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MKBHD: iPhone 16 Pro: Der ehrlichste Test aus den USA

Veröffentlicht: 25. September 2024 | Reaktion auf: MKBHD YouTube-Kanal „Marques Brownlee" — iPhone 16 Pro Review (September 2024)

Von Markus Bauer 7 Min. Lesezeit Aktualisiert: 07.05.2026
MKBHD: iPhone 16 Pro: Der ehrlichste Test aus den USA

Rund 79 Millionen iPhones verkauft Apple laut IDC-Schätzungen allein im vierten Quartal eines durchschnittlichen Jahres — doch der YouTuber Marques Brownlee, bekannt unter dem Kürzel MKBHD, stellt in seinem ausführlichen iPhone-16-Pro-Review eine unbequeme Frage: Rechtfertigt das neue Modell wirklich den Aufpreis gegenüber seinem Vorgänger? Seine Antwort fällt differenzierter aus, als Apple-Fans erhofft haben dürften.

Kerndaten: Apple iPhone 16 Pro | Chip: A18 Pro (3-nm-Fertigung, TSMC) | Display: 6,3 Zoll Super Retina XDR, 120 Hz ProMotion | Kamera: 48 MP Hauptkamera, 48 MP Ultraweitwinkel (neu), 12 MP 5-fach-Tele | Akku: ca. 3.582 mAh, USB-C Laden bis 27 Watt | Speicher: ab 256 GB | Preis (USA): ab 999 USD | Betriebssystem: iOS 18 | Besonderheit: Camera Control Button, Apple Intelligence (KI-Funktionen, zunächst nur Englisch) | Marktstart: 20. September 2024

Was MKBHD wirklich gemessen hat — und was er vermisst

Brownlees Test ist kein Hochglanz-Unboxing. Der US-amerikanische Tech-Journalist, dessen Kanal über 18 Millionen Abonnenten zählt, konzentriert sich auf messbare Unterschiede: Kameraleistung im direkten A/B-Vergleich mit dem iPhone 15 Pro, Akkulaufzeit unter identischen Bedingungen und die praktische Nutzbarkeit neuer Hardware-Features. Sein Urteil lässt sich grob in drei Bereiche gliedern: echte Verbesserungen, solide Kontinuität und eine neue Taste, deren Sinn sich noch beweisen muss.

Der größte sichtbare Fortschritt liegt laut MKBHD in der Ultraweitwinkellkamera. Das Vorjahresmodell arbeitete noch mit 12 Megapixeln; das iPhone 16 Pro liefert nun 48 Megapixel auf diesem Objektiv — ein Schritt, den viele Nutzerinnen und Nutzer im Alltag tatsächlich spüren werden. Makroaufnahmen, Gruppenfotos in engen Räumen, architektonische Dokumentation: All das profitiert von der höheren Auflösung und dem verbesserten Autofokus. Apple gibt an, die Lichtaufnahme des Sensors deutlich erhöht zu haben, was sich in Brownlees Nachtvergleichen bestätigt.

Camera Control: Innovation oder Suche nach einem Problem?

Die neue „Camera Control"-Taste auf der rechten Geräteseite ist das auffälligste Hardware-Novum. Sie lässt sich drücken, wischen und antippen und soll den Zugriff auf Kamerafunktionen beschleunigen. MKBHD zeigt sich skeptisch: In der Praxis reagiert die Taste verzögert, die Haptik unterscheidet sich kaum von einem versehentlichen Wischen, und viele der Funktionen sind über den Touchscreen schneller erreichbar. Er vergleicht die Situation mit frühen Smartwatch-Interaktionen — Hardware, die theoretisch sinnvoll klingt, aber erst durch Software-Updates ihr Potenzial entfalten könnte. Ob Apple dieses Update liefern wird, ist zum Testzeitpunkt offen. Die Taste ist vorhanden, die Nutzererfahrung ausbaufähig.

Das erinnert strukturell an den Übergang zum USB-C-Anschluss im Vorjahr. Beim iPhone 15 erscheint: Apple wechselt auf USB-C war die neue Buchse physisch vorhanden, aber die vollen Transferraten nur im Pro-Modell verfügbar — auch damals eine Hardware-Entscheidung mit Asterisk. Die Camera Control folgt einem ähnlichen Muster: Feature im Gerät, Software holt nach.

