für Kinder mit Geburtsdatum vor 2008 sind es 185 Euro. Wer bei Abschluss des Vertrags noch keine 25 Jahre alt war, erhält einmalig einen Berufseinsteiger-Bonus von 200 Euro. Um die volle Grundzulage zu erhalten, muss der Sparer mindestens vier Prozent seines rentenversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens einzahlen – abzüglich der staatlichen Zulagen. Das ist der sogenannte Mindesteigenbeitrag. Wer hat Anspruch auf Wohn-Riester? Anspruchsberechtigung und Voraussetzungen Nicht jeder darf Wohn-Riester in Anspruch nehmen. Grundsätzlich anspruchsberechtigt sind Personen, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind – also die große Mehrheit der abhängig Beschäftigten. Ebenfalls berechtigt sind Bezieher von Arbeitslosengeld I sowie Personen in Elternzeit, die weiterhin der Rentenversicherungspflicht unterliegen. Beamte sind nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert, gelten aber ausdrücklich als unmittelbar förderberechtigt, da sie Versorgungsansprüche gegenüber dem Dienstherrn haben. Nicht anspruchsberechtigt sind hingegen die meisten Selbstständigen und Freiberufler, sofern sie nicht freiwillig in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert sind. Darüber hinaus gibt es die Gruppe der mittelbar Berechtigten: Ehepartner oder eingetragene Lebenspartner einer unmittelbar berechtigten Person können ebenfalls einen Riester-Vertrag abschließen und Zulagen erhalten – auch wenn sie selbst nicht pflichtversichert sind. Voraussetzung ist, dass beide Partner eigene Verträge führen und der mittelbar Berechtigte einen Sockelbeitrag von mindestens 60 Euro pro Jahr leistet. Die Immobilie – welche Anforderungen muss sie erfüllen? Gefördert werden ausschließlich selbstgenutzte Wohnimmobilien im Europäischen Wirtschaftsraum. Vermietungsobjekte, Ferienwohnungen und reine Zweitwohnsitze sind von der Förderung ausdrücklich ausgeschlossen. Der Hauptwohnsitz muss in der geförderten Immobilie liegen. Zulässige Objektarten umfassen Einfamilienhäuser, Eigentumswohnungen und Mehrfamilienhäuser, sofern der Fördernehmer eine Wohneinheit selbst bewohnt. Die Fördermittel können außerdem für anerkannte altersgerechte Umbaumaßnahmen genutzt werden – etwa den Einbau eines Treppenlifts oder die Verbreiterung von Türdurchgängen. Reine Instandhaltungen oder Luxussanierungen wie eine neue Einbauküche fallen nicht darunter. Der Umbau muss nachweislich zu einer Verbesserung der Barrierefreiheit führen. Die finanzielle Mechanik: Zulagen, Steuern und das Wohnförderkonto Das technisch anspruchsvollste Element des Wohn-Riesters ist das sogenannte Wohnförderkonto. Da beim Wohn-Riester keine monatliche Rente ausgezahlt wird, aus der die nachgelagerte Besteuerung erfolgen könnte, schafft der Gesetzgeber ein fiktives Konto: Alle geförderten Beträge – Eigenleistungen, Zulagen und bei einem Riester-Darlehen die getilgten Beträge – werden dort erfasst und jährlich mit zwei Prozent verzinst. Dieser Betrag stellt die steuerliche Bemessungsgrundlage für das Rentenalter dar. Im Rentenalter – frühestens ab dem 60. Lebensjahr, bei Verträgen ab 2012 ab dem 62. Lebensjahr – wird das aufgelaufene Wohnförderkonto dann als Einkommen versteuert. Der Sparer kann zwischen zwei Modellen wählen: Entweder er versteuert den Gesamtbetrag auf einen Schlag mit einem Rabatt von 30 Prozent, oder er lässt den Betrag bis zum 85. Lebensjahr gleichmäßig auf die jährliche Steuerlast verteilen. Merkmal Klassische Riester-Rente Wohn-Riester (Darlehen) Wohn-Riester (Entnahme) Grundzulage 175 €/Jahr 175 €/Jahr 175 €/Jahr Kinderzulage (ab 2008) 300 €/Kind/Jahr 300 €/Kind/Jahr 300 €/Kind/Jahr Sonderausgabenabzug bis 2.100 €/Jahr bis 2.100 €/Jahr bis 2.100 €/Jahr Auszahlungsform Monatliche Leibrente Tilgungsleistung Einmalentnahme Nachgelagerte Besteuerung Ja, als Renteneinkommen Ja, über Wohnförderkonto Ja, über Wohnförderkonto Flexibilität bei Nutzung Gering Mittel Hoch (bei Vertragsende) Mindestnutzungsdauer Bis Rentenalter Bis Rentenalter Bis Rentenalter Riester-Darlehen versus Kapitalentnahme: Zwei Wege zum Eigenheim Wohn-Riester funktioniert in der Praxis auf zwei unterschiedliche Arten. Der erste Weg ist die Entnahme aus einem bestehenden Riester-Sparvertrag: Sie haben jahrelang in einen Riester-Bankspar- oder Fondsplan eingezahlt und entnehmen das angesparte Kapital – mindestens 3.000 Euro, maximal das gesamte Guthaben – für die Immobilienfinanzierung. Die Entnahme ist zu Beginn der Ansparphase, beim Übergang in die Auszahlungsphase oder für altersgerechte Umbauten möglich. Der zweite Weg ist das direkte Riester-Darlehen: Hier nehmen Sie kein klassisches Riester-Sparguthaben auf, sondern ein zertifiziertes Baudarlehen, dessen Tilgungsraten mit den staatlichen Zulagen subventioniert werden. Dieses Modell hat sich in der Praxis als das verbreitetere durchgesetzt, weil es keine lange Ansparphase voraussetzt und die Förderung sofort in die Tilgung fließt. Beide Varianten unterliegen der nachgelagerten Besteuerung über das Wohnförderkonto. Ein häufiger Fehler: Sparer unterschätzen die Steuerlast im Rentenalter und planen nicht ausreichend Liquidität ein. Wer im Berufsleben hohe Steuervorteile mitgenommen hat, wird im Rentenalter entsprechend belastet – wenn auch in der Regel auf einem niedrigeren Steuerniveau. Vor- und Nachteile auf einen Blick Wohn-Riester ist kein Produkt für jeden. Die Vorteile liegen auf der Hand: staatliche Zulagen, steuerliche Absetzbarkeit und der Aufbau schuldenfreien Wohneigentums als Teil der Altersvorsorge. Gerade Familien mit mehreren Kindern profitieren überproportional, weil die Kinderzulagen die Eigenleistung spürbar reduzieren können. Die Nachteile sind jedoch substanziell: Das Wohnförderkonto wächst unaufhaltsam und muss im Rentenalter versteuert werden – unabhängig davon, ob die Immobilie zu diesem Zeitpunkt noch im Besitz des Sparers ist oder nicht. Wer die Immobilie vor Renteneintritt verkauft oder dauerhaft vermietet, muss die gesamte Förderung zurückzahlen, sofern kein neues gefördertes Objekt erworben oder das Kapital in einen anderen Riester-Vertrag übertragen wird. Diese Rückzahlungspflicht trifft Sparer regelmäßig unvorbereitet. Hinzu kommt die Komplexität der Produkte: Nicht alle Anbieter sind in der Lage, Wohn-Riester-Verträge sauber zu administrieren. Fehler bei der Zulagebeantragung oder der Meldung ans Finanzamt können kostspielig werden. Eine unabhängige Beratung – etwa über die Verbraucherzentrale oder einen zertifizierten Finanzberater – ist in jedem Fall empfehlenswert. Wusstest du schon? Beim Wohn-Riester können Sparer bis zu 2.100 Euro jährliche Förderung (Grundzulage plus Kinderzulagen) erhalten – doch etwa 60 % der Berechtigten nutzen diese Möglichkeit nicht. Praktische Hinweise: Was Sparer konkret beachten müssen Der Eigenanteil muss korrekt berechnet werden. Wer zu wenig einzahlt, erhält nur anteilige Zulagen. Die Formel lautet: Vier Prozent des rentenversicherungspflichtigen Vorjahresbruttoeinkommens minus der zustehenden Zulagen ergibt den Mindesteigenbeitrag – mindestens jedoch 60 Euro pro Jahr. Der Sockelbeitrag ist unabhängig vom Einkommen. Die Zulagen müssen jährlich beantragt werden, sofern kein Dauerzulageantrag beim Anbieter hinterlegt ist. Wird der Antrag vergessen, verfällt die Zulage für dieses Jahr – eine der häufigsten und vermeidbarsten Fallen beim Riester-System. Wer seinen Wohn-Riester-Vertrag kündigt oder das Kapital zweckwidrig verwendet, löst eine vollständige Rückforderung der Förderung aus. Das Bundeszentralamt für Steuern überwacht die Einhaltung der Fördervoraussetzungen und setzt entsprechende Bescheide durch. Fakten-Box: Wohn-Riester auf einen Blick Grundzulage: 175 Euro pro Jahr und Person Kinderzulage: 300 Euro pro Kind (Geburt ab 2008) / 185 Euro (Geburt vor 2008) Berufseinsteiger-Bonus: einmalig 200 Euro (Abschluss vor dem 25. Geburtstag) Sonderausgabenabzug: bis 2.100 Euro pro Jahr Mindesteigenbeitrag: 4 % des Vorjahresbruttoeinkommens minus Zulagen (mind. 60 Euro) Wohnförderkonto-Verzinsung: 2 % jährlich Rentenalter-Besteuerung: Einmalversteuerung mit 30 % Rabatt oder Verteilung bis 85. Lebensjahr Geförderte Objekte: selbstgenutzte Immobilien im Europäischen Wirtschaftsraum Gesetzliche Grundlage: Eigenheimrentengesetz (EigRentG), in Kraft seit 2008 Mindestentnahme: 3.000 Euro aus bestehendem Riester-Spar Das könnte dich auch interessierenETF-Sparplan: Welcher Broker ist am günstigsten?Dividendenaktien für Einsteiger: Wie man auswähltFinanzplan erstellen: In 5 Schritten zur ÜbersichtETF und Steuern: Was Anleger wissen müssen Lesen Sie auchRiester-Rente: Für wen sie sich noch lohntErbschaft und Schenkung: Freibeträge optimal nutzenSparerpauschbetrag optimal nutzen: Tipps für Paare Mehr zum ThemaKfW-Förderung: Diese Zuschüsse bekommst du für dein HausWohngeld: Wer es bekommt und wie man es beantragtAuf Geldreise ARD: Mit 60 in Rente – realistisch oder Märchen? 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