Russland beginnt Angriffskrieg gegen die Ukraine
</strong> Putins Armee überschreitet die Grenze — Europa erlebt größten militärischen Konflikt seit dem Zweiten Weltkrieg</p>
In den frühen Morgenstunden des 24. Februar 2022 überschreiten russische Panzerverbände die ukrainische Grenze an mehreren Punkten gleichzeitig. Um 5:40 Uhr Moskauer Zeit spricht Wladimir Putin von einer „militärischen Spezialoperation" — ein euphemistischer Begriff für das, was die Welt seither als das bezeichnet, was es ist: ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg, der größte bewaffnete Konflikt auf europäischem Boden seit 1945. Für die europäische Sicherheitsordnung, mühsam errichtet nach zwei Weltkriegen, ist es eine Zäsur ohne Präzedenz in der Nachkriegsgeschichte.
- Drei Fronten, ein Ziel
- Jahrzehnte auf dem Weg zu diesem Morgen
- Die Lage in Zahlen
- Reaktionen: Entsetzen, Entschlossenheit, Zögern
Drei Fronten, ein Ziel
Der Angriff folgt einer dreigliedrigen Stoßrichtung. Von Norden rollen russische Verbände über belarussisches Territorium direkt auf Kiew zu — das strategische Herzstück der Operation. Von Osten attackieren Einheiten aus dem Donbas, wo seit 2014 ein schwelender Konflikt tobte, der offiziell über 14.000 Menschenleben gefordert hatte. Von Süden stoßen Kräfte von der seit 2014 annektierten Krim vor. Das Institute for the Study of War (ISW) schätzte die initial eingesetzte russische Truppenstärke auf rund 190.000 Soldaten (Quelle: ISW, Washington D.C.).

Innerhalb von Stunden treffen Raketen und Marschflugkörper militärische Infrastruktur in der gesamten Ukraine: den Flughafen Hostomel bei Kiew, Kasernen in Charkiw, Energieanlagen im Westen des Landes. Explosionen erschüttern Kiew noch vor Sonnenaufgang. Die Ukraine aktiviert sofort das Kriegsrecht.
Jahrzehnte auf dem Weg zu diesem Morgen
Der 24. Februar ist kein Beginn aus dem Nichts. Er ist der vorläufige Endpunkt einer Entwicklung, die mit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 einsetzte. Die Ukraine, flächenmäßig größtes Land Europas nach Russland, bewegt sich seit der Orangenen Revolution 2004 und vor allem seit den Euromaidan-Protesten 2013/14 konsequent Richtung Westen — hin zur Europäischen Union, hin zur NATO. Für den Kreml ist das keine politische Neuigkeit, sondern eine existenzielle Bedrohung.
Putin reagierte erstmals militärisch im Frühjahr 2014: Die Annexion der Krim, völkerrechtlich weltweit verurteilt, und die gezielte Destabilisierung des Donbas durch Separatisten, die Moskau mit Waffen, Geld und „freiwilligen" Kämpfern versorgte. Die Minsker Abkommen von 2014 und 2015 sollten den Konflikt einfrieren — sie verschoben ihn nur. Am 21. Februar 2022, drei Tage vor dem Großangriff, erkannte Moskau die selbsternannten „Volksrepubliken" Luhansk und Donezk als unabhängige Staaten an — ein Schritt ohne jede Grundlage im Völkerrecht.
Die Lage in Zahlen
| Parameter | Angaben zum Angriffszeitpunkt | Quelle |
|---|---|---|
| Eingesetzte russische Soldaten (Schätzung) | ca. 190.000 | ISW |
| Angriffsrichtungen | 3 (Nord, Ost, Süd) | ukrainischer Generalstab |
| Tote im Donbas-Konflikt 2014–2022 | über 14.000 | UN OHCHR |
| Vertriebene innerhalb der Ukraine (erste Woche) | über 500.000 | UNHCR |
| Geflüchtete ins Ausland (erste vier Wochen) | über 4 Millionen | UNHCR |
| Länge der ukrainisch-russischen Grenze | ca. 2.300 km | Auswärtiges Amt |
Reaktionen: Entsetzen, Entschlossenheit, Zögern
Wolodymyr Selenskyj, ukrainischer Präsident: „Wir lassen unsere Waffen nicht nieder. Wir verteidigen unser Land." — Videoansprache aus Kiew, 24. Februar 2022.
Olaf Scholz, Bundeskanzler: Verurteilt den Angriff als „eklatanten Bruch des Völkerrechts" und kündigt scharfe Sanktionen an. Wenige Tage später folgt die „Zeitenwende"-Rede im Bundestag — eine historische Neuausrichtung der deutschen Sicherheitspolitik mit 100 Milliarden Euro Sondervermögen für die Bundeswehr. Wie sehr dieser Kurswechsel die deutsche Innenpolitik seither prägt, zeigt die anhaltende Debatte über Rüstungsausgaben und Bündnisverpflichtungen.
Josep Borrell, EU-Außenbeauftragter: Kündigt das „härteste Sanktionspaket" in der Geschichte der EU an — darunter Einfrierung von Vermögen, Ausschluss russischer Banken aus dem SWIFT-System und Exportverbote für Dual-Use-Güter.
Jens Stoltenberg, NATO-Generalsekretär: Aktiviert erstmals in der Geschichte der Allianz Artikel-4-Konsultationen für alle östlichen Mitgliedstaaten; betont, NATO werde jeden Zentimeter des Bündnisgebiets verteidigen.
Xi Jinping, China: Keine Verurteilung. Peking enthält sich bei der UN-Vollversammlung — und pflegt seither eine „Partnerschaft ohne Grenzen" mit Moskau, die den Westen in seiner Chinapolitik vor grundsätzliche Fragen stellt.
Was dieser Krieg verändert
Die unmittelbaren militärischen Folgen des ersten Tages sind brutal — aber die langfristigen geopolitischen Erschütterungen reichen tiefer. Deutschland, jahrzehntelang auf „Wandel durch Handel" fixiert und stark von russischem Gas abhängig, muss seine gesamte Energiearchitektur neu denken. Wirtschaftsminister Habeck verteidigt seither im Bundestag einen überstürzten, aber alternativlosen Umbau der Energieversorgung — weg von russischem Pipeline-Gas, hin zu LNG-Terminals und beschleunigtem Ausbau erneuerbarer Energien.
Finnland und Schweden, jahrzehntelang militärisch neutral, beantragen innerhalb von Monaten die NATO-Mitgliedschaft. Die Ostflanke der Allianz wird massiv verstärkt. Und in Berlin, Paris wie Washington stellt sich eine Frage, die lange verdrängt wurde: Wie viel Entschlossenheit hatte der Westen wirklich, als es darauf ankam? Dass diese sicherheitspolitische Debatte die deutsche Öffentlichkeit bis heute beschäftigt, spiegeln aktuelle Umfragen zur Bundesregierung unmissverständlich wider.
„Es gibt keine friedliche Koexistenz mehr mit einem Russland, das seine Nachbarn mit Gewalt unterwirft. Das ist die Lehre des 24. Februar." — Sicherheitsforscher Carlo Masala, Universität der Bundeswehr München (Quelle: ZDF-Interview, März 2022)
Der Angriff auf die Ukraine ist nicht allein ein Krieg zweier Staaten. Er ist ein Angriff auf
