Apple Intelligence: Die große Unbekannte im Test

Kaum ein Thema beherrscht die aktuelle iPhone-Berichterstattung so stark wie Apple Intelligence: KI-Features für iPhone angekündigt. Apple hat die eigene KI-Plattform zum zentralen Verkaufsargument für das iPhone 16 gemacht — doch zum Zeitpunkt von MKBHDs Test war Apple Intelligence in der Review-Version von iOS 18 noch nicht verfügbar. Er macht daraus keinen Vorwurf, sondern einen sachlichen Hinweis: Wer das Gerät wegen der KI-Funktionen kauft, kauft de facto ein Versprechen auf spätere Software-Updates.

Das ist aus journalistischer Sicht relevant. Laut Gartner-Prognosen werden bis Ende dieses Jahrzehnts über 80 Prozent aller Smartphones KI-Features auf Systemebene besitzen. Apple ist damit kein Ausreißer, sondern Teil eines Branchentrends. Die Frage ist, ob die eigene KI-Plattform tatsächlich Nutzermehrwert schafft oder primär als Marketingargument dient. Erste Eindrücke aus dem US-amerikanischen Betatest deuten auf praktische Funktionen hin: smarte Schreibhilfe, verbesserte Siri-Kontextverarbeitung, Bildbearbeitungs-KI. Aber belastbare Langzeiterfahrungen fehlen zum jetzigen Zeitpunkt.

Für den deutschen und europäischen Markt verschärft sich das Problem: Apple Intelligence wird zunächst ausschließlich auf Englisch verfügbar sein. Laut Bitkom nutzen derzeit rund 62 Prozent der deutschen Internetnutzerinnen und -nutzer gelegentlich KI-Tools — aber auf Englisch ist das für die breite Masse keine massentaugliche Option. Wann eine deutschsprachige Version folgt, hat Apple nicht verbindlich kommuniziert.

A18 Pro: Leistung, die kaum jemand ausreizt

Der A18-Pro-Chip basiert auf einem 3-Nanometer-Fertigungsprozess von TSMC und ist nach aktuellen Benchmarks der leistungsfähigste Mobilchip auf dem Markt. MKBHD hält hier fest, was Technologiemedien selten klar aussprechen: Im Alltag macht dieser Leistungsvorsprung für die meisten Nutzerinnen und Nutzer keinen wahrnehmbaren Unterschied. Soziale Medien, Messaging, Navigation, Streaming — all das läuft auf drei Jahre alten iPhones ebenfalls reibungslos. Die Mehrleistung des A18 Pro entfaltet sich bei rechenintensiver Videoverarbeitung, bei computergrafischen Spieletiteln und eben bei KI-Aufgaben auf dem Gerät selbst (sogenannte „on-device AI").

Das ist keine Kritik an Apple, sondern eine Einordnung. Die Halbleitertechnik hat einen Punkt erreicht, an dem Alltagsperformance kein Kaufargument mehr ist. Laut IDC stagniert das globale Smartphone-Upgrade-Intervall: Nutzerinnen und Nutzer behalten ihre Geräte im Schnitt 3,6 Jahre, Tendenz steigend. Das bedeutet für Hersteller wie Apple, dass sie Gründe zum Wechsel schaffen müssen, die über reine Prozessorleistung hinausgehen — daher der Fokus auf Kamera, KI und neue Hardware-Buttons.

Vergleichstabelle: iPhone 16 Pro vs. Konkurrenz und Vorgänger

Merkmal iPhone 16 Pro iPhone 15 Pro Samsung Galaxy S24 Ultra Google Pixel 9 Pro
Chip A18 Pro (3 nm) A17 Pro (3 nm) Snapdragon 8 Gen 3 Google Tensor G4
Hauptkamera (MP) 48 MP 48 MP 200 MP 50 MP
Ultraweitwinkel (MP) 48 MP 12 MP 12 MP 48 MP
Displaygröße (Pro) 6,3 Zoll 6,1 Zoll 6,8 Zoll 6,3 Zoll
KI-Plattform Apple Intelligence Nicht vorhanden Galaxy AI Google AI / Gemini
USB-C-Standard USB 3.2 (bis 10 Gbit/s) USB 3.2 (bis 10 Gbit/s) USB 3.2 USB 3.2
Einstiegspreis (USA) ab 999 USD ab 999 USD ab 1.299 USD ab 999 USD
Speicher (Einstieg) 256 GB 128 GB 256 GB 128 GB

Was der Test über die Branche sagt

MKBHDs Bewertung ist symptomatisch für eine Entwicklung, die Marktforscher seit einigen Quartalen beschreiben. Statista-Daten zeigen, dass die globalen Smartphone-Auslieferungen nach dem Einbruch in den Jahren zuvor zwar wieder leicht wachsen, aber das Segment der Premium-Geräte über 800 USD einem gesättigten Markt gegenübersteht. Wer ein aktuelles Pro-Modell besitzt, hat wenig rationale Gründe für ein jährliches Upgrade — es sei denn, neue Features überzeugen auf der Ebene des Nutzungserlebnisses, nicht nur auf dem Datenblatt.

Apple versucht genau das mit dem iPhone 16 Pro: mehr Display (leicht größeres Format gegenüber dem Vorgänger), bessere Ultraweitkamera, neue KI-Funktionen und eine Hardware-Taste als potenzieller Workflow-Beschleuniger. MKBHD bewertet das als solides Update — aber keines, das einen Wechsel von einem funktionierenden Vorjahresmodell zwingend begründet. Für Einsteigerinnen und Einsteiger in die Pro-Linie oder Wechslerinnen und Wechsler von Android-Geräten sieht die Kalkulation anders aus.

Interessant wird der Langzeitvergleich: Wie entwickelt sich Apple Intelligence in der Praxis? Kommt das Kamera-Ökosystem tatsächlich auf das Niveau professioneller Mirrorless-Kameras für Video, wie Apple suggeriert? Und wie positioniert sich das aktuelle Modell, wenn die nächste Generation kommt — über die bereits erste Gerüchte kursieren, etwa im Zusammenhang mit dem iPhone 17 geleakt: Das ist Apples neuer Star?

Parallel dazu mehren sich Hinweise auf eine tiefgreifende Formveränderung des iPhone-Portfolios. Der Bereich Falt-iPhone: Was Apple für sein erstes Foldable plant zeigt, dass Apple über den klassischen Formfaktor hinausdenkt — ein Schritt, der das Kräfteverhältnis zwischen iPhone 16 Pro und zukünftigen Modellen neu definieren könnte.

Sicherheitsaspekte: Was beim Kauf oft übersehen wird

Ein Punkt, den MKBHD in seinem Review nur am Rande streift, verdient mehr Aufmerksamkeit: die Sicherheitsarchitektur des iPhones. Apple kommuniziert den Secure Enclave-Chip und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung als Verkaufsargumente — doch staatliche Akteure haben gezeigt, dass selbst iPhones angreifbar sind. Der Fall Operation Triangulation: Wenn Geheimdienste iPhones hacken illustriert, dass kein Betriebssystem vollständig immun gegen Zero-Day-Exploits ist. Das ist kein spezifisches Argument gegen das iPhone 16 Pro, aber ein relevanter Kontext für alle, die Sicherheit als primäres Kaufargument nutzen.

Wer auf günstigere KI-Smartphone-Optionen im Apple-Ökosystem hofft, findet im iPhone SE 4 im Test: Apples günstigstes KI-Smartphone überzeugt eine andere Perspektive: Ein Gerät, das denselben A-Chip-Unterbau erhält, aber zu deutlich niedrigerem Einstiegspreis — und damit die Frage aufwirft, ob das Pro-Modell für alle Zielgruppen die richtige Wahl ist.

Fazit: Ein Test als Spiegel der Smartphone-Gegenwart

MKBHDs iPhone-16-Pro-Review ist deshalb wertvoll, weil er sich weigert, Hochglanz-Marketing als Nachricht zu verpacken. Die Kamera-Verbesserungen sind real und messbar. Der Chip ist herausragend, aber für die meisten Anwendungsfälle überdimensioniert. Die Camera-Control-Taste ist ein Experiment mit offenem Ausgang. Und Apple Intelligence ist zum Testzeitpunkt kein vollständiges Produkt, sondern ein Versprechen.

Das ist keine vernichtende Kritik — es ist eine nüchterne Einordnung eines Geräts in einem Markt, der gerade lernt, dass Prozessorsprünge allein keine Kaufentscheidungen mehr auslösen. Die eigentliche Bewährungsprobe für das iPhone 16 Pro beginnt in den kommenden Monaten: wenn Apple Intelligence ausgerollt wird, wenn die Camera Control durch Software wächst oder stagniert, und wenn die ersten Käuferinnen und Käufer berichten, ob sich der Aufpreis gegenüber dem Vorjahresmodell im Alltag bemerkbar macht. (Quellen: IDC Smartphone Tracker, Gartner Hype Cycle for Emerging Technologies, Statista Global Smartphone Shipment Data, Bitkom Digitalisierungsindex)

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Markus Bauer
Technologie & Digitales

Markus Bauer verfolgt die Entwicklungen in Tech, KI und Digitalpolitik. Er analysiert, wie neue Technologien Gesellschaft und Wirtschaft verändern — von Datenschutz bis Plattformregulierung.

Quelle: Marques Brownlee (MKBHD), iPhone 16 Pro Review (YouTube, September 2024)
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